33 Thesen zur Buße

33 Thesen zur wahren Buße

Um drohender und bedrohlicher Weitschweifigkeit vorzubeugen, formuliere ich in den nachfolgenden Zeilen einige markante Thesen, die uns alle mehr oder weniger stark betreffen. Eher mehr als weniger, aber das mag jeder für sich selbst beurteilen.

  1. Martin Luthers erste These beinhaltet die Schlussfolgerung aus dem Aufruf zur Buße, dass das Leben der Christen beständig von Buße geleitet sein soll. Das ist wahr und bedeutet, dass es unweise ist, sich unkritisch des jeweiligen Status Quo zu erfreuen. (vgl. 95 Thesen Luthers, These 1)
  2. Da Buße aber einen Sinneswandel meint, richtet sich der Aufruf zuallererst an unseren Verstand, der – erleuchtet vom Heiligen Geist (Eph 1:17-18) – beständig prüfen soll, was gut und wahr ist, und sich laufend erneuern lassen soll (Röm 12:1-2).
  3. Das Wort Gottes ist ewig, wahr, unfehlbar; aber auch abgeschlossen und unveränderbar (Ps 119). Man kann und darf es weder schmälern noch ergänzen
    (Offb 22:18-19).
  4. Wahre Buße sucht daher nicht nach Neuem (Apg 17:21), sondern nach dem ewig Alten und nie Veraltenden. Christen sollen die Pfade der Vorzeit suchen, um treu auf ihnen zu wandeln, ohne links und rechts davon abzuweichen (Jer 6:16).
  5. Kein geistliches Problem wird durch irgendein neues Buch gelöst, wenn es sich nicht in all seinen Diagnosen, Herleitungen und Ratschlägen völlig auf die Bibel begründet ist. Sekundärliteratur darf daher nur eine Rückführung zur Bibel sein, aber niemals ein Ersatz. Dasselbe gilt für jede Predigt. Die Bibel enthält alles, was nötig ist (2.Tim 3:15-17).
  6. Das Fleisch wird des Mannas jedoch mit der Zeit überdrüssig und sehnt sich nach Abwechslung (Num 11:4-6). Diese der Natur des Fleisches entsprechende Gesinnung ist der Tod (Röm 8:6). Ihm muss deshalb schonungslos in der Kraft des Geistes widerstanden werden (Röm 8:13).
  7. Anlass zu wahrer Buße ist Einsicht in eine wahre geistliche Not, nicht bloß das Spüren eines undefinierten Mangels, eines Frustes, einer Langeweile, einer Enttäuschung oder einer Neugierde. Diese Einsicht ist ohne das Wort Gottes nicht möglich (Offb 2-3).
  8. Das Wort Gottes kann persönlich gelesen oder prophetisch zu uns gesprochen werden, in der Lehre der Gemeinde oder im Privaten unter vier Augen. Das gesprochene Wort Gottes muss immer im Einklang mit dem geschriebenen Wort Gottes stehen und daran grundsätzlich immer gemessen werden, da in unserem Reden sich immer menschliches Meinen hineinmischen kann (1.Thess 5:20-21).
  9. Weil die Welt sich täglich ändert, wird auch unser Denken ständig mitgezogen. Darum ist ebenso tägliche Neuorientierung (Röm 12:1-2) am ganzen und unveränderlichen Ratschluss Gottes (Apg 20:27) notwendig.
  10. Es ist daher die wichtigste Aufgabe jeder Gemeindeleitung, diesen Ratschluss Gottes unverkürzt und nachdrücklich zu lehren (Apg 20:26-28), wissend, dass viele Christen in ihrer Buße säumig und vielleicht auch im Stillstand sind, sodass ihr Denken mehr von der Welt als von der Bibel geprägt ist, und sie lieber Weltliches hören (2.Tim 4:3).
  11. Gemeindeleiter, die dies vernachlässigen, haben das Blut derer an den Händen (Apg 20:26), welche aufgrund der vernachlässigten Lehre im Glauben Schiffbruch erlitten, oder aus Mangel an jedweder Frucht oder wegen Gesetzlosigkeit verworfen werden. Sie geben Gott Rechenschaft für jede ihnen anvertraute Seele (Heb 13:17) und werden daher strenger beurteilt werden (Jak 3:1-2).
  12. Treue Gemeindeleiter leiten die Gemeinde deshalb auch zur wahren Buße, indem sie die Herde, die sich ohne Hirten verstreut (Jes 53:6), immer wieder einsammelt und auf den Weg zurückbringt (Jak 5:19-20).
  13. Christen, die dem Aufruf zur wahren Buße folgen wollen, sollen sich auf ihre Hirten verlassen können. Wenn aber selbst kluge und treue Knechte zu faulen und unzuverlässigen Menschen werden, wird der Herr sie bei Seinem Kommen entzweischneiden (Mat 24:51).
  14. Treue und kluge Knechte verstehen, dass wahre Buße auch zur Absonderung von der Welt führen muss, weshalb sie die Gemeinde lehren, Unreines nicht anzurühren und sich von der Welt getrennt zu halten (2.Kor 6:14-18).
  15. Dazu müssen sie in der Lage sein, Rein und Unrein zu unterscheiden, zu benennen und in Kraft und Klarheit zu lehren (Lev 10:10-11). Dieser priesterliche Dienst ist nie aufgehoben worden, weil das Priestertum nie abgeschafft wurde – es erhielt lediglich eine neue Ordnung (Melchisedek) und folglich ein neues Gesetz (das Gesetz Christi).
  16. Wahre Buße führt zu Freude und Freiheit, wie Sünde zu Schmerz und Knechtschaft führt. Es ist also kein unannehmbares Joch, Buße zu tun und sich abzusondern (1.Joh 5:3) – wir streifen so das Joch der Sünde, der Welt und des Teufels ab, um das leichte und sanfte Joch Christi zu tragen (Mat 11:28-30).
  17. Wahre Buße ist nicht gesetzlich, aber sie führt von der Gesetzlosigkeit (Tit 2:14) in den Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes und Seines Gesalbten (Röm 1:1-5). Wer das gesetzlich nennt, lässt die Rebellion des Fleisches zu Wort kommen (Gal 5:17).
  18. Wahre Buße führt zur Anerkennung der Majestät Christi als alleinigen Gebieter (Jud 1:4), dem sich jedes Knie beugen muss, weshalb sie sich auch nicht scheuen, dies tatsächlich zu tun (Phil 2:11) – denn wahre Buße bleibt nicht beim Lippenbekenntnis stehen.
  19. Auf diese Weise wird Christen das Königreich Gottes erst begreiflich, welches sie zur obersten Priorität ihres Lebens erheben sollen (Mat 6:33), indem sie dem lebendigen Gott und Vater für alles irdisch Nötige vertrauen, während sie sich selbst von der Welt und ihrer Lust fernhalten (1.Joh 2:15-17), um bescheiden als Gäste, Fremde und Pilger in dieser Welt zu leben.
  20. Darum kann wahre Buße auch nicht von der Bereitschaft zur Selbstverleugnung und der Aufnahme des Kreuzes getrennt werden (Luk 9:23). Wessen Herz an einem materiell gesicherten Leben hängt, wird vor dem Nadelöhr überrascht Halt machen müssen (Mat 19:24).
  21. Wahre Buße bewirkt auch wieder die Überzeugung und den Mut für die absolute Wahrheit des Evangeliums einzustehen, wenn es sein soll mit dem eigenen Blut (Luk 9:26).
  22. Deshalb erkennt man wahre Buße auch daran, dass alle Menschenfurcht (Spr 29:25) schwindet, bei gleichzeitig demütiger Haltung vor Gott und Sanftmut (Mat 11:29).
  23. Hier blüht die Liebe, die sich der Wahrheit freut (1.Kor 13:6), während die Liebe durch Gesetzlosigkeit erkalten muss (Mat 24:12). Die „erste Liebe“ ist daher keine „sentimentale Liebe“, sondern drückt sich aus im Tun der ersten Werke (Offb 2:4-5).
  24. Wahre Buße anerkennt die Kraftlosigkeit des Fleisches aufgrund des Gesetzes der Sünde (Röm 7), ergreift aber den heiligen Geist wie eine Waffe, um dieses Gesetz zu überwinden und nach Gottes Wort und Willen zu handeln (Röm 8).
  25. Wahre Buße strebt zuerst und zuvörderst diesen Aspekt der Leitung des Geistes an, wo durch den Geist die Begierden des Fleisches aktiv und beständig getötet werden (Röm 8:12-14).
  26. Dieses Leben im Gehorsam und Dienst ist die Basis, auf welcher der Geist nach Seinem Willen besondere Führung bietet (vgl. Apg 13:2) – denn wer im Kleinen treu ist, dem wird Größeres anvertraut (Luk 16:10-12). Solche Führung aber liegt einzig in der Souveränität Gottes und kann nur erbeten werden, allerdings war dies in der Schrift nur vor schwerwiegenden Entscheidungen üblich und nicht für Alltagsfragen (vgl. Apg 1:21-26). Auch hier gilt: Für das tägliche Leben genügt das Wort.
  27. Wahre Buße anerkennt die Eigenverantwortung im Handeln und scheut sich nicht vor Aufforderungen „sich selbst zu reinigen“ (1.Joh 3:3), als sei dies von vornherein unmöglich. Im Wort gegründete Christen schieben keine das Fleisch entschuldigende Theologie vor, um den persönlichen aktiven Gehorsam als den Menschen unmöglich abzutun.
  28. Wenn wir den Geist Gottes innewohnen haben, dann befähigt und ermöglicht der Geist unseren Gehorsam, ohne uns selbst vom Gehorsam zu entbinden (Phil 2:12-14). Es ist daher falsch, einzuwenden, wir handelten aus unserem Fleisch heraus, wenn wir einem schlichten Aufruf, etwas zu tun, ebenso schlicht folgen. Der Geist Gottes lässt sich von uns nicht trennen.
  29. Es ist lediglich möglich, den Geist Gottes zu betrüben (Eph 4:30) und auszulöschen (1.Thess 5:19). Das geschieht, wenn man Weissagung verachtet und sich für die Sünde entscheidet – hier wird Gottes Geist mit dem Willen zur Seite geschoben. Wer das zu einem Lebensstil macht, schmäht die Gnade Gottes und verwirft den Sohn Gottes ohne Möglichkeit zur Buße (Heb 10:26-27).
  30. Aber es ist nicht möglich zu begründen, dass wenn jemand Gott gehorchen will, der Geist Gottes erst bewusst herbeigerufen werden muss, da sogar Nicht-Wiedergeborene Menschen, die Gott liebten, von Gott aufgrund ihrer Werke das Zeugnis erhielten, Gerechte zu sein (Apg 10:34-35). Der Mensch ist von sich aus nicht völlig unfähig zum Guten, aber zu kraftlos, um dem Rechtsanspruch des Gesetzes zu genügen. Das ist ein wesentlicher Unterschied.
  31. So wie Adam den Geist des Lebens erhielt und dadurch zu atmen begann (Gen 2:7), ohne dass er sich bei jedem Atemzug dessen vergewissern musste, ist das Leben in der Kraft des Heiligen Geistes, ein Leben, das natürlich der neuen Natur entsprechend erfolgt und nicht jedes Mal krampfhaft erst bewusst gemacht werden muss, wenn wir ein Gebot Gottes vor uns sehen.
  32. Darum führt wahre Buße auf Basis der Schrift zu einem entkrampften Umgang mit den Themen Heiligung und Gehorsam, weil Gott alles (2.Kor 5:17) in uns dafür ein für allemal getan hat (Heb 10:14), wodurch wir Teilhaber Seiner Natur geworden sind (2.Petr 1:3-4). Das voraussetzend können wir nun allen Fleiß aufwenden (2.Petr 1:5), und die Heiligung vollenden in der Furcht Gottes (2.Kor 7:1), ohne Murren und Zweifel (Phil 2:14).
  33. Erst durch diese Form der wahren Buße, welche durch Prüfen und Erneuern unseres Denkens anhand des Wortes Gottes zu Gehorsam und Absonderung von der Welt führt, erweisen wir uns mehr und mehr als Freunde des Herrn Jesus (Joh 15:14). In und aufgrund dieses Gehorsams wird uns die Liebe des Vaters und Seines Sohnes mehr und mehr zuteil (Joh 14:21). Mehr und mehr, weil diese wahre Buße ein tägliches Streben und Wachsen bedeutet und in diesem Leben niemals abgeschlossen sein wird.

Irgendwo muss man abschließen, damit es nicht zu weitschweifig wird, denn unsere Lebenszeit hindurch wird uns dieses Thema nicht verlassen, es sei denn, wir verlassen den Herrn Jesus Christus. Viel gäbe es zu sagen – wem mehr dazu einfällt, der möge auch dies beherzigen. Gott sei die Ehre in Ewigkeit. Amen.

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