Das geistliche Leben

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Als Christen wollen wir einander ermutigen und unterstützen, ein geistliches Leben zu führen. Das geistliche Leben des Einzelnen ist eine persönliche Beziehung zum himmlischen Vater durch den Herrn Jesus Christus im Heiligen Geist, das jeder für sich pflegen muss; und jeder auf seine eigene Weise. Darum gibt es dafür keine fixen Vorgaben, sondern lediglich Empfehlungen und die biblischen Prinzipien. Es darf nie darum gehen, einander darin zu kontrollieren oder zu bevormunden; wohl aber wollen wir einander dabei anspornen und Hilfe bieten.

 

Leben mit dem Wort Gottes

„Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen auf deinem Herzen sein. Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest, und wenn du auf dem Wege gehst, und wenn du dich niederlegst, und wenn du aufstehst.“ (5.Mose 6:6-7)

„Nur sei sehr stark und mutig, daß du darauf achtest, zu tun nach dem ganzen Gesetz, welches mein Knecht Mose dir geboten hat. Weiche nicht davon ab zur Rechten noch zur Linken, auf daß es dir gelinge überall, wohin du gehst. Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Munde weichen, und du sollst darüber sinnen Tag und Nacht, auf daß du darauf achtest, zu tun nach allem, was darin geschrieben ist; denn alsdann wirst du auf deinem Wege Erfolg haben, und alsdann wird es dir gelingen.“ (Jos 1:7-8)

„Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln? Indem er sich bewahrt nach deinem Worte.“ (Ps 119:9)

„Ihr irret, indem ihr die Schriften nicht kennet, noch die Kraft Gottes.“ (Mat 22:29)

„Laßt das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehret und ermahnet mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade.“ (Kol 3:16)

„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt.“ (2.Tim 3:16-17)

Das Wort Gottes soll unseren Alltag durchdringen (5. Mose 6:6-7), unsere Gedanken erfüllen (Jos 1:7-8), unser Leben rein und heilig halten (Ps 119:9), uns vor Irrtum bewahren und die Kraft Gottes vor Augen halten (Mat 22:29), uns vervollkommnen, zurechtweisen, lehren und zu jedem guten Werk bereit machen (2.Tim 3:16-17).

Nur wenn das Wort Gottes in dieser Weise im Leben der einzelnen Geschwister zur Geltung kommt, wohnt es auch reichlich in der Gemeinde, sodass wir einander anhand des Wortes auch ermuntern, ermahnen, aufhelfen, trösten und warnen können (Kol 3:16-17).

Es gibt keine Regel, wie oft und wieviel man in der Bibel lesen soll, außer dem Grundsatz: „oft“ und „viel“. Es sollte kein Tag vergehen, an dem nicht in der Bibel gelesen, über das Wort Gottes nachgedacht und im Familienkreis darüber geredet wird. Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über – das wird auch die Versammlung der Gemeinde positiv prägen.

Es wird aber immer wieder solche Tage geben, an denen wir vor lauter Beschäftigtsein „das gute Teil“ vernachlässigen (Luk 10:38-42). Deshalb ist es gut, am Beginn der Versammlung der Gemeinde in Stille darüber nachzudenken, wie mein Leben mit dem Wort Gottes in der letzten Woche verlaufen ist und sich vom gemeinsamen Betrachten des Wortes neu anspornen zu lassen.

 

Das Gebet

„Sei mir gnädig, Herr! Denn zu dir rufe ich den ganzen Tag. Erfreue die Seele deines Knechtes! Denn zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele.“ (Ps 86:3-4)

„Zu dir, Jahwe, habe ich jeden Tag gerufen, zu dir habe ich meine Hände ausgebreitet.“ (Ps 88:9)

„Dreimal des Tages kniete er auf seine Knie und betete und lobpries vor seinem Gott, wie er vordem getan hatte.“ (Dan 6:10)

„Und es geschah, als er an einem gewissen Orte war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.“ (Luk 11:1 – gefolgt vom „Vater Unser“)

„Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten.“ (Apg 2:42)

„Und als er dies gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen.“ (Apg 20:36)

„Freuet euch allezeit; betet unablässig; danksaget in allem, denn dieses ist der Wille Gottes in Christo Jesu gegen euch.“ (1.Thess 5:16-18)

Wenn schon jede Speise durch das Wort Gottes und Gebet geheiligt wird (1.Tim 4:5), wieviel mehr wir? Gebet ist ein wesentlicher Schlüssel zur Freude (Ps 86:3-4), wir erheben unsere Seelen und Herzen zu Gott, gemeinsam mit unseren Händen (Ps 88:98, Klgl 3:41). Es ist Gottes Angebot an uns, Ihn in unserer Not anzurufen, damit Er uns hilft (Ps 50:15).

Beten will gelernt sein (Luk 11:1), sowie es Kindern beigebracht werden muss, „bitte“ und „danke“ zu sagen. Wir werden nichts empfangen, wenn wir nicht bitten (Jak 4:2). Das Gebet eines Gerechten vermag viel (Jak 5:16), aber das Gebet eines Gesetzlosen ist Gott ein Gräuel (Spr 15:8). Gebet ist daher kein „Zauberspruch“, sondern ein Ausdruck unserer Beziehung zum Herrn.

Wir lernen Gebet durch die Beispiele der Heiligen Schrift, in der Gemeinde und in der Familie. Wir lernen es, indem wir es tun. Indem wir bei den schlichten Worten des Herrn („Vater Unser“) beginnen, uns von den Worten der Psalmen leiten lassen; auch der Gebrauch bewährter Gebetbücher (z.Bsp. „Christenpflicht“) soll uns helfen, ein persönliches Gebetsleben zu entwickeln.

Wir können laut oder im Stillen beten. Wir sollen „ohne Unterlass“ beten (1.Thess 5:17), was in der Bibel praktisch bedeutete: mehrmals täglich (z.Bsp. drei Mal – Dan 6:10). Gebet soll zu einer Gewohnheit werden, aber nicht zu einer gesetzlichen Last. Darum gibt es keine Vorschrift darüber wie oft und wieviel man beten soll, wohl aber Beispiele dafür, wie andere Diener Gottes beteten. Deren Glauben sollen wir nachahmen (Heb 13:7).

Das Gebet soll durch äußere Dinge unterstützt werden, die unserer Konzentration und unserer inneren Haltung helfen. Dazu gibt uns die Bibel folgende Beispiele: Das Heben der Hände (1.Tim 2:8) und das Beugen der Knie (Apg 20:36). Das Einnehmen dieser Haltungen macht unser Beten nicht besser oder geistlicher, hilft uns aber stets zu fragen, ob unsere Hände heilig sind, ob wir frei von Zorn und Zweifel beten (1.Tim 2:8) bzw. ob wir unsere Herzen bei Gott haben (Klgl 3:41); das Beugen der Knie ist das Bekenntnis zur Königsherrschaft und Majestät des Herrn und hilft uns, Ihm angemessen zu begegnen (Phil 2:11). Männer beten mit unbedecktem und Frauen mit bedecktem Haupt, zumindest in der Versammlung (1.Kor 11:2-16).

Wir ermuntern einander zu einem regelmäßigen und wachsenden Gebetsleben, helfen einander in Glaubenszweifeln und beten mit- und füreinander. So wie das Lesen der Bibel letztlich im Ermessen und der Verantwortung des Einzelnen liegt, herrschen wir auch nicht über das Glaubensleben der Geschwister, wollen aber „Mitarbeiter zur Freude“ sein (2.Kor 1:24).

 

Die Bruderliebe

„Bittet um die Wohlfahrt Jerusalems! Es gehe wohl denen, die dich lieben! Wohlfahrt sei in deinen Festungswerken, sichere Ruhe in deinen Palästen! Um meiner Brüder und meiner Genossen willen will ich sagen: Wohlfahrt sei in dir! Um des Hauses Jahwes, unseres Gottes, willen will ich dein Bestes suchen.“ (Ps 122:6-9)

„Ein Stufenlied. Siehe, wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Wie das köstliche Öl auf dem Haupte, das herabfließt auf den Bart, auf den Bart Aarons, das herabfließt auf den Saum seiner Kleider; wie der Tau des Hermon, der herabfällt auf die Berge Zions; denn dort hat Jahwe den Segen verordnet, Leben bis in Ewigkeit.“ (Ps 133:1-3)

„Eisen wird scharf durch Eisen, und ein Mann schärft das Angesicht des anderen.“ (Spr 27:17)

„Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen.“ (Joh 13:14)

„Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet, auf daß, gleichwie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Joh 13:34-35)

„Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, daß etwas von seiner Habe sein eigen wäre, sondern es war ihnen alles gemein.“ (Apg 4:32)

Der Herr Jesus gab uns ein neues Gebot: Die Liebe zu den Glaubensgeschwistern. Diese hat Vorrang vor der Liebe zu Ungläubigen (Gal 6:10), aber auch Vorrang vor der Liebe zu den leiblichen Verwandten (Luk 8:21). Diese Liebe orientiert sich an der Liebe des Herrn zu uns, der Sein Leben für uns gegeben hat – darum sollen auch wir unser Leben füreinander geben (1.Joh 3:16). Das beginnt mit dem Teilen der irdischen Güter, je nachdem einer bedürftig ist (1.Joh 3:17).

In der Ordnung der Fußwaschung (Joh 13:14) bekennen wir einander diese Liebe Christi. Ohne diese Liebe sind wir nicht als Seine Jünger erkennbar (Joh 13:35), ohne diese Liebe hat Gottes Haus keinen Bestand. Die Gemeinde zu lieben, heißt die Brüder zu lieben (Ps 122:6-9); hier ist der Ort des Segens und die Verheißung ewigen Lebens (Ps 133).

Die Liebe beinhaltet auch die brüderliche Ermahnung, damit wir wie Eisen geschärft werden (Spr 27:17), das aufeinander Achthaben, um gemeinsam das Ziel zu erreichen (Heb 3:12-14). Wir weinen zusammen und lachen zusammen (Röm 12:15). Wir freuen uns aneinander und begrüßen einander herzlich (1.Petr 5:14). Wir betrachten uns nicht nur als Brüder sondern auch als Freunde (3.Joh 1:14).

Darum nehmen wir Anteil aneinander, sind bereit, einander zu dienen ohne einander auszunützen – eine Balance zwischen Geben und Nehmen soll angestrebt werden (Phil 4:15). Die Liebe ist frei und kann nicht eingefordert werden; es gibt keinen Zwang in der Liebe. Die Liebe vertraut den Geschwistern, glaubt alles und hofft alles, bläht sich nicht auf und sucht nicht das ihre (vgl. 1.Kor 13).

Zu Beginn jeder Versammlung sollte sich jeder im Stillen prüfen (vgl 1.Kor 11:28), ob und auf welche Weise er den Geschwistern in der letzten Woche Liebe erwiesen hat. Wer im Unfrieden mit Geschwistern ist, soll sich ehebaldigst versöhnen, damit unsere Anbetung rein ist (Mat 5:23-24). Die Sonne soll nicht über unserem Zorn untergehen, damit der Teufel keinen Raum unter uns bekommt (Eph 4:26-27).

Die Bruderliebe ist angefochten. Wir sind verschiedene Menschen mit verschiedenen Erwartungen, Bedürfnissen, Charakteren, Stärken, Schwächen, Hintergründen, Verletzungen, Erfahrungen und Vorurteilen, die wir erst schrittweise in Christus ablegen oder heiligen. Auf unserem Weg zu vollen Mannesreife (Eph 4:13) brauchen wir Langmut und Geduld miteinander (Eph 4:1). Die Selbstauferbauung der Gemeinde erfolgt durch gegenseitigen Dienst in Liebe (Eph 4:16). Ohne die Liebe hat nichts irgendeinen Wert vor Gott (vgl. 1.Kor 13).

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