Das größte Gebot – Gott aus eigener Kraft dienen?

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Mat 22:36-40 Lehrer, welches ist das große Gebot in dem Gesetz? Er aber sprach zu ihm: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstande“. Dieses ist das große und erste Gebot. Das zweite aber, ihm gleiche, ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Der Herr beantwortet dem Schriftgelehrten eine Frage, welche Schriftgelehrte selbst ähnlich beantworteten, wenn sie verstanden worum es Gott ging (Luk 10:27). Dieses erste und größte Gebot galt im Alten Bund, und es wird vom Herrn als gültig bestätigt.

Interessant ist, dass es bereits unter den menschlichen Voraussetzungen des Alten Bundes galt, das heißt, bevor der Heilige Geist jedem Gläubigen geschenkt wurde. Was steht hier? „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstande – (und in Luk 10:27 „mit deiner ganzen Kraft“).

Wenn Gott uns also aufruft, Ihm mit unserer ganzen Kraft zu dienen, wie sagen dann so viele, wir sollten Gott nicht aus unserer Kraft dienen? Steht so etwas überhaupt irgendwo in der Bibel, dass wir Gott nicht aus eigener Kraft dienen sollen?

Eph 6:10 Übrigens, Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.

1.Petr 4:11 Wenn jemand redet, so rede er als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, so sei es als aus der Kraft, die Gott darreicht, auf daß in allem Gott verherrlicht werde durch Jesum Christum, welchem die Herrlichkeit ist und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Für sich genommen lesen sich solche Texte wie ein Widerspruch zum größten Gebot. Im Kontext geht es aber (Eph 6) um einen geistlichen Kampf, welcher uns menschlich weit überfordern würde, bzw. um den Dienst gemäß der Gaben, die der Heilige Geist uns gegeben hat (1.Petr 4:10).

Abgesehen davon, dass es zu weit geht, aus diesen Texten zu schließen, es sei verboten oder fleischlich, Gott aus „eigener“ Kraft zu dienen, müssen wir uns aber fragen, worauf es hinausläuft, wenn wir dieses Gebot als überholt betrachten und Punkt für Punkt verneinen:

Nicht mit deinem ganzen Herzen

Oh, das ließe sich wunderbar begründen mit der Aussage, dass das menschliche Herz böse von Jugend an ist – mit so etwas Bösem könne man Gott doch unmöglich dienen! Warum aber gab Gott dann dieses Gebot? Hat der Herzenskenner gerade darauf vergessen? Oder müssen wir das Urteil über das Herz des Menschen in einem größeren Kontext sehen?

Nicht mit deiner Seele

Oh, da lassen sich trefflich Stellen über den „seelischen Menschen“ zitieren, welcher dem „geistigen“ doch so unterlegen ist. Wollen wir Gott tatsächlich mit so etwas Beflecktem dienen? Aber offenbar hat Gott auch das übersehen, als Er das Gebot gab. Oder ist die negative Auslegung der Seele vielleicht – im Gesamtzusammenhang gesehen – doch etwas überzogen?

Nicht mit deinem Verstand

Oh, da können wir gezielt darauf hinweisen, dass unser Verstand ja verfinstert ist – was sollten wir damit schon erkennen können? Wir würden uns ja nur verirren! Aber offenbar hat Gott auch das nicht bedacht, als Er das Gebot gab – oder aber wir missverstehen da etwas.

Nicht mit deiner Kraft

Oh, wie wichtig ist es da, an die Schwachheit des Fleisches zu erinnern. So schwach wie wir sind, können wir Gott ja gar nicht dienen. Ich fürchte, Gott hat hier etwas Entscheidendes übersehen – oder wir haben Entscheidendes missverstanden.

 

Wenn wir so denken, so sagen wir aus, dass der Mensch völlig unfähig ist, Gott zu erkennen, Gott zu lieben und Gott zu dienen. Diese völlige Verdorbenheit sehe ich in der Heiligen Schrift jedoch nicht, denn erstaunlich vielen wird von Gott bereits im Alten Testament das Zeugnis ausgestellt, gerecht, untadelig und sogar vollkommen zu sein.

So sehr es stimmt, dass durch den Heiligen Geist das Mangelhafte überwunden wird, so sehr bleibt doch das Gebot in der Formulierung:

 

Mit deinem ganzen Herzen

Apg 15:8-9 Und Gott, der Herzenskenner, gab ihnen Zeugnis, indem er ihnen den Heiligen Geist gab, gleichwie auch uns; und er machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, indem er durch den Glauben ihre Herzen reinigte

Röm 6:17 Gott aber sei Dank, daß ihr Sklaven der Sünde waret, aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Bilde der Lehre, welchem ihr übergeben worden seid!

Heb 10:22 so laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewißheit des Glaubens, die Herzen besprengt und also gereinigt vom bösen Gewissen, und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.

Mit deiner ganzen Seele

Apg 4:32 Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, daß etwas von seiner Habe sein eigen wäre, sondern es war ihnen alles gemein.

Phil 1:27 Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, auf daß, sei es daß ich komme und euch sehe, oder abwesend bin, ich von euch höre, daß ihr feststehet in einem Geiste, indem ihr mit einer Seele mitkämpfet mit dem Glauben des Evangeliums,

1.Thess 5:23 Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde tadellos bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.

1.Petr 1:22 Da ihr eure Seelen gereinigt habt durch den Gehorsam gegen die Wahrheit zur ungeheuchelten Bruderliebe, so liebet einander mit Inbrunst aus reinem Herzen,

Mit deinem ganzem Verstand

Eph 1:18 erleuchtet an den Augen eures Herzens (T.R. Verstandes), wisset, welches die Hoffnung seiner Berufung ist, [und] welches der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen,

1.Kor 14:15 Was ist es nun? Ich will beten mit dem Geiste, aber ich will auch beten mit dem Verstande; ich will lobsingen mit dem Geiste, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstande.

1.Kor 10:15 Ich rede als zu Verständigen; beurteilet ihr, was ich sage.

1.Kor 14:20 Brüder, werdet nicht Kinder am Verstande, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstande aber werdet Erwachsene.

Mit deiner ganzen Kraft

2.Petr 1:10 Darum, Brüder, befleißiget euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen; denn wenn ihr diese Dinge tut, so werdet ihr niemals straucheln.

2.Petr 3:14 Deshalb, Geliebte, da ihr dies erwartet, so befleißiget euch, ohne Flecken und tadellos von ihm erfunden zu werden in Frieden.

2.Tim 2:15 Befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt.

Kol 1:9-11 Deshalb hören auch wir nicht auf, von dem Tage an, da wir es gehört haben, für euch zu beten und zu bitten, auf daß ihr erfüllt sein möget mit der Erkenntnis seines Willens in aller Weisheit und geistlichem Verständnis, um würdig des Herrn zu wandeln zu allem Wohlgefallen, in jedem guten Werke fruchtbringend, und wachsend durch die Erkenntnis Gottes, gekräftigt mit aller Kraft nach der Macht seiner Herrlichkeit, zu allem Ausharren und aller Langmut mit Freuden.

 

Durch die Neue Geburt hat Gott uns nicht ausgetauscht. Einzelaussagen, welche in starker Sprache vom Tod des alten Menschen reden, dürfen nicht dahingehend überbewertet werden, als sei (a) das Alte tatsächlich verschwunden und (b) als sei das Alte völlig wertlos. Vielmehr werden wir durch den Heiligen Geist in die Lage versetzt, das in unseren Gliedern vorhandene Gesetz der Sünde zu überwinden, um Gott im Sinne des größten Gebotes mit allem, was wir sind, zu dienen.

  • Das Herz, mit dem wir Gott dienen, ist unser Herz – gereinigt durch den Geist.
  • Die Seele, mit der wir Gott dienen, ist unsere Seele, denn das ändert sich nicht, außer dass auch unsere Seele geheiligt wird.
  • Unser Verstand bleibt unser Verstand, denn wir werden durch den heiligen Geist nicht alle plötzlich zu Nobelpreisträgern.
  • Auch unsere körperliche Kraft bleibt dieselbe, abgesehen von Alter und Gesundheit – sie wird nur in richtiger Weise eingesetzt, wenn unser Körper geheiligt wird.

Wenn also gesagt wird, wir sollten Gott nicht aus eigener Kraft dienen, so ist das in hohem Maß missverständlich und radikal unpraktisch, wenn es darauf hinauslaufen sollte, bei allen Entscheidungen zum Handeln erst auf einen klaren Impuls des Geistes Gottes zu warten, der uns in Bewegung setzt, anstatt Gott auf Sein Wort hin zu glauben und zu gehorchen.

Meine Kraft, mein Verstand, mein Herz und meine Seele sind nicht deine Kraft, dein Verstand, dein Herz und deine Seele

Wichtig ist, dass Gott nichts anderes von uns erwartet, als das, was in uns ist – und zwar gemäß unserer natürlichen Beschaffenheit und gemäß dem Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist zwar derselbe in uns, aber unsere natürliche Beschaffenheit nicht.

  • Der heilige Geist macht uns nicht körperlich stärker.
  • Der Heilige Geist macht uns nicht alle zu Nobelpreisträgern.
  • Der Heilige Geist macht uns nicht alle in derselben Weise herzlicher.

Wir können und dürfen uns daher nicht aneinander messen. DIe Unterschiedlichkeit in unseren Fähigkeiten sind gewollt und gut.

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