Die Gründe der Kindertäufer und unsere Antwort

Der erste Grund

Die Kindertäufer, ihre Torheit zu verteidigen, werfen als erstes den Befehl Christi vor, Matth.28: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Überall sagen sie, es sei befohlen alle Völker, darum solle man die Kinder taufen wenn man möge (oder könne) und danach auch lehren, wenn man möge; sie bekennen doch daneben, dass die Apostel die Gläubigen getauft haben, und dass dies noch zu tun sei, wo Juden oder Heiden des Glaubens begehren, dass man sie zuerst belehren und erst dann auf ihr Bekenntnis des Glauben taufen soll.

Antwort:

Weil man denn die Völker zuerst belehren (und wie sie selbst oben gesagt haben) und auf ihnen bekannten Glauben taufen soll, und die Kinder auch Völker sind, so muss man sie nach ihren eigenen Worten zuerst lehren und danach auf ihren bekannten Glauben taufen. Warum taufen sie denn ohne vorgehender Lehre und bekannten Glauben? Das sie aber die Worte vorwenden: Wir taufen die Kinder, wenn wir mögen und lehren sie auch danach, wenn wir mögen, ist nicht nach dem Wort der Schrift, denn einmal müssen sie zugeben, dass die Apostel die Alten gelehrt und nach dieser Belehrung auf den von ihnen bekannten Glauben getauft haben. Apg.2; 8; 10; 16 und 19, und dass es noch also und nicht anders gehalten werden soll; welche Ordnung die Apostel aus den Worten Christi: Lehret alle Völker und taufet sie, genommen haben. So nun die Kinder in dem Wort Völker begriffen sind, so muss man auch mit ihnen die Ordnung halten, mit einem unter den Völkern sowohl als mit den anderen; oder sie müssen uns einen anderen Befehl der Kinder halben anzeigen.

Der zweite Grund der Kindertäufer

Nun sagen sie, so man denn die Kinder nicht taufen soll, darum, das sie nicht glauben und bekennen können, oder darum, das man sie nicht lehren möge, so würde auch folgen, dass man ihnen nichts zu essen geben müsste, weil sie nicht arbeiten, denn Paulus sagt, wer nicht arbeite, der solle auch nicht essen, 2.Thess.3, also müsse man die Kinder Hungers sterben lassen.

Antwort:

Also wird hier wie an anderen Stellen, die Schrift falsch gebraucht, denn hier sagt Paulus nicht: Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht; sondern: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen; darum er gar nicht von den Kindlein, die die es nicht können noch vermögen, sondern von denen, die es können und vermögen, aber nicht tun wollen, redet. Darum passt dieser Vers überhaupt nicht hierher und tun nichts anderes wie Jannes und Jambres, welche die Wahrheit verdrehten und mit erdichteten Worten dies unterdrücken wollten.

Der dritte Grund der Kindertäufer

Sie halten uns auch die Worte des Petrus vor, mit welchen er spricht: Euch und eure Kinder ist diese Verheißung und denen, die noch ferne sind, welche GOTT, der HERR, herzuführen wird. Überall sagen sie, sei den Kindern die Taufe verheißen, darum solle man sie einfach taufen und ihnen die Taufe nicht verwehren.

Antwort:

Sie wollen hier aber nicht sehen, dass das Volk nicht durch die Taufe, sondern durch die Predigt der Jünger, die sie aus dem Trieb und Anregen des Heiligen Geistes unter- einander hatten, bewegt, zusammen kamen und sich verwunderten, was das neues werden wollte. Da aber etliche ihrer spotteten und ihre Reden als durch Wein verursacht hielten, stand Petrus auf und sprach: Diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet, weil erst die dritte Stunde am Tage ist; sondern das ist es, das GOTT zuvor verheißen hat durch den Propheten: Ich will ausgießen meinen Geist auf alles Fleisch und eure Jünglinge werden weissagen, Joel2. Weil sie nun bezeugten, dass ihnen solche Verheißung und Gabe von GOTT durch Christum gegeben und widerfahren war, dadurch sie jetzt redeten, da ward das Volk eifrig und begierig auch solche Gabe (denen sie aber nicht verheißen war) zu empfangen, Röm.9, und wurden aus Eifer für diese bewegt zu fragen, dass sie es auch erlangen möchten; da tut der Petrus seinen Mund auf und spricht: Tut Buße und lasse sich ein jeder taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes; denn euch und eurer Kinder ist solches verheißen. wer hier sehen will, mag wohl erkennen, von welcher Verheißung hier Petrus redet und auch warum das Volk hier eifert. Denn es ist unwidersprechlich, dass er hier von der Ausgießung des Heiligen Geistes, die zuvor verheißen, aber ihnen durch Christum gegeben war, redet, dadurch das Volk beweget fragt, was sie tun sollten, dass sie auch solche verheißene Gabe empfingen, Joel2; Joh.14. Da gibt er dem fragenden Volk Bericht, was sie tun sollten, nämlich Buße, und sich im bußfertigen Leben auf den Namen Christi taufen lassen , so werde ihnen die Sünden verziehen und der Heilige Geist gegeben werden; und das ist der rechte Sinn dieser Stelle, wer es anders nimmt, der betrügt und verführt sich selbst. Das er aber hie von Kindern sagt und spricht: Euch und euren Kindern ist es verheißen, damit will er sagen: dem ganzen Haus Israel; allen Samen Abrahams ist besonders diese Verheißung geschehen, 1.Mo.17; Apg.3, darum seid ihr des Testaments und der Verheißung Kinder, wie auch Paulus sagt Röm.9: Welcher ist die Kindschaft und die Herrlichkeit und das Testament und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißung, welcher auch sind die Väter, aus denen Christus herkommt. Wo er aber, wie sie sagen, von der Verheißung der Taufe (das aber mit keinem Wort mag bewiesen werden) geredet hätte, so hätte er auch billig zu ihnen gesagt: Darum bringet eure Kinder her und lasset sie taufen, das er aber gar nicht getan hat. Darum ist dieses Argument falsch und unrecht, denn von der Taufe sagt er nichts anderes, denn dass sie Buße tun und sich taufen lassen, dadurch sich einen neuen Leben zu begeben, so werden sie den Heiligen Geist empfangen, der es ihnen ausrichten wird, Apg.2.</p>

Der vierte Grund der Kindertäufer

Sie wenden auch vor, dass Christus sagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Himmelreich, und sagen, weil man sie zu Christus bringen soll, muss es durch die Taufe geschehen. Darum sagte Christus: Ihr sollt ihnen nicht wehren; wer nun die Kinder zu taufen wehre, der sündigt gegen dieses Wort.

Antwort:

Allhier gestehen wir gerne, dass Christus die Jünger beschalt, dass sie den Eltern wehrten, die Kinder zu ihm zu bringen; dass aber daraus folgen sollte, sie zu taufen, das gestehen wir nicht, denn wir sehen, dass es anders von Christo gemeint war, denn er taufte sie nicht, heißt es auch seine Jünger nicht tun; darum sie auch billig ungetauft bleiben, bis sie zur Erkenntnis kommen, Jer.31, wie das Testament die Erkenntnis Gottes fordert. Was tut er ihnen aber? Er wünsch ihnen Gutes, nimmt sie in die Arme und legt die Hände auf sie. Dabei wollen auch wir es bleiben lassen und nicht durch uns selbst etwas erdenken, Matth.19; Mark.10; Luk.18. Dann sagen sie, er habe doch die Hände auf sie gelegt, das doch auch ein Sakrament und Zeichen des Aufnehmens ist, darum möge man sie wohl taufen. Darauf sagen wir, wenn Christus die Kindlein mit dem Auflegen der Hände aufgenommen und uns ein Vorbild vorgeschrieben hätte, dass wir sie auch in die Gemeinde durch dieses Zeichen aufnehmen sollten, so ließe man es auch einfach bei dem, wie er es gezeigt hat, das ist beim Handauflegen, und finge nicht erst ein anderes (wie Taufe) nach unserm Gefallen an; denn wo hätte sein sollen, so hätte auch Christus dies zu ihm gebrachten Kindlein taufen heißen, das er aber keineswegs tat. Deshalb, wenn gleich das Argument richtig wäre, das sie sagen, Christus habe die Kindlein durch auflegen der Hände aufgenommen, darum sollen wir ihnen nicht wehren, sondern sie auch annehmen, so wäre doch das falsch, das sie sie taufen. Das aber Christus hier kein Zeichen des Annehmens in die Gemeinde gebraucht hatte, beweiset seine eigene Tat, das er der Taufe geschwiegen, da doch die Taufe das erste Zeichen ist, dadurch uns befohlen in die Gemeinde und Kirche Christi aufzunehmen, wie die Worte „lehret alle Völker und taufet sie,” beweisen, Matth.28. Das Handauflegen aber ist ein Zeichen des Bestätigens oder eines weiteren Befehls in der Gemeinde, Apg.8;19 und 13; 1.Tim.4 oder so ein Getaufter in der Gemeinde sündigt, also dass er darum von der Gemeinde gesondert wird, welcher so er Buße tut, wird er durch das Handauflegen in die Gemeinde aufgenommen und bestätigt. Darum ist aus der Handauflegung Christi auf die Kinder die Kindertaufe gar nicht zu beweisen. Vielmehr aber müssen wir sagen und bekennen, dass hier Christus an den Kindlein seine Freundlichkeit und Holdseligkeit bewiesen hat, wie auch das in die Arme nehmen und Küssen klar anzeiget; und das will uns auch hier der Evangelist beschreiben, und nichts anderes.

Der fünfte Grund der Kindertäufer

Sie wenden  auch vor das Wort zu Nikodemus, Joh.3: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde durch Wasser und Geist, kann er nicht in das Reich Gottes kommen und sagen, so die Kindlein nicht sollten getauft werden. Sie sagen daneben auch, es stehe doch hier das Wasser zuvor, danach erst der Geist, darum möge man die Kinder wohl taufen und danach erst Glauben lehren.

Antwort:

Hier muss man merken, mit wem und was Christus handelt, will man anders seinen Sinn fassen, Joh.3. Es kommt Nikodemus zum HERRN, um von ihm den Weg des Lebens zu fragen, den ihm der HERR als (dass er sich darob verwundert und entsetzte) zeiget, nämlich dass er müsste ein neuer Mensch, oder neugeboren werden, 2.Kor.5; Joh.1; 1.Petr.1; Jak.1, welche Neugeburt durch Wasser und Geist geschehen muss.  Er setzt nun zu einen Teil das Wasser zuvor, darum dass ihm die Wassertaufe des Johannes bekannt und offenbar war, welcher Johannes ein Vorbote Christi war, Jes.40; Mal.3. Zum anderen Teil, dass die Wassertaufe eine Tötung und Absterbung des alten Menschen, das ist aller sündigen Art ist, dass wir dem Tod Christi ähnlich oder gleichförmig werden, Röm.6; Phil.3; Matth.3, welches Absterben Nikodemus ohne Zweifel aus der Taufe Johannes wohl erlernet hatte, weil er die Buße predigte. Darum zeiget ihm aber Christus, dass es nicht genug mit dem Absterben des alten Menschen sei, sondern dass man auch wieder lebendig werden müsse, welches aber nicht geschehen kann ohne durch die Taufe oder Mitteilung des Heiligen Geistes.

Weil aber nichts lebendig gemacht wird, es sterbe denn, und die Gottlosen und Sünder den Geist Gottes nicht empfangen können, 1.Kor.15; Weish.1, so musste die Buß- oder Wassertaufe zuerst geschehen, auf dass sie mit dem Geist möchten getauft werden. Derhalben, wie Johannes ein Vorbote Christi war, also ist die Wassertaufe ein Vorbote der Geistestaufe, Jes.40; Matth.3; Mal.3; Apg.2; Mark.1; Luk.3; Matth.28; Mark.16; so wenig aber Johannes als Vorbote Christi ohne Lehre und Predigt kam, eben so wenig mag die Wassertaufe rechter Art ohne vorhergehende Predigt geschehen.

Der sechste Grund der Kindertäufer

Sie wenden auch vor aus Markus, und sprechen: Johannes war in der Wüste und taufte und predigte die Taufe der Besserung zur Vergebung der Sünden, und sagen, hier stehe doch die Taufe vor der Lehre und Predigt, darum liege nichts daran, wenn man gleich die Kinder vorher taufet, so man sie hernach den Glauben lehret.

Antwort:

Obgleich hier taufen von der Lehre gesetzt ist, folgt darum nicht, dass man vor geschehener Lehre taufen soll, auch nicht, dass es Johannes getan habe, dieweil sein Amt Lehren und Predigen war, wie er selbst sagt, Jes.40; Mal.3; Matth.3; Joh.1: Ich bin eine rufende Stimme. Deshalb will hier der Evangelist gar nicht sagen, dass Johannes vor geschehener Lehre jemand getauft habe, da er die Taufe zuvor und die Lehre danach setzt, sondern will sagen, dass er nach geschehener Taufe nicht aufgehört habe zu lehren, sondern sie für und für weiter geführt und dem HERRN den Weg zu bereiten berichtet habe, und das ist der rechte Sinn des Evangelisten, Mark.1; Matth.3.

Das es aber wahr und nicht also (wie oben gesagt) zu verstehen sei, beweisen die Worte des Markus an derselben Stelle, da er spricht: Johannes war in der Wüste, taufte und lehrte, daraus (so man den Buchstaben nach handeln wollte) folgen müsste, dass er in der Wüste getauft und gelehrt hätte, das er aber nicht getan hat, wie aus dem Worte des Evangelisten Lukas erkannt wird, da er spricht, Luk.3: Es geschah der Befehl Gottes in der Wüste zu Johannes, Zacharias Sohn, und er kann in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße. Allhier ist offenbar, dass man Markus nicht also verstehen muss, Luk.1, aber in der Wüste war er so lange, bis er hervortreten sollte vor die Kinder Israels. Zuletzt bringen sie auch die Beschneidung vor um ihre Kindertaufe zu rechtfertigen, die aber auf das härteste gegen sie streitet, so man die Wahrheit ansieht, von der wir danach sagen wollen. Also sind ihre trefflichsten Gründe fast alle gemeldet, daran aber wohl zu erkennen, dass nichts dahinter ist, und das sie allerdings nicht dahin reichen da sie hin haben wollen. Sie verkehren also Gottes Wort um ihres Genießens und Brauch (Tradition) willen, ihnen selbst zum Schaden. 2.Kor.2.

Weiter: Von der Taufe Christi und Seiner Kirche

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