Die Ordnung und der feste Glaube

Kol 2:5 Denn wenn ich auch dem Fleische nach abwesend bin, so bin ich doch im Geiste bei euch, mich freuend und sehend eure Ordnung und die Festigkeit eures Glaubens an Christum.

Dieser Vers drückt eine große Freude aus. Paulus stellt sich die Gemeinde, für die er betet, von der er leiblich getrennt ist, vor seinem geistigen Auge vor und sieht etwas, das ihn hoch erfreut: Die Ordnung und die Festigkeit des Glaubens der Gemeinde.

Beides ist also sichtbar. Beides hängt meines Erachtens aber auch zusammen, denn die Ordnung umfasst die Regeln und Abläufe des Gemeindelebens, welches notwendig ist, dass die einzelnen Christen in ihrem Glauben gefestigt werden. Die Festigkeit des Glaubens wiederum zeigt sich dann in den Werken des Gehorsams, der Heiligung, der Standhaftigkeit, der Frucht in geistlicher wie zahlenmäßiger Hinsicht, der Reinheit in der Lehre, dem Ausharren in Bedrängnis und Verfolgung, sowie über allem in der herzlichen und praktischen Bruderliebe und der Verherrlichung des Namens unseres Herrn Jesus Christus in all dem.

Es ist gut, all dies bewusst aufzuzählen und nicht als bekannt und selbstverständlich vorauszusetzen, um zu vermeiden, dass „glauben“ zu einer leeren Worthülse verkommt. Ich meine, jeder Christ sehnt sich nach solch einem festen und Freude bereitenden Glauben. Aber die wenigsten zeigen sich ebenso erwartungsvoll und begeistert, wenn es um die Ordnung geht. Aber so, wie Menschen, die in einem geordneten Umfeld aufwachsen, zu dem sie selbst auch etwas beitragen müssen (das beginnt beim Wegräumen des Geschirrs nach dem Essen), davon profitieren, indem es sie selbst zu verlässlichen, gefestigten, geborgenen, verantwortungsbewussten, respektvollen, mitdenkenden, aufrichtigen, höflichen und gemeinschaftlich denkenden Menschen macht, so verhält es sich auch mit den Ordnungen der Gemeinde und der Festigung des Glaubens.

Und wiederum hilft es auch hier, diesen Nutzen bewusst aufzuzählen. Ordnung, wird an dem Beispiel deutlich, ist Teil der Erziehung eines Menschen; einer Erziehung, die, wenn sie im Kindesalter nicht erfolgt ist, im Erwachsenenalter nur mit Mühe nachgeholt werden kann. Ich bin als Kind nur unzureichend zur Ordnung angehalten worden, was mir in meinem privaten und Familienleben bis heute nachhängt. Ich will dafür meinen Eltern keine Schuld geben, aber ich wurde in den 1970er Jahren erzogen, und die gesellschaftlichen Überzeugungen bezüglich der Erziehung von Kindern waren damals im Umbruch. Indem ich das erwähne, weise ich zugleich darauf hin, dass der Verlust an Ordnung ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist, welches vor den Gemeinden Gottes nicht Halt gemacht hat.

Zum offenbaren Verlust an Ordnung in den Gemeinden gehören unter anderem das mehr und mehr akzeptierte zu spät Kommen, die unangemessen weltliche Kleidung, eine saloppe und würdelose Körperhaltung, Nachlässigkeit im Umgang mit der Gemeindezucht und auch die Aufhebung der Schöpfungsordnung, indem immer öfter auch Frauen predigen und Älteste werden. Auch die Art und Weise, wie mit Kindern im Gottesdienst umgegangen wird, müsste im Licht der Ordnung überdacht werden, denn Stillsitzen kann und muss erlernt werden.

Nun sind das nur kurze Assoziationen und Beobachtungen. Ich will im Folgenden aber den Begriff der Ordnung entfalten und mich auch darauf beschränken:

Im NT kommt das Wort Ordnung (τάξις) zehn Mal vor. Relevant für das vorliegende Thema sind folgende:

1.Kor 14:40 Alles aber geschehe anständig und in Ordnung.

Mit diesem Vers schließt Paulus seine Ermahnungen über die Gemeindezusammenkünfte ab, die sich von Kap 11 bis Kap 14 erstrecken. Dazu später mehr.

Heb 7:17 Denn ihm wird bezeugt: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks“.

Es ist bemerkenswert, dass das Hohepriestertum des Herrn Jesus einer Ordnung folgt – damit ist Er uns ein Vorbild dafür, sich bestimmten Ordnungen auch zu beugen. Diese Ordnungen haben ihre Entsprechung zum Alten Bund:

Luk 1:8-9 Es geschah aber, als er in der Ordnung seiner Abteilung (der des Abijas) den priesterlichen Dienst vor Gott erfüllte, traf ihn, nach der Gewohnheit des Priestertums, das Los, in den Tempel des Herrn zu gehen, um zu räuchern.

Der Priesterdienst im Tempel folgte einer festgelegten Ordnung, die auf die Anfänge des Dienstes in der Stiftshütte zurückgingen:

1.Chr 24:19 Das war ihre Einteilung zu ihrem Dienst, um in das Haus Jahwes zu kommen nach ihrer Vorschrift, gegeben durch ihren Vater Aaron, so wie Jahwe, der Gott Israels, ihm geboten hatte.

Fassen wir diese Streiflichter zusammen, so sehen wir, dass der Begriff der Ordnung eng mit dem Priestertum und dem Dienst im Tempel verbunden ist; die Gemeinde nun ist das neutestamentliche Gegenstück zum Alten Tempel. Wenn wir also von den Ordnungen reden, dann muss uns etwas von der Heiligkeit dieses Gottesdienstes vor Augen stehen – mehr noch: Diese Ordnungen leiten sich von der himmlischen Anbetung Gottes ab und dienen dazu, diese für uns sichtbar und nachvollziehbar zu machen.

Es geht also um weit mehr als etwa darum, zuerst den anderen ausreden zu lassen, ehe man selbst spricht, oder Sprachenrede nur mit Übersetzung zu praktizieren, bzw. dass die Frauen schweigen (= nicht lehren, 1.Tim 2:12) sollen (1.Kor 14:26-40). Es geht zuerst darum, wie sich das, was wir an unseren Versammlungsorten tun, zu dem verhält, was zur selben Zeit (und ohne Unterbrechung) vor dem himmlischen Thron geschieht. Alles, was den alten Tempel betraf, war so geordnet, dass jedes Gerät und jede Handlung das abbilden sollte, was im Himmel ist:

Heb 8:5 (welche dem Abbilde und Schatten der himmlischen Dinge dienen, gleichwie Moses eine göttliche Weisung empfing, als er im Begriff war, die Hütte aufzurichten; denn „siehe“, spricht er, „daß du alles nach dem Muster machest, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist“.

Die Tatsache, dass der Tempel zerstört wurde, besagt nicht, dass das himmlische Muster beseitigt wurde. Mit diesem Muster, d.h. mit der Wirklichkeit, haben wir es nun unmittelbar zu tun. Das ist es ja, was es bedeutet „in Geist und Wahrheit“ anzubeten und nicht mehr an irdische Anbetungsorte gebunden zu sein. Dort kommen wir hin – und die erste Frage, die uns bewegen sollte, lautet: Wie erscheinen wir dort?

Heb 10:19-25 Da wir nun, Brüder, Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu, dem neuen und lebendigen Wege, welchen er uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch, und einen großen Priester über das Haus Gottes, so laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewißheit des Glaubens, die Herzen besprengt und also gereinigt vom bösen Gewissen, und den Leib gewaschen mit reinem Wasser. Laßt uns das Bekenntnis der Hoffnung unbeweglich festhalten, (denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat); und laßt uns aufeinander achthaben zur Anreizung zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei etlichen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das um so mehr, je mehr ihr den Tag herannahen sehet.

Es geht um einen Zugang im Glauben, der jedoch gewisse Anforderungen an uns stellt. Die erste ist, dass wir einen gewissen Glauben haben; die zweite, dass wir gereinigt kommen. Die Wortwahl (am Leib gewaschen) spielt auf die Reinigungsvorschriften im Tempeldienst an, erinnert aber auch an unsere Taufe. Ohne die neue Geburt, haben wir weder Glauben, noch Gewissheit, geschweige denn ein gereinigtes Herz. Das aber ist Bedingung, um überhaupt geistlich an einer christlichen Versammlung teilnehmen zu können (sonst sitzt man nur an einem irrelevanten Ort auf einer dem Untergang geweihten Erde). Es beginnt also damit, sich selbst zu prüfen:

1.Kor 11:28-32 Ein jeder aber prüfe sich selbst, und also esse er von dem Brote und trinke von dem Kelche. Denn wer unwürdiglich ißt und trinkt, ißt und trinkt sich selbst Gericht, indem er den Leib nicht unterscheidet. Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen. Aber wenn wir uns selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, auf daß wir nicht mit der Welt verurteilt werden.

Das Unwürdige in diesem Zusammenhag bestand darin, das Mahl des Herrn, welches eine volle Mahlzeit war, bei der das Brot gebrochen und der Wein geteilt wurde, von einigen als reine körperliche Mahlzeit verstanden wurde. Sie waren hungrig, fingen an, sich den Bau zu füllen, und jene, die später hinzukamen, gingen leer aus. Das ist untragbar, das zeigt, dass die Korinther die geistliche Dimension der Mahlzeit nicht verstanden hatten. Zu dieser Ordnung der Selbstprüfung gesellt sich nun eine weitere, sehr praktische Ordnung:

1.Kor 11:33 Daher, meine Brüder, wenn ihr zusammenkommet, um zu essen, so wartet aufeinander.

Diese Ordnung hat mehr mit Kinderstube und Erziehung, mit gegenseitigem Respekt und Selbstbeherrschung zu tun, aber wir sind ja auch Menschen aus Fleisch und Blut und haben zu lernen, unsere Begierden in der Kraft des Geistes zu kontrollieren.

Während der irdische Ort unseres Zusammenkommens, um das Brot zu brechen und den Herrn anzubeten, irgendein schlichtes Wohnzimmer sein kann, so ist der eigentliche Ort unserer Festversammlung ein ganz anderer, unseren leiblichen Augen verborgen, aber nichtsdestotrotz realer als der Sessel, auf dem wir gerade sitzen:

Heb 12:22-24 sondern ihr seid gekommen zum Berge Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, der allgemeinen Versammlung; und zu der Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten; und zu Jesu, dem Mittler eines neuen Bundes; und zu dem Blute der Besprengung, das besser redet als Abel.

Wir sind versammelt vor dem Thron Gottes, vereint mit Myriaden von Engeln und der ganzen Wolke von Zeugen, die den Lauf vor uns bereits vollendet haben (Heb 12:1). Das ist meines Erachtens der Bezug, den Paulus in 1.Kor 11:10 herstellen will:

1.Kor 11:10 Darum soll die Frau eine Macht auf dem Haupte haben, um der Engel willen.

Die Rede ist von der Kopfbedeckung in der Versammlung, welche eine ganz wesentliche Ordnung zum Ausdruck bringt, nämlich die Schöpfungsordnung, gemäß der der Mann das Haupt der Frau ist. Wenn wir Gott als Schöpfer ehren und anbeten, dann haben wir auch diese Ordnung der Schöpfung zu bekennen und gemäß ihr zu leben. So, wie Christus selbst sich dieser Ordnung gebeugt hat und sich Seinem Vater als Haupt unterordnet (1.Kor 11:3). Das und soll ein Zeugnis für die Engel sein, denn unsere kleine und schwache Gemeinschaft hat einen gar seltsamen Auftrag:

Eph 3:8-12 Mir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, [unter] den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen, und alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott, der alle Dinge geschaffen hat; auf daß jetzt den Fürstentümern und den Gewalten in den himmlischen Örtern durch die Versammlung kundgetan werde die gar mannigfaltige Weisheit Gottes, nach dem ewigen Vorsatz, den er gefaßt hat in Christo Jesu, unserem Herrn; in welchem wir die Freimütigkeit haben und den Zugang in Zuversicht durch den Glauben an ihn.

Eingebettet in die Erinnerung an den Zugang in das Heiligtum durch den Herrn Jesus und die Erinnerung, dass Gott alle Dinge erschaffen hat, steht, dass die Gemeinde berufen ist, der Himmelswelt die „gar mannigfaltige Weisheit Gottes“ kund zu tun. Wenn wir gemäß der Ordnungen, die Gott uns in seinem Wort gegeben hat, leben und vor Ihn treten, so wird unser himmlischer Vater durch uns vor allen Engeln, aber auch den bösen Mächten (Eph 6:12) geehrt, verherrlicht, bestätigt, gepriesen. Wenn wir aber die Ordnungen ignorieren, meinen unrein vor Ihn treten zu können, die Frauen ohne Kopfbedeckung, in lieblosem und selbstsüchtigen Umgang untereinander, dann beschämen wir Gott und machen Ihn vor allen himmlischen Wesen verächtlich.

Deshalb, aus genau diesem vorrangigsten Grund, ist es wesentlich, die Ordnungen Gottes in der Gemeinde zu beachten:

1.Tim 3:14-16 Dieses schreibe ich dir in der Hoffnung, bald zu dir zu kommen; wenn ich aber zögere, auf daß du wissest, wie man sich verhalten soll im Hause Gottes, welches die Versammlung des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit. Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist geoffenbart worden im Fleische, gerechtfertigt im Geiste, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit.

Auch hier versäumt Paulus es nicht, auf die Engel hinzuweisen. Ich meine, wir blenden diese Diener und Anbeter Gottes in der Regel aus unserem Bewusstsein aus. Das bewusste Halten der Ordnungen stellt sie uns jedoch vor Augen. Der ganze erste Timotheusbrief ist als eine Gemeindeordnung verfasst, an die wir uns zu halten haben. Denn wir sind das Haus des lebendigen Gottes. Das muss uns Grund genug sein.

Ich will es hier beschließen und keine erschöpfende Liste bieten. Die genannten Beispiele sollten genügend Hinweise geben, wie wir das Neue Testament daraufhin studieren und anwenden sollen. Die Ordnungen, um das abschließend zu unterstreichen, sind nicht dazu gegeben, damit wir errettet werden. Wir wachsen in diese Ordnungen hinein, wir müssen sie vielleicht da und dort wieder entdecken und schätzen lernen, und das mag eine Zeit dauern. Wir werden wahrscheinlich auch nie vollkommen darin sein.

Das Ziel der Kindererziehung ist nicht, dass wir lernen, unsere Betten akribisch perfektionistisch zu machen, unsere Zimmer peinlichst genau auf Staub zu untersuchen oder bei jedem Treffen die Uhrzeit in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu stellen. Wir sollen vielmehr zu verlässlichen, gefestigten, geborgenen, verantwortungs­bewussten, respektvollen, mitdenkenden, aufrichtigen, höflichen und gemeinschaftlich denkenden Menschen werden. Die Ordnungen sind Hilfe und Erziehungsmittel auf diesem Weg, kein Selbstzweck. Dasselbe gilt für die Gemeindeordnungen. Gott geht es weniger um das Kopftuch oder ob wir die Hände beim Beten heben oder nicht. Es geht um die Festigung unseres Glaubens, und die zeigt sich dann in den Werken des Gehorsams, der Heiligung, der Standhaftigkeit, der Frucht in geistlicher wie zahlenmäßiger Hinsicht, der Reinheit in der Lehre, dem Ausharren in Bedrängnis und Verfolgung, sowie über allem in der herzlichen und praktischen Bruderliebe und der Verherrlichung des Namens unseres Herrn Jesus Christus in all dem. Die Ordnungen der Schrift sind dabei Hilfe und Erziehungsmittel.

Wir werden in dem Maß diese Ordnungen schätzen und festhalten, in dem wir selbst gefestigt werden wollen und in dem uns die Ehre Gottes vor Seinen heiligen Engeln ein Anliegen ist. Es gibt immer ungezogene und rebellische Kinder, auch Kinder Gottes; zu diesen will aber niemand gehören, der sich vom Geist Gottes leiten lässt.

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