Einwände gegen biblisch-schlichte Kleidung

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Übersetzung aus dem Buch „Why Do They Dress That Way“ von Stephen Scott (Good Books, Intercourse, PA/USA 1986 – Kp 7)

Mit „schlichte Kleidung“ gebe ich den Begriff „plain dress“ wieder, der typischen Kleidung konservativer Täufergruppen v.a. in den USA und Kanada. Die Wendung „Plain People“, mit der diese Gruppen oft beschrieben werden, gebe ich als „Einfache Leute“ (mit Anführungszeichen) wieder.

 

Es wurden viele Einwände sowohl praktischer als auch religiöser Natur gegen das Tragen schlichter Kleidung, die sich von der Umwelt abhebt, vorgebracht. Die folgenden sind typische Beispiele, gefolgt von Erklärungen, welche die „Einfachen Leute“ als Begründung für ihre Praxis geben würden.

  1. Wie könnt ihr all das nur Gewand aushalten? Ist es nicht zu heiß und unbequem?

Wir wollen die biblischen und überlieferten Standards für Anständigkeit und Sittsamkeit bewahren, auch wenn es bedeutet, dass wir dann mehr schwitzen. Im Lauf der Jahrhunderte haben alle Menschen der zivilisierten Welt ebensoviel oder noch mehr Gewand getragen wie das heute die „Einfachen Leute“ tun. Wenn die vorigen Generationen kein Problem damit hatten, vollständig bekleidet zu sein, sollten wir das auch nicht haben. Der heutige Trend, sich immer weniger anzuziehen, wurde ja kaum durch einen Klimawandel hervorgerufen. Die Haltung „Wen es sich gut anfühlt, dann tu es“, unterstützen wir nicht; weder in der Kleidung noch jedem anderen Aspekt des Leben.

  1. Schlichte Kleidung mag für Bauern oder allgemein die Landbevölkerung ja passen, aber für einen modernen Stadtbewohner scheint sie kaum anwendbar.

Die orthodoxen Juden, die sich in ihrer Kleidung deutlich abheben, prosperieren in New York City.

  1. Was soll an der Kleidung der heutigen Jugend falsch sein? Sie ist einfach, bequem und nicht anmaßend.

Das Alltagsgewand der heutigen Jugend mag anspruchslos sein, aber es ist auch ein Symbol für die gelockerte Moral dieses Zeitalters. Mit diesem Trend möchten wir nicht in Verbindung gebracht werden.

  1. Wie ist es mit billigem, übertragenem Gewand aus Second-Hand-Läden oder vom Flohmarkt? Das ist wirtschaftlich vernünftig und normalerweise auch nicht nach der neuesten Mode.

Ja, aber es repräsentiert oft auch extrem kurzlebige Modeerscheinungen, die uns „Einfachen Leute“ nicht zufrieden stellen.

  1. Schlichte Kleidung kann sehr teuer sein; besonders die Anzüge für Männer. Widerstrebt das nicht dem Ziel der Schlichtheit?

Manche Männer haben ihre schlichten Anzüge bei einem Schneider nach Maß anfertigen lassen. Es stimmt, dass das teuer sein kann. Da der schlichte Mantel von den wechselnden Moden nicht betroffen ist, hat er meist eine viel längere Lebensdauer als ein modischer Mantel. Die meisten „Einfachen Leute“ der Alten Ordnung (Old Order) machen ihre Anzüge noch immer selbst, und viele mehr moderate Gruppen kehren jetzt zu dieser Praxis zurück. Die schlichte Kleidung für Frauen wird fast immer zu Hause gemacht.

  1. Ist die schlichte Kleidung nicht nur ein „konservierter“ Stil, der früher einmal in der „Welt“ modern war?

Einige Teile der schlichten Kleidung mögen auch von den übrigen Menschen jener Zeit getragen worden sein. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass es deshalb modisch war. Wie auch immer, es scheint, dass die Herausbildung der schlichten Kleidung ein selektiver Prozess war und kein willkürlicher. Studiert man die Geschichte jedes Teils der schlichten Kleidung, erscheint es, dass es jeweils gute Gründe gab, warum sie übernommen wurden. Einige davon entstanden unter der einfachen Landbevölkerung, andere werden mit Perioden zunehmender Moral und geistlicher Erweckung in Verbindung gebracht, andere Kleidungsstücke waren einfach aufgrund ihres schlichten Designs ansprechend. Die „Einfachen Leute“ haben sie dann oft noch weiter vereinfacht. In jedem Fall haben die „Einfachen Leute“ nicht ständig ihre Kleidung verändert um sich populären Moden anzupassen. Sobald sie entschieden hatten, dass ein bestimmtes Kleidungsstück angemessen ist, sind sie auf unbestimmte Zeit dabei geblieben.

  1. Eine auffällige sektiererische Kleidung würde die Berufsmöglichkeiten eines Menschen drastisch einschränken.

Viele „Einfachen Leute“ haben ihre schlichte Kleidung kein Hindernis in ihrer beruflichen oder geschäftlichen Welt werden lassen. Stattdessen empfinden diese Menschen, dass ihre Kleidung ihnen geholfen hat, ihre christliche Ethik zu bewahren. Se denken auch, dass, wenn sie in einem bestimmten Job ihre schlichte Kleidung nicht tragen können, dass dies ein guter Hinweis ist, dass dieser Job für einen Christen nicht angemessen ist.

  1. Schlichte Kleidung stigmatisiert den Träger. Das ist psychologisch schädlich.

Ein Mensch kann eine tiefe persönliche Zufriedenheit erfahren, indem er zu einer Bruderschaft gehört und ihre Standards unterstützt. Die äußere Identifikation mit einer Gruppe abgesonderter Christen verursacht normalerweise keine Probleme, außer man ist von den Idealen der Gruppe nicht überzeugt.

  1. Eine einheitliche Kleidung verletzt den Selbstwert des Menschen. Die Leute sollten sich gut über sich fühlen und frei sein, sich so attraktiv wie möglich zu machen.

Zu wissen, dass man Gottes Willen tut, gibt jedem Menschen den Sinn für den persönlichen Wert. Damit zufrieden zu sein, wie Gott uns gemacht hat, ist auch wichtig. Künstliche Schönheitsmittel betonen nicht die innere Schönheit, von der die Bibel spricht. Schlichte Kleidung erlaubt es der persönlichen Tugend durchzuscheinen. Kreativität ist nur dann konstruktiv, wenn sie in einer Weise eingesetzt wird, die Gott gefällt.

  1. Wie können Christen es rechtfertigen, über kleinste Kleidungsdetails die Haare zu spalten, wo es doch so viele wichtigere Nöte gibt, die nicht genügend Aufmerksamkeit erhalten?

Wenn wir nicht sorgfältig darauf achten, äußerlich von der Welt getrennt zu bleiben, werden wir bald vom System der Welt absorbiert werden. Dann werden wir viel mehr Probleme haben, die unsere Aufmerksamkeit fordern.

  1. Einige Prediger haben andauernd über die Kleidung geredet und dabei die Zuhörer so ermüdet, dass es den Leuten egal geworden ist.

Andere Prediger haben Lieblingsthemen wie Drogen oder Alkohol. Das gibt jedoch niemanden eine Rechtfertigung dafür, Alkoholiker oder drogenabhängig zu werden.

  1. Es ist nicht nötig, einen speziellen Kleiderschnitt zu verwenden, um biblischen Standards zu entsprechen. Viele Kleider, die für Christen durchaus angemessen sind, kann man in Geschäften kaufen.

Sich auf den Massenmarkt zu verlassen, um Kleider zu kaufen, erscheint riskant. Es gibt keine Garantie, dass vernünftige Kleidung immer verfügbar sein wird. Der einzige Weg, das Abdriften in inakzeptable Moden zu vermeiden, besteht darin, der Gemeinde eine einheitliche Kleidung vorzuschreiben, und dass der Großteil davon daheim hergestellt wird.

  1. Wenn ein Mensch wirklich ein „wiedergeborener Christ“ ist, dann wird sich die Kleiderfrage von selbst regeln. Regeln und Vorschriften sind für ein geisterfülltes Kind Gottes nicht nötig.

Das ist die ideale Situation, aber die ist im wirklichen Leben selten. Die Einflüsse der Welt sind sehr stark. Es ist die Verantwortung der Gemeinde, Richtlinien zur Verfügung zu stellen, um ihren Mitgliedern zu helfen, im Glauben nicht schwach zu werden.

  1. Aber die Bibel bietet gar keine Details dazu, wie ein Christ sich kleiden soll. „Vergeblich aber verehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, die Menschengebote sind.“ (Mat 15,9)

Die Details der Kleider sind keine Fragen der Lehre, sondern ein Mittel, die biblischen Lehren über Schlichtheit, Sittsamkeit und Absonderung auszudrücken und zu befolgen. Wenn eine Gemeinde nur allgemeine Anregungen zu diesem Thema bietet, besteht die Gefahr, dass die Welt dann die modischen Details einbringt.

  1. Kleidervorschriften sind eine Form der Gesetzlichkeit

Es gibt wenige Gemeinden, die keine biblischen Prinzipien auf Themen anwenden, die nicht ausdrücklich in der Bibel genannt sind. Die „Einfachen Leute“ wenden die biblischen Lehren auf mehr Bereiche des Lebens an als andere Gemeinden, das schließt die Kleidung ein. So wie Magistratsbeamten und Eltern keine Belegstellen zitieren müssen, um ihre Gesetze und Regeln zu begründen, so glauben die „Einfachen Leute“, dass ihre Gemeinden Richtlinien über die Kleidung formulieren dürfen, zum Nutzen ihrer Mitglieder. Diese Richtlinien ersetzen die Bibel nicht, aber sie interpretieren sie so, wie die Gemeinde es für die Anwendung heute für richtig hält.

  1. In Gal 5,1 steht: „So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und laßt euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen!“ Als Christen sind wir frei und haben Freiheit. Regeln und Vorschriften über Kleidung sind Knechtschaft.

Es ist klar, dass Paulus sich im Galaterbrief auf die Knechtschaft des mosaischen Gesetzes bezieht. Er sagte keineswegs, dass Christen tun können, was sie wollen. Das würde all den Richtlinien für ein gottesfürchtiges Leben widersprechen, von denen Paulus anderswo geschrieben hat. Wir sind tatsächlich frei von der Sünde, aber wir sind nicht frei zu sündigen. Modische unzüchtige Kleidung ist sündig. Im selben Kapitel sagt Paulus (Vers 13): „Brüder; nur macht die Freiheit nicht zu einem Vorwand für das Fleisch.“ Mit anderen Worten, gebrauche deine Freiheit nicht als Rechtfertigung für Sünde.

  1. In Röm 12,2 steht: „Und paßt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch in eurem Wesen verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes.“ Bezieht sich das nicht mehr auf unsere Gedanken und Einstellungen als auf die Kleidung?

Verwandelte Christen benützen ihren erneuerten Sinn sowohl bei der Kleiderwahl als auch in jeder anderen bewussten Handlung oder Entscheidung.

  1. Die Bibel sagt (1.Sam 16,7): „Der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an!“ Das, was im Herzen ist, zählt. Gott interessiert sich nicht wirklich für das, was wir anziehen. Warum soviel Tamtam über die Kleidung, wo es doch gar nicht drauf ankommt?

Ein Herz, das in Ordnung ist, wird kein falsches Verhalten hervorbringen. Man beurteilt einen Obstbaum nach seiner äußeren Erscheinung, nicht indem man ihn fällt und das „Herz“ des Holzes untersucht. „Haltet euch fern von dem Bösen in jeglicher Gestalt!“ (1.Thess 5,22) Das betrifft auch die Kleidung, wie jedes äußere Verhalten. Wenn das, was wir anziehen egal ist, ist alles egal, was wir tun.

  1. Christus verurteilte die Schriftgelehrten und Pharisäer für ihre Selbstdarstellung um anerkannt zu werden (Mat 23,5; Lk 20,46)

Christus hat auch Prahlerei beim Beten, Fasten und Almosengeben verurteilt. Gott geht es in all diesen Dingen um unsere Einstellung.

  1. Gott will nicht, dass wir die Aufmerksamkeit auf uns ziehen, indem wir uns radikal anders kleiden als die anderen um uns. Wir sollen Christus verherrlichen, nicht uns.

Ja, schlichte Kleidung erregt Aufmerksamkeit; doch jede Art richtigen Verhaltens fällt auf, wenn es rundherum böse ist. Wir glauben nicht, dass wir aus Furcht davor, von der Welt angestarrt zu werden, uns mit derc Welt vermischen sollen. Wir können Christus verherrlichen, indem Er die Quelle unserer abgesonderten Erscheinung und Verhaltens ist.

  1. Aufgrund ihrer Kleidung werden die „Einfachen Leute“ oft mehr als eine Volksgruppe oder Volkkultur wahrgenommen statt als eine Gruppe von Christen.

Unsere ethnische und kulturelle Herkunft hat uns sehr dabei geholfen, uns vom Hauptstrom der Gesellschaft und ihren Übeln abzusondern. Der größte Teil unseres Lebens ist eine Gegenkultur nach christlichen Grundsätzen.

  1. Schlichte Kleidung hindert das Zeugnis für Christus. Die Leute werden durch diese „Ich-bin-heiliger-als-du“-Erscheinung abgeschreckt.

Es gibt nur wenige „Einfache Leute“, die nicht von Begegnungen mit Fremden erzählen können, die sie nach der Bedeutung ihrer Kleidung fragten. Solche Begebenheiten bieten viele Gelegenheiten, über tiefere geistliche Dinge zu reden.

  1. Es ist offensichtlich, dass einer großen Zahl derer, die sich schlicht kleiden, wirklicher christlicher Glaube mangelt. Ihr Verhalten ist sicher nicht in Übereinstimmung mit ihrer frommen Erscheinung.

Ja, es gibt Wölfe im Schafspelz, ganz bestimmt. Es es scheint keineswegs stimmiger, Schafe in Wolfspelzen zu sein. Wir wollen Schafe in Schafspelzen sein.

  1. Christus hat sich wie jeder andere zu Seiner Zeit gekleidet.

Christus kleidete sich wie jeder andere Jude, aber nicht wie ein Römer, Samaritaner oder andere Nichtjuden. Wie hätte die samaritanische Frau ihn so gut als Juden erkennen können (Joh 4,9)? Der Saum an seinem Gewand, den die geplagte Frau berührte, um geheilt zu werden (Mat 9,20), war eine bestimmte Borte, die den Juden befohlen war wurde an ihre Kleider zu machen (4.Mose 15,38-39). Bis heute tragen Juden eine besondere Kleidung.

  1. Wenn ihr schon so biblisch sein wollt mit eurer Kleidung, warum tragt ihr dann nicht lange Roben wir Christus und die Jünger?

Wären wir im Nahen Osten entstanden und noch immer in diesem Land und der Kultur leben, würden wir wahrscheinlich Roben tragen. Da unser Ursprung aber in Europa liegt, meinen wir, dass unsere Kleidung für unsere eigene Kultur Nonkonformität am besten zum Ausdruck bringt und praktisch für das Land ist, in dem wir leben.

 

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