Erfahrung statt Verstand?

Bibel1690-5

Verlass dich nicht auf deinen Verstand, aber gebrauche ihn!

Zu den ersten Versen, welche ich als junger Christ im Zuge eines Glaubensgrund­kurses auswendig lernen sollte, gehörte Sprüche 3:5-6.

Spr 3:5-6 (Luther) Verlaß dich auf den HERRN von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand; sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.

Das ist ein sehr wichtiger Vers für Junggläubige, welche gerade lernen müssen, in allen Lebensbereichen umzudenken. Die Art und Weise, wie wir bisher dachten, worauf wir unsere Logik aufbauten und wie wir unsere Schlüsse zogen, vor allem aber, auf welchen Informationen all das gründete, musste gründlich hinterfragt werden. Der natürliche Mensch ist durch die Verführungen Satans nämlich am Verstand verfinstert. Allerdings bedeutet das nicht, dass der Verstand an sich wertlos war:

Eph 4:17-19 So sage ich nun und bezeuge in dem HERRN, daß ihr nicht mehr wandelt, wie die andern Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, deren Verstand verfinstert ist, und die entfremdet sind von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, durch die Blindheit ihres Herzens; welche ruchlos sind und ergeben sich der Unzucht und treiben allerlei Unreinigkeit samt dem Geiz.

Paulus nennt eine Reihe von Gründen, die unser Denken getrübt haben: Das Sinnen und Trachten auf Nichtiges, dass wir Gott entfremdet aufgrund von Unwissenheit sind. Und weil unsere Herzen durch die Sünde empfindungslos und verstockt wurden. Anders gesagt: Der Verstand arbeitete auf Basis falscher Annahmen, Ziele und Grundlagen. Selbst im Rahmen all dessen arbeitet der Verstand erschreckend effektiv! Im Planen des Bösen, im Ersinnen von Gemeinheiten, der Jagd nach dem Geld und im Trachten nach Vergänglichem werden oft sogar Nobelpreise gewonnen.

Das Problem ist also weniger der Verstand selbst, der zum Menschsein gehört wie der aufrechte Gang, damit unsere Hände frei zum Dienen werden. Das Problem sind die Unkenntnis, die Sünde, die Abstumpfung und die Gottesferne.

Sprüche 3:5 kann leicht dahingehend missverstanden werden, dass Gottvertrauen und Verstand einander ausschließen. Das habe ich auch geglaubt, ganz am Anfang. Ich war noch in der Schule, und anstatt für den Test zu lernen, schrieb ich diesen Vers auf einen kleinen Zettel und legte ihn neben mein Federpennal. Der Lehrer, in der Annahme, es handelte sich um einen Schummelzettel, konfiszierte das Papier, las und schmunzelte. Als er mir den negativ bewerteten Test zurückgab, meinte er lakonisch, der Vers hätte sich nicht bewahrheitet.

Jüngst hörte ich von einem reifen Bruder, dieser Vers hätte ihm gezeigt, die Führung des Herrn neu zu überdenken. Bisher dachte er, es genüge, sich im Rahmen der Heiligen Schrift zu bewegen; dieser Vers zeigte ihm jedoch, es sei wichtiger mehr auf den Herrn zu vertrauen, als auf den Verstand. Das nun fand ich sehr seltsam, denn es bedeutet, dass Verstand und Geist ein Gegensatz wären, oder sogar die Führung durch den Geist höher zu bewerten sei als die Führung durch die Heilige Schrift, so diese lediglich „verstandesmäßig“ ausgelegt würde. Das sind ein bisschen viele Gegensätze auf einmal, die man so nicht stehen lassen kann.

Im selben Epheserbrief heißt es:

Eph 1:17-19 (Luther) daß der Gott unsers HERRN Jesus Christi, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung zu seiner selbst Erkenntnis und erleuchtete Augen eures Verständnisses, daß ihr erkennen möget, welche da sei die Hoffnung eurer Berufung, und welcher sei der Reichtum seines herrlichen Erbes bei seinen Heiligen, und welche da sei die überschwengliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke,

Der Geist erleuchtet also den verfinsterten Verstand, indem der Entfremdung von Gott mit der Offenbarung Gottes begegnet wird, der Unkenntnis mit Erkenntnis und Weisheit, der Abstumpfung und Gebundenheit mit der überschwänglichen Größe Seiner Kraft. Geist und Verstand sind also keine Gegensätze; der Geist macht unseren Verstand hell, klar und brauchbar.

Im selben Kapitel der Sprüche wird auch klar, dass der Geist und das verstandesmäßig bewahrte und ausgelegte Wort Gottes kein Gegensatz sind:

Spr 3:1-4 Mein Kind, vergiß meines Gesetzes nicht, und dein Herz behalte meine Gebote. Denn sie werden dir langes Leben und gute Jahre und Frieden bringen; Gnade und Treue werden dich nicht lassen. Hänge sie an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, so wirst du Gunst und Klugheit finden, die Gott und Menschen gefällt.

Gott ermuntert uns hier, Sein Gesetz auf die Tafeln des Herzens zu schreiben. Gemeint ist damit das Auswendiglernen, und zwar nicht nur einiger Lieblingsverse, sondern vor allem der Gebote, die zu halten uns aufgetragen sind. Das Behalten und halten der Gebote fördert wiederum die Klugheit. Die Führung durch Gott und die Führung durch Sein Wort gehen Hand in Hand.

Wovor einzig gewarnt wird ist, sich auf einen von Gott unabhängigen Verstand zu verlassen. Umgekehrt sollen wir Gott ja mit unserem ganzen Verstand lieben. Mit unserem ganzen Verstand!

Diese falschen Gegensätze können seltsame Blüten treiben. So musste ich mir sagen lassen, ich sei viel zu versessen auf historisch genaue Bibelauslegung – als sei das verstandesmäßige Arbeiten mit der Schrift fragwürdig und ungeistlich; bzw. als würde Genauigkeit im Umgang mit dem Wort implizieren, dass ich dies völlig losgelöst vom Geist Gottes mache. Es kann durchaus passieren, dass mein Verstand davon galoppiert, oder dass ich mit einem gewissen Stolz auf meine Arbeitsleistung blicke. Allerdings bin ich mir stets bewusst, dass meine Fähigkeit, das Wort auszulegen und darin zu forschen, Ausdruck der Gabe des Geistes ist, welche mir gegeben ist und ich keinen Moment in Zweifel ziehe. Nein, das hat nichts mit Unfehlbarkeit zu tun – aber andererseits klingt es für mich so, als sei der Weg zur Unfehlbarkeit, den Verstand hintanzustellen und den Geist allein führen zu lassen. Aber wie soll das gehen?

Man kennt diese „Buttermesser-Orakel“: Angeblich hat Franz von Assisi durch zufälliges Aufschlagen der Heiligen Schrift seine Berufung erkannt. Die Herrnhuter Losungen wurden durch Ziehen von Bibelversen aus einem Kästchen zusammengestellt. Von manchem Christen hört man bisweilen, dass er mit einem Buttermesser irgendwo zwischen die Seiten der Bibel fährt, diese aufschlägt und blind mit dem Finger einen Vers erwählt, was er dann als Gottes Führung annimmt. In einigen Fällen dürfte Gott darauf eingegangen sein, im Sinne von: „Dir geschehe nach deinem Glauben.“ Als Methode hat das aber eher mit einem Orakel zu tun, als mit Gottes normaler Führung.

In derselben Weise erscheint es mir als unzureichend, die Bibellese mit Gebet zu beginnen, und dann „passiv“ auf eine Eingebung zu warten. Es kann so zu Einsichten kommen, aber der normale Weg ist derselbe, wie jede andere Information aufgenommen werden muss: Sinnerfassendes Lesen unter Zuhilfenahme des Verstandes. Ist damit die Leitung des Geistes nicht heruntergespielt? Eben nicht!

2.Tim 3:16-17 Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt.

Der Geist Gottes führt durch die Heilige Schrift. Diese ist von Ihm eingegeben; durch diese lehrt Er, überführt Er, bessert Er uns, erzieht Er uns, damit wir vollkommen werden und zu jedem guten Werk tauglich.

Damit aber erkennen wir, was die Führung des Geistes eigentlich bezwecken will. Wir müssen uns meines Erachtens gründlich verabschieden von so hochtrabenden Formulierungen wie „die Führung des Geistes im Alltag“, als würde Er uns täglich Sonderoffenbarungen für unser Handeln zuteil werden lassen, die wir aus einem Orakelkästchen ziehen oder in Form innerer „Eindrücke“ oder gar „Stimmen“ empfangen. Nicht, dass es das nicht gibt, aber es handelt sich dabei – auch in der Bibel – um außergewöhnliche Ausnahmen im Zuge besonderer Berufungen. Der viel beschworene „Alltag“, mit dem man die tägliche Relevanz des Glaubens und der Führung Gottes hervorheben will, sieht sehr viel alltäglicher aus:

Spr 1:1-8 Dies sind die Sprüche Salomos, des Königs in Israel, des Sohnes Davids, zu lernen Weisheit und Zucht, Verstand Klugheit, Gerechtigkeit, Recht und Schlecht; daß die Unverständigen klug und die Jünglinge vernünftig und vorsichtig werden. Wer weise ist der hört zu und bessert sich; wer verständig ist, der läßt sich raten, daß er verstehe die Sprüche und ihre Deutung, die Lehre der Weisen und ihre Beispiele. Des HERRN Furcht ist Anfang der Erkenntnis. Die Ruchlosen verachten Weisheit und Zucht. Mein Kind, gehorche der Zucht deines Vaters und verlaß nicht das Gebot deiner Mutter.

Es gibt Phasen im Glaubensleben, da meint man, bereits alles zu wissen. Es scheint so, als wiederhole sich alles, und das Leben mit Gott beginnt vielleicht etwas trocken und bisweilen auch etwas „technisch“ oder routiniert zu werden. Die überströmende Freude neuer Entdeckungen im Wort lässt nach, und manch einer fragt sich dann, ob das wirklich alles war. Dem halte ich entgegen, dass Gott größer als unser Verstand ist, und wer meint, mit der Bibel am Ende zu sein, um anderswo nach neuen und tieferen Einsichten zu suchen, der meint entweder, er habe Gott bereits vollumfänglich erfasst, oder aber, Gott offenbare sich auch außerhalb der Bibel. Das aber führt geradewegs in die Gnosis, welche ja indirekt und direkt sagte, die Bibel sei etwas für die fleischlichen und seelischen Christen, für die geistlichen Menschen jedoch gebe es besondere Offenbarungen. Wo immer die Führung des Geistes gegen die Arbeit im Wort Gottes ausgespielt wird, höre ich diese gnostische Sprachmelodie, diesen gespalten Zungenschlag der Schlange.

Genau hier gibt es, besonders in den letzten Tagen, enormes Konfliktpotential in der Gemeinde:

2.Tim 4:1-5 So bezeuge ich nun vor Gott und dem HERRN Jesus Christus, der da zukünftig ist, zu richten die Lebendigen und die Toten mit seiner Erscheinung und mit seinem Reich: Predige das Wort, halte an, es sei zu rechter Zeit oder zur Unzeit; strafe, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit sein, da sie die heilsame Lehre nicht leiden werden; sondern nach ihren eigenen Lüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach dem ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit wenden und sich zu Fabeln kehren. Du aber sei nüchtern allenthalben, sei willig, zu leiden, tue das Werk eines evangelischen Predigers, richte dein Amt redlich aus.

Nie zuvor gab es so einen leichten Zugang zu Irrlehren jeglicher Schattierung wie heute über das Internet. Wir werden von einem Tsunami an Häresien geradezu weggespült; die einzige Rettung ist die Flucht ins Landesinnere, sprich: ein lebensrettender Sicherheitsabstand zur Küstenlinie, eine heilsnotwendige Distanz zu You-Tube und Google was Lehrfragen betrifft.

Demgegenüber, als Fels in der Brandung, soll sich der Prediger behaupten, indem er geradezu leidenschaftlich stur an der Verkündigung der gesunden Lehre festhält, wobei er vor allem nüchtern sein soll. Dieses Wort bedeutet buchstäblich nüchtern, aber auch wachsam. Zur Leidenschaft gehört die Leidensfähigkeit und -bereitschaft. Es ist ein Kampf, der innerhalb der Gemeinde geführt wird, bei dem kein Auge trocken bleibt.

Die gnostische Herabwürdigung des Verstandes zugunsten persönlicher Sonder­offenbarungen, erodiert die gemeinsam-verbindliche Lehre der Gemeinde und treibt die Individualisierung des Glaubens voran. Was so geistlich klingt, macht uns zu spirituellen Analphabeten, da das Studium des Wortes Gottes ja viel zu verstan­deslastig ist. Es führt zu einem „Voranschreiten zu immer Höherem“, also weg von der „Niedrigkeit des Wortes“ hin zur „Erkenntnis“ im gnostisch diffusen Sinn.

Um das zu illustrieren, möchte ich ein paar Absätze aus einer Buchwerbung zitieren, welche Literatur von Witness Lee und Watchman Nee empfiehlt. Die verführerischen Schlüsselworte der gnostischen Verindividualisierung des Glaubens hebe ich fett hervor:

Grundlegende Elemente des Christenlebens, Band 1

by Witness Lee and Watchman Nee

„Das Christenleben ist voller Bedeutung und Sinn, doch viele Menschen verstehen nicht die grundlegenden Elemente dieses Lebens, wie sie im Wort Gottes, in der Bibel dargeboten werden. In Grundlegende Elemente des Christenlebens, Band eins, von Watchman Nee und Witness Lee, wird das Christenleben eingeführt und beschrieben. Gottes Plan der Errettung wird im ersten Kapitel über das Geheimnis des menschlichen Lebens dargeboten. Die folgenden Kapitel erläutern im Einzelnen verschiedene grundlegende Erfahrungen für einen Christen. Das letzte Kapitel bietet den letzten und höchsten Schlüssel für das Christenleben eines Gläubigen dar: die Erfahrung von Christus in seinem menschlichen Geist. Für diejenigen, die Gott suchen, und für die Gläubigen, die in Christus wachsen wollen, werden diese Botschaften eine feste Grundlage für ein reiches und bedeutungsvolles Christenleben legen.“

Grundlegende Elemente des Christenlebens, Band 2

„Der zentrale Punkt des Christenlebens besteht darin, Christus selbst zu erkennen. Dafür müssen wir Ihn Tag für Tag auf eine lebendige Weise berühren und erfahren. In dieser Erfahrung sind einige grundlegende Elemente enthalten, einschließlich die richtige geistliche Speise, regelmäßige geistliche Anbetung und tiefes geistliches Wachstum. In Grundlegende Elemente des Christenlebens, Band zwei, von Watchman Nee und Witness Lee, werden drei grundlegende Elemente für ein gesundes Christenleben dargeboten: Zeit mit dem Herrn verbringen, Ihn auf eine einfache Weise berühren und auf eine tiefe Weise in Ihm wachsen. Diese Botschaften werden suchende Christen in die reiche Nahrung im Wort Gottes, in eine Augenblick-für-Augenblick-Berührung mit Christus und in die tiefe, verborgene Erfahrung von Gott hineinbringen.“

Grundlegende Elemente des Christenlebens, Band 3

„Es gibt weitere Erfahrungen von Christus, die für das Christenleben grundlegend sind. Als Gläubige sollten wir ein Leben nach dem höheren Prinzip des Lebens führen, anstatt nur nach dem Prinzip von falsch und richtig. Wenn das Leben Gottes in uns wirkt, bringt uns das Scheinen dieses Lebens in einen rechten Lebenswandel und baut uns mit anderen Gläubigen zu einem korporativen Ausdruck Gottes auf, der die Gemeinde ist. In Grundlegende Elemente des Christenlebens, Band drei, von Watchman Nee und Witness Lee, werden diese Erfahrungen im Einzelnen erläutert. Diese Botschaften werden allen Gläubigen geistliche Speise geben, und zwar sowohl für ihr individuelles Wachstum im Herrn als auch für das Wachstum und den Aufbau der Gemeinde.“

(http://mass.ministrybooks.org/de/download-books/)

Es ist eine subtile Verfremdung, die hier durchschimmert, die eine Sehnsucht anspricht, welche die Spannung des Glaubens nicht zu ertragen bereit ist: Christus „erfahren“ und „spüren“. Wir aber wandeln im Glauben und nicht im Schauen (2.Kor 5:7), und wir sind nicht zu etwas gelangt, das man „berühren“ könnte (Heb 12:18). „Erfahrung“ ist überhaupt kein biblischer Begriff, um das Leben mit Christus zu beschreiben. Das einzige Wort, das dem nahe kommt, finden wir in Gal 3:4, welches ich nach mehreren Übersetzungen zitieren will, um einen Punkt zu unterstreichen:

Gal 3:4 (NEU – VanHeiden) Habt ihr so große Dinge vergeblich erfahren? Falls es wirklich vergeblich war!

Gal 3:4 (ELB) Habt ihr so vieles vergeblich gelitten? wenn anders auch vergeblich?

Gal 3:4 (Luther) Habt ihr denn so viel umsonst erlitten? Ist’s anders umsonst!

Gal 3:4 (Schlachter) So viel habt ihr umsonst erlitten? Wenn es wirklich umsonst ist!

Der Kontext mag dazu verleiten, das zugrunde liegende Wort (πάσχω, πάθω, πένθω) hier mit „erfahren“ zu übersetzen, denn es geht um den Empfang und die Taten des Geistes, welchen die Galater durch den Glauben und nicht durch das Gesetz empfingen. Andererseits gehört zum Glauben ebenso die Verfolgung, und darauf wird hier angespielt mit dem Leiden. Genau das meint das Wort auch sonst immer (!) im Neuen Testament, wo es insgesamt 42x vorkommt. Solche Erfahrungen werden jedoch gewöhnlich nicht angestrebt, wenn man davon schwärmt, „Christus im Alltag zu erfahren“.

Das christliche Leben ist sehr viel nüchterner: Der Geist Gottes führt durch das Wort zur Vollkommenheit. Darum lautet der Auftrag des Herrn ganz schlicht und klar, alles halten zu lehren, was Er geboten hat (Mat 28:20). Damit sind wir wieder auf dieser fundamentalen Ebene des Gehorsams:

Mat 7:24-25 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, den vergleiche ich einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen baute. Da nun ein Platzregen fiel und ein Gewässer kam und wehten die Winde und stießen an das Haus, fiel es doch nicht; denn es war auf einen Felsen gegründet.

Einen „höheren Weg“ oder „weitere grundlegende Erfahrungen“ stellt die Bibel uns nicht in Aussicht. Solche Behauptungen sind grundlose Schwärmereien, die uns subtiler Weise dem Wort entfremden. Was in Diskussionen dann immer durchklingt, ist, dass Erfahrung das Wort überstimmt.

Um es zusammenzufassen:

  • Spr 3:5-6 meint nicht, dass wir den Verstand nicht gebrauchen sollen, sondern meint den von Gott und Seinem Wort unabhängigen Verstand.
  • Führung Gottes im Alltag geschieht vorrangig und primär durch das Wort Gottes, indem wir Seine Gebote lernen und tun.
  • Die Führung des Geistes durch das Wort ist es, welche uns zur Umkehr führt, unterweist und vervollkommnet.
  • Die Führung des Geistes hat nichts mit Orakelsprüchen zu tun.
  • „Erfahrung“ oder „Spüren“ sind keine biblischen Kategorien in der Nachfolge des Herrn.
  • Das Studium der Bibel nach allen Regeln der Kunst ist nicht per se ungeistlich, nur weil der Verstand dabei gebraucht wird. Im Gegenteil, dies sollte die Regel sein, wenn wir Gott mit unserem ganzen Verstand lieben.
  • Die Idee, über das Wort hinaus zu persönlichen Offenbarungen zu gelangen, und dies als das normale Christenleben und Ziel jedes Gläubigen zu bezeichnen, ist nicht im Einklang mit den Lehren der Schrift.
  • Diesen falschen Vorstellungen liegen gnostische Ansätze zugrunde, wie sie vor allem in der charismatischen Bewegung und durch Watchman Nee Verbreitung fanden.

 

 

 

 

 

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