Erniedrigt und erhöht in Christus

pansies USA

(Jak 1,9-10)  Der niedrige Bruder aber rühme sich seiner Hoheit, der Reiche aber seiner Erniedrigung; denn wie des Grases Blume wird er vergehen.

Zum Herrn Jesus kann man von zwei Richtungen kommen. Man kann niedrig sein, schwach und arm; oder man kann angesehen, begabt und reich sein. Beide können sich vor Gott in Christus rühmen.

Der Niedrige darf sich rühmen, dass er zu einem königlichen Geschlecht gehört. In Christus wird er erhöht und unglaublich aufgewertet. Was bedeutet das für uns und unsere Selbstwahrnehmung? Stellen wir uns vor, wie dieses Wort in den Ohren eines Sklaven geklungen hat:

(1Petrus 2,9)  Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.

Wie verändert diese Perspektive sein Leben in Niedrigkeit? Es gibt eine stille, innere Würde: „Meine Stunde kommt noch! Heute folge ich dem nach, der aller Menschen Knecht geworden ist, um wie Er erhöht zu werden.“ Onesimus war so ein Sklave, den Paulus zu Philemon zurück geschickt hat; aber in der Gemeinde ist der Niedrige nicht mehr niedrig. Einige Jahrzehnte später lesen wir von ihm in einem Brief. Ignatius beschreibt ihn um 110 n.Chr. in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus:

(Ign.-Eph. 1,3) „Ich habe also eure ganze Gemeinde im Namen Gottes empfangen in der Person des Onesimus, eines Mannes von unbeschreiblicher Liebe, eures Bischofs im Fleische, den ihr nach Christus – das wünsche ich – (am meisten) lieben und dem ihr alle ähnlich sein sollt; denn gepriesen sei der, dessen Huld euch für würdig hielt, einen solchen Bischof zu besitzen.“

Der Kranke kann sich seiner Gesundheit rühmen! Ja, hier gibt es Schmerzen, aber Gott wird alle Tränen abwischen und an den Ufern des kristallklaren Flusses stehen die Bäume des Lebens, deren Blätter uns Heilung geben werden. Fanny Crosby, die Liederdichterin, redet in dem Lied „Preist den Herrn“ davon, wieviel größer und höher und reiner es sein wird, wenn wir jubelnd und schauend droben einziehen. Fanny Crosby war blind, aber sie dichtet wie eine Sehende – ja, sie weiß, dass sie Gott mit erneuerten Augen sehen und jubeln wird.

Paulus selbst hatte ein unheilbares Leiden, wahrscheinlich mit den Augen, und er lernte, seine Schwachheit als Gnade zu erkennen, in der Gottes Kraft mächtig wirken kann. Die Blinde Fanny Crosby hätte in der Welt keinen guten Job bekommen, wäre als hochgradig invalid in die Nutzlosenpension geschickt worden. Aber in der Gemeinde sind die Kranken eben nicht wertlos! Sie können in ihrer Schwachheit Gott verherrlichen und ihre Werke folgen ihnen nach.

Weiters: So wie die schwachen Glieder mehr Ehre bekommen, so soll an den armen, den kranken und niedrigen Gliedern der Gemeinde die Liebe der Christen offenbar werden. Denn die Liebe untereinander, an der wir als Jünger Christi erkannt werden sollen, setzt auch Bedürftigkeiten voraus. Einer hat Überfluss, der andere Mangel – in der Liebe soll ein Ausgleich stattfinden. Ohne die Niedrigen hätte die Liebe weniger Gelegenheiten Christus zu verherrlichen.

Darum sollen die Niedrigen sich ihrer Hoheit rühmen.

Und die Reichen sollen sich ihrer Erniedrigung rühmen.

Die Erkenntnis der Sterblichkeit macht es deutlich: Das Totenhemd hat keine Taschen, ein Kamel geht nicht durch das Nadelöhr. Der Reiche kann sich also nicht des Reichtums rühmen, denn dieser ist im ein Fallstrick des Todes.

Er kann sich nur der Niedrigkeit rühmen, indem er sich wie Christus aller Herrlichkeit entäußert und arm wird, damit andere durch seine Armut reich würden. „Verkaufe, was du hast, und gib den Erlös den Armen“, sagt der Herr Jesus den Reichen. Komm herab und werde niedrig!

Dieser Niedrigkeit kann der Reiche sich rühmen, denn sie ist für ihn der Weg zum Leben. Das war auch die Haltung eines reichen Zyprioten, eines Leviten:

(Apg 4,36-37)  Joseph aber, der von den Aposteln Barnabas zubenamt wurde (was verdolmetscht heißt: Sohn des Trostes), ein Levit, ein Cyprier von Geburt, der einen Acker besaß, verkaufte ihn, brachte das Geld und legte es nieder zu den Füßen der Apostel.

Der Reichtum ist an sich ein Fluch und ein Weg des Todes, von dem wir aber durch Christus frei werden können. Es gibt viele Beispiele von Menschen, die wie Barnabas den ungerechten Mammon dazu verwendet haben, Gott zu verherrlichen, indem  sie den Armen damit dienten.

Die Angesehen, Klugen und Gewandten gehören auch in diese Kategorie. Unsere Weisheit und Rhetorik kann ein Fallstrick sein, Gottes einfache Worte aufgrund ihrer Torheit zu verwerfen. Der Weise kann sich ebenso der Torheit rühmen, um ein Narr um Christi willen zu werden, wie Paulus das tat:

(1.Kor 2,1-2)  Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht nach Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit, euch das Zeugnis Gottes verkündigend. Denn ich hielt nicht dafür, etwas unter euch zu wissen, als nur Jesum Christum und ihn als gekreuzigt.

Wenn der Glaube auf menschlicher Weisheit beruht, wo bleibt dann Gottes Kraft, die doch nur in den Schwachen mächtig ist?

Das heißt aber, wir müssen selbst niedrig werden und loslassen

Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn

Im Nachdenken über diese Zusammenhänge des „sich selbst Rühmens“ fiel mir die folgende Stelle ein.

(1.Kor 1,30-31)  Aus ihm aber seid ihr in Christo Jesu, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; auf dass, wie geschrieben steht: „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn“.

Wie kann der Niedrige sich seiner Hoheit rühmen?

Indem er erkennt, wer er in Christus ist. Der Niedrige blickt auf den erhöhten Christus.

Wie kann der Reiche sich seiner Niedrigkeit rühmen?

Indem er erkennt, wer er in Christus ist. Der Reiche blickt auf die Armut und Erniedrigung Christi.

Das Geheimnis dieser paradoxen Worte im Jakobusbrief ist Christus. Wenn wir das Brot brechen und den Wein trinken, geht es auch für uns um die Frage: Wer bin ich in Christus? Bin ich niedrig, aber erhöht in Christus? Bin ich reich, aber erniedrigt in Christus?

Bin ich überhaupt in Christus?

Advertisements