Frucht bringen

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Heiß brennt die Sonne auf den Acker und den Gemüsegarten. Der Bauer geht über das Feld und prüft das Wachstum der Pflanzen und die trockene Erde. Er verlegt die Rohre für das Bewässerungssystem und muss dabei mehrmals in der prallen Sonne zwischen dem Anhänger hinter dem Traktor und immer weiter zwischen die Pflanzen vordringen. Insekten umschwirren ihn mit lästigem Gebrumm und Sein Hemd ist schweißdurchtränkt. Das klingt nach Arbeit. Nach harter Arbeit … für uns, die wir die Gurken im Supermarkt und das Brot beim Bäcker kaufen, ist das wie ein Bericht aus einer anderen Welt. Geht das alles nicht viel einfacher?

Das überraschende dabei: All die Arbeit, die der Bauer investiert, ändert nichts an der den Samen innewohnenden Lebenskraft. Jeder Same bringt von sich selbst den Halm und die Ähre, die Rebe und den Kürbis hervor. Nichts, was wir tun, kann dieses Wunder des Lebens erzeugen. Warum tun wir das alles dann? Weil alles, was wir an Pflege unterlassen, die Saat eingehen lässt.

Genau so ist es mit der Saat, die Gott ausgesät hat. Diese Saat fiel zum Teil auf den Weg, wo die Vögel sie auffraßen. Ein Teil fiel auf steinigen Boden, wo sie zwar aufging, aber verdorrte. Ein Teil wurde von Unkraut überwuchert und ging ein. Nur der vierte Teil ging auf und brachte es bis zur vollen Ähre. Diese Geschichte erzählte der Herr Jesus und erklärte sie den Jüngern:

(Luk 8:11-15) Das Gleichnis bedeutet folgendes: Das Saatgut ist Gottes Wort. Das, was auf den Weg gefallen ist, meint Menschen, die Gottes Botschaft hören. Aber dann kommt der Teufel und nimmt ihnen das gesäte Wort wieder aus dem Herzen weg, so dass sie nicht glauben und deshalb auch nicht errettet werden. Die Menschen, die dem felsigen Boden entsprechen, hören das Wort und nehmen es freudig auf. Aber sie haben keine Wurzeln. Eine Zeitlang glauben sie, doch wenn eine Zeit der Prüfung kommt, wenden sie sich wieder ab. Andere Menschen entsprechen der Saat, die ins Dornengestrüpp fällt. Sie haben die Botschaft gehört, sie aber im Lauf der Zeit von den Sorgen, vom Reichtum und den Genüssen des Lebens ersticken lassen, so dass keine Frucht reifen kann. Die Menschen schließlich, die dem guten Boden gleichen, hören die Botschaft und nehmen sie mit aufrichtigem Herzen bereitwillig auf. Sie halten daran fest, lassen sich nicht entmutigen und bringen durch ihre Ausdauer Frucht.

Worüber freut sich der Bauer? Freut er sich daran, dass er den Samen überall hin ausgestreut hat? Das ist ihm sicher zuwenig. Freut er sich darüber, dass er immerhin in drei von vier Fällen auch aufgegangen ist? Auch dafür streut er den Samen nicht. Er freut sich nur dort, wo der Same auch die Frucht zur Ernte brachte.

Der Same ist das Wort Gottes, und es bewirkt Leben. Niemand kann durch sein Tun und seine Mühe diesem Samen irgendetwas hinzufügen, dass er keimt, wächst und Frucht bringt. Das liegt alles in der Natur des Samens. Das Wort Gott hat die Kraft, in uns Neues leben zu bewirken, uns geistlich wachsen zu lassen, damit wir für Gott Frucht bringen. Aber es gelingt nicht immer. Und der Herr Jesus nennt die Gründe beim Namen: Schwierigkeiten, Alltagssorgen, Reichtum, Vergnügungen.

Wer ist schuld? Der, der die anvertraute Pflanze nicht hegt und pflegt. Die Ursachen für das Sterben des Glaubens sind Dinge, von denen der Herr und die Apostel immer wieder reden, dass wir darauf achten sollen. Wir sollen im Glauben Tiefgang entwickeln, wir sollen einen gesunden Abstand zu weltlichen Dingen halten. Wir können nicht Gott und dem Geld dienen. Viel hat mit Glauben zu tun, viel mit Gehorsam – und Jesus sagt es: Es hat mit Ausdauer zu tun.

Aber ist das nicht gesetzlich? Heißt das nicht, dass ich nur durch mein Zutun errettet werden kann? Ja und nein. Wenn wir uns den Bauer von vorhin vor Augen halten, ist das schon ein schweißtreibendes Bild. Wenn wir nun glauben, dass der Schweiß des Bauers die Frucht bewirkt, so irren wir. Er kann dem Saatgut nichts geben, was nicht bereits im Samenkorn angelegt ist. Wir können dem Wort Gottes nichts hinzufügen, was nicht bereits in diesem Wort angelegt ist, dass es in uns diese Frucht bringt.

Der Bauer und wir haben einzig darauf zu achten, dass genug Wasser und Erde da ist, und dass nichts neben der guten Saat wächst, was dieser das Wasser und die Nahrung entzieht. Das hat mit Gesetzlichkeit und Werksgerechtigkeit gar nichts zu tun. Das ist einfach das Gesetz von Saat, Wachstum und Ernte. Jeder Bauer kennt es und weiß, was er zu tun hat. Wir, die wir nur den Supermarkt kennen – auch den Supermarkt des Glaubens? – müssen uns neu darauf besinnen.