Gedanken zum Tragen von Bärten

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Mein Bart wird nicht mehr gestutzt, meine Wangen sind zugewachsen, die Länge entspricht mehr und mehr „orthodoxen“ Standards. Welcher „Orthodoxie“? Nun, das ist interessant, denn die orthodoxen Richtungen aller abrahamitischen Religionen stimmen ja darin überein, dass der Mann einen Bart tragen soll, und zwar einen möglichst „eindeutigen“.

  • Das trifft auf die orthodoxen Juden zu.
  • Das fällt bei den strenggläubigen Muslimen auf.
  • Mönche und Priester der orthodoxen Kirche tragen Bärte.
  • Die historischen Täufergemeinden haben in der Regel die Regel, dass Männer Bärte tragen sollen.

Im Canon 25 der Statuta ecclaesia antiqua heißt es: „Clerus nec comam nutriat nec barbam radat.“ (Der Klerus soll sich weder das Haar lang wachsen lassen, noch den Bart rasieren). Das war offenbar eine Korrektur der in Rom unter dem Klerus bereits um sich greifenden Rasur, wie aus einer Bemerkung des Hieronymus hervorgeht.[1] Was hier dem Klerus abverlangt wird, galt früher jedoch allen christlichen Männern.

In einer Anweisung zum christlichen Leben, dem mehrbändigen Werk „Paidagogos“, gibt der alexandrinische Bibelschulleiter Clemens im 2. Jahrhundert folgende Anweisungen:

„Denn Gott hat es so gewollt, daß das Weib eine glatte Haut habe und sich nur an dem natürlichen Schmuck ihres Haupthaares freue, wie das Pferd an seiner Mähne; den Mann dagegen hat Gott wie die Löwen mit dem Bart geschmückt und ihm zum Zeichen der Männlichkeit eine behaarte Brust gegeben; dies ist ein Kennzeichen der Kraft und der Befugnis zu herrschen.“ (Paid III,3,18)

„Dieses Kennzeichen des Mannes, der Bart, durch den sich einer als Mann erweist, ist älter als Eva und ist ein Sinnbild der stärkeren Natur. Gott hielt es für richtig, daß für den Mann das Behaartsein angemessen ist, und ließ über den ganzen Körper des Mannes sich die Haare ausbreiten; … Es ist also unrecht, sich an dem Kennzeichen der männlichen Natur, der Behaarung, zu vergreifen. Wenn man sich aber damit schön machen will, daß man die Haare entfernt (ich komme nämlich ganz in die Hitze, wenn ich die Worte höre), so verrät es einen Weichling, wenn es Männern zulieb geschieht, und einen Ehebrecher, wenn es Weibern zulieb geschieht. … „Aber auch alle Haare eures Hauptes sind gezählt“. sagt der Herr. Gezählt sind aber auch die Haare am Kinn, ja sogar die am ganzen Körper.“ (Paid III,3,19)

„Man darf also auf keinen Fall gegen Gottes Absicht das Haar, das nach seinem Willen mitgezählt ist, herausreißen. „Es müßte denn etwa sein“, sagt der Apostel, „daß ihr an euch selbst nicht erkennt, daß Christus Jesus in euch ist“; wenn wir nämlich wüßten, daß er in uns wohnt, so kann ich mir nicht denken, wie wir gewagt hätten, ihn schimpflich zu verletzen.“ (Paid III,3,20)

„Es ist ja niemals erlaubt, den Bart auszurupfen, die angeborene Zierde, die echte Zierde für jenen, „Und erst keimet der Bart und der steht in der Blüte der Jugend“. Wenn er aber dann im Alter fortschreitet, dann wird er gesalbt im Schmuck seines Bartes, auf den nach dem Prophetenwort die Salbe herabträufelte, als Aaron geehrt wurde. Es muß aber der richtig Erzogene, auf den sich der Friede niedergelassen hat, auch mit seinen eigenen Haaren Frieden halten.“ (Paid III,3,21)

„„Denn am Aussehen wird man einen Mann erkennen“, sagt die Schrift, „und am Auftreten eines Menschen wird man einen Menschen erkennen; die Kleidung eines Mannes und der Gang seines Fußes und das Lachen seiner Zähne wird verkünden, wie es mit ihm steht.““ (Paid III,3,23 – mit Bezug auf Sir 19:29)

„Was die Haare betrifft, so soll folgendes gelten. Der Kopf der Männer soll kurz geschoren sein, außer wenn einer wollige Haare hat, den Bart dagegen soll man wachsen lassen; die zusammengewundenen Haare sollen aber vom Kopfe nicht zu weit hinabreichen und nicht in die Ähnlichkeit mit Frauenflechten hineingeraten; denn für die Männer genügt es, „starkbärtig“ zu sein. Und wenn einer seinen Bart auch etwas schneiden läßt, so soll er ihn doch nicht ganz abrasieren lassen; denn der Anblick ist nicht schön; und verwerflich ist es, den Bart bis auf die Haut abrasieren zu lassen, weil dies an das Ausrupfen der Haare und das Glätten (der Haut) erinnert. So freut sich der Psalmensänger an dem Barthaar, wenn er sagt: „Wie die Salbe, die auf den Bart, auf den Bart Aarons herabfließt.“ Durch die Wiederholung des Wortes „Bart“ rühmte er das schöne Angesicht und machte es dann mit der Salbe des Herrn glänzend.“ (Paid II,11,60)

„Da man aber das Haarschneiden nicht zur Verschönerung vornehmen soll, sondern weil es nötig ist, so soll man das Kopfhaar schneiden, damit es nicht zu lang wird und beim Herabhängen das Sehen hindert, und vielleicht auch die Haare am Schnurrbart, wenn sie beim Essen verunreinigt werden, aber nicht mit dem Rasiermesser (denn das wäre ungehörig), sondern mit der Haarschere; die Haare am Kinn aber, die einem nichts zu leide tun, soll man in Ruhe lassen, da sie dem Gesicht ein würdiges Aussehen geben, das (die anderen) zu scheuer Zurückhaltung veranlaßt.

Viele hält aber auch ihre äußere Erscheinung davon ab, zu sündigen, weil sie durch sie leicht überführt werden können; für diejenigen dagegen, die nicht offenkundig sündigen wollen, ist es sehr erwünscht, wenn ihre äußere Erscheinung leicht verborgen bleibt und nichts Auffälliges an sich hat; sie hüllen sich gewissermaßen in ihre unauffällige Erscheinung und werden so den Leuten aus der großen Masse, die freveln können, weil niemand sie kennt, ganz ähnlich und haben den Vorteil, daß sie unbesorgt sündigen können.“ (Paid III,11,61)

Man könnte einwenden, bei der Fülle an Aussagen zum Bart, dass dieses Thema vielleicht ein „Steckenpferd“ von Clemens war. Weit gefehlt, denn dieses Werk hatte eine große Reichweite und ziemlichen Einfluss in der frühen Kirche. Fassen wir die Argumente zusammen, die Clemens liefert:

  • (Vom letzten Text beginnend) Es macht einen Unterschied zum Brauch der Welt; christliche Männer sehen anders aus.
  • Sie legen nicht so viel Wert auf äußere Schönheit, um keinen Anlass zur Unzucht oder zum Ehebruch zu geben.
  • Dieses bewusste Anderssein ist auch ein Schutz, sich nicht in Versuchung zu begeben, wo man dann sofort als Christ peinlich auffällt. Ebenso wie ein Mönch in seiner Tracht eher nicht ins Bordell ginge, wohl eher, wenn er in „Zivil“ die Sünde aufsuchte. Den Bart aber können wir nicht ablegen wie eine Tracht. Das macht ihn zu einer Art „Selbstschutz“.
  • Der Psalm 132 rühmt den Bart Aarons – er ist eine Zierde.
  • Der Bart markiert die Wende vom Kind zum Mann.
  • Das spätjüdische Weisheitsbuch Jesus Sirach (Sir 19:29) lehrt im Einklang mit dem Gesetz Moses, dass Männer als Männer am Aussehen erkennbar sein sollen: „Am Aussehen wird ein Mann erkannt werden, und in der persönlichen Begegnung wird der Rechtdenkende erkannt werden; die Kleidung eines Mannes und das Lachen der Zähne und der Gang eines Menschen, das sagt (alles) über ihn aus.
  • Dass Gott alle Haare auf dem Haupt zählt, gilt auch für den Bart, weshalb es ein Frevel gegen Gott ist, den Bart abzurasieren oder gar mit der Wurzel zu entfernen.
  • Der Bart ist so natürlich, d.h. von der Schöpfung her gewollt, wie die Mähne des Löwen.

Dem kann man weder biblisch noch logisch etwas entgegenhalten. Clemens ist in seiner Überzeugung nicht allein.

„Werden nicht auch uns gewisse Dinge untersagt aus Rücksicht auf die ernste Würde, die man wegen der schuldigen Gottesfurcht bewahren muß? Auch den Männern ist die Gefallsucht gegenüber den Weibern, wie den Weibern gegenüber den Männern durch einen Naturfehler angeboren, auch unser Geschlecht hat seine eigentümlichen Kunstgriffe zur Hebung der Gestalt, z. B. den Bart möglichst glatt zu rasieren, dünner zu machen, rundumher zu stutzen, das Haar zu scheiteln, das grau gewordene anders zu färben, stets allen Flaum am ganzen Körper zu entfernen, das Haar mit derselben Pomade, wie sie die Weiber brauchen, glatt zu streichen, die übrigen Teile durch Reiben mit einem gewissen rauhen Pulver zu glätten, bei jeder Gelegenheit den Spiegel zu befragen und ängstlich hineinzuschauen, während doch, wenn man Gott erkannt und die Gefallsucht der Gefahr sinnlicher Lüste wegen abgelegt hat, alle diese Dinge als müßig und der Sittsamkeit zuwider verschmäht werden müßten.“ (Tertullian, Karthago um 200 n.Chr., Über den weiblichen Putz II,8)

(Cyprian beklagt Verfallserscheinungen) „Vergebens suchte man die ergebene Gottesfurcht bei den Priestern, die unbefleckte Treue bei den Dienern; da kannte man keine Barmherzigkeit in den Werken, keine Zucht in den Sitten. Die Männer fälschten den Bart , die Frauen schminkten ihr Gesicht; entstellt wurden die von Gottes Hand geschaffenen Augen und die Haare mit lügnerischen Mitteln gefärbt . Schlauer Trug diente dazu, die Herzen der Einfältigen zu täuschen, tückische Ränke halfen die eigenen Brüder überlisten. Mit Ungläubigen knüpfte man das Band der Ehe, Heiden gab man die Glieder Christi preis.“ (Cyprian, Karthago um 250 n.Chr., Über die Gefallenen Kp 6)

„Glauben wir, daß der von ganzem Herzen jammert und mit Fasten, Weinen und Wehklagen den Herrn anfleht, der vom ersten Tage seines Vergehens an tagtäglich die Bäder besucht, der lieber an üppiger Tafel schwelgt und mit allzu reichlichen Speisen sich den Magen überlädt, so daß er tags darauf noch das Unverdaute von sich gibt, anstatt Speise und Trank mit der Not der Armen zu teilen? Beweint etwa der seinen Tod, der heiter und fröhlich einhergeht und, obwohl geschrieben steht: „Ihr sollt die Gestalt eures Bartes nicht entstellen“, den Bart zustutzt und sein Gesicht herausputzt? Und da sucht jetzt einer, der Gott mißfällt, noch jemand anderem zu gefallen?“ (Cyprian, Über die Gefallenen Kp 30)

„Cyprian grüßt seinen Sohn Quirinus. In dem Glauben und der Ergebenheit, die du Gott entgegenbringst, hast du, teuerster Sohn, mich gebeten, ich möchte zu deiner Belehrung aus den heiligen Schriften einige Abschnitte auswählen, die sich auf die Zucht unserer Religion beziehen. Dabei ist es dir um einen kurzen, sorgfältigen Abriß der göttlichen Schriften zu tun, damit dein Gott ergebener Sinn nicht erst durch lange und zahlreiche Schriftbände ermüdet, sondern durch einen Auszug aus den himmlischen Geboten unterwiesen wird und eine heilsame und großzügige Zusammenfassung zur Erleichterung für das Gedächtnis hat.

… 84. (von 120) Man darf sich nicht den Bart abnehmen.“ (Leitsätze an Quirinus, Schriftbeweise III)

„Stutze nicht die Ecken deines Bartes, und ändere nicht die natürliche Gestalt deines Gesichtes, und mache es nicht anders als Gott es geschaffen hat, weil du den Menschen zu gefallen wünschest. Und wenn du dies tust, wirst deine Seele des Lebens ermangeln, und du wirst ein Verworfener vor Gott, dem Herrn, sein. Hüte dich also, da du Gott gefallen willst, dergleichen zu tun, und halte dich fern von allem, was der Herr hasst“ (Didaskalia Kp 2, Syrien um 280 n.Chr.)

„Deßwegen soll man auch den Bart nicht verderben, noch die Gestalt des Menschen naturwidrig verändern, denn das Gesetz sagt: „Ihr sollt euch nicht des Bartes berauben.“ Denn Gott der Schöpfer hat die Frauen zu ihrer Zierde mit keinem Bart versehen, für die Männer aber fand er den Bart geeignet. Du aber, der du aus Gefallsucht den Bart scheerest, widersetzest dich dem Gesetze und bist verabscheuungswürdig vor Gott, der dich nach seinem Bild geschaffen hat. Wenn du daher Gott gefallen willst, steh ab von all‘ dem, was verhaßt ist, und thue Nichts von dem, was ihm mißfällig ist.“ (Apostolische Konstitutionen, Syrien, ca 380 n.Chr.)

„Dagegen ist manches am Leibe vorhanden, was lediglich der Zier dient, nicht auch einem Gebrauche; wie denn die männliche Brust Warzen hat, das männliche Antlitz einen Bart aufweist, der nicht etwa zum Schutz, sondern zum Mannesschmuck dient, wie das glatte Gesicht der Frau zeigt, die als das schwächere Geschlecht ohne Zweifel noch mehr Anspruch auf Schutz hätte.“ (Augustinus, Hippo um 400.Chr., Über den Gottesstaat XXII,24)

Das bedeutet jetzt nicht, dass es mit der äußeren Erscheinung alleine getan sei.

„Du kannst mehr als einen kennenlernen, der die Lenden gürtet, mit dunklem Gewande und langem Barte daherkommt, aber sich nicht von den Frauen trennen kann, mit ihnen unter einem Dache haust, zusammen mit ihnen zu Schmausereien geht, sich von jungen Mädchen bedienen läßt, so daß, abgesehen vom rechtlichen Titel, eine wirkliche Ehe vorliegt. Aber daran ist nicht die christliche Religion schuld, wenn sie als Deckmantel des Lasters mißbraucht wird. Es ist eher eine Beschämung für die Heiden, wenn sie sehen, wie die Kirchen sich gegen das auflehnen, woran alle anständigen Menschen Anstoß nehmen.“ (Hieronymus, um 400 n.Chr. An Rusticus Kp 6)

Das aber ist kein Argument gegen den Bart, sondern unterstreicht nur, was auch Clemens sagte: Das bewusste Annehmen einer biblisch-christlichen Erscheinung sollte vor Sünde bewahren. Man kann natürlich auch hier abstumpfen.

Was hat sich nun verändert? Zu den Eigenmächtigkeiten der römisch katholischen Kirche gehört die Abschaffung des Bartes beim Klerus im Mittelalter. Wie zuvor zitiert, lautete die Regel zumindest für den Klerus noch im 5. Jahrhundert: „Clerus nec comam nutriat nec barbam radat.“ (Der Klerus soll sich weder das Haar lang wachsen lassen, noch den Bart rasieren). Daraus schließe ich, dass es bei den Laien in der mittlerweile zur Massenkirche entarteten Kirche nicht mehr möglich war, diese Regel durchzusetzen; diese folgten gewohnheitsmäßig der römischen Kultur und Sitte des Rasierens.

In den frühmittelalterlichen Überlieferungen wurde jedoch das „nec barbam radat“ in „sed barbam radat“ verändert; also statt „und den Bart nicht rasieren“ „aber den Bart rasieren“, wodurch die Regel in ihr Gegenteil verkehrt wurde. So kam er dann in die Dekretalen Gregors IX (1227-1241), und von dort ins Corpus Iuris Canonici, ins Kirchenrecht. Darum ist in der Westkirche der Bart abgeschafft worden, wie viele andere biblische und urkirchliche Lehren und Praktiken.[2]

Wer sich rasiert ist also, bewusst oder unbewusst, ein Nachfolger des Papstes oder – meinetwegen – ein „Opfer“ der Nachlässigkeit in Lehre und Praxis seitens der Westkirche. Allerdings haben wir die Heilige Schrift, die uns doch eines Besseren belehren sollte:

Der Bart gehört zum mosaischen Gesetz:

Lev 19:27-28  Ihr sollt nicht den Rand eures Haupthaares rund scheren, und den Rand deines Bartes sollst du nicht zerstören. Und Einschnitte wegen eines Toten sollt ihr an eurem Fleische nicht machen; und Ätzschrift sollt ihr an euch nicht machen. Ich bin Jahwe.

Lev 21:5  Sie sollen keine Glatze auf ihrem Haupte machen, und den Rand ihres Bartes sollen sie nicht abscheren, und an ihrem Fleische sollen sie keine Einschnitte machen.

In beiden Fällen kann man argumentieren, wir Christen seien ja nicht mehr unter dem Gesetz, denn sonst könnten wir uns gleich beschneiden lassen. Das stimmt – diese Verse alleine sind kein ausreichendes Argument. Aber der Bart ist auch keine Erfindung oder Neuerung des mosaischen Gesetzes, sondern Teil unserer geschaffenen männlichen Natur.

2.Sam 10:4-5  Da nahm Hanun die Knechte Davids und ließ ihnen die Hälfte des Bartes abscheren und ihre Oberkleider zur Hälfte abschneiden, bis an ihre Gesäße; und er entließ sie. Und man berichtete es dem David. Da sandte er ihnen entgegen, denn die Männer schämten sich sehr; und der König ließ ihnen sagen: Bleibet in Jericho, bis euer Bart gewachsen ist, dann kommet zurück.

Hier ist klar, dass die Männer als entehrt galten, als man ihnen den Bart zerstörte. So wichtig war die Ehre, dass sie warten sollten, bis der Bart nachgewachsen war. Wie steht es um unser Ehrempfinden?

Ps 133:2  Wie das köstliche Öl auf dem Haupte, das herabfließt auf den Bart, auf den Bart Aarons, das herabfließt auf den Saum seiner Kleider;

Der Bart Aarons wird eigens gewürdigt. Hätten wir so einen Vers gedichtet?

Jes 7:20  An jenem Tage wird der Herr durch ein gedungenes Schermesser, auf der anderen Seite des Stromes, durch den König von Assyrien, das Haupt und das Haar der Beine abscheren; ja, auch den Bart wird es wegnehmen.

Hes 5:1-2  Und du, Menschensohn, nimm dir ein scharfes Schwert: als Schermesser sollst du es dir nehmen und damit über dein Haupt und über deinen Bart fahren; und nimm dir Waagschalen und teile die Haare. Ein Drittel sollst du mit Feuer verbrennen inmitten der Stadt, wenn die Tage der Belagerung voll sind; und ein Drittel sollst du nehmen, und rings um sie her mit dem Schwerte schlagen; und ein Drittel sollst du in den Wind streuen, denn ich werde das Schwert ziehen hinter ihnen her.

Das Scheren des Bartes ist ein Symbol für Gottes Gericht.

Esra 9:3  Und als ich diese Sache hörte, zerriß ich mein Kleid und mein Obergewand, und raufte mir Haare meines Hauptes und meines Bartes aus, und saß betäubt da.

Den eigenen Bart zu zerstören ist Ausdruck tiefer Bestürzung und Trauer.

Was sehen wir aus all dem?

  • Zuerst eine tiefe Wertschätzung der Heiligen Schrift den Bart betreffend.
  • Der Bart als Zierde und Ehre des Mannes.
  • Eine symbolische Bedeutung des Bartes.
  • Der Bart als Kennzeichen des Volkes Gottes gegenüber den Heiden.
  • Die Wegnahme des Bartes im Gericht Gottes.

Ganz allgemein ist der Bart von Gott so gewollt. Wer fragt, warum sollte ich mir den Bart nicht abrasieren, muss sich fragen lassen, warum er sich nicht auch die Augenbrauen abrasieren sollte?

Das Volk in der Bibel, das am meisten „haarophob“ war, waren die Ägypter. Alles, was an Haaren an ihnen spross, scherten sie sich ab! Dann trugen sie stattdessen Perücken und die Pharaonen falsche (!) Bärte! Das heißt, selbst in einer Kultur, der Körperbehaarung verhasst war, hielt sich das Bewusstsein, dass der Bart zumindest ein Zeichen des göttlichen Pharaos bleiben müsse.

Ist es nun Sünde, sich zu rasieren?

Gen 41:14  Da sandte der Pharao hin und ließ Joseph rufen; und sie ließen ihn eilends aus dem Kerker gehen. Und er schor sich und wechselte seine Kleider und kam zu dem Pharao.

Joseph war bereit sein Leben zu verwirken, um nicht mit der Frau des Potiphar zu sündigen. Dafür kam er ins Gefängnis. Als er herauskam, schor er sich – er betrachtete dies nicht als Sünde, und Gott sprach sich nicht dagegen aus, denn Joseph wurde wie ein Ägypter unter den Ägyptern, um so ein Werkzeug zur Rettung Israels zu werden. Man kann daraus schließen, dass es kein todeswürdiges Vergehen ist, sich zu rasieren, wenn es die Umstände wirklich erforderlich machen.

Solche Umstände können auch Krankheiten wie etwa Aussatz sein:

Lev 14:8-9  Und der zu reinigen ist, soll seine Kleider waschen und all sein Haar scheren und sich im Wasser baden; und er ist rein. Und danach darf er ins Lager kommen, aber er soll sieben Tage außerhalb seines Zeltes bleiben. Und es soll geschehen, am siebten Tage soll er all sein Haar scheren, sein Haupt und seinen Bart und seine Augenbrauen; ja, all sein Haar soll er scheren und seine Kleider waschen und sein Fleisch im Wasser baden; und er ist rein.

Das kann aber keine Rechtfertigung für das Rasieren unter normalen Umständen darstellen. Gründe wie die folgenden sind sicher nicht geistlich:

  • Ich will mich der Kultur um mich herum anpassen.
  • Ich will nicht als „anders“ auffallen.
  • Ich finde es einfach attraktiver und schöner so.
  • Es ist mir schlicht und ergreifend unangenehm.
  • Meine Frau mag den Bart nicht.

Ich meine, es liegt weniger auf der Ebene eines Gesetzes. Wer sagt, es gäbe im Neuen Testament kein Gebot, einen Bart zu tragen, missversteht das Wesen des Glaubens. Ein Christ fragt nicht nach Buchstaben des Gesetzes, sondern er fragt nach dem Willen, der Absicht Gottes, die weit tiefer reichen als der Buchstabe, den Buchstaben aber nicht auflösen sondern in vertiefter Weise sogar bekräftigen!

Phil 4:8  Übrigens, Brüder, alles was wahr, alles was würdig, alles was gerecht, alles was rein, alles was lieblich ist, alles was wohllautet, wenn es irgend eine Tugend und wenn es irgend ein Lob gibt, dieses erwäget.

Hat ein Bart etwas mit Würde zu tun? Ist der Bart schön in Gottes Augen? Wohlgefällig? Ich denke: Ja.

1.Kor 11:14-15  Oder lehrt euch nicht auch selbst die Natur, daß, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Unehre für ihn ist? Wenn aber ein Weib langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist? Weil das Haar ihr anstatt eines Schleiers gegeben ist.

Die frühe Kirche hat die Lehre der Natur konsequent auch auf den Bart angewandt. Lehrt die Natur etwa nicht, dass der Mann einen Bart tragen soll? Die Rasur ist doch der tägliche Widerstand gegen die Natur! So wie das lange Haar eine Ehre für die Frau ist (Clemens vergleicht es mit einer Pferdemähne), so der Bart nach dem Gesamtzeugnis der Schrift für den Mann.

Unsere Kultur heute steht auf Kriegsfuß mit folgenden Konzepten

  • Schöpfung und die Ordnung der Schöpfung
  • Der Wert des Leiblichen, des Körperlichen
  • Das Verständnis von Ehre und Schande

Zu all dem ist der Bart des Mannes, bewusst getragen, eine Gegenstellungnahme, ein Zeugnis zur Ehre Gottes. Zu Seiner Ehre soll es auch sein. Merken wir: Es geht nicht um die Frage nach Gesetzen, Zwängen oder Müssen, sondern um eine Haltung, die danach strebt, mehr und mehr in Einklang mit Gottes Willen zu gelangen.

Wenn dieser Text für dich anstößig war, so bitte ich Dich, nicht an mir oder Gottes Wort Anstoß zu nehmen, sondern ihn ein zweites oder drittes Mal zu studieren und zu überlegen, ob sich das Gesamtzeugnis der frühen Kirche so einfach vom Tisch wischen lässt und ob Du ihren Argumenten mehr entgegenzusetzen hast als Verwunderung, negative Gefühle oder gar Trotz? Gerade letzteres ist meines Wissens nicht in der Frucht des Geistes enthalten.

Der Herr segne uns in unserem Wandel und verwandle uns mehr und mehr in das Bild Seines geliebten und erhöhten Sohnes Jesus Christus. Ihm sei die Ehre in Ewigkeit. Amen.

 

[1] Lutherjahrbuch 79. Jahrgang 2012: Organ der internationalen Lutherforschung, S 75

[2] Lutherjahrbuch 79. Jahrgang 2012: Organ der internationalen Lutherforschung, S 76

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