Kleider reden lauter als uns lieb ist

Daniel_Chodowiecki_Modetorheit

Paul Watzlawick sagte einmal, man könne nicht nicht kommunizieren. Zudem erfolge mehr als die Hälfte der Kommunikation nonverbal. Dazu zählt auch die Art, wie wir uns kleiden.

Wir legen in unserer Gemeinschaft Wert darauf, dass unsere Kleidung biblischen Prinzipien gerecht wird. Das betrifft Männer und Frauen, obwohl im Neuen Testament hauptsächlich die Frauen direkt darauf angesprochen werden. Betrachtet man aber das Gesamtzeugnis der Schrift, so wird rasch klar, dass es beide Geschlechter betrifft und keinesfalls ein Randthema ist.

 

Nacktheit und Scham

Zum ersten Mal kommt das Thema Kleidung am Beginn der Bibel vor, als die Menschen noch im Garten Eden lebten:

1.Mose 2,25  Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.

Im noch sündlosen Zustand war keine Kleidung nötig. Die Menschen waren rein in ihren Gedanken, Motiven und ihrem Umgang miteinander. Das änderte sich mit dem Sündenfall:

1.Mose 3,7  Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, daß sie nackt waren; und sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schurze.

Durch die Sünde änderte sich etwas in der gegenseitigen Wahrnehmung. So wie die Frucht des verbotenen Baumes eine „Lust für die Augen“ und „begehrenswert“ war (1.Mose 3,6), trat durch die Sünde Begierde ins Leben der Menschen. Begierde aber folgt den Augen. Ihrem Wesen nach ist Begierde zudem selbstsüchtig und besitzergreifend. So wurden sie in ihrer Nacktheit zu Objekten (!) der Begierde. Wenn aber ein Mensch zu einem Objekt wird, hört er auf, Mensch zu sein. Darum fühlen sich Vergewaltigungsopfer nicht nur missbraucht, sondern auch benutzt. Dieser Beigeschmack kennzeichnet fast alle erotischen Beziehungen, die von der Begierde geleitet sind.

Die natürliche Reaktion der Menschen war, sich davor zu schützen zum Objekt der Begierde des anderen degradiert zu werden. Sie bedeckten die Schamregion, die in der deutschen Sprache nicht umsonst so heißt. Wer sich vor anderen entblößen muss, zum Beispiel bei der ärztlichen Untersuchung, muss die eigene Schamgrenze überwinden. Wer nichts dabei findet, sich nackt vor anderen zu zeigen, gilt als schamlos. Die Mode unserer Tage, die möglichst viel nacktes Fleisch in Begierde weckender Form präsentieren will, ist eine schamlose Mode.

Scham ist also ein natürlicher Schutzmechanismus, der uns Maßnahmen ergreifen lässt, Mensch zu bleiben, ohne zum Objekt der Begierde anderer degradiert zu werden. Scham ist gottgewollt und gut, wie jeder andere Instinkt, der unser Leben bewahren soll.

1.Mose 3,21  Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Kleider aus Fell und bekleidete sie.

So richtig die Reaktion der ersten Menschen, sich selbst zu bekleiden, war, so unzureichend war sie auch in Gottes Augen. Doch auch uns ist es einsichtig, dass der Schurz aus Feigenblättern nur eine Notlösung sein konnte. Sie verrutschen leicht, sie sind nicht sehr haltbar, man kann damit nicht arbeiten. Darüber hinaus bedecken sie nur das Allernotwendigste. Gott hingegen machte ihnen Kleider aus Fell. Da ist zum einen das Material anders: Es ist stabiler, wärmt besser, man kann darin arbeiten und es ist auch blickdicht. Zum anderen ist der Schnitt anders: Es ist ein Leibrock, der von den Schultern abwärts bis über die Knie den Körper bedeckt.

Damit gibt Gott, der HERR, selbst uns das Prinzip, nach dem wir unsere Kleidung fertigen sollen: Praktisch und die Nacktheit des Körpers vollständig verhüllend. Das Ziel ist die Scham und damit die Menschenwürde zu wahren.

 

Schmuck, Stolz und die Kunst der Verführung

Da der gefallene Mensch von der „Lust der Augen“ zur „Begierde“ gezogen wird und auch werden will, macht er aus der Notwendigkeit der Kleidung eine Untugend. Er kleidet sich so, dass genau das Gegenteil dessen erreicht wird, was Kleidung bezwecken soll.

Jes 3,16-23  Und der Herr sprach: Weil die Töchter Zions stolz geworden sind und mit emporgerecktem Hals einhergehen und herausfordernde Blicke werfen; weil sie trippelnd einherstolzieren und mit ihren Fußspangen klirren, deshalb wird der Herr den Scheitel der Töchter Zions kahl machen, und der Herr wird ihre Scham entblößen.

An jenem Tag wird der Herr die Zierde der Fußspangen, der Stirnbänder und Halbmonde wegnehmen, die Ohrgehänge, die Armspangen, die Schleier, die Kopfbünde, die Schrittfesseln und die Gürtel, die Riechfläschchen und die Amulette, die Fingerringe und die Nasenringe, die Festkleider und die Mäntel, die Überwürfe und die Täschchen; die Handspiegel und die Hemden, die Hüte und die Schleier.

Besonders die Frauen bemühen sich, optisch Aufmerksamkeit zu erregen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Einerseits liegt es in der Regel beim Mann, um eine Frau zu werben. Dazu muss die Frau potenziellen Ehemännern positiv auffallen. Andererseits haben Frauen ganz allgemein eine stärkere Neigung, Dinge, das Haus und sich selbst schön zu gestalten; während bei Männern die Funktionalität vor der Ästhetik kommt. Darum bekommen Frauen auch viel eher von Frauen Komplimente, sodass – interessanterweise! – Frauen sich oft deshalb schön machen, um anderen Frauen zu gefallen und manchmal sogar irritiert reagieren, wenn über die Lust der Augen die Begierde der Männer geweckt wird.

Gott sieht aber eine Ebene tiefer und erkennt den Stolz, der dahinter steckt, wenn sich Frauen nicht nur zweckmäßig und ordentlich bekleiden, sondern durch auffälligen und teuren Tand glänzen wollen. Seine Gerichtsworte sind hart: Er wird ihnen die Haare abscheren (vgl. dazu auch 1.Kor 11,6) und ihre Scham entblößen, d.h. ihren Intimbereich zur Schau stellen. Warum das? Weil die Art und Weise, wie sie sich präsentieren in Wirklichkeit darauf hinausläuft: Die Begierde des Mannes über die Augenlust zu wecken und ihn zur Unzucht verleiten. Wenn schon, denn schon: Dann geh doch gleich nackt – und damit man nicht auf die Idee kommt, das sei ehrenhaft, wird der Frau durch das Kahlscheren ihre Herrlichkeit und Ehre genommen (vgl. 1.Kor 11,6+14-15).

Stolz und Unzucht gehen hier Hand in Hand. Gott macht klar, dass Er das nicht will – und doch basiert die gesamte Modeindustrie auch der Gegenwart auf diesem Prinzip.

Johannes Gaulke schrieb 1907 einen Text über die Modetheorie. Darin führt er aus: „Das Altertum war in dieser Beziehung noch glücklich daran, eine Kleidermode in unserem Sinne kannte es nicht, der Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Kostüm war gering, die Kleidung war noch nicht mit dem Körper verwachsen; erst unserer Zeit war es vorbehalten, den Körper in Kostümstücke einzupressen und geschmacklos zu behängen. Unsere Zeit hat aber die Kleiderfrage oder die Mode zugleich zu einer wirtschaftlichen Erscheinung gemacht. Allerdings verdankt die Mode ihre wirtschaftliche Bedeutung wiederum ihren Beziehungen zum Sexualleben. Bald bricht sich eine Mode Bahn, weil sie die Geschlechtsmerkmale (den weiblichen Busen oder das Becken) stark hervorhebt und vergrößert, bald weil sie einen reizvollen Körperteil entblößt.“

Was 1907 galt, gilt heute noch vielmehr. Unsere Mode und Kultur ist schamlos geworden, was dazu führt, dass das Schamgefühl bewusst unterdrückt wird.

Kleidung und Identifikation

Man kann Kleidung in verschiedene Kategorien unterteilen, zum Beispiel Tracht, Uniform, Arbeitskleidung, Kleider für festliche Anlässe, standesgemäße Kleidung. Vieles davon hat mit Identifikation zu tun. Ich werde als zu einer Gruppe zugehörig erkannt, ich kann beruflich zugeordnet werden.

5.Mose 22,11-12  Du sollst keine Kleidung aus verschiedenartigen Garnen anziehen, die aus Wolle und Leinen zusammengewoben ist. Du sollst dir Quasten machen an die vier Zipfel deines Überwurfs, mit dem du dich bedeckst.

Ein Israelit war an der Art seiner Kleidung zu erkennen, wie ein Österreicher an seiner Tracht als Österreicher erkennbar ist. Experten können sogar das Alpental nennen, aus dem die Tracht stammt.

Wir sind der Überzeugung, dass es Christen nicht gut ansteht, sich durch eine nach sexuellen Zielen gestaltete Mode der Schamlosigkeit der Welt gleich zu machen. Denn dadurch werden wir auch mit den Werten und Zielen dieser Mode identifiziert. Wir bestätigen und akzeptieren den Lifestyle, für den diese Mode steht. Da dies für fast alle Kleider gilt, die heute als Massenware angeboten werden, ist die Auswahl akzeptabler Kleidungsstücke sehr klein geworden. Das entschuldigt uns aber nicht, denn das Gebot Gottes ist eindeutig:

Röm 12,2  Und paßt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.

Wir sollen uns dieser Welt nicht anpassen, ihr nicht gleichförmig werden. Das betrifft nicht nur das innere Wesen, denn mit Gleichförmigkeit oder Anpassung ist der gesamte Lebensstil und Wandel gemeint. Wir sollen uns so kleiden, dass wir nicht mit der Schamlosigkeit dieser Welt identifiziert werden. Das geht nur, indem wir uns nicht nach ihrer Mode kleiden.

Wie sollen wir uns nun kleiden?

So, dass es dem guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes entspricht. Er hat uns sogar deutliche Grundsätze gegeben, für die wir zeitgemäße Anwendungen finden müssen. Dazu müssen wir aber das tun, was der Apostel sagte: Prüfen! Unterscheiden! Nachdenken! Wenn wir unsere Gesinnung ändern, werden wir mit dem Modeangebot nicht mehr zufrieden sein. Wenn wir keinen Gedanken darauf verwenden, werden wir gleichgültig mit der Masse schwimmen, mit der Masse identifiziert werden und mit der Masse nach demselben Wort Gottes gerichtet werden. Wir dürfen es uns nicht erlauben, in so offensichtlichen Dingen indifferent zu bleiben, denn uns ist es aufgetragen, eine Stadt auf dem Berg und ein Licht für die Welt zu sein – wir müssen anders sein als die Welt, die ins Verderben geht.

Wir alle sind wohl derselben Überzeugung, wenn es darum geht, schmutzige und unreine Worte über unsere Lippen kommen zu lassen. Zurecht verabscheuen wir Zoten, Anzüglichkeiten oder Schamlosigkeit in unserem Reden und dem Reden anderer. Die Kleider reden aber genauso laut und genauso deutlich. Mit derselben Abscheu sollten wir daher allen ablehnen, was die körperlichen Reize betont, Stolz und Luxus zur Schau stellt. Wir sollten solche Kleidung nicht mehr schön oder attraktiv nennen, sondern eine Schande.

Paulus und Petrus schreiben, worauf es ankommt:

1.Tim 2,9-10  Ebenso [will ich] auch, daß sich die Frauen in ehrbarem Anstand mit Schamhaftigkeit und Zucht schmücken, nicht mit Haarflechten oder Gold oder Perlen oder aufwendiger Kleidung, sondern durch gute Werke, wie es sich für Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen.

1.Petr 3,3-4  Euer Schmuck soll nicht der äußerliche sein, Haarflechten und Anlegen von Goldgeschmeide oder Kleidung, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist.

Wenn wir eine Anweisung geben, etwas nicht zu tun, sondern etwas anderes, dann meinen wir nicht, dass beides gleichzeitig möglich ist. Ich darf in die Hühnersuppe keinen Zucker geben, sondern soll mit Salz würzen. Wir können nicht gleichzeitig teuren Schmuck tragen und durch Bescheidenheit glänzen. Wir können nicht gleichzeitig sittsam sein und hautenge Leggins oder Miniröcke tragen. Wir können nicht gleichzeitig ordentlich und besonnen sein und gleichzeitig zerrissene Jeans und T-Shirts mit fragwürdigen Aufdrucken tragen. Und doch legen viele diese Schriftstellen in solch unsinniger Weise aus: „Diese Vorschriften sind nicht absolut zu verstehen, sondern vor dem Hintergrund damaliger Gebräuche […] Paulus verbietet nicht, sich zu schmücken, sondern er warnt  nur davor, dass Nebensächlichkeiten zur Hauptsache werden, wenn man zuviel Zeit und Mühe in sie legt“, schreibt beispielsweise Manfred Roth in einer Fußnote zu 1.Tim 2,9 in seiner Übersetzung des Neuen Testaments. Von solch verharmlosender und abschwächender Bibelauslegung distanzieren wir uns nachdrücklich.

Wir sind nicht berufen, der Kultur um uns herum zu folgen und zu entsprechen. Praktisch jeder Österreicher, besonders die jüngeren, haben selbst jeden Bezug zu ihrer eigenen Kultur verloren und folgen den globalen Trends einer globalisierten Modeindustrie. Sie hören die Hits der US-Hitparade, tragen Kleider, die den Life-Style der Pop-Kultur widerspiegeln, und denken, reden und handeln in allem dementsprechend. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch die christliche Gemeinde ihre eigene Kultur hat, die Kultur des Reiches Gottes.

Wenn wir uns entschieden haben, als Bürger des Reiches Gottes zu leben, sollen wir so erkennbar sein, wie auch die Israeliten äußerlich erkennbar waren. Auch wenn die zitierten Verse nur Prinzipien enthalten, so ist die Anwendung sehr einfach:

Nicht Sondern
Frauen sollen keinen Kurzhaar- oder Männerhaarschnitt tragen. Frauen sollen ihr Haar lang haben, denn Gott hat es als eine Ehre für sie gegeben. Männer sollen ihr Haupthaar kurz tragen (1.Kor 11,14-15).
Frauen sollen keine Männerkleidung und Männer keine Frauenkleidung tragen. (5.Mose 22,5) Die Kleidung soll eindeutig männlich und eindeutig weiblich sein. Auch wenn es Hosen für Frauen gibt, so sind diese in der Regel eng und figurbetont geschnitten. Kultugeschichtlich haben sie aber mit der Frauenbewegung zu tun, denn in unserer Kultur gelten traditionell Röcke als Frauenkleidung (Spruch: „Wer hat bei euch die Hosen an?“). Darum und auch als Zeugnis gegen diese Welt der Ideologien sollen christlichen  Frauen keine Hosen tragen.
Männer sollen den Bart nicht scheren. (3.Mose 19,27 und 21,5) Sie sollen den Bart, den Gott geschaffen hat, zu Seiner Ehre und als Kennzeichnen des erwachsenen Mannes tragen.
Keine engen Hosen (Sittsamkeit etc 1.Tim 2,9) Weit geschnittene Hosen
Keine kurzen Hosen (Sittsamkeit etc 1.Tim 2,9) Lange Hosen, die die Beine bedecken
Keine Miniröcke (Sittsamkeit etc 1.Tim 2,9) Lange, weit geschnittene Röcke, ohne provokanten Schlitz
Keine tief ausgeschnittenen Dekolletes (Sittsamkeit etc 1.Tim 2,9) Hochgeschlossene Blusen
Keine provokanten Aufdrucke (Sittsamkeit etc 1.Tim 2,9) Schlichte, dezente Stoffe

Darüber hinaus haben Kleidungsstücke und Accessoires auch symbolische Bedeutung. Das gilt für weltliche Kleidung ebenso wie für christliche Kleidung. Dazu gehört in unserer täuferischen Tradition das Tragen von Hosenträgern und breitkrempigen Hüten, die beide mit der Tradition der Friedfertigkeit zusammenhängen und eine Geschichte für sich haben.

Seit ich mich entsprechend kleide, ist für alle klar, dass ich mich nicht mehr mit dem Hauptstrom der Gesellschaft identifiziere. Auch wenn die Mitmenschen nicht genau zuordnen können, wo ich dazu gehöre, erkennen sie in der Regel, dass die Motivation dahinter meine Religion sein müsse. So ergeht es fast allen, die sich bewusst nach den christlichen Traditionen kleiden. Genau hier liegt der Zeugnischarakter.

Unsere Kleidung redet. Sie redet laut, und sie spricht Bände. Möge unser übriges Leben nicht im Widerspruch dazu stehen. Amen.

Zum Weiterlesen:

Einwände gegen biblisch-schlichte Kleidung

Gedanken zum Tragen von Bärten

 

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