Mythos Preisgericht

preisgericht

(Anmerkungen zum Beitrag von Martin Schäller in „Bibel und Gemeinde“ 1999-3 „Gibt es unterschiedliche Belohnung im Himmel?“)

Gibt es ein eigenes Preisgericht für Christen?

Wann immer über das Preisgericht gesprochen wird, sind es im Wesentlichen drei Texte, die als Grundlage zitiert werden:

Joh 5,24 – Christen kommen nicht ins Gericht, sondern sind durch den Glauben bereits in das Leben übergegangen

2.Kor 5,10 – wir werden aber vor dem Richterstuhl Christi erscheinen und nach unseren Werken beurteilt werden

1. Kor 3,11-15 – Dabei geht es aber nicht um unser Heil, sondern um den Lohn

In dieser knappen Zusammenstellung scheint die Lehre vom Preisgericht sehr schlüssig; im Kontext aber haben sämtliche Stellen eine völlig andere Betonung, die der Idee vom Preisgericht widerspricht. Ich möchte das der Reihe nach kurz besprechen, weil ich der Meinung bin, dass gute Theologie nicht zum Ziel haben kann, ein theologisches System zu retten, sondern uns Gottes Weg zu unserer Rettung aufzuzeigen.

Die reformatorische Überzeugung

Martin Schäller leitet seinen Aufsatz mit dem Hinweis auf die reformatorische Überzeugung „sola gratia“ ein, die auch bei den Evangelikalen eine große Bedeutung spielt:

„Die reformatorische Überzeugung sola gratia spielt in evangelikalen Kreisen eine große Rolle: Wir sind allein aus Gnaden gerechtfertigt.“

Wenn wir allein aus Gnaden gerettet werden, ohne Werke also, dann können wir auch nicht aufgrund unserer Werke gerichtet werden. Das klingt sehr schlüssig.

Ich möchte hierzu bemerken, dass wir hier der Überreaktion eines durch die katholische Verfremdung des Evangeliums traumatisierten Martin Luthers folgen, der zwar sehr markige und einprägsame Slogans von sich gegeben hat, die aber in ihrer Polemik deutlich über das Wort hinausgehen. Luther hat den Begriff „Werke“ mit anderen Inhalten gefüllt als dies Paulus in seinen Briefen tat. Für Luther sind Werke pauschal alle Handlungen des Menschen, mit denen dieser sich bemüht, Gottes Willen zu tun.

Für Paulus sind es ausschließlich die Werke des mosaischen Gesetzes, die den Heidenchristen von übereifrigen Judenchristen aufgezwungen werden wollten. Für Paulus geht es also nur um die Bedeutung des alten Buchstabens des Gesetzes, besonders der Beschneidung, wenn er von den Werken spricht; hier gilt: Christus ist des Gesetzes Ende, und Juden wie Griechen werden durch Gnade errettet. Für die Juden war das mosaische Gesetz ein Joch, das sie kaum zu tragen vermochten, und deshalb sollte dieses Joch auch nicht den Heiden aufgelegt werden, sagte Petrus auf dem Apostelkonzil.

Aus dieser Auseinandersetzung aber abzuleiten, dass ein Christ zu keinerlei guten Werken fähig sei, und deshalb nur durch Gnade ohne irgendein eigenes Zutun errettet würde, widerspricht demselben Paulus, den man ansonsten für das „sola gratia“ zitiert. Dessen gerühmter Römerbrief beginnt und endet mit dem Begriff Glaubensgehorsam; er schreibt sogar, dass jene, die mit Ausdauer Gutes tun, errettet werden (Röm 2,6-11) und dass wir sterben (verloren gehen), wenn wir die Begierden des Fleisches nicht töten (Röm 8,12-13). Paulus sieht uns keineswegs kraftlos, da wir durch den Heiligen Geist befähigt sind, Gottes Willen zu tun (Röm 8,4).

Jesus beschreibt die Jüngerschaft damit, dass wir lernen, allem zu gehorchen, was Er uns geboten hat (Mt 28,20), und Er wird die ungehorsamen (wörtl. gesetzlosen) Christen am Ende von sich zu zurückweisen (Mt 7,21-23). Die Konsequenz dessen – wieder Paulus – ist, dass wir durch Gehorsam mit Furcht und Zittern unsere Errettung bewirken müssen (Phil 2,12). Nicht aus eigener Kraft, sondern in der Kraft des Heiligen Geistes (Phil 2,13).

Ich sage auf der Grundlage der Schrift ebenfalls, dass wir allein aus Gnade gerettet werden. Doch so, wie es beim Begriff der Werke eine Bedeutungsänderung gegeben hat, so auch bei dem der Gnade. Die Reformation hat Gnade reduziert auf den unverdienten Erlass der Sündenschuld (so die Kurzdefinition in der Elb. Studienbibel im Ggs. zu Barmherzigkeit). Aus Gnade zu leben bedeutet gemäß dieser Kurzdefinition daher, einfach immer aus der Vergebung zu leben. Wir können ja nichts Gutes tun, also brauchen wir laufend die Gnade.

Nach Paulus ist das Evangelium aber eine Kraft Gottes, sodass er sagen kann: „Ich vermag alles durch den, der mich kräftigt.“ Wandel im Geist bedeutet nach dem Neuen Testament das Überwinden des Fleisches und seiner Begierden. Das ist die vergessene Seite der Gnade in der reformatorischen Überzeugung. Die Gnade ist auch belebend, kräftigend und bewirkt in uns das Wollen und Vollbringen der Heiligung. Das nicht automatisch, sondern in Zusammenarbeit mit unserem Einwilligen in das Werk der Gnade. Aus der Gnade leben bedeutet im Neuen Testament daher, in der Kraft Gottes zu überwinden und im Gehorsam zu leben. Die Gnade nimmt uns in Zucht.

Wir sehen also in der reformatorischen Überzeugung zumindest zwei Schlüsselbegriffe – Werke und Gnade – grob verfremdet, sodass das in dieser Überzeugung gepredigte Evangelium einige Defizite aufweist. Das größte ist, dass es im Ganzen gesehen nicht zu einem heiligen Leben anreizt und die Menschen in einer falschen Heilssicherheit wiegt. Um nun doch zu einem ernsthaften Christenleben zu motivieren, spricht man auffallend häufig vom Preisgericht und dem Lohn, den man durch Gehorsam zusätzlich zum ewigen Leben erarbeiten kann. Die unausgesprochene Tendenz dahinter ist befremdlich: Es besteht die Gefahr, aus selbstsüchtigen Motiven heilig leben zu wollen, was ein innerer Widerspruch wäre. Das Wort Preisgericht kommt in der Schrift übrigens nicht vor.

Johannes 5,24

Die Schlüsselaussage, die die ganze Lehre vom Preisgericht einleitet, ist das Wort Jesu, wir kämen aufgrund unseres Glaubens nicht ins Gericht.

„Lohn im Himmel meint, dass wiedergeborene Christen von Gott nach ihren Werken beurteilt werden und demgemäß individuell unterschiedlich belohnt werden. Von dieser Beurteilung hängt nicht ab, ob der betreffende errettet oder verdammt wird, vorausgesetzt, dass er ein treuer Christ bleibt. (Das Urteil, das über ewigen Tod und ewiges Leben entscheidet, ist ja bereits getroffen: Joh 5,24: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben durchgedrungen.)“

Das klingt sehr gut in unseren Ohren, und schafft andererseits tatsächlich eine Spannung zu allen anderen Aussagen, gemäß denen wir Christen tatsächlich gerichtet würden (z.B. 2.Kor 5,10). Joh 5,24 bestätigt außerdem sehr schön, dass wir eben nicht durch unsere Werke errettet werden und ist deshalb ein Eckstein der reformatorischen Überzeugung.

Leider bestätigt der Zusammenhang diese Auslegung nicht, vielmehr weist er auf eine dritte Umdeutung eines zentralen Begriffs des Evangeliums hin. Jesus führt nämlich in den folgenden Versen aus, wie diese zugegebenermaßen überraschende Aussage zu verstehen ist. Im Vers 25 spricht Er von der Auferstehung, in den Versen 26-28 von Seiner Vollmacht, und im Vers 29 unterscheidet er zwei Auferstehungen, von denen eine die des Lebens und die andere die des Gerichts ist. Wer also glaubt, nimmt an der ersten Auferstehung teil, wer nicht glaubt, an der zweiten. Was ist aber das Kriterium, nach dem entschieden wird, wer an welcher Auferstehung teilnimmt? „Die das Gute getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse getan haben zur Auferstehung des Gerichts.“ Es sind die Werke, die beurteilt werden. In Vers 24 ist vom Glauben die Rede, im Vers 29 wird der Glaube anhand der Werke geprüft.

Die vielleicht schwerwiegendste Umdeutung biblischer Begriffe in der Reformation ist die Reduktion von Glaube auf eine von jeglichen Werken unabhängige Zustimmung zur Verkündigung einer auf Sündenvergebung reduzierten Gnade. Die Botschaft ist verkürzt, und die Antwort auf dieselbe ebenso.

Glaube aber kommt von der Wurzel Treue und hat zwei Aspekte: Vertrauen und treu sein. Darum kann man, wie in Johannes 5,24-29 Glauben und Gehorchen (bzw. das Gute tun) synonym setzen. Jedoch nicht in dem Sinn, dass der wahre Glaube (hoffentlich oder idealerweise) gute Frucht hervorbringt, diese Frucht aber nichts mit der Errettung sondern nur mit dem Lohn zu tun hätte. Vielmehr gilt, wer glaubt wird in der Kraft der Gnade alles daran setzen, gute Werke zu tun, mit denen er im Gericht bestehen kann, um errettet zu werden. Darum heißt es auch, wir sollen danach ringen, durch die enge Pforte einzudringen. Der Glaube ist aktiv und handelnd, und dieser Glaube hat die Verheißung des Lebens.

Joh 5,24 lehrt also keineswegs, dass wir ohne Werke errettet werden können. Im Gegenteil, im selben Kontext beschreibt der Herr, dass unsere Taten entscheiden werden, an welcher der beiden Auferstehungen wir teilnehmen werden.

2.Kor 5,10

Weil nach der reformatorischen Überzeugung ein Gericht über unsere Werke nicht über Heil oder Verdammnis entscheiden kann, muss 2.Kor 5,10 etwas anderes bedeuten:

„Wohlgemerkt, es kann hier gar nicht um ein Gericht gehen, das über Herrlichkeit oder Verdammnis entscheidet, denn 1. ist diese Frage schon geklärt (siehe oben) 2. benützt Paulus dieses Argument als Motivation zur Mission, also für Gläubige („wir alle“), ja auch für sich selbst. Man kann deshalb ohne weiteres von einem Preisgericht sprechen …“

Allerdings stimmt das unter „siehe oben“ genannte Argument aus Joh 5,24 nicht. Das lässt diese Stelle nun in einem ganz anderen Licht erscheinen. Wenn wir nämlich bereits nach Joh 5,24-29 nach unseren Werken beurteilt werden hinsichtlich der Errettung oder der Verdammnis, so gilt das hier ganz genau so. In den ersten Versen von 2.Kor 5 schreibt Paulus von seiner Sehnsucht zu sterben, um beim Herrn zu sein. Sein Ziel ist es, ausheimisch vom Leib und einheimisch beim Herrn zu sein.

Diese Hoffnung ist nicht zu sehen, sondern wir wandeln im Glauben. Was bedeutet das konkret? Paulus setzt seine Ehre darein, Gott wohlgefällig zu sein (Vers 9). Glauben bedeutet, Gott wohlgefällig sein zu wollen. Warum ist das wichtig? Weil wir nach den Werken beurteilt werden (V 10). Interessant ist nun der nächste Vers: „Da wir nun den Schrecken des Herrn kennen, so überreden wir Menschen, Gott aber sind wir offenbar geworden.“ (V11) Die Überleitung mit einem „Da“ weist auf die innere Verbundenheit der beiden Verse hin: Der Schrecken des Herrn hängt unmittelbar damit zusammen, dass wir nach unseren Werken gerichtet werden. Darum betreiben wir auch Mission. Das Gericht, das Paulus in 2.Kor 5,10 anspricht, ist also kein Spezialgericht für die Gläubigen, wo nur mehr Preise für besonderen Eifer verliehen werden, sondern das Gericht, das über Heil und Verdammnis entscheidet. Ansonsten müsste er schreiben: „Da wir dafür einen großen Lohn erhalten, überreden wir Menschen.“ Aber das Gericht über die Werke verbindet er mit „Furcht und Zittern“ (vgl Phil 2,12 und Heb 12,28-29).

Dass wir Gott offenbar geworden sind, bedeutet, dass wir ins Licht Gottes getreten sind. Wir haben bereits eine Antwort auf das Evangelium gegeben. Diese Antwort ist aber nicht bloß eine einmalige Zustimmung, sondern ein Offenbarwerden vor Gott, ein Schritt ins Licht, um fortan im Licht zu wandeln.

Eine ähnliche Sprache verwendet Jesus in Johannes 3. In Joh 3,18 kommt auch die überraschende Aussage vor, dass wer glaubt nicht ins Gericht kommt. Dann beschreibt Er das Gericht als eine Unterscheidung der Menschen in dieser Zeit, nämlich in solche die das Licht annehmen und solche, die es nicht lieben (V 19). Diese Aussage erklärt er mit den Werken: Wer das Böse tut, der hasst das Licht und wird deshalb in letzter Konsequenz verurteilt werden. Wer aber das Gute tut, der kommt zum Licht und wird in letzter Konsequenz errettet werden. Dass wir Gutes vollbringen können, ist Gottes Kraft in uns (V 21). In diesem Sinn schreibt auch Paulus, dass wir Gott offenbar geworden sind.

Der Schrecken des Herrn und das Beurteilen der Werke weisen sehr deutlich darauf hin, dass es hier um kein Preisgericht, sondern um das Gericht geht.

Der Richterstuhl Christi und der große weiße Thron

Andere Vertreter der Preisgerichtsidee verweisen gerne auf den Umstand, dass in dieser Stelle (2.Kor 5,10) vom Richterstuhl Christi die Rede ist, der vom großen weißen Thron in Offb 20 zu unterscheiden sei. Was aber macht den Unterschied aus? Der Richter ist derselbe und Seine Maßstäbe sind dieselben. Soll der Sessel, auf dem dieser sitzt, nun einen so großen Unterschied machen? Und wer sagt, dass der Richterstuhl Christi nicht eben ein großer weißer Thron ist? Solche Unterscheidungen wirken künstlich und erzwungen.

Es gibt in der Offenbarung – wie in Johannes 5 – eine Unterscheidung der beiden Auferstehungen. In Offb 20,1-6 wird die erste Auferstehung beschrieben, die zum Leben, und in den Versen 12-15 lesen wir von der Auferstehung zum Gericht. Das Kriterium, wer wo dabei ist, ist auch hier nicht etwa ein bloßes Bekenntnis, sondern die Bekenntnistreue bis zum Tod. Also werden auch in der zweiten Auferstehung Christen zu finden sein, die den Weg begonnen haben, deren Name aber aus dem Buch des Lebens ausgelöscht worden ist (vgl Offb 3,5). Es nützt uns also nichts, wenn wir einmal „zum Licht kommen“, aber dann nicht „im Licht wandeln“. Der Richter, der die Verdammten in den Feuersee wirft, ist derselbe, der unsere Werke prüfen wird. Wie Sein Richterstuhl letztendlich aussieht, ist in diesem Licht betrachtet wirklich zweitrangig.

1.Kor 3,11-15

Die dritte Schlüsselstelle für das Preisgericht ist 1.Kor 3, in der es um Gericht, Lohn und Rettung „wie durchs Feuer“ geht.

„Wer mit soliden Materialien gebaut hat, empfängt Lohn für seine Arbeit. Wer kein feuerfestes Material einsetzte, erleidet Schaden. Im Unterschied zu Lk 12 ist hier allerdings die Rede davon, dass es zur Errettung wie durchs Feuer kommt. Es gibt für den betreffenden Menschen keinen Lohn, aber er geht auch nicht verloren.“

Manfred Schäller gesteht zu, dass es auch Christen gibt, die – weil sie bewusst dem Reich Gottes schaden (V17) – verloren gehen. Ansonsten erscheint es in der Auslegung so, dass es in Bezug auf die Errettung des einzelnen keinen Unterschied macht, ob er bleibende Frucht bringt oder nicht. Damit aber entsteht eine unauflösbare Spannung zum Gleichnis vom Weinstock und den Reben oder dem Feigenbaum, der keine Frucht bringt.

Allerdings wird dieser Text aus 1.Kor 3 grundsätzlich missverstanden, und auch ich habe lange nicht begriffen, worum es eigentlich geht. Paulus beginnt mit dem unsinnigen Streit, einzelne Diener Gottes höher zu achten als andere (V1-4). Dann erklärt er, wer Petrus, Apollos und er vor Gott sind, nämlich Diener, durch die die Korinther gläubig geworden sind. Dann beschreibt Paulus diesen Dienst in Bildern, einerseits als Ackerbauern, die pflanzen und begießen, wobei es Gott ist, der das Wachstum gibt (V 6-9). Hier spricht er das erste Mal vom Lohn. Von wessen Lohn? Dem der Korinther? Nein, er spricht vom Lohn der Apostel. Die Korinther sind nur die Frucht ihrer Arbeit, nach der der Lohn bemessen wird.

Im zweiten Bild (V10-15) geht es um einen Baumeister, der auf dem von Gott bereits gelegten Grund einen Tempel baut. Darauf kann nun mit feuerfesten Materialien oder mit brennbaren Materialien gebaut werden. Was sind nun diese Materialien, aus denen der Tempel gebaut wird? Ist es die Frucht der einzelnen Korinther Christen, um die es hier geht? Nein, es sind die Korinther selbst! Jeder Christ kann entweder Gold oder Holz sein, sowie es Paulus auch an anderer Stelle sagt (vgl 2.Tim 2,20!). Ob Paulus oder ein anderer Apostel oder ein Gemeindegründer der Gegenwart Lohn für seine Arbeit erhält, hängt davon ab, ob die Gemeinden Bestand haben, ob die Menschen, die er zum Herrn geführt hat, auch in die Herrlichkeit gelangen. Ganz deutlich wird das auch in dem Bedingungssatz, den Paulus an die Philipper schreibt: „Indem ihr das Wort des Lebens festhaltet, mir als Grund zum Rühmen auf den Tag Christi, damit ich nicht vergeblich gelaufen bin, auch nicht vergeblich gearbeitet habe.“ (Phil 2,16) Der Lohn der Apostel ist davon abhängig, dass die Christen das Wort festhalten. Wenn sie sich allesamt als Holz oder Stroh entwickeln und verbrennen, so liegt das in der Verantwortung der einzelnen Christen und nicht des Apostels – sie werden brennen, aber mit ihnen verbrennt auch der Lohn des Apostels, der jedoch aufgrund seiner Glaubenstreue errettet wird.

Im Vers 17 geht es dann um ein paar der Korinther Christen, die durch Spaltungen Gottes Werk zerstören wollen und vor den Konsequenzen gewarnt werden.

So gibt also auch die dritte Stelle, die für das Preisgericht immer wieder herangezogen wird, nichts her, um dieses zu begründen. Es geht um etwas völlig anderes, als normalerweise damit verbunden wird. Wir müssen auf uns selbst sehen, ob wir Holz oder Gold sind, denn daran entscheidet sich, ob wir im Gericht verbrennen oder nicht. Wir müssen also – gemäß der Philipperstelle – das Wort festhalten und gehorsam mit Furcht und Zittern in der Kraft Gottes unser Heil bewirken. Unser Durchhalten bewirkt Lohn für den, der uns zum Herrn geführt hat. Um nichts anderes geht es hier. Diese Stelle ist kein Ruhekissen für solche, die meinen, mit halbem Einsatz das Ziel erreichen zu können, für fleischliche Christen oder solche, die keine bleibende Frucht bringen.

Meine reformatorischen Grundsätze

Aus dieser Auseinandersetzung ergibt sich, dass wir die reformatorischen Grundsätze neu überdenken müssen:

Allein aus Gnade muss einschließen, dass wir nicht nur Vergebung empfangen, sondern auch die Kraft und den Willen zu einem Leben in Heiligkeit.

Allein aus Glauben bedeutet auch zu glauben, dass wir das tun müssen, was Jesus sagte, das wir tun müssen, um errettet zu werden. Der Glaube schließt so den Gehorsam und die Bundestreue ein.

Allein durch Christus bedeutet dann mehr als die Ablehnung der Heiligenverehrung, sondern beschreibt Ihn als den Weinstock, ohne den wir nichts tun können. Mit Ihm können wir jedoch alles tun.

Damit bleibt kein Raum mehr für die verbreitete Ansicht, dass wir doch alle Sünder und völlig unfähig zum Guten sind und ohne jegliches eigenes Zutun allein aus Gnade gerettet werden. Die Lehre vom Preisgericht ist ein aus dieser Quelle entsprungenes Wunschdenken, das den Zusammenhang der Schrift außer acht lässt, um ein verkürztes Evangelium von einer reduzierten Gnade und einem reduzierten Glauben an einen im Alltag kraftlosen Christus zu retten versucht. Auf die Gefahr hin, dass viele so „Getröstete“ das Ziel des Glaubens verfehlen.

Es gibt Lohn für bleibende Frucht, das ist unbestritten. Aber es gibt keine Erlösung ohne bleibende Frucht. Das steht ebenso fest.

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