Ob ein Christ vor Gericht rechten und zu Gericht sitzen möge

Dieweil, wie oben gesagt, alles Zeitliche fremd und nicht unser eigen ist, Luk.16, so kann auch ein Christ nicht darum nicht hadern, zanken oder rechten, sondern sich viel lieber (als einer, der sein Herz aus der Welt gekehrt und in das Himmlische gerichtet hat) unrecht tun lassen, wie auch Paulus sagt, 1.Kor.6: Es ist schon Mangel unter euch, dass ihr mit einander rechtet; warum lasset ihr euch nicht viel lieber unrecht tun, warum lasset ihr euch nicht viel lieber beschädigen und übervorteilen? So denn Christen nicht miteinander rechten sollen, Matth.5, so ist Gerichtshandel zu treiben oder zu Gericht zu sitzen im Christentum schon selbst verfallen und abgestellt. Aus     dem folget nun, dass auch kein Christ Gericht besitzen oder halten möge. Denn so die Christen (unter einander) nicht rechten, sagt Paulus: Was gehen mich die draußen an, dass ich sie richten  sollte? Also ist das Gericht (wie gesagt) in der Kirche Christi schon verfalle und hat aufgehört. Das aber ein Christ die draußen sind nicht richten soll, ist das die Ursache, dass sie sich dem Geist Gottes nicht unterworfen haben, 1.Kor.5, darum durch denselbigen nicht sollen gerichtet werden, 1.Mo.6, weil der Herr sagt: Mein Geist soll nicht immerdar hadern mit den Menschen, dieweil sie Fleisch sind. Denn es auch seiner Kirche nicht um das Zeitliche (darum die draußen pflegen und zanken) zu tun ist, darum er auch seinen Geist nicht darüber zu einem Richter gegeben hat. Deshalb auch Christus, da der Jüngling von ihm begehret, Luk.12, dass er seinem Bruder sage, dass er mit ihm das Erbe teile, sprach er: Wer hat mich über dich zum Richter gesetzt; als will er sagen: Was geht mich euer Gezänke an, das ihr um das Zeitliche mit einander habet? Denn ich darüber zu richten von Gott nicht gesendet bin, sondern das Göttliche zu pflanzen bin ich gekommen, Jes.61; Joh.7, auf dass der sein begehret, es erlange und bei mir finde.  Nun du aber nicht das Göttliche, sondern das Irdische und Weltliche suchet, so gehe hin und lass dich die darüber gesetzt sind bescheiden, Sir.17, denn wer Zeitliches suchet, der suchet nicht was in Christo ist. Darum er auch von ihm keinen Bescheid erlangte. Gleich nun wie er, also sind auch die Seinen nicht über das Zeitliche zu richten gesetzt. Das aber die Christen nicht rechnet sollen, beweiset Christus mit den Worten: So jemand mit dir rechten will und deinen rock nehmen, dem lasst auch den Mantel, Matth.5; als will er sagen: Lass ihm es alles, eher denn du mit ihm darum zanken und dich in ein fremdes Gericht geben solltest. Das aber alles will Christus darum, dass wir damit beweisen sollen, dass wir nicht das Zeitliche und Fremde, sondern das Himmlische, das unser ist, suchen Luk.16; Kol.3. Also ist offenbar, dass ein Christ weder rechten noch Gerichtshändel führen soll.

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