Sabbat oder Sonntag?

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Wir folgen dem Beispiel der ersten Christen, uns am ersten Tag der Woche zu versammeln, dem Tag der Auferstehung des Herrn. Diese Praxis in der Apostelgeschichte bezeugt:

Apg 20,7 Am ersten Tag der Woche aber, als die Jünger versammelt waren, um das Brot zu brechen, unterredete sich Paulus mit ihnen.

Das früheste Zeugnis für die sonntägliche Versammlung außerhalb des Neuen Testaments stammt aus der Zeit um 80 n.Chr. und findet sich im Barnabasbrief:

Barn 15,8-9 Zudem aber sagt er ihnen: „Eure Neumonde und eure Sabbate ertrage ich nicht mehr“. Sehet, wie er sagt: Nicht die jetzigen Sabbate sind mir angenehm, sondern den ich eingesetzt habe, an dem ich, nachdem ich alles beendigt habe, den Anfang des achten Tages, das heißt den Beginn einer anderen Welt ansetzen werde. Deshalb begehen wir auch den achten Tag ( = den Sonntag, den ersten Tag der neuen Woche) in Freude, an dem auch Jesus von den Toten auferstanden und, nachdem er sich geoffenbart hatte, in den Himmel aufgestiegen ist.

Darüber gab es unter allen frühen Christen Einheit, weshalb wir die Behauptung der Adventisten zurückweisen, der römische Kaiser Konstantin hätte die Sonntagsheiligung eingeführt. Wahr ist, dass Konstantin den Sonntag arbeitsfrei machte und die Sabbatheiligung auf den Sonntag übertrug. Dennoch versammelten sich die Christen seit jeher am Sonntag, obwohl dieser ein Arbeitstag war. Sie kamen vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang (oder zu beiden Zeiten) zusammen, um die Auferstehung des Herrn zu feiern.

Paulus macht sehr klar, dass das Gebot den Sabbat zu halten, für Christen nicht mehr bindend ist:

Kol 2,16-17 So laßt euch von niemand richten wegen Speise oder Trank, oder wegen bestimmter Feiertage oder Neumondfeste oder Sabbate, die doch nur ein Schatten der Dinge sind, die kommen sollen, wovon aber der Christus das Wesen hat.

Das Halten des Sabbats (= Samstag) ist aber auch nicht verboten:

Röm 14,5-6 Dieser hält einen Tag höher als den anderen, jener hält alle Tage gleich; jeder sei seiner Meinung gewiß! Wer auf den Tag achtet, der achtet darauf für den Herrn, und wer nicht auf den Tag achtet, der achtet nicht darauf für den Herrn.

Grundsätzlich ist es auch gut, den Sabbat zu halten, d.h. einen Tag der Ruhe von der Arbeit, denn der Sabbat ist um des Menschen Willen geboten. Wer einen Tag frei hält von irdischen Aktivitäten (dazu gehören auch Freizeit- und „Spaß“-Aktivitäten!), um über Gottes Schöpfung und Erlösung nachzusinnen, tut sich und seiner Seele viel Gutes.

Jes 58,13-14 Wenn du am Sabbat deinen Fuß zurückhältst, daß du nicht an meinem heiligen Tag das tust, was dir gefällt; wenn du den Sabbat deine Lust nennst und den heiligen [Tag] des Herrn ehrenwert; wenn du ihn ehrst, so daß du nicht deine Gänge erledigst und nicht dein Geschäft treibst, noch nichtige Worte redest; dann wirst du an dem Herrn deine Lust haben; und ich will dich über die Höhen des Landes führen und dich speisen mit dem Erbe deines Vaters Jakob! Ja, der Mund des Herrn hat es verheißen.

Die gefallene menschliche Natur hat jedoch eine andere Art, den Sabbat zu betrachten:

Amos 8,4-6 Hört dies, die ihr dem Armen nachstellt und die Wehrlosen im Land vernichten wollt, die ihr sagt: »Wann [endlich] ist der Neumond vorüber, damit wir Getreide verkaufen, und der Sabbat, daß wir Korn anbieten, damit wir das Ephamaß verkleinern und das Schekelgewicht erhöhen und die Waage zum Betrug fälschen können, daß wir die Bedürftigen um Geld und den Armen für ein Paar Schuhe kriegen und Spreu als Korn verkaufen können?«

Hier ist der Sabbat nur die Unterbrechung der alltäglichen Gier und Bosheit der Menschen geworden. Darum ist es richtiger, ALLE Tage zu heiligen. Wir müssen zwar arbeiten, um unser Brot zu verdienen, aber an jedem Tag soll uns der Herr und Seine Ehre vor Augen stehen, damit wir ein heiliges Leben führen.

Wer die Sabbatheiligung fordert in dem Sinn, dass es Sünde sei, sich am Sonntag zu versammeln, hat nicht nur die Kirchengeschichte ignoriert, sondern auch den Sabbat missverstanden.

 

Nachsatz zum „Tag des Herrn“

„Der Tag des Herrn“ war übrigens im ganzen Alten Testament nie die Bezeichnung für den Sabbat, sondern für den Gerichtstag Gottes. Auf Griechisch – ἡμέρα Κυρίου (Tag des Herrn), so in der griechischen Übersetzung des AT und allen AT-Zitaten im NT.

Ein anderer Begriff ist hingegen der Herrntag – griechisch κυριακὴ ἡμέρα, der einen Tag bezeichnet, der bereits jetzt (regelmäßig) vorkommt. Johannes nennt ihn in Offb 1,10. Aus der Didaché, einer Gemeindeordnung, etwa aus dem Jahr 70 n.Chr.), wissen wir, dass dieser Tag der Tag der christlichen Versammlung war, also der Sonntag.

Es ist also sehr irreführend, wenn davon die Rede ist, den „Tag des Herrn“ zu heiligen. Denn entweder ist damit der Gerichtstag gemeint, oder aber der Sonntag – nie jedoch der Sabbat.

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