Und wenn der böse Feind kommt?

isis
Ist es nicht nötig, den Terroristen mit Gewalt entgegenzutreten?

Biblische Wehrlosigkeit beim Wort genommen

Die Bergpredigt ist das Stück des christlichen Glaubens, um das uns praktisch alle Religionen beneiden; selbst wenn man nur die Seligpreisungen kennt, so weiß man, dass dieses Lehrstück unseres Herrn Jesus durchdrungen ist von Sanftmut und Friedfertigkeit.

Mt 5,5: Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.

Mt 5,9: Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.

Alleine diese beiden Texte erlauben es einem Menschen nicht, Gewalt anzuwenden oder an Kriegen als Teil einer Kriegspartei teilzunehmen. Das wird weiter deutlich, wenn man andere Stellen der Bergpredigt hinzunimmt:

Mt 5,21+22: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr!, der Hölle des Feuers verfallen sein wird.

Der Herr Jesus macht deutlich, dass Gewaltfreiheit bereits mit einer „Abrüstung der Worte“ beginnt. Hat man Gottes Willen einmal soweit verstanden, dass wir Menschen nicht mehr mit Hass und Verachtung begegnen dürfen, so verschwinden alle theoretischen Gründe für Mord und Totschlag. Wie aber soll der Christ mit Anfeindungen und Bedrohungen umgehen?

Mt 5,38-41: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar; und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Untergewand nehmen will, dem lass auch den Mantel! Und wenn jemand dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, mit dem geh zwei!

Das mindeste, was wir normalerweise als Antwort auf unfreundliches oder feindseliges Verhalten uns gegenüber parat haben, ist Widerstand mit Worten. Oft auch mit Taten, oft auch im Sinne einer handfesten Revanche. Das Gegenteil fordert der Herr von Seinen Jüngern: Ein Christ soll dem Bösen (dem Aggressor) keinen Widerstand leisten, im Gegenteil, er soll den ungerechtfertigten Forderungen mit einer doppelten Erfüllung begegnen: Gib doppelt, was von Dir gefordert wird! Lass Dich ein weiteres Mal ungerechtfertigt schlagen.

Man kann sagen, dass diese Empfehlungen auf der rein persönlichen Ebene liegen, zwischen Einzelpersonen ausgetragen werden müssen. Der nächste Text geht aber eine Ebene weiter:

Mt 5,43: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.

Wenn von Freund und Feind die Rede ist, dann kommt unsere Einbettung in eine irdische Nation zum Tragen. Von Freund und Feind ist besonders in zwischenstaatlichen Beziehungen die Rede, und das Gebot, den Feind zu hassen, bezieht sich auf die Feinde des Heimatlandes (5.Mose 23,6+7). Hier kommt das Thema des Wehrdienstes ins Spiel, ehe Er wieder die alltäglichen zwischenmenschlichen Konflikte und Grenzziehungen anspricht. Er spricht die von der Gesellschaft ausgegrenzten Zöllner an, die eine eigene Clique bildeten; ebenso trifft das aber auf sämtliche sozialen Schichten und die damit verbundenen Konflikte zu. Christen sollen allen Menschen mit derselben Liebe und zuvorkommenden Freundlichkeit begegnen. Warum? Weil wir vollkommen sein sollen, wie der Vater vollkommen ist.

Soweit die an sich leicht verständlichen Worte des Herrn.

Schwer wird es nur durch unsere Einwände. Was passiert, wenn wir überall die zweite Meile gehen? Sind wir dann nicht immer die Dummen, die übrig bleiben? Ja, das kann passieren. Das ist die eine Möglichkeit. Die andere Möglichkeit besteht darin, das Böse durch das Gute zu überwinden, und aus Feinden Freunde zu machen. Dasselbe bestätigt uns Paulus:

Röm 12,16-21: Seid gleichgesinnt gegeneinander; sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den Niedrigen; seid nicht klug bei euch selbst! Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen! Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden! Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn <Gottes>! Denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.« »Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.« Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.

Wir sollen nicht bei uns selbst klug sein, schreibt der Apostel, und damit meint er, dass wir die genannten Konflikte nicht nach den Erkenntnissen menschlicher Schlussfolgerungen lösen sollen, sondern gemäß göttlicher Weisheit. Es ist der Weg Gottes, so mit Seinen Feinden umzugehen:

Röm 5,8-10: Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn vom Zorn gerettet werden. Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden.

Wir waren Feinde Gottes, und Er hat uns geliebt und unser Böses mit Gutem überwunden. Das ist das Muster, das Vorbild, dem wir zu folgen haben. Was kostet es? Was hat es Gott gekostet? Auch für uns bedeutet das eventuell das Kreuz, Verfolgung, Folter und Tod; Verlust der eigenen Familie, der Heimat, oder zumindest der Würde vor anderen Menschen. Aber es ist Gottes Weg gewesen, die Menschen zu erlösen; und es ist auch der Weg, das Evangelium in dieser Welt zu bezeugen:

Mt 10,16-22: Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe; so seid nun klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben. Hütet euch aber vor den Menschen! Denn sie werden euch an Gerichte überliefern und in ihren Synagogen euch geißeln; und auch vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen und den Nationen zum Zeugnis. Wenn sie euch aber überliefern, so seid nicht besorgt, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn nicht ihr seid die Redenden, sondern der Geist eures Vaters, der in euch redet. Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern und der Vater das Kind; und Kinder werden sich erheben gegen die Eltern und sie zu Tode bringen. Und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.

Können wir uns einen „guten Hirten“ vorstellen, der Seine Schafe unter die Wölfe schickt? Was wird denn dann mit den Schafen passieren? Genau das, was der Herr hier unverblümt sagt, und Er ist der gute Hirte.

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch, in dem die Frage aufkam, ob es nicht oft notwendig sei, den Terroristen entgegenzutreten, und ob Christen hier nicht der Obrigkeit mit Kräften beistehen sollten. Anders gesagt: Die Bergpredigt ist gut für Sonntagspredigten, aber für das wirkliche Leben ist sie unbrauchbar. Dazu zwei Antworten: Erstens ist die Frage für uns (in Österreich) in der Regel hypothetisch. Wenn wir aber bereits bei hypothetischen Fragen beginnen, uns für fleischliche Mittel in der Auseinandersetzung mit dem Bösen zu entscheiden, dann haben wir den Herrn nicht verstanden. Es ist etwas anderes, wenn man in der Situation aus Angst oder Leidensscheu falsch reagiert; wenn man jedoch bereits in der Theorie das Wort des Herrn als naiv ad acta legt, dann legt man in der Praxis heute bereits den Herrn (!) ad acta. Denn dann taugt Sein Wort ja auch nicht für die alltäglichen, zwischenmenschlichen Konflikte, die wir dann ganz und weltlich und fleischlich vor Gericht austragen. Und das soll nicht sein:

1.Kor 6,1-7: Bringt es jemand von euch, der einen Rechtsstreit mit dem anderen hat, über sich, vor den Ungerechten zu streiten und nicht vor den Heiligen? Oder wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet wird, seid ihr dann nicht würdig, über die geringsten Dinge zu richten? Wisst ihr nicht, dass wir Engel richten werden, wie viel mehr <über> Alltägliches? Wenn ihr nun über alltägliche Dinge Rechtshändel habt, so setzt ihr die <zu Richtern> ein, die in der Gemeinde nichts gelten? Zur Beschämung sage ich es euch. Also gar kein Weiser ist unter euch, der zwischen Bruder und Bruder entscheiden kann? Sondern es streitet Bruder mit Bruder, und das vor Ungläubigen! Es ist nun schon überhaupt ein Fehler an euch, dass ihr Rechtshändel miteinander habt. Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?

Warum lassen wir uns nicht übervorteilen, wie es in der Bergpredigt klipp und klar von uns erwartet wird? Weil das naiv wäre, selbstzerstörerisch und dumm. Der Herr Jesus, der alles erschaffen hat, der unsere Herzen kennt, hat nämlich keine Ahnung vom wirklichen Leben. Wir wissen es besser – das ist die blasphemische Schlussfolgerung, wenn wir den wehrlosen und sanftmütigen Weg nicht gehen wollen.

Der zweite Grund ist die Vision Gottes für Terroristen und böse Menschen. Würden wir es für gerecht gehalten, wenn ein brutaler Christenverfolger von einem beherzten Bruder hinterrücks erschossen würde, um so vielleicht das Leben einiger Dutzend Christen zu retten? So etwas ähnliches geschah vor nicht allzu langer Zeit in den USA, und die Frau, die einen Amokläufer in einer Kirche mit einem gezielten Schuss niedergestreckt hatte, wurde in den Medien als Heldin gefeiert. Würden wir das gut heißen, dann hätten wir wohl auch Saulus vor seiner Bekehrung erschossen, um das Leben einiger Weizenkörner zu retten, die doch eigentlich dazu bestimmt sind, in die Erde zu fallen und zu sterben.

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