Vom Abendmahl unseren Herrn Jesus Christus, darin Er uns vorbildet, wie uns Sein Leiden zum Heil diene

Weil wir nun dahin gekommen sind zu handeln und traktieren das holdselige Geheimnis, so uns der Herr Christus in seinem letzten Abendmahl (mit seinen Jüngern gehalten), Matth.26; Mark.14; Luk.22, so wollen wir die Missbräuche der falsch gerühmten Christen 8die sich fälschlich solches Brauchs unterzogen haben), fahren lassen, denn wer möchte erzählen die mannigfaltige Unbräuche, die sie da getrieben, Jes.5; 2.Petr.3, und das Licht verfinstert haben, ihnen selber zum Schaden. Doch muss ich den gröbsten melden; nicht darum, dass ich Lust habe zu lästern, sondern dieweil es so gar weit vom rechten Brauch ist abgeführt worden, das auch sogar ein Gräuel daraus gemacht ist und nun schwerlich einem Unberichteten der rechte Gebrauch zu begreifen ist, wo nicht der Missbrauch zuvor ausgereutet wird._Nun haben sie dadurch vom Leben zum Tod und vom Schöpfer auf die Kreatur gewiesen, Röm.1 und 7, und mit dem, so allen Gläubigen zum Heil, Trost und Ergötzung gegeben war, haben sie den Tod gewirkt, auf das erschiene, wie grausam und verderblich ihre Abkehr und Verführung sei, und wie das fleischliche Israel in der Wüste, die zu Aaron sprachen, 2.Mos.32: Wir wissen nicht, was Mose auf dem Berg widerfahren ist; wohlauf mache uns Götter, die vor uns hergehen. Er aber gab ihnen Antwort: So reißet ab die goldenen Ohrringe eurer Weiber, Söhne und Töchter und bringet sie zu mir. also taten sie und er nahm sie von ihren Händen und entwarf es mit Griffeln und sie machten ein goldenes Kalb daraus, und sprachen: Das sind die Götter, die uns aus Ägypten geführt haben; entzogen Gott, ihrem Erlöser die Ehre, Psalm 106, und gaben sie einem gegossenen Bild, einem Gleichnis eines Ochsen, der Gras frisst._Gleichwie Israel ihre besten Kleinoder und Zier, die ihnen von Gott gegeben war, missbrauchten wider Gott, also auch diese Volk ihr bestes Kleinod, ihnen von Gott übergeben zur Zier, nämlich sein heiliges Wort, haben sie missbraucht, ihnen zum Verderben, 2.Petr.3; 2.Mos.32. denn wie jene ein goldenes Kalb, haben diese ein gebackenes Brot aufgerichtet, von dem sie sagen: Das ist Christus, der uns mit seinem Fleisch und Blut erlöset hat, so es doch weder Fleisch noch Blut hat, Psalm 115, Baruch 6, weder Leben noch Odem, und das ihm doch selber nichts nütz sein mag, viel weniger einem andern helfen. Dennoch nimmt es niemand zu Herzen, das er gedächte, es möchte vielleicht Betrug dabei sein. Wiewohl nun etliche kommen und wollen es ein wenig mehr bergen und ihren Falsch decken, und sprechen: Das Brot ist nicht Fleisch und Blut, denn es ist ein schlechtes Brot wie anders, aber Christus wird darinnen genossen, uns allen zur Tröstung. So man sie denn fragt, wo das geschrieben stehe, so zeigen sie an, Matth.26; Mark.14; Luk.22; 1.Kor.11, daraus schließen sie solches. Ach der törichten Anschläge, die die Vernunft vorwendet. Was möchte aber der Teufel für ein besser Spiel angefangen, denn dass er solches verkehret hat, wie auch andres mehr, wiewohl auch seiner Diener darinnen zerspalten und geteilt und uneins sind, wie oben gesagt. Einer will, das Brot sei der Leib, der andre nicht, und wollen sich alle mit der Schrift befehlen. Der erste spricht, das Brod sei nicht Brot, sondern der Leib Christi, und behilft sich mit den Worten: Das ist mein Leib, Matth.26, und richtet also einen Gräuel auf, anstatt der tröstlichen Einsetzung Christi, und spricht: Das ist Christus, so groß er am Kreuz gehangen und uns nach seinem Fleisch und Blut erlöset hat, so es doch weder Fleisch noch Blut hat, weder Odem noch Leben, weder stehen noch gehen kann, den die Mäuse fressen möchten und es dennoch nicht inne würde; und hätten also einen toten Christum, wie wollt er denn andern das Leben geben? Und müsste geschehen, wie Christus sagt, Matth.15: Alles was zu dem Mund eingehet, kommt in den Bauch, und wird durch seinen Gang wieder ausgeworfen; so müsste ihm auch also geschehen, und käme zuletzt vor die Säue, da würde ihm wohl eine seine Ehre widerfahren, dass auch alle andren Völker, Juden und Türken, solcher Torheit spotten. Wiewohl sie denn sagen: Das Brot geht seinen Gang wieder hinweg, aber Christus bleibt im Herzen. So sage ich: Wenn Christus einmal wäre Brot geworden, so müsste er’s auch ewig bleiben, denn er kann sich selbst nicht verlassen, und was er worden ist, muss er bleiben. Er wurde einmal Mensch, das bleibet er nun, für und für, wahrer Mensch und Gott. Also müsst er für und für Brot bleiben, wenn er’s einmal worden wäre. Überdas so müsste auch Brot für uns gelitten haben, und nicht Christus außer dem Brot, denn die Worte schon gesprochen waren; das wäre dann schon den Glauben verleugnet, denn nicht Brot, sondern Christus für uns gestorben ist. Der andre nun spricht, das Brot sei nicht Christus, sondern ein schlechtes Brot, aber Christus sei darinnen, weil’s auch mit den Worten: Das ist mein Leib, erwiesen sei. Also schirmet die Vernunft, wo menschliche Weisheit für die Weisheit Gottes bericht. Nun steht’s nicht: Darinnen ist mein Leib, sondern Das ist mein Leib; ändern also Christo die Worte, nur das sie ihre Torheit verteidigen möchten. Wenn es aber von Brot geredet wäre, wie sie sagen, so müsste noch der Papist und nicht der Luther Recht haben, wie die Worte lauten. Denn es steht “das” und nicht “darinnen”. Ist nun des Papstes Meinung nichts (wie sie auch nichts ist), so ist des Luthers eben so wenig. Das es aber beides nichts ist, beweiset uns der Apostel zu den Hebräern, Hebr.2 und 5, da er spricht, er sei erfunden worden, als ein anderer Mensch, nichts denn die Sünde ausgenommen. So denn sonst nichts, den die Sünde ausgenommen ist, so ist auch das allenthalben sein nicht ausgenommen. Ist denn das nicht ausgenommen, so wird er auch freilich nicht in einem jeglichen Stücklein Brots sein, sowohl als da er auf Erden ging und lehrte, nicht zugleich an alle Orten war, Matth.4; Joh.2, sondern von einem Ort zum andern wandelte. Dann sagen etliche: Es ist wahr, er war nicht allenthalben, nun er aber verkläret ist, so ist er allenthalben. Denn was wäre sonst die Verklärung. Darauf sage ich: War er doch auch nicht verkläret, da er mit seinem Jüngern das Abendmahl hielt, Matth.26; Mark.14; Luk.22. So er denn vor der Verklärung nicht allenthalben war, so ist er auch nicht in einem Stücklein Brots gewesen, das er seinen Jüngern gab. Ist er denn dazumal nicht darinnen gewesen, so ist er jetzt noch weniger darinnen. Darum ist es allerdings die Meinung Christi nie gewesen, ist ihm gar nicht zu Sinnen gekommen, das er uns seinem Leib wolle zu essen geben. Denn er auch vom Vater nicht dazu gesandt war, Joh.5; 1.Petr.2, wie er’s selbst verneinet, als die Jünger seine Worte missverstanden, und sich darob entsetzten und sprachen, Joh.6: Das ist eine harte Rede; wer mag sie hören? Als wollten sie sagen: Wer mag deines Fleisches essen? Sollte sonst niemand das Leben erlangen, denn der deines Fleisches esse, so wird es strenge zugehen.

Da gab er ihnen Antwort: Der Geist ist’s, der da lebendig machst, das Fleisch ist kein nütze, nämlich zu essen, aber uns geboren, gepredigt, für uns geschlagen, getötet, erstanden und gen Himmel gefahren, das ist uns herzlich nütz, Jes.6; Luk.4; 1.Petr.1. Dazu ist er auch gesendet und nicht zum Essen. Wie aber zuvor gesagt, wir wollen den Unbrauch jetzt fahren lassen und aufs kürzeste von der Wahrheit reden.

Denn in der Nacht, da unser Herr Christus verraten ward, nahm er das Brot, dankte Gott seinen Vater, brach es, gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch zerbrochen wird. Desselbigen gleichen auch den Kelch und sprach: Teilet ihn unter euch, denn das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut: solches tut, so oft ihrs tut, zu meinem Gedächtnis, Matth.26; Mark.14; Luk-22; 1.Kor.11. Hierinnen gibt Christus gar nicht vor, dass er oder sein Leib will gegessen sein, sondern handelt gar etwas andres darinnen, dass man wohl bedürfe, dass sein ein jeglicher wohl wahr nehme. Denn Christus, wie er von Gott, dem Vater gesendet ist, Hebr.9, das durch ihn das Testament der Verheißung bestätigt würde und nun die Zeit (vom Vater bestimmt) herbei gekommen war, dass solches anginge und er die verheißene Gnade jedermann, so an seinen Namen glaubte, austeilet, Apg.13; 2.Petr.1, dadurch sie eingepflanzt wurden der göttlichen Natur, hat er solches seinen Jüngern in diesem Essen, erklären wollen.

Deshalb als er sie solches berichten wollte, Matth.26,  nahm er das Brot, dankte seinem Vater, brach es und gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Hier will Christus nichts anders, denn uns anzeigen, wie er uns mit seinem Tod von Sünde, Hölle, Teufel und Tod erlöset, 2.Petr.1, und nun der wahren göttlichen Art und Natur eingepflanzt habe, dass wir alle, die wir das Brot mit ihm essen, mit ihm ein Brot und Leib seien, 1.Kor.10; Kol.1; Röm.8, doch soweit wir seinem Tode ähnlich werden und mit ihm leiden, dass wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

Das beweiset er, da er sie das gebrochene Brot essen heißt, und also ein jegliches Glied sich des Hauptes annehme und seine Trübsal, als ein Glied des Leibes in seiner Maße, erstatte, wie auch Paulus sagt, Kol.1: Ich ersetze, was noch übrig war, die Trübsal Christi mit meinem Leib für seinen Leib, welches ihr seid. Und will nun Christus, dass die solches tun mit ihm ein Leib, eine Pflanze und ein Gewächs seien, welchen seinen Sinn er hernach (als Judas von ihnen gegangen war, Matth.26; Matth.14; Luk.22) gar herrlich durch ein andres Gleichnis erweiset, da er spricht, Joh.15; Ich bin einrechter Weinstock und ihr die Reben, der Vater aber der Weingärtner. Denn als Christus von seinen Jüngern sich scheiden wollt, Joh.16, darob er sah, das sie betrübet waren, wollt er sie mit solchem trösten, dass sie erkennten, was er ihnen geschenkt und wozu er sie geführt habe, dass sie nach seinem Abschied sich darinnen trösten sollten, dadurch auch ihre Herzen erweckten, solche Gnade zu bewahren und nicht zu vernachlässigen, sondern aller Wohltat, uns vom Vater durch Christum bewiesen, stets gedenken sollten. Darum spricht er: So oft ihr solches tut, so tut es zu meinem Gedächtnis. Das ist so viel, als wollt er sagen: Wenn ihr euch nun solcher göttlichen Gnaden erinnert, dass ihr eingepflanzt seid der göttlichen Verheißung und teilhaftig gemacht seid göttlichen Natur, 1.Petr.; Röm.8, Erben aller Güter das Vater, dass Gott in Christo unser eigen und wir sein geworden sind und mit Christo ein Brot und Leib, aus vielen in eins gebracht und geführt, Joh.15, und mit ihm ein Gewächs geworden sind, so sollen wir gedenken, dass er uns durch seinen Tod solches erworben habe, 1.Petr.1, und uns so teuer darein erkauft, dass wir es nun auch lassen ernst sein, solches zu bewahren und ihm um solche Wohltat auch dankbar erfunden würden. Das ist nun der Sinn in diesem Handel. Wer es anders braucht, der macht eine Abgötterei daraus, die es aber nicht ist. Darum sagt Paulus 1.Kor.11: Es prüfe sich aber der Mensch wohl, ehe er von diesem Brot isst und von diesem Trank trinket. Hier will der Heilige Geist, das der Mensch sein wohl wahrnehmen und in sein Herz kehren soll, und besehen, ob er auch solcher Art, solcher Gnaden Christi teilhaftig und ein wahres Glied Christi sei. Denn da beweiset sich eines gegen das andre ein Glied Christi, seiner Gnaden teilhaftig, seiner Art und eines Herzens, Sinnens und Gemüts mit allen Gläubigen zu sein, und mit ihnen ein Leib und ein Brot, wie aus vielen Körnlein ein Brot, Materie und Substanz worden sei.

Welcher aber solches in ihm nicht befindet, 1.Kor.11, der isst und trinket ihm selber das Gericht. Damit beweiset Paulus gar lauter (wer anderes Augen hat zu sehen) was der Sinn Christi sei in diesem Handel. Wer aber mutwillig nicht sehen will, der trage sein Urteil. Hiermit jetzt zumal von dem genug.

Weiter: Vom Schwören, davon auch jetzt viel hin und wieder gehandelt wird

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