Vom Beten

Das Gebet muss und soll mit rechtem Herzen, das ist im Geist und Wahrheit geschehen, soll es anders angenehm vor Gott sein, Joh.4; Sir.18. Deshalb der, so beten will, sein Herz vorbereiten muss. erstens durch Ablegen alles Unrechten, dieweil Gott die Sünder nicht höret, und sich also richten, dass so viel möglich er mit allen in Frieden stehe, Joh.9; Röm.12; Hebr.12, allermeist aber mit den Gläubigen, wie auch Christus sagt, Matth.5: Wenn du vor den Altar kommest, daselbst dein Opfer zu legen, und daselbst eingedenk wirst, dass dein Bruder etwas wider dich habe, so gehe hin und versöhne dich zuvor mit ihm, und dann komme und opfere deine Gabe. Deshalb ein jeglicher, der die Frucht seiner Lippen, das ist die Danksagung und Gebet vor Gott opfern will, soll zuvor mit jedermann versöhnet sein, dass niemand unter den Gläubigen etwas wider ihn habe.

Dazu muss er auch, so er etwas wider jemand hat, in seinem Herzen vergeben haben, wie uns auch Christus lehrt und spricht: Wenn ihr steht und betet, so vergebet, wenn ihr etwas wider jemand habt, auf dass auch  euer Vater im Himmel vergebe eure Missetat, Mark.11. Und so das Herz also gereinigt ist, Jak.1, so muss es denn mit wahrem Glauben und rechtem Vertrauen geziert sein; ja ein solch Vertrauen muss der Mensch zu Gott haben, dass er sicher, fest und gewiss glaube, 1.Joh.5, das ihn Gott hören und seine Bitte (als ein Vater, der allzeit das beste für seine Kinder suchet) geben werde; wie die Worte Christi (So ihr, die ihr doch böse seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten) beweisen und anzeigen, Matth.7. Die nun also im Glauben bitten, werden empfangen, Jer.14; 15 und 16. Der aber so im Glauben bittet, höret nicht auf mit Begehren zu Gott und lässt sich kein andrer Geschäft an solchem Anhalten verhindern und aufhalten; und ob sich’s auch verzieht und ansehen lässt uns ansehen lässt, als wollte Gott nicht geben, so wartet er doch in aller Langmut in steifem Vertrauen, dass Gott gewisslich geben und nicht verzeihen werde. Wer aber, nach dem er gebetet hat, sein Herz auf etwas wendet, und dadurch von seinem Begehrens abgezogen wird, davon aufhöret, müde seines Begehrens wird und es verlässt, kann und mag nichts erlangen, darum dass er im Glauben nicht verharret hat. Wie Jakobus sagt, Jak.1: Wer bitten will von Gott, der bitte im Glauben und zweifle nicht; denn der da zweifelt oder seines Begehrens aufhöret, der ist ein wankelmütiger Mann und darf nicht denken, dass er von Gott etwas empfangen wird. So aber wir, die wir des Geistes Christi Kinder sind, Luk.9, unserer Schwachheit halber nicht wissen, wie wir uns gegen Gott stellen sollten, dass unser Bitten und Flehen vor ihm gelte, so hilft, spricht Paulus, der Geist unsrer Schwachheit auf, Röm.8; denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebühret, sondern der Geist selbst vertritt uns mächtig mit unaussprechlichem Seufzen, und der die Herzen forschet weiß, was des Geistes Sinn sei, denn er vertritt die Heiligen nach dem, das Gott gefällt. Durch diesen einigen Geist will nun Gott geehrt und angebetet werden, Joh.4, darum man auf sein Anregen warten und von ihm lernen soll, so wird das er uns lehrt und gebietet, bei Gott erhöret und angenommen sein; und so er uns höret, werden wir die Bitte haben, die wir von ihm gebeten haben, 1.Joh.5.

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