Vom Fasten

Fasten ist den Leib kasteien und ihn abbrechen, auf dass das Fleisch gedemütigt und desto leichter beherrschet, bezwungen und überwunden möge werden; und ist bei den Frommen darum erwachsen, dass sie ihr Fleisch kreuzigen, ihm seine Lust brechen und Gott desto unabgezogener und freudiger anhangen möchten; bei den Unfrommen aber ist es bald in Unbrauch gewachsen, Tit.1. und ihnen verkehret und unrein geworden, dieweil sie es nicht anders denn um Verdienstes willen getan haben, und vermeinen etwas von Gott damit zu erlangen, darum es auch vergeblich und eitel ist, wie aus den Worten Jesaias erkannt wird, da er spricht, Jes.58: Sie sprechen zu Gott: Warum fasten wir und du siehst es nicht; wir beängstigen unsre Seelen und du nimmst sein nicht wahr.

Darauf spricht der Herr: Darum, dass ihr nicht rechter Weise fastet. Denn so ihr fastet, so bleiben eure Begierden und dränget nichts desto minder eure Schuldner. Siehe, ihr fastet nur zu zanken und hadern und dass ihr den Angesprochenen mit der Faust schlaget. Ihr fastet nicht als etwa, dass eure Stimme in der Höhe gehöret werde. Meinet ihr, dass mir das Fasten gefalle, da der Mensch sich einen Tag kasteiet und seinen Kopf hänge wie ein Schilf und in härenem Gewand liege auf der Erde. Soll das gefastet heißen und ein Tag, der dem Herrn gefalle?

Allhier ist offenbar, wie es die Unfrommen verkehret haben und in Unbrauch gezogen, die (wie auch die Päpstler) ihre Sünde damit abzutilgen vermeint und sich mit Gott zu versöhnen gedacht, so sie doch von ihren Sünden nicht abgelassen haben, wie die Worte anzeigen; Jes.58: So ihr fastet, so bleibet eure Begierde; als will er sagen: Was ist denn euer Fasten nutz, dieweil ihr euch allein mit dem Abbrechen des Leibes Notdurft kasteiet und doch dem Fleisch alle seinen Mutwillen der Begierde lasset? Soll denn das gefastet heißen, oder ein Tag, der dem Herrn gefalle? Das ist der Sache weit gefehlt, denn also haben eure Väter, die sich zu mir genaht haben, nicht gefastet. Das aber Fasten recht, gut und Gott wohlgefällig sei, wenn es rechter Weise geschieht, beweisen die Worte: Ihr fastet nicht, als nur etwa, dass eure Stimme in der Höhe gehöret werde. Hier scheinet, was das rechte Fasten sei, dass die Heiligen gefastet haben, nämlich dass sie des Fleisches Mutwillen und Begierden kasteit und ihm dieselben abgebrochen haben, das Unrechte verlassen und gemieden, sich aber allein mit Gott bekümmert, ihm angehangen und gedient in rechtem Glauben, durch den auch ihre Stimme gen Himmel gestiegen ist. Solches Fasten hält uns der Herr vor, Jes.58, dass es ihm gefalle, und spricht: Gefällt mir denn nicht das Fasten, dass du die Bande des, der verstrickt ist, auftust, das ist seine Schuld nachlässt, die Pflicht der bösen Käufe auflöset oder davon lasset und aufhörest, die Gedrängten frei lasset und alle Beschwerten befreiest, dass du den Hungrigen Brot gebest, die Waise in dein Haus führest und nährest, den Nackten bekleidest und dein Angesicht von dem Dürftigen nicht wendest. Denn so wird dein Licht wie der Morgen hervorbrechen und deine Besserung wird schnell wachsen, deine Gerechtigkeit wird vor die hergehen und die Herrlichkeit des Herrn wird dich umgeben. Das ist das Fasten, das dem Herrn gefällt, des sich alle Heiligen geflissen haben, darum auch Freunde Gottes geheißen worden sind; und muss noch also fasten, wer Gott gefallen will.

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