Vom Grüßen

Grüßen ist an ihm selber Gutes wünschen, darum man denen allen, so des Guten begehren, auch Gutes wünschen soll. So nun in der Kirche ein Glied derselbigen zum andern kommt, soll. So nun in der Kirche ein Glied derselbigen zum andern kommt, soll es ihm auch den guten Wunsch, die holdselige Gabe, Luk.1; Matth.10; Luk.10; Joh.14, den Frieden des Herrn, den Christus hier gelassen und gegeben hat, anbieten, denn also lehrt er auch seine Jünger: Wo ihr in ein Haus kommet, so sprecht: Der Friede sei mit euch. Ist jemand darinnen euch gemäß, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wo aber nicht, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden. Aus diesen Worten lernen wir, dass der so grüßet und der so gegrüßt wird beide des Friedens Kinder sein müssen, soll anders Gott das Gedeihen geben. Denn welcher dem Evangelium nicht gemäß ist oder zu sein von Herzen begehret, da kann der Friede Christi nicht haften. es soll aber des Herrn Gruß nicht allein mit den Lippen und leichtfertigem Herzen gegeben werden, sondern mit ganz völligem Herzen und im festen Glauben und mit solchem Vertrauen, dass Gott gewiss solche Worte und guten Wunsch erstatten werde, Mark.13; Luk.12; ja also als ob es Gott selbst durch ihn redet. Das Andre aber soll es wiederum in solchem Vertrauen und herzlichem Begehren aufnehmen, so wird Gott, der Herr das Gedeihen geben, und solchen Gruß und Wunsch (dass der Herr mit ihnen sei) erstatten, Richt.6; Matth.28, und ihnen allezeit beiwohnen, dass ihnen auch solcher Gruß (wie der Gruß Maria der Elisabeth) zu Freuden geraten wird. Wo es aber mit leichtfertigem Herzen oder Unaufmerken geschieht, da ist es Sünde, Luk.1; 2.Mo.20, denn Gottes Name vergeblich geführt wird, darum ein Gräuel vor ihm, und wird der, so solches tut, nicht unschuldig gehalten und ungestraft bleiben. Gleich aber wie der, so den Gruß leichtfertig führet, sündiget, also auch der, so ihn leichtfertig und nicht würdig vor Gott aufnimmt. Auch führet der Gottes Namen eitel, der ihn denen, so er erkennt, dass sie sein nicht begehren, als Spielern, Trunkenbolden und dergleichen Leuten anbietet; darum sich ein jeder, der Gott fürchtet, darinnen vorsehen und seine Seele bewahren soll.

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