Vom Kriegführen

Dieweil nun Christus, der Friedefürst, ihm ein Reich, das ist die Gemeinde, bereitet und durch sein eigen Blut erworben hat, so endet in diesem Reich alles weltliche Kriegen, Luk.2; Eph.5; Jes.1; Micha 4; wie zuvor verheißen ist: Es wird aus Zion das Gesetzt ausgehen und das Wort Gottes von Jerusalem, und wird Recht sprechen unter den Nationen, und hervorziehen die Menge der Völker, also da? sie ihre Schwerter zu Pflüge und ihre Spieße zu Rebmesser, Sicheln und Sensen verschmieden werden, denn hinfort wird ein Volk nicht gegen das andere Waffen aufheben, sie werden auch hinfort nicht kriegen lernen.

Deshalb ein Christ weder Krieg noch weltlich Schwert (Rache zu üben) führet, wie uns auch Paulus ermahnt und spricht, Röm.12: Rächet euch nicht selbst, liebe Brüder, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes, denn der Herr spricht: Die Rache ist mein, ich will vergelten, 5.Mo. 32; Hebr.10:30.

Ist nun die Rache Gottes Rache und nicht unsere, so soll sie auch ihm gelassen und nicht durch uns lebst geübt oder gebraucht werden. Denn weil wir Christi Nachfolger sind müssen wir seine Art erzeigen und beweisen, der ob er’s gleich wohl hätte tun mögen, doch nicht Übels mit Übel vergalt, 1.Petr.2, Denn er hätte sich ja auch wohl seinen Feinden, den Juden schützen können, Joh.18, weil er mit einem Wort alle, die ihn sahen wollten, niederschlug.

Aber wiewohl er es wohl vermochte, tat er es doch nicht und wollte es auch andre nicht tun lassen, darum er zu Petrus sprach: Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort, Matth.26; Mark.14; Joh.18. Hier sieht man, wie mit gewaltigem Heer unser König gegen seine Feinde auszieht, wie er in die Feinde schlägt, und wie er Rache übet, dass er das abgeschlagene Ohr des Malchus ergreifet und setzet ihm es wieder an. Der nun solches tat, spricht: Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach, Luk.22; Matth.16; Mark.8.

Deshalb will nun Christus, dass wie er getan, auch wir handeln sollen; darum er uns auch befiehlt und spricht, Matth.5: Dem Alten ist gesagt: Auge um Auge, Zahn um Zahn; ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstehen sollt dem Übel, sondern so dir jemand einen Streich gibt auf den rechten Backen, dem biete den anderen auch dar. Allhier ist offenbar, dass man sich weder selbst rächen noch bekriegen soll, sondern vielmehr dem schlagenden den rücken und dem Raufenden die Wange hinhalten soll: das ist alles mit Geduld leiden, und auf den wahren Gott, der es vergelten wird, harren. 5.Mos.32; Joel3.

Ob man dann sagen wollte, dass der vom Gott geliebte David und andere Heiligen Kriege geführt haben, 1.Mo.14; 4.Mo.31; Jos.6;8 und 9; Richt.4; 1.Sam.17, darum man es noch wohl tun möge, wenn man Recht und Fug dazu hätte; sagen wir: Nein. Dass es aber David und andre Heiligen mehr getan haben, und wir es aber nicht tun sollen, mögen einem jeglichen  wohl berichten die oben angezeigten Worte, Matth.5: Den Alten ist gesagt: Auge um Auge, Zahn um Zahn; ihr aber sollt dem Übel gar nicht widerstreben. Allhier stellt Christus den Unterschied selbst, darum es nicht viel Worte bedarf, sondern offenbar ist, das ein Christ weder kriegen noch Rache brauchen dürfe. Wer es aber tut, der hat Christum oder die Art Christi verlassen und verleugnet.

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