Vom Schwören, davon auch jetzt viel hin und wieder gehandelt wird

Dieweil jetzt viele also hin und wieder traktieren vom Schwören, und ein jeglicher sein Gutdünken hervorträt, und aber doch daneben der Wahrheit fehlen, 1.Tim.6; 2.Tim.2, und mit ihrem erdichteten Wahn auch viele suchen irre zu machen und die Herren zu beschweren und in Sünde zu führen, wurde ich auch bewegt, die Wahrheit darinnen anzuzeigen und ihren Falsch, Betrug und Unverstand zu offenbaren. Nicht das ich Lust mit ihnen darum zu zanken hätte (denn es meine, auch der Gemeinden Gottes Weise nicht ist, 1.Kor.11) sondern allein, dass etliche fromme Herzen sich von ihnen falschen Lehre unbefleckt behalten möchten, MAtth.16; Mark.8.

Nun sagen sie zum ersten, es habe doch Gott selbst im alten Testament seinem Volk befohlen, dass sie seinem Namen schwören sollten. Nun ist der Sohn wider den Vater nicht, Joh.5 und 17, Deshalb was der Vater einmal befohlen hat, das hat der Sohn nicht geändert.

<p style=”text-align: center;”>Darauf sagen wir: Wir wissen sehr wohl, dass der Sohn nicht wider den Vater ist, sonst müsste sein Reich fallen, Matth.12; Joh.17. Nun aber sind sie eins und will Deshalb, dass auch wir in ihm also eins seien. Weil er nun mit dem Vater eins ist, er im Vater und der Vater in ihm, Joh.14, so hat nun nicht er, sondern der Vater in ihm sein Wort oder Gesetz nicht aufgehoben, sondern erst recht, wie Paulus sagt, Röm.3, aufgerichtet, vom Schatten in die Wahrheit. Deshalb wird uns in Christo (da die Decke hinweg getan wird, 2.Kor.3) das Licht der göttlichen Gnaden, Jes.49; Apg.13, der Glanz der göttlichen Herrlichkeit entdecket und offenbart, Hebr.1; Eph.1; Hoh.2, da weichet der Schatten, Weish.1, auf dass uns die Sonne des göttlichen Verstandes scheine und leuchte, Eph.1, weil in ihm alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen liegen.

Deshalb hat im alten Testament Gott durch den Befehl des Schwörens bei seinem Namen nichts andres wollen, denn sie also an seinen Namen weisen, das sie ihn lernten erkennen, fürchten und ehren, und wollte sie also von den Gräueln abziehen, darum er ihnen auch befahl, dass sie bei dem Namen der heidnischen Götter nicht schwören sollten, dieweil sie nichts denn eitel sind, Bar.6, Deshalb er auch denen, so es tun würden, schwere Strafe verheißet, wie er sonderlich durch den Propheten Amos durch den Propheten Amos spricht, Amos 8: Es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde; nicht aber einen Hunger nach Brot und Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des Herrn zu hören, das sie hin und her, von einem Meer zum andern, von Mitternacht gegen Morgen umlaufen, des Herrn Wort suchen und doch nicht finden werden. Zu der Zeit werden schöne Jünglinge und Jungfrauen verschmachten vor Durst, die bei der Sünde Samarias schwören und sprechen: So wahr dein Gott zu Dan lebet, so wahr dein Gott zu Berseba lebet; denn sie sollen also fallen, dass sie nicht auferstehen werden.

Die Sünde aber Samarias waren die Götzen, daran sie sich versündigten, denn die alle eitel und unnütz waren, waren aus Nichten hier, Jes.41, und sollen hinfort wieder zu Nichten werden. Deshalb auch alles, so durch sie bezeuget, eitel und unnütz war, und keinen Verstand hatte, und war ein Gräuel vor Gottes Augen. Denn dieweil die Götzen selbst eine lügenhaftige Erfindung waren, so mochte auch nicht irgendeine Wahrheit mit bezeuget werden, Röm.3, denn Wahrheit durch die Lüge nicht kann bestätiget werden. Über das wer sie als einen Gott nennet, Bar.6, die sie doch nicht waren, der redet die Unwahrheit und Lüge. Darum in dem als er ihnen verbeut bei den Götzen der Heiden zu schwören, da eil er ihnen alle Lüge und Unwahrheit und eitles Geschwätz verboten haben; welches hernach der Apostel heller (da er nicht die Decke vor sein Angesicht hängte, 2.Kor.3), ausdrücket und spricht, Eph.4: So leget nun ab die Lüge und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, dieweil ihr untereinander Glieder sind.

Dieses Wahrheit reden heißt Gott im alten Testament bei seinem Namen schwören, wie auch David desgleichen zeuget, Psalm 63: Wer bei Gott schwöret, der wird gerühmt werden, denn die Lügen Mäuler sollen verstopft werden. Weil denn nun das Licht göttlicher Wahrheit heller erschienen ist in Christo, der uns den rechten Willen des Vaters offenbart hat, Joh.3, so ist er auch nicht wider, sondern mit dem Vater, Joh.5 und 17. Israel aber, das den Namen eines Volkes Gottes trug (mehr aber in aufwendigem Schein denn in der Kraft und Wahrheit), mochte den Glanz nicht fassen, 2.Mos.34; 2.Kor.3; Hebr.9, weil die Decke noch vor ihren Augen hänget; welche Decke anzeiget, dass der Weg zur Heiligkeit noch nicht offenbar wäre, denn die Zeit der Gnade noch nicht vorhanden war. Nun sie aber in Christo offenbart ist, so sehen wir, dass jener Verklärung oder Erkenntnis nichts zu achten war gegen diese überschwängliche Klarheit 2.Kor.6 und 3, uns in Christo offenbar, Joh.1, denn das Gesetz ist durch Mose gegeben, aber die Wahrheit ist durch Christum worden.

Deshalb auch Paulus sagt, Phil.3, das er alles was ihm vorhin Gewinn war, habe für Schaden und Dreck geachtet um der überschwänglichen Erkenntnis Christi willen. Darum Gott (dem sie anhingen) auf Hoffnung, des der kommen sollte, 1.Mos.12 und 22, und nicht das, so sie schon empfangen hatten, auf das sie sich nicht weiter verderbten mit dem Gräuel der Heiden, legt er seinen Namen in ihren Mund, wiewohl er im Herzen noch nie erkannt war, als die Worte anzeigen, da der Herr zu Mose spricht, 5.Mos.5: Alles was das Volk mit dir geredet hat, ist gut; ach dass sei sein Herz hätten mich zu fürchten und zu halten meine Gebote.

Diese Worte beweisen, dass sie ihn im Herzen wahrhaftig nicht erkannt hatten; ob ihn aber etliche aus ihnen erkannten, als die Propheten, Gal.4, war aber doch zwischen einem Kind und Knecht noch kein Unterschied, bis auf die Zeit vom Vater bestimmet, dass er Christum sandte, durch den wir Gnade um Gnade empfangen haben, Joh.1. Nun aber so die Wahrheit durch Christum geworden, das ist offenbart ist, will er kein zeremonisch Gepränge haben, sondern weil er ein Geist ist, Joh.4, dass man ihm auch im Geist und Wahrheit diene. Deshalb Christus, den Schatten zu vertreiben, auf dass und das Licht der Wahrheit (welches er selber ist, Joh.1,) scheine und spricht, Matth.5: Ihr habet gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst keinen falschen Eid tun und sollst Gott deinen Eid halten. Ich aber sage euch, dass ihr allerdings nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl, noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel, noch bei Jerusalem, denn sie ist eines großen Königs Stadt. Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören, denn du vermagst nicht ein einiges Haar weiß oder schwarz zu machen, Matth.5; Jak.5. Eure Rede aber sei Ja das Ja ist und Nein das Nein ist, was darüber ist, das ist vom Argen, das ist der Teufel.

So nun jemand sagen wollt, wie sie es denn alles auslegen, falsch und leichtfertig Schwören sei verboten, wenn es aber aus Lieb, Not und Nutz des Nächsten geschieht, so sei es wohlgetan und nicht unrecht. Das geschieht also, wenn menschliche Vernunft vor Gottes Wissen vor bricht und wo menschliche Klugheit Gottes Geist regieren will und sich nicht denselbigen beherrschen lassen. Denn gleich also sah auch Eva die verbotene Frucht an, 1.Mos.3, und wählet ihr dieselbige aus Rat der Schlange, dem sie mehr denn dem Rat Gottes folgte, darum auch durch ihre List betrogen und in Tod geführt ward. Also noch, wer dem Menschen gefallen will, mag Christi Knecht nicht sein, Gal.1; Jak.4; denn hier gilt nicht die Vernunft herrschen lassen, auch nicht die Schrift nach menschlichem Dünkel oder Wohlmeinen ziehen, denn es tut es nicht; sondern man muss Gott die ehre geben und ihm seinen Befehl ungeändert lassen.

So denn jemand sagt: Muss man denn die Schrift nur nach dem Buchstaben verstehen; nein sagen wir, sondern hier an diesem Ort und allenthalben, 2.Petr.1, wie die Schrift durch den Heiligen Geist gestellt ist, muss man sie auch denselbigen urteilen lassen. Wer mag aber dasselbige Urteil erreichen ohne der den Heiligen Geist habe, 1.Kor.2, sintemal der Fleischliche nichts vom Geist Gottes vernimmt, der Geistliche aber alles geistlich richtet. Die ihn aber haben, werden auch leicht erkennen, was hier von Christo gemeint sei, und werden finden, Röm.3, das hier Christus aus dem Schatten die Wahrheit hervorbringet und spricht: Den Alten ist gesagt: Du sollst nicht falsch schwören, 2.Mos.20; Matth.5, ich aber sage euch: Ihr sollt gar nicht schwören; u. ist erstens der Sinn Christi, wie das ganze Kapitel erweiset, das er uns in eine vollkommenere Gerechtigkeit will einführen, denn jenes Volk geführt ward; als da er spricht, 3.Mos.24; 5.Mos.5: Du sollst nicht töten: ich aber sage euch: Ihr sollt auch nicht zürnen.

Item, den Alten ist gesagt: Du sollst nicht ehebrechen, Matth.5; 2.Mos.20; Sir.41; Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieht ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die ehe gebrochen in seinem Herzen. Item, den Alten ist gesagt: Du sollst deinen Freund lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet, die euch fluchen, bittet für die, so euch verfolgen, auf das ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Summa: Es sei denn, spricht Christus, eure Gerechtigkeit besser denn der Pharisäer und Schriftgelehrten, werdet ihr nicht ins Reich Gottes kommen.

Das ist nun eine Ursache, darum hier Christus das Schwören verbietet, denn er kurz will sein Volk durch Christum berufen in einer bessern Gerechtigkeit zu wandeln und seine Zeugnisse fleißiger behüten denn jene, Joh.1, weil auch die Wahrheit in Christo völliger an den Tag gekommen und offenbart ist. Die andre Ursache ist unsre Schwachheit das wir aus unsern eigenen Kräften weder das Kleine noch das Große vermögen, ohne was Gott in uns tut, wie die Worte beweisen, Matth.5: Du sollst nicht bei deinem Haupt schwören, denn du vermagst nicht ein einiges Haar weiß oder schwarz zu machen, und wie er an einem andern Ort spricht, Matth.6: Wer ist unter euch Menschen, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich auch darum sorget?

Weil nun keine Kraft noch Vermögen in uns (als in uns selbst) ist, so will er nun, dass wir dem, der alles kann, wirket und tut, die Ehre geben und lassen, denn er ist ein eifernder Gott und gibt seine Ehre keinem anderen, Jes.42 und 48. Wer nun schwöret dies oder jenes zu tun, der greift Gott in seine Ehre und raubet Gott, was sein ist, Röm.2, denn er schwöret dies tun, so er doch nichts vermag und dazu nicht weiß, obs auch Gott in ihm tun wolle, Deshalb sagt Jakobus, Jak.4: dafür ihr sagen sollet: Wills Gott, so will ich dies und das tun. Darum wird sich ein jeglicher Gottesfürchtiger vor solchem verwahren, ob dann gleich die Welt sehr wider ihn schreiet, derselbigen nicht achten.

Die dritte Ursache ist die, Joh.1, dass jetzt die Wahrheit durch Christum worden oder offenbaret ist und wir aus Gnaden durch den Glauben an seinen Namen darein gepflanzt sind, also dass jetzt nicht wir, sondern die Wahrheit, (welche Christus ist) in uns lebet, der alles tut und beweiset in uns, ja auch alles redet, wie auch Christus spricht, Matth.10: Ihr werdet es nicht sein, die da reden, sondern meines Vaters Geist wird aus euch reden. Weil nun dem also ist, so werden eines jeglichen Gläubigen Reden in Gott gestellt, bestätiget und fest, die auch nicht wanken werden, weil er sie in oder durch Gott, oder Gott durch ihn redet. Deshalb auch Jakobus sagt, Jak.5: Eure Rede sei Ja, was Ja ist, und Nein, was Nein ist, als will er sagen: Sehet, das ihr nicht leichtfertiger Worte seid und unbedacht schwätzet, und den heiligen Geist Gottes (so in euch wohnet) nicht betrübet, sondern merket und habet acht, was er in euch redet, Matth.10, oder zu reden beweget, damit er’s auch ins Werk führe und eure Rede bekräftige, auf das ihr in der Wahrheit wandelt und eure Reden Wahrheit sind, Ja, was Ja ist, und Nein, was Nein ist, Jak.5, und schwöret denn darüber mit keinem andern Schwur.

Demnach sagt auch Paulus, 2.Kor.1: Ach, ein treuer Gott, der verschafft hat, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein gewesen ist, denn der Sohn Gottes Jesus Christus, der unter euch durch und gepredigt ist, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn alle Verheißung Gottes sind Ja in ihm Ja in ihm und Amen in ihm Gott zum Preis. Als will er sagen, der nichts unterlassen hat, sondern alles, was er durch mich zu euch geredet, erstattet und sein Wort selbst in der Kraft und Wahrheit bezeuget, und damit offenbart, dass es nicht Menschen- sondern Gottes Wort gewesen ist, 1.Thess.2, was ich euch verkündiget habe._So denn nun Gott in den Gläubigen alles redet oder zu reden gibt, so muss der, so solcher Reden nicht glauben und erst einen Schwur haben will, denselbigen Geist nicht haben; wer ihn denn nicht hat, ist auch nicht sein, Röm.8. Daher wer einen zu schwören dringet, der bezeuget, das die Wahrheit Gottes nicht in ihm ist. Und wiederum, der da schwöret, der bezeuget, das er denselbigen nicht achtet oder wahrnimmt, denn weil er wüsste, das sein Wort in Gott gestellt ist, darinnen alles feste wird, so wird er nicht weiter suchen, sondern sich des halten, was die Wahrheit durch ihn geredet sondern sich des halten, was die Wahrheit durch ihn geredet und bezeuget hat. Wer aber in der Wahrheit steht und sein Wort in die Wahrheit gestellt hat, Joh.14, bei Gott selber ist, und suchet demnach eine andre Bezeugnis mit Schwören, der wendet sich vom Schöpfer zu der Kreatur und schwächet die Wahrheit in ihm, weil er’s erst durch sich härter bezeugen will, denn es Gott schon in ihm bezeuget hat, Röm.2, denn das heißt Gott rauben was sein ist, und ihm die Ehre, (das er’s tut und tun soll,) nicht geben. Darum spricht Jakobus, Jak.4: Der da weiß Gutes zu tun und tuet es nicht, dem ist es Sünde.

So nun jemand wollt: Allerlei schwören ist ja verboten, Matth.5, aber die Wahrheit zu bezeugen mit Gott, der die Wahrheit ist, Joh.14, ist uns nicht verboten. Darauf sag ich also: Dafür Israel (nach dem Geheiß des Herrn) Macht zu schwören hatte, war doch auch Wahrheit und nicht die Lüge, Psalm 63; 2.Mos.2, denn ihnen zur Lüge und Unrecht zu schwören verboten war; aber so sie zur Wahrheit schworen, das war ihnen erlaubt. So uns denn solches auch erlaubet wäre, so hätte es Christus wohl bei dem ersten Befehl (nach deinen Worten) gelassen, dieweil doch unrecht Schwören verboten war. Nun aber spricht er lauter, 2.Mos.20; 5.Mos.5: Den Alten ist gesagt: Du sollst nicht falsch schwören; ich aber sage euch, Matth.5: Ihr sollt allerdings nicht schwören.

So halte nun die Worte Christi wohl gegen einander: Er spricht: Den Alten ist gesagt: Ihr sollt nicht falsch schwören; ich aber sage euch: Ihr sollt gar nicht schwören. Und mehr spricht er, Matth.5: Den Alten ist gesagt: Du sollst deinen Feind hassen; ich aber sage euch: Liebet eure Feinde. So nicht nun meinen Feind hasste und ihm nichts Übels um Übels vergelte, Fluch um Fluch, Streich um Streich gebe, würde ich auch recht daran tun? Freilich nein, Matth.5; 1.Petr.4; Hebr.12, denn das wäre die Gebote und Art unsers Meisters verlassen. Gleich eben so wenig tut der recht, der da schwöret, ob er gleich auch zu dem schwüre, das an ihm selbst die Wahrheit wäre. Denn da steht gleiches Verbot; denn es ist genug, das sich die Wahrheit durch sich selbst bezeuget, so viel die in uns ist, denn die ist besser, edler und gewisser denn alle Zeugnisse der Menschen.

Deshalb Christus selbst sagt: Ich nehme nicht Zeugnis von Menschen, denn ich habe ein bessres Zeugnis denn Johannis Zeugnis; denn die Werke, die ich tue, die zeugen von mir; und der Vater, der mich gesandt hat, zeuget auch.

Also wird er sich nun in einem jeglichen selbst bezeugen, wie viel und weit er will. Deshalb ist alles Schwören eitel, wie es immer geschieht, denn da merkt er nicht auf das Zeugnis, das Gott in ihm zeuget.

Wenn dann jemand spräche: Die Liebe tut doch alles, 1.Kor.13, darum sie auch dem Nächsten wohl zu Dienst und Nutz schwören mag, und ist nicht unrecht; so sagen wir, die Liebe tue ja alles, doch wird oder mag sie wider ihre Art nicht handeln, Röm.13, denn sie nicht ein Täterin der Sünde sondern der Gerechtigkeit ist, und fehlet nimmermehr; daher wird sie sich vielmehr stellen zu Besserung des Nächsten und den, so es unrecht für sich hat, mit allem Ernst davon weisen. Das ist ihr Amt, 1.Petr.3, dazu hat ihm auch Gott sein Volk erwählet und angenommen, Joel 2; Apg.2; Röm.8, dazu hat er auch seinen Heiligen Geist gegeben in unsre Herzen, Gal.5, das er in uns wider die Sünde zeuge, Joh.16, und die Welt darum strafe. Wer ihnen nun willfahret und nicht dawider zeuget, der verlässt das Zeugnis des Geistes Gottes in ihm.

Das sie aber sagen, Gott habe doch selbst, 1.Mos.22, geschworen, Deshalb es billig nicht unrecht sein möge; antworten wir: das Gott und Christus geschworen haben, leugnet niemand. Damit ist aber nicht erwiesen, dass es auch die Menschen Recht haben. denn was Gott verheißt, kann er auch tun, nicht durch eines andern Hilfe, sondern alles durch selbst und seine eigene Kraft. Deshalb er wohl durch sich selbst zusagen und verheißen mochte. Nun hat er darüber nie gegriffen und bei einem Höheren nie geschworen, weil auch kein Höherer war, wie der Apostel zeuget, Hebr.6: Gott, da er bei keinem Höheren zu schwören hatte, schwur er bei ihm selbst, und sprach: Wahrlich, ich will dich mehren, 1.Mos.22; Joh. 14.

Weil nun Gott die Wahrheit ist, verheißt er durch sich selbst, solches zu tun und zu erstatten. Deshalb, wenn man die Wahrheit ansehen will, so ist es eben, als wenn der Mensch spricht: Ich will’s tun; doch ist der unterschied, dass was Gott verheißt, er durch sich selbst tun mag, der Mensch aber nicht, Joh.15. Weil er nun nichts vermag, wird er billig aus Pflicht dem die Ehre lassen, der es alles in ihm tun muss, wie Jakobus lehrt, Jak.4, und wird sagen: Wills Gott, so will ich’s tun. Tut er’s nicht, so entzieht er Gott die ehre, Röm.2, die er ihm pflichtig und schuldig ist zu geben. Weil er nun nichts vermag, 5.Mos.32; Joh.15, so hat er auch nicht Macht bei ihm selber zu schwören, Joh.15, denn er mag es durch sich selber nicht erstatten; wie wollt er denn bei einen Größeren Macht haben zu schwören, denn wer beim Kleinsten zu schwören nicht Macht hat, der wird das Größere noch viel weniger anrühren dürfen, wie auch Christus selbst erweiset mit den Worten, Matth.23: Wehe euch, blinden Leiter, die ihr saget, wer da schwöret bei dem Tempel, das ist nichts, wer aber schwöret bei dem Golde am Tempel, der ist schuldig. Ihr Narren und Blinde, was ist größer, das Opfer oder der Altar, der das Opfer heiliget. Darum der da schwöret bei dem Altar, der schwöret bei dem Altar, der schwöret bei demselbigen und bei allem dem, das darauf ist; und wer bei dem Tempel schwöret, der schwöret bei demselbigen und bei dem, so darinnen wohnet. Und wer beim Himmel schwört, der schwört bei Gottes Stuhl und bei dem, so darauf sitzet.

Aus diesen Worten wird klar, das Gott weniger beim meisten denn beim mindesten will geschworen haben. Denn die Priester hielten nicht für Unrecht, beim Altar schwören, aber beim Opfer, 3.Mos.1 und 2, weil es nun ein süßer Geruch war dem Herrn; das achteten sie als Unrecht, so einer dabei schwüre. Nun zeiget ihnen hier Christus ihre Torheit und Unverstand, schilt sie Narren, weil sie das nicht wissen, das der Altar mehr denn das Opfer sei, und billig erkennen sollten, weil der Unrecht täte, der beim Opfer schwüre, dass der noch größer Unrecht tät, der beim Altar schwüre; und so der Unrecht täte, der beim Gold des Tempels schwüre, das der noch mehr Unrecht täte, der gar beim Tempel schwüre, weil er nun nicht allein bei demselbigen, sondern bei dem, der darinnen wohnet, das ist bei Gott schwüre. Weil sie aber solches nicht erkennten, verweiset er ihnen ihres Herzens Blindheit, weil sie sich vermaßen (anmaßen) Lehrer der andern zu sein, Röm.2; 1.Kor.1, 2 und 15, und sich für Weise hielten und doch Narren waren, die Gottes wissen nicht hatten.

Aus diesen Worten wird kund, dass so wenig er beim Tempel, Altar, Himmel, Erde oder einigerlei Kreatur will geschworen haben, dass dasselbige noch weniger bei seinem Namen geschehen soll. Deshalb sagt Jakobus, Jak.5: Vor allen Dingen, lieben Brüder, schwöret nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde, noch mit keinem andern Eid. Es sei aber euer Wort Ja, das Ja  ist und Nein das Bein, auf das ihr nicht in Heuchelei fallet. Allhier will Jakobus gar keinen Schwur, weder klein noch groß haben, die Heuchelei zu vermeiden. Deshalb man drehe es, wie man wollte und schmücke es aufs Zierlichste, als man immer kann, so wird doch nichts Gutes im menschlichen Schwören erfunden werden, weil Christus selbst sagt, Matth.5: Eure Rede sei Ja, Ja, Nein, Nein, was darüber ist, das ist vom Argen. Der Arge aber ist der Teufel, Matth.13 der das Gute von des Menschen Herzen reißt und das Böse pflanze.

Darum werden die Frommen in der Wahrheit wandeln, 3.Joh.1, sich von ihr regieren und führen lassen und sich derselbigen halten und was die ihnen erreget, redet und tut, dasselbige glauben und bewahren, und das um der Wahrheit willen, Matth.13; Joh.14, die Gott selber ist und in ihnen wohnet, 3.Mo.26. Daher sie keines Schwörens bedürfen werden, 2.Kor.6, noch begehren. Um derer willen, die draußen sind, gebühret es uns gar nicht ihnen nachzutun, sondern vielmehr wider ihre Sünde zu zeugen, Joh.16, weil Gott seinen Geist darum gegeben hat, das er die Welt um die Sünde strafe. Deshalb sehe man den lieben Paulus ein wenig an und brauche nicht seine Schriften zum Deckel der Bosheit, 2.Petr.3, und verwirre sie keiner zu seiner selbst Verderben. also viel wollen wir auf dies Mal von dem Schwören geredet haben.

Weiter: Von der Obrigkeit und ihrem verordneten Dienst