Vom Schwören

Dieweil das gesetzt eine Einführung war der mehreren Gnade, Gal.3; Hebr.7, und Erkenntnis Gottes, so sind auch die Gebote derselbigen also. Deshalb Gott der Herr durch das Schwören im Alten Testament nichts anders hat wollen, denn sie an seinen Namen weisen und bringen, auf dass sie ihn recht kennen lernten und sich an ihn hielten, 5.Mo.10 und 32, und ihm allein die ehre geben. Denn Gott, der die Wahrheit ist, will sein Volk Israel (da er ihm befiehlt bei seinem Namen zu schwören) lehren, dass sie die Wahrheit reden und sich derselbigen halten sollen; darum er ihnen auch befiehlt seinen Namen nicht eitel oder leichtfertig zu nennen, 2.Mos.20:7; 5.Mo.5, also will er sagen, dass sie aller ihrer Reden wahrnehmen und acht haben sollen, auf dass sie als der Wahrheit, das ist als Gottes Diener erfunden werden, darum er auch den, so seinen Namen eitel und leichtfertig nennet, das ist der Wahrheit nicht wahrnimmt, nicht unschuldig zu halten drohet. Das es aber wahr sei, dass durch das Gebot des Schwörens im alten Testament Gott im neuen (da Gottes Wille völlig offenbart ist, Joh.1,) das Wahrheit reden und darinnen wandeln, oder Gott recht erkennen und ihm anhangen gewollt hat, mag aus den Worten Davids erkannt werden, da er spricht, Ps.12: Wer bei Gott schwöret, wird gelobt alle Lügenmäuler müssen verstopft werden. Wer mag nun hier anders sagen, denn dass hier schwören für die Wahrheit reden und sich derselbigen halten genommen ist. Dass aber durch das Gebot des Schwörens im alten Testament uns im neuen Gott recht kennen und sich sein halten heißt, beweisen die Worte, Jes.45: Es werden sich mir alle Knie beugen und alle Zungen bei mir schwören und sprechen: Wahrlich im Herrn ist meine Gerechtigkeit und Stärke. Diese Worte handelt und leget Paulus also aus, Röm.14: Wir sollen alle Knie gebeugt werden und alle Zungen sollen Gott erkennen. Allhier ist offenbar, dass auch das Schwören im alten Testament im neuen Gott erkennen und sich sein halten heißt, Jer. ; Hebr.7. Also ist uns nun das Gesetzt eine Einführung zu einer besseren Erkenntnis und Hoffnung, dadurch wir zu Gott nahen.

Weil nun das Licht göttlicher Gnaden in Christo heller erschienen und offenbart ist, so laden uns die Diener des neuen Testaments nicht mehr den Schatten, 2.Kor.3,  sondern das Licht, den Glanz der Wahrheit in seiner Klarheit auf. Darum spricht Paulus (als der nicht eine Decke vor seinem Angesicht hatte) klar heraus: Leget ab die Lüge und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, dieweil ihr untereinander Glieder seid. Dann möchte jemand sagen: Es war doch Israel befohlen die Wahrheit zu reden, Ps., und die Lügen zu hassen, darum hat es diese Meinung nicht; dazu sagen wir: Es ist wahr dass auch Israel die Wahrheit zu reden befohlen war. Weil aber dazumal die Kindschaft von der Knechtschaft nicht gesondert war und der knechtische Geist die rechte Wahrheit nicht erlangen möchte, wollte ihnen doch Gott anzeigen mit dem Schwören bei seinem Namen, Röm.8; 2.Joh.1, dass keine andere Wahrheit sei, und dass wer in der Wahrheit wandeln soll, durch den Namen Gottes darein kommen und befestiget werden muss, Joh.8. Das will uns Gott durch das Schwören im alten Testament lehren. Weil aber dazumal die Kindschaft von der Knechtschaft nicht gesondert war, so waren die, so den kindlichen Geist hatten, Gal.3, dazumal unter zeremonischem Schein des Gesetzes behaftet, wie Paulus sagt, Gal. 4: So lange der Erbe Kind ist, so ist zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, ob er wohl ein Herr aller Güter, sondern ist unter den Vormündern und Pflegern bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Satzungen, bis die Zeit erfüllet ward, dass Gott seinen Sohn sandte, der uns vom Gesetzt erlöset hat, dass wir die Kindschaft empfingen. Nun aber hat der schatten aufgehöret, das Licht ist ausgegangen, die Kindschaft ist von der Knechtschaft gesondert und das kindliche Testament befestiget, Kol.2; Gal.4; Hebr.9, dass nun hier Knecht mehr, sondern alles Kinder sind, die den kindlichen Geist empfangen haben, Röm. 8; Jer.31; Hebr.8, und durch denselben in das Testament der Erkenntnis Gottes gebracht sind, der nun selber in ihnen alles bezeuget, redet und tut, wie und zuvor das Schwören vorgebildet hat. Denn das sie bei Gottes Namen schwören, war nichts denn das sie dann damit beweisen sollten, 5.Mo.10; Ps.63; Joh. 1, das Gott in seinem Volk alles bezeugen, bekräftigen und wahr machen müsse. Weil aber nun die Wahrheit geöffnet ist, so muss der Schatten, der äußerliche Schein, das Schwören weichen und auf hören und sich der Geist der Wahrheit selbst in uns bezeugen lassen in der Kraft und Beweisung. Deshalb auch Christus sagt, Matth.5: den Alten ist gesagt: Du sollst nicht falsch schwören; ich aber sage euch: Ihr sollt gar nicht schwören, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl, noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel, noch bei Jerusalem, denn sie ist eines großen Königs Stadt. Auch sollst du nicht bei deinem einziges weißes Haar weiß oder schwarz zu machen; Eure Rede aber sei: Ja das ist und nein ist, und was darüber ist, das ist vom Argen. Der Arge aber ist der Teufel, der alles, damit Gott geschmäht wird, im Menschen wirkt, Matth.13.

Nun ist unwidersprechlich, denn es ist allen Menschen offenbar, dass Gott von uns, den Christen, einen rechtschaffenen Gottesdienst haben will, Luk.1, der im Geist und Wahrheit geschehe und vollkommener sei, denn der Dienst des alten Testaments, Matth.5. Deshalb wir nicht allein nicht falsch, sondern gar schwören sollen; und lehrt uns Christus hierin Gott allein die Ehre zu geben und zuzuschreiben, uns aber vor ihm (als die nichts vermögen) zu erniedrigen, Joh.15; Jak.5, auf dass, weil wir nichts vermögen, wir auch nichts durch uns selber zu tun verheißen, geschweige, dass wir schwören sollten. Also ist offenbar, dass wir unsrer Schwachheit und Unnutz halber nicht schwören, auf dass wir Gott seine Ehre nicht rauben. Dann sagen sie: Bei keiner Kreatur sollen wir schwören, aber beim Schöpfer mögen wir wohl zu der Wahrheit schwören, denn er auch selbst geschworen hat, dazu auch ihnen nicht bei ihm, sondern bei der Kreatur verbeut.

Darauf sagen wir, 1.Mo.22; Hes.33; Dass Gott selbst geschworen hat, und wir aber nicht tun sollen, ist das die Ursache, 5.Mo.32:40, dass was Gott verheißt, er durch sich selbst auch tun kann und mag, darum auch recht zu schwören hat, wir aber weil wir nichts vermögen, nicht. Dass aber Christus nicht allein bei der Kreatur, sondern auch beim Schöpfer verbeut, zeugen die Worte an, Matth.5: Ihr sollt gar nicht schwören. Für das andre, so bei der Kreatur, die doch geringer denn Gott ist, man nicht schwören soll, so muss man bei Gott, der doch viel höher und größer ist, gar nicht schwören; denn wer das Wenige nicht angreifen darf, wie wollte er sich denn des Meisten unterstehen. Das es aber gar nicht sein soll, ja beim Größeren weniger denn beim mindesten, beweiset Christus, da er spricht, Matth.23: Wehe euch blinden Führer, die ihr saget: Wer beim Tempel schwöret das ist nichts, wer aber beim Gold, das darinnen ist schwöret, der ist schuldig. Ihr Narren und Blinde, welches ist größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiliget. Und wer beim Altar schwört, das ist nichts, wer aber beim Opfer, das darauf ist schwört, der ist schuldig. Ihr Narren und Blinde, was ist größer, das Opfer oder der Altar, der das Opfer heiliget. Darum wer bei dem Altar schwöret, der schwöret bei demselbigen und bei allem , das darauf ist;  wer aber beim Tempel schwöret, der schwöret bei demselben, der darinnen wohnet, und wer bei dem Himmel schwöret, der schwöret bei Gottes Stuhl und bei dem , der darauf sitzt. Allhier wird ja offenbar, dass Christus weniger beim Meisten denn beim Mindesten will geschworen haben, und darum verweiset, dass sie das Kleinste tadeln und das Größte nicht, und zeiget an, dass jeder Tempel mehr sei denn das Gold darinnen, und der Altar mehr denn das Opfer darauf. Deshalb auch der, so beim Tempel und Altar schwöret, mehr sündiget, denn der, so beim Gold des Tempels und Opfer des Altars schwöret, dieweil er nicht allein beim Tempel, sondern auch bei dem, der darinnen wohnet, das ist bei Gott schwöret; dergleichen auch wer beim Himmel schwöret, der schwöret bei Gottes Stuhl und bei dem, so darauf sitzest: und schilt sie darum blinde Führer  die Mücken seihen und Kamele verschlucken, das ist das, Kleinste im Gesetzt anziehen und das Größte fahren lassen, Matth.23; Luk.11. Deshalb ist offenbar, dass man gar nicht schwören soll, wie auch Jakobus sagt, Jak.5: Lieben Brüder, vor allen Dingen schwöret nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde, noch bei keinem andern Eide, sondern eure Rede sei ja das ja ist und nein das nein ist, und das allein darum, wie gesagt, dass wir Gott nicht in seiner Ehre greifen, und weil wir nichts ohne ihn vermögen noch können, ihm auch solche Ehre, als der alles in uns tun muss, geben und sagen: Ja will’s Gott, so will’s Gott, so will ich’s tun, wie uns Jakobus lehrt. Jak.4:13-15. Denn wer da weiß Gutes zu tun, und tut nicht, dem ist es Sünden.

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