Von dem Lutherischen Glauben

Menno_Simons

Die Lutherischen lehren und glauben, dass uns der Glaube allein selig mache, auch ohne irgendwelches Zutun der Werke. Diese Lehren halten sie mit solcher Strenge aufrecht, als ob Werke ganz und gar unnötig wären; ja, als ob der Glaube von solcher Art und Natur sei, dass er keine Werke neben sich zulassen oder lei-den könne. Und darum muss auch Jakobi hochwichtiger, ernster Brief (weil er eine solche leichtfertige, eitle Lehre und solchen Glauben straft) als strohern von ihnen angesehen und erachtet werden. O stolzeTorheit! Ist die Lehre Stroh, so muss auch der auserwählte Apostel, der getreue Diener und Zeuge Christi,der sie geschrieben und anempfohlen hat, ein stroherner Mann gewesen sein; das ist so klar als der helle Mittag. Denn die Lehre bezeugt wer der Mann war.

Ein jeder sehe wohl zu, wie und was er lehrt; denn gerade mit dieser Lehre haben sie das unbedachte, dumme Volk, Groß und Klein, Bürger und gemeinen Mann, in ein solches fruchtloses, wildes Leben geführt und so weit den Zaum gelassen, dass man unter den Türken und Tartaren (vermute ich) kaum ein so gottloses, gräuliches Leben, wie das ihre ist, finden könnte.

Die offenbare Tat gibt Zeugnis; denn das über-flüssige Essen und Trinken, die übermäßige Pracht und Hoffart, das Huren, Lügen, Betrügen, Fluchen, Schwören bei des Herrn Wunden, Sakramenten und Leiden, das Blutvergießen und Fechten etc., welches leider bei vielen von ihnen gefunden wird, hat weder Maß noch Ende. Lehrer und Jünger handeln in vielen fleischlichen Dingen einer wie der andere, wie man sehen kann.

Denn was ich wohl weiß, das schreibe ich und was ich selber gehört und gesehen habe, bezeuge ich und ich weiß, dass ich die Wahrheit zeuge. Wer nur mit ihnen sagen kann: »Ei, wie sind die verzweifelten Pfaffen und Mönche solche ehrlosen Schelme und Buben!« Und fluchen ihnen die Pocken ins Herz. Der heillose Papst mit seinem beschorenen Haufen, sagen sie, haben uns lange genug mit ihrem Fegefeuer, ihren Beichten und ihrem Fasten betrogen. Wir essen nun wie wir Hunger haben, es sei Fisch oder Fleisch, wie es uns beliebt; denn jedes Geschöpf Gottes ist gut, sagt Paulus, und nicht verwerflich. Aber was hernach folgt, wollen sie nicht verstehen noch wissen, nämlich, den Gläubigen (gleich zu leben), welche die Wahrheit erkennen und mit Danksagung genießen. Weiter sagen sie: Wie schändlich haben sie uns arme Leute betrogen, dass sie uns des Herrn Blut geraubt haben und haben uns auf ihre Krämerei gewiesen und auf ihre zauberischen Werke. Aber, Gott sei Lob, nun sind wir innegeworden, dass alle unsere Werke nichts gelten; denn Christi Blut und Tod muss allein unsere Sünden austilgen und bezahlen. Heben an Psalmen zu singen:»Der Strick ist entzwei und wir sind frei, . . . « Unterdessen läuft ihnen das Bier und der Wein aus ihrer trunkenen Nase und Mund. Ein jeder der nun diesen Reim mit ihnen lesen kann, er lebe auch so fleischlich als er immer wolle, ist ein guter evangelischer Mann und ein wohlgeschickter Bruder.

Und so denn jemand kommt, der sie aus aufrichtiger, treue Liebe darüber ermahnen oder strafen will, ihnen Christus Jesus mit seiner Lehre, seinen Sakramenten und unsträflichem Vorbild recht vorhalten will und dass es keinem Christen gezieme zu prassen und zu saufen, zu schwören und zu fluchen etc., der muss zur Stunde hören, er sei ein Werk heiliger, ein Himmelsstürmer oder ein Rottengeist, ein Schwärmer oder Heuchler, ein Sakramentschänder oder Wiedertäufer.

Siehe, so lässt Gott, der gerechte Herr, diejenigen irren und es in ihren Herzen dunkel werden, die in ihrer fleischlichen Wollust und ihrem Mutwillen sich auf den kostbaren Tod und das allerheiligste Fleisch und Blut unsers Herrn Jesu Christi, des Sohnes Gottes, und auf sein seligmachendes, verehrtes Wort verlassen und stützen, ja, es zu einer Ursache ihres unreinen, sündlichen Fleisches machen. Ich lasse mich dünken,dass dies auch wohl mit Recht eine freie, lose und weite Sekte heißen mag.

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