Von der Gemeinschaft der Güter

Dieweil nun alle Heiligen Dingen, das ist in Gott Gemeinschaft haben, 1.Joh.1; Röm.8, der ihnen auch alles in seinem Sohn Christo Jesus übergeben hat, welche seinen Gabe nun keins ihm selber, sondern ein dem andern haben soll, wie auch Christus ihm selber nichts, sondern alles uns hat, Phill.2, also sollen auch alle Glieder seines Leibes ihnen selber nichts, sondern dem ganzen Leib, allen Gliedern haben, denn seine Gaben sind nicht einem Glied allein oder um eines Gliedes willen, sondern allen Gliedern, dem ganzen Leib geheiligt und gegeben, 1.Kor.12.  Dieweil nun alle Gaben Gottes, nicht allein die geistlichen, sondern auch die zeitlichen dem Menschen darum gegeben sind, das er es nicht ihm selbst oder allein haben soll, sondern allen seinen Genossen, so steht nun der Heiligen Gemeinschaft nicht allein im Geistlichen, sondern auch im Zeitlichen zu beweisen, Apg.2 und4, auf das wie Paulus sagt, nicht einer Überfluss und der andere Mangel habe, 2.Kor.8, sondern geschehe, dass es gleich sei, und beweiset das aus dem Gesetz mit dem Himmelsbrot, da der, so viel sammelte, nicht Überfluss, der aber wenig sammelte, nicht minder hatte, dieweil nach dem Maße einem jedem seine Notdurft gegeben ward, 2.Mo.16. Über das sieht man es an der Kreatur, die uns heute noch bezeuget, das Gott anfänglich den Menschen nichts eigenes, sondern gemein zu sein geordnet hat; aber durch das unrechte Annehmen, da sich der Mensch des, so er nicht soll, annahm, 1.Mo.3, und verließ das, des er sich annehmen sollte, hat er solches an sich gezogen und sich zugeeignet, und ist also mehr und mehr darinnen erwachsen und erstarret, das er durch solch unbilligen Annehmen und Einziehen der Kreatur so weit von Gott abgeführt worden, das er des Schöpfers so gar vergessen, also das er auch die Kreatur, die ihm sonst untergeben und unterworfen war, erhoben und für Gott geehrt hat, Röm.1; Weish.13 und 15. Also geht es noch wenn man aus Gottes Ordnung schreitet und dieselbe verlässt.

Nun aber, (wie gesagt) zeiget die Kreatur an, die den Menschen einzuziehen zu hoch gewesen ist, als die Sonne mit allem Lauf des Himmels, Licht, Luft und dergleichen, das nicht allein sie, sondern gleichwie sie also auch alle anderen Kreaturen dem Menschen gemein gemacht sind, 1.Mo.1. Das aber sie also geblieben und vom Menschen nicht eingezogen worden sind, ist die Ursache, das sie ihm zu hoch (denn das er sie in seiner Gewalt hätte bringen mögen) gewesen sind, sonst er sie ( so böse er durch das Unrechte Annehmen geworden) so wohl als die andern an sich gezogen und zu eigen gemacht hätte, 1.Mo.3; 4. Esra:3 und 7; Röm.5. Das es aber also sei und andre von Gott so wenig als diese eigen gemacht sind, beweiset, das der Mensch alle Kreaturen (sowohl als diese) verlassen muss und in seinem Streben nichts mit sich nehmen  und für sich als Seinen gebrauch vermag, 1.Tim.6. Darum auch Christus alles Zeitliche das Fremde heißt und spricht: So ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch dasjenige, das euer ist, vertrauen? Luk.16.

Weil nun dem also ist, das das Zeitliche nicht unser, sondern fremde ist, so besieht das Gesetzt, dass niemand fremdes Gut begehren soll, 2.Mo.20: 5.Mo.5, das ist sein Herz an das Zeitliche, welches das fremde ist, nicht  hängen noch sich zuschreiben; deshalb der, so Christo anhangen und nachfolgen will, solches Annehmen der  Kreatur und Eigentum verlassen muss, Matth.10 und 8; Luk.0, wie er auch selber sagt, Luk.14: Wer nicht alles verlässt, kann nicht mein Jünger sein. Denn so der Mensch wiederum in das Bildnis Gottes soll erneuert werden, Eph.4; Kol.3, so muss er von sich ablegen das, so ihn davon abführet, das ist das Annehmen und Einziehen der Kreatur, sonst mag er Gottes Bild nicht wieder erlangen. Darum sagt Christus, Mark.10; Luk.18; Matth.18: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, wird nicht hinein kommen; und: Es sei denn, dass ihr euch umwendet und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Wer nun der Kreatur also los wird, mag alsdann das Rechte und Göttliche ergreifen, und so er es ergriffen hat und es sein Schatz geworden ist, so wendet er sein Herz auf dieses, entäußert sich alles andern und nimmt sich nichts an, als des Seinen, und achtet es nicht mehr sein, sondern aller Gotteskinder zu sein, Apg.2 und 4. Deshalb sagen wir, das wie alle Heiligen in geistlichen Gaben Gemeinschaft haben, 1.Joh.1, sie noch viel mehr im Zeitlichen beweisen sollen, und sich dasselbige nicht zuschreiben und zu eigen begehren, Luk.16, weil es doch fremde ist, sondern als aller Gotteskinder zu sein achten, dass sie damit beweisen, dass sie der Gemeinschaft Christi teilhaftig und in Gottes Bild erneuert sind, 1Kor.10; Eph.4. Denn je mehr der Mensch der Kreatur noch anhanget, sie sich zueignet und zuschreibet, je weiter er sich von dem Bild Gottes und der Gemeinschaft Christi zu sein beweiset, Kol3: 1.Mo.1.

Deshalb auch der Heilige Geist im Anfang der Kirche solche Gemeinschaft gar herrlich wieder angefangen hat, Apg.2 und 4, (dass keiner von seinen Gütern sagte, dass sie sein wären, sondern alles gemein hatten), und will auch, dass es noch also darinnen gehalten werde, wie Paulus sagt, Phil.2: Niemand suche seinen eigenen Nutzen, sondern den Nutzen eines andern, oder niemand suche was ihm, sondern was vielen  zuträglich ist. Wo es nun anders zugeht, so ist es ein Flecken der Kirche, der billig gebessert werden soll. Ob man aber sagen wollte, es sei doch nirgends denn zu Jerusalem also gewesen, darum es jetzt nicht vonnöten sei, sagen wir: Ob es gleich sonst nirgends denn zu Jerusalem gewesen ist, folget nicht, das es darum jetzt auch nicht sein sollte; denn es weder an den Aposteln noch an den Gemeinden, sondern vielmehr an der Gelegenheit, Art und Zeit gefehlt hat; deshalb es uns nicht eine Ursache sein sollte, hinter sich zu ziehen, sondern vielmehr uns zu mehreren und besseren Fleiß bewegen sollte, weil uns der Herr jetzt Zeit und Ursache gibt solches zu tun.

Das es aber weder an den Aposteln noch an den Gemeinden gefehlt hat, beweiset ihr Fleiß auf beiden Teilen, Phil.2; Röm.14. Denn die Apostel haben mit allen Fleiß dahin gewiesen und dem Volk die wahre Gelassenheit auf das treulichste vorgeschrieben, wie alle ihre Briefe noch heute beweisen. Das Volk aber hat sich auch mit Fleiß darnach gestellt, wie denn Paulus sonderlich denen zu Mazedonien Zeugnis gibt und spricht: Ich tue euch kund, die Gnade, die den Gemeinden in Mazedonien gegeben ist; denn ihre Freude war da am überschwänglichsten, da sie durch viel Trübsal bewähret wurden, und ihre Armut, ob sie wohl groß ist, ist sie doch als ein Reichtum in aller Einfältigkeit.

Denn nach allem Vermögen, das bezeuge ich, und über Vermögen waren sie selbst willig und baten uns ernstlich mit viel Ermahnens, das wir aufnehmen die Wohltat und Gemeinschaft der Handreichung, die den Heiligen geschieht; und nicht wie wir hofften, sondern ergaben sich selbst zum ersten dem Herrn und darnach auch uns durch den Willen Gottes.

Allhier mag wohl erkannt werden, mit welch geneigten Herzen die Gemeinden willig und bereit gewesen sind, die Gemeinschaft nicht allein im Geistlichen, sondern auch im Zeitlichen zu halten, auf dass sie dem Meister Christo nachfolgen und ihm und gleichförmig werden möchten, der uns selbst in solcher Weise und Gestalt vorgegangen ist und befohlen ihm nachzufolgen, Phil.2; Matth.10; Luk.14.

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