Warum das lange Haar nicht die Kopfbedeckung ist

… von der Paulus zuvor redete (1.Kor 11,2-16)
Einwände zu einer liebgewordenen, aber falschen Bibetextauslegung, gemäß der Frauen im Gottesdienst keine Kopfbedeckung mehr tragen müssen, da ja das lange Haar ihr als Schleier gegeben sei (1.Kor 11,14-15).
“Oder lehrt euch nicht schon die Natur, daß es für einen Mann eine Unehre ist, langes Haar zu tragen? Dagegen ist es für eine Frau eine Ehre, wenn sie langes Haar trägt; denn das lange Haar ist ihr anstelle eines Schleiers gegeben.”
  1. 1.Kor 11,3 stellt die in Christus erneuerte Schöpfungsordnung dar, die nur dort wirksam ist, wo Christus als Haupt angenommen worden ist. Die Natur in Vers 14 und 15 meint jedoch die ganze noch unerlöste und gefallene Schöpfung.
  2. Paulus bezieht sich auf die Natur als Illustration, nicht als endgültiges Argument. Die Argumente betreffen die Begriffe Haupt und Herrlichkeit, die aus 1.Kor 11,3 abgeleitet werden. Diese Analogie wird den Argumenten nachgereicht.
  3. 1.Kor 11,4-6 nennt zwei spezifische Tätigkeiten, bei denen die Männer ihr Haupt entblößt, die Frauen ihres bedeckt haben sollen: Beten und Weissagen. Haarlängen sind jedoch immer lang bzw. kurz, unabhängig vom Beten und Weissagen.
  4. Die Aussage „denn das lange Haar ist ihr anstelle eines Schleiers gegeben.“ Ist missverständlich übersetzt (Schlachter 2000). Die Präposition „anti“ (die hier steht) bedeutet nirgends „anstelle“ im Sinne von „ersetzen“. Es ist mehr ein Ausdruck des „Gegenübers“, eines „Gegenstücks“, oder auch bei „Gnade um (anti) Gnade“ (Joh 1,16) eines „hinzu“. Besser übersetzt wäre: „denn das lange Haar ist ihr für den Schleier gegeben.“ („for a covering“ King James Bible) bzw. „denn das lange Haar ist ihr als Gegenstück zum Schleier gegeben.“ Das betont den Charakter dieser Aussage, denn Paulus gebrauchte sie als einen Vergleich, als eine Illustration, eine Analogie. Das Lange Haar der Natur ist analog zum Schleier, zur Kopfbedeckung zu sehen; indem auch in der Natur Männer und Frauen klar unterschieden werden.
  5. Die Aussage, dass das lange Haar die Ehre/Herrlichkeit der Frau ist, betont, dass es bedeckt werden soll; denn auch die Ehre/Herrlichkeit des Mannes soll bedecket werden, und das ist die Frau (1.Kor 7,7b). Allein die Ehre/Herrlichkeit Gottes, symbolisiert im Haupt des Mannes, welches auch für Christus steht, soll unbedeckt/sichtbar bleiben (1.Kor 11,3+7a). Wenn die Frau ihr Haupt nicht bedeckt, bleibt ihre Herrlichkeit neben der Herrlichkeit Gottes sichtbar. Das ist gegen die Aussage des Textes.
  6. Dass der Mann nichts auf dem Haupt haben soll (1.Kor 11,4), müsste bedeuten, dass ein Mann kein langes Haar haben darf (wiederum von 1.Kor 11,14 her gedacht). Tatsächlich kommt die im Griechischen seltsame Formulierung („etwas vom Haupt herab haben“) auch im Buch Ester vor, als Haman sich aus Trauer verhüllte (Est 6,12 – griech. Üb. des AT, LXX). Auch in außerbiblischen Texten bedeutet diese Formulierung, sich die Toga oder einen Schleier über den Kopf ziehen (z.B. bei Plutarch). Also ist auch von der Seite des Mannes her eindeutig, dass eine Kopfbedeckung und nicht das Haar gemeint ist.
  7. Es mutet seltsam an, dass einer Frau, die ihr Haar nicht lang tragen will (wenn das die Bedeutung sein soll), das Haar abgeschnitten werden soll (1.Kor 11,6). Wie kurz denn noch? Weit besser passt es, wenn eine Frau ihre Ehre nicht bedecken will, dass Sie durch das Abschneiden ihrer Haare entehrt werden soll.
  8. Die Auslegung, dass langes Haar der Schleier wäre, wurde von keinem der Kirchenväter, die diesen Text kommentierten und Griechisch als Muttersprache hatten, so verstanden.
  9. Diese Auslegung ist das erste Mal beim liberalen deutschen Theologen Karl Holsten (1825-1897) aufgekommen, wurde von in akademischen Kreisen nicht weiter verfolgt bis etwa 1947 (kath. Theol. Stefan Lösch) und 1965 (Abel Isaakson – jüdischer Theologe). Die Auslegung kommt aus der bibelkritisch-liberalen Tradition und nicht von Gläubigen, hat sich aber (ironischerweise) gerade in bibeltreuen Gemeinden oft durchgesetzt.
  10. Der Vergleich mit der Natur ist ein Einschub, den Paulus als Illustration gebraucht. Blendet man diesen Einschub aus, dann lautet 1.Kor 11,13+16 folgendermaßen: „Urteilt bei euch selbst, ob es schicklich ist, dass eine Frau unbedeckt zu Gott betet! … Wenn aber jemand rechthaberisch sein will – wir haben eine solche Gewohnheit nicht, die Gemeinden Gottes auch nicht.“ Das rechthaberisch bedeutet nun, alle Argumente des Paulus, die Er von 1.Kor 11,3-15 brachte, zu bestreiten. Dem entgegnet er, dass in allen Gemeinden Gottes die Frauen ihr Haupt beim Gebet bedecken. Folge: Und bei euch darf es deshalb auch nicht anders sein.
Es war erst in den späten 1950er Jahren, dass diese Auslegung in die bibeltreuen Gemeinden eingedrungen ist. Bis in die 1970er Jahre bedeckten die Frauen noch immer weitgehend ihren Kopf, auch in Österreich. Erst 1983 wurde der entsprechende Passus aus dem katholischen Kirchenrecht herausgenommen.
Es ist eine traurige Tatsache, dass in fast allen Gemeinden (Denominationen), in denen die Kopfbedeckung aufgegeben wurde, eine Generation später Frauen zu predigen begonnen haben, „Pastorinnen“ eingesetzt wurden und zu (un)guter Letzt Homosexuelle verheiratet werden und Gott stellenweise nicht einmal mehr „Vater“ genannt wird (das habe ich selbst bei einer lutherischen Pastorin in den USA so erlebt).
Demgegenüber sind Gemeinden, in denen das Kopftuch bewahrt wurde, von diesen Verirrungen fast vollständig verschont geblieben und haben auch eine weit geringere Scheidungsrate.
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