Warum die Säuglingstaufe nicht anerkannt werden kann

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Ich habe den Titel bewusst als allgemeines Prinzip formuliert, nicht in der Wortwahl „Warum wir die Säuglingstaufe nicht anerkennen“, denn wer sind wir, dass wir etwas aufgrund unserer Überzeugungen anerkennen oder ablehnen? Wenn unsere Überzeugungen nicht auf Gottes Ratschluss gegründet sind, sind sie wertlos; wenn sie aber auf Gottes Wort basieren, geht es nicht mehr um unsere Überzeugung, sondern um Gottes unumstößlichen Willen, dem sich alle beugen müssen. Darum ist der Titel als allgemeines Prinzip formuliert, mit dem Anspruch Gottes Willen in der Sache klar herauszuarbeiten.

Ich antworte mit diesen Seiten auf eine Ausarbeitung der EFK Riedlingen „Die biblische Taufe –Säuglingstaufe oder Bekehrtentaufe?“ von Jakob Tscharntke, 5. überarbeitete Fassung 2019.[1] Über den Autor will ich nichts kommen lassen, denn er steht wie ich vor dem Herrn, und ich gehe davon aus, dass er in aufrichtiger Absicht zur Ehre des Herrn zu schreiben, diesen Artikel verfasst hat. Er steht auch einer Gemeinde vor, die Gläubige tauft und das als die Norm betrachtet. Worin ich nicht übereinstimme, ist sein Ansatz, säuglingsgetaufte Christen vollumfänglich als Geschwister anzuerkennen und diese Taufe auch anzuerkennen, wenn sie das tun.

Aus dem Vorwort:

„Es ist im Thema bewußt von der Bekehrtentaufe und nicht von der „Glaubenstaufe“ die Rede. Denn der Begriff „Glaubenstaufe“ könnte den Anschein erwecken, als wäre bei der Säuglingstaufe dem Glauben keine wesentliche Bedeutung zugemessen. Dies ist jedoch bei einer biblisch-reformatorischen Tauflehre und Taufpraxis mitnichten der Fall, wie im Weiteren noch dargelegt werden wird. Vielmehr geht es um die Frage: Muß der Täufling selbst beim Empfang der Taufe schon „bekehrt“ sein, das heißt eigenen bewußten Glauben haben, oder nicht, damit die an ihm vollzogene Taufe gültig ist?“ (S 1).

Dem halte ich von der Schrift her entgegen, dass es grundsätzlich nur eine Taufe gibt, wie es auch nur einen Herrn und einen Glauben gibt (Eph 4,5). Es ist daher sachlich falsch, zwischen Bekehrtentaufen, Glaubenstaufe oder Kindertaufe zu unterscheiden, als wären dies alles gleichberechtigte Zugänge. Es gibt nur eine Taufe, die biblisch ist, und alles andere darf so gar nicht genannt werden. Die Kindertaufe hat keine biblische Grundlage und sollte daher auch nicht eine Taufe genannt werden, sondern mit Luthers eigenen Worten ein „Gaukelwerk“:

„Nun ist die Frage, wo die jungen Kinder bleiben, so sie doch noch keine Vernunft haben und für sich selber nicht mögen glauben, weil so geschrieben steht Röm. 10, 17: Der Glaube kommt durchs Hören, das Hören aber kommt durchs Predigen Gottes Wort. Nun hören noch verstehen ja die jungen Kinder Gottes Wort nicht, so mögen sie auch keinen eigenen Glauben haben. Auf diese Frage haben die Sophisten in hohen Schulen und des Papstes Rotte eine solche Antwort erdichtet,…Vor diesem Gift und Irrtum hüte dich, wenn´s gleich aller Väter Konzilien ausgedrückte Meinung wäre; denn sie bestehet nicht, hat keinen Grund der Schrift für sich, sondern eitel Menschendünkel und Träume!…… Taufe hilft niemand, ist auch niemand zu geben, er gläube denn für sich selbst, und ohne Glauben niemand zu taufen ist. Wo wir nun nicht besser können auf diese Frage antworten und beweisen, dass die jungen Kinder selbst glauben und eigen Glauben haben, da ist`s mein treuer Rat und Urteil, dass man stracks abstehe, je eher, je besser, und taufe nimmermehr ein Kind, dass wir nicht die hochgelobte Majestät Gottes mit solchen Alfanzen und Gaukelwerk, da nichts hinter ist, spotten und lästern.“ (M. Luther, Erlanger Ausgabe, Bd. XI, S. 60 ff.).

Luther wich später von dieser biblischen Erkenntnis ab, um an dem Gaukelwerk festzuhalten. Das gehört mit zu der Tragik des Reformators, der gut begonnen und dann furchtbar gescheitert ist, dessen Reformation man nur als einen Rohrkreppierer bezeichnen kann, da sie nirgends zu biblischer Gemeinde geführt hat und auch nicht die Frucht der Heiligkeit hervorbrachte, die dem Wort Gottes gemäß ist. Darüber will ich mich aber jetzt nicht vertiefen, sondern den Punkt hervorheben, dass das Gaukelwerk letztlich auf der Annahme beruhen muss, dass die Säuglinge einen eigenen Glauben haben. Auch Tscharntke glaubt, dass bei der Reformation die Säuglingstaufe nicht vom Glauben losgelöst sei. Das bestreite ich, weshalb ich für diesen Aufsatz gerne an der polemischen Bezeichnung des jungen Luthers festgehalten hätte, was jedoch von deren Verfechtern wohl als persönliche Beleidigung aufgefasst worden wäre. Dann hätten sie die Ohren verschlossen, ohne mich anzuhören.

Ich folge den Zwischentiteln von Tscharntkes Aufsatz, um systematisch darauf zu antworten:

Die Tauffrage –eine Bewährungsprobe für das geistliche Miteinander in der Gemeinde Jesu

Tscharntke will keinen Streit um die Taufe, er wünscht sich, dass Christen einander ohne Einschränkungen, ob sie nun (biblisch) getauft wurden, oder ob lediglich die Säuglingstaufe an ihnen vollzogen wurde. Er war einmal evangelischer Pfarrer und hat auch Konfirmationen vollzogen. Er erinnert sich:

„Ich habe als württembergischer Pfarrer und später als Pfarrer der Bekennenden Evangelischen Gemeinde Neuwied meinen Konfirmanden immer die klassische Konfirmationsfrage gestellt, die allein eine Konfirmation zur Konfirmation macht: „Wollt Ihr im Glauben annehmen, was der Herr Euch in der Taufe geschenkt hat, und wollt Ihr als Getaufte zur Gemeinde Jesu und ihrem Herrn gehören? Dann sprecht dazu Euer Ja!“ Darauf antworteten die Konfirmanden: „Ja, Gott helfe uns. Amen.“ Und als Pfarrer ermahnte ich darauf: „Euer Ja werdet Ihr mit Eurem ganzen Leben zu bestätigen haben. Gott helfe euch, allezeit unserem Herrn Jesus Christus ein aufrichtiges Ja zu geben.“ Das ist übrigens der Wortlaut, den die württembergische Konfirmationsagende im Wesentlichen so zumindest zu meiner Dienstzeit noch vorsah! Damit wurde betont: dieses Ja der Konfirmation kann keine Eintagsfliege sein. In der Taufe hat der lebendige Gott seinen Anspruch auf das Leben des Täuflings bekundet und ihm zugesagt, daß ihm das Heil, welches Jesus am Kreuz für uns vollbracht hat, auch ganz persönlich gelten soll. In der Konfirmation bejaht der Konfirmand dies und bekennt öffentlich, daß er dieses Heil für sich persönlich annimmt und sein „ganzes Leben“! dem Herrn Jesus gehören und nach seinem Willen gestaltet werden soll. Allein das ist Konfirmation! Alles andere ist kirchlicher Firlefanz und ungeistlisches Kasperletheater.“ (S 3).

Auch Tscharntke ist um polemische Bezeichnungen nicht verlegen, und meine Konfirmation war tatsächlich ein kirchlicher Firlefanz, denn ich wurde als bekennender Atheist konfirmiert, der bestenfalls zugab, dass Jesus eine historische Persönlichkeit war. Vom Credo glaubte ich vielleicht 30%. Also wurde an mir ein „Gaukelwerk“ vollzogen, welches durch „kirchlichen Firlefanz“ vollendet wurde.

Als ich mit 18 schließlich zum Gauben kam, war dies aufgrund des Wortes Gottes, welches mir vermittelt wurde, und nicht aufgrund der plötzlich einschießenden Erinnerung, dass Gott mir im zarten Alter von ein paar Wochen das Heil zugesagt habe, welches ich jetzt nur bejahend ergreifen müsste. Woher hätte ich das auch wissen sollen? Sagt die Schrift irgendetwas Vergleichbares? Nein.

Jeder der sagt, er nehme das Heil an, welches Gott ihm in der Säuglingstaufe zugesprochen habe, tut dies ja nicht, weil er dies in der Bibel entdeckt hätte. Er glaubt das, weil der Pfarrer es ihm gesagt hat. Und der Pfarrer sagt es, weil das Augsburger Bekenntnis es so definiert hat:

„Von der Taufe wird gelehrt, dass sie heilsnotwendig ist und dass durch sie Gnade angeboten wird; dass man auch die Kinder taufen soll, die durch die Taufe Gott überantwortet und gefällig werden, d.h. in die Gnade Gottes aufgenommen werden. Deshalb werden die verworfen, die lehren, dass die Kindertaufe nicht richtig sei.“ (CA Art 9).

Und dieses Bekenntnis steht in klarem Gegensatz zu Luthers früherer – biblischer! – Einsicht. Doch das ist Menschenlehre, was hier steht, denn nirgends lehrt die Schrift, dass durch die Taufe die Gnade angeboten werde. Sie wird durch die Predigt des Wortes angeboten und in der Taufe angenommen! Es ist genau umgekehrt, als die CA uns weismachen will.

Tscharntke schreibt darüber, dass die evangelischen Kirchen im freien Fall sind, was ich nur insofern beeinwende, dass ich nicht glaube, dass sie jemals abgehoben wären. Damit meine ich, dass sie von ihrer Ekkläsiologie nie Gemeinden im neutestamentlichen Sinn waren. Jedenfalls fliehen nun viele Fromme in die Freikirchen, die in der Regel taufgesinnt sind, und würden – so Tscharntkes Sorge und wohl auch Beobachtung – gegen ihre Überzeugung zu einer „Wiedertaufe“ genötigt. Er verweist dabei auf den Römerbrief:

„Hier müssen sich die Taufgesinnten ernsthaft fragen, ab wann sie ihre Geschwister zur Sünde verführen. Denn was nicht aus Glauben, das heißt auch aus der eigenen Erkenntnis und damit dann auch aus echtem und tatsächlichem Gehorsam, geschieht, ist Sünde (Römer 14,23)!“ (S 2).

Ich verstehe sein seelsorgerliches Anliegen, doch besteht die Gefahr, dass man den Menschen und seinen Glauben bzw. seine Erkenntnis damit über Gottes Wort stellt. Wenn Seelsorge zu dieser Form Menschenzentriertheit führt, ist sie eine Fehlleitung. Vielmehr müsste man klar sagen, dass alle (ausnahmslos alle), die aus der evangelischen Kirche kommen, hinsichtlich Taufe und Bekehrung falsch unterwiesen wurden. Auch das Prozedere der Konfirmation, welches Tscharntke so ausführlich dargelegt hat, „hat keinen Grund der Schrift für sich, sondern eitel Menschendünkel und Träume!“ Denn wo Gott nicht gesprochen hat, darf man nicht sagen, Gott habe gesprochen! Wo Gott nichts zugesagt hat, darf man nicht sagen, Er habe etwas zugesagt! Wer so etwas tut, legt Gott etwas in den Mund, das Er nicht sagte, und wird so zu einem falschen Propheten.

Es geht also tatsächlich nicht darum, wie Menschen fühlen, was sie meinen erkannt zu haben, was sie von klein auf glaubten oder was für sie so vertraut und selbstverständlich ist. Es geht darum, was Gott sagte und meinte, als Er die Taufe einsetzte. Gottes Wort durch Christus muss der Maßstab sein, nicht menschliche Traditionen. Wahre Buße würde auch für Tscharntke beinhalten, sich und vor Gott einzugehen, hinsichtlich Taufe und Konfirmation falsch gelehrt und Menschen verführt zu haben; schließlich: Hätte er mir damals die Konfirmation verweigert, dessen Glaube gar nicht vorhanden war? Ich habe jedenfalls noch von keinem evangelischen Pfarrer gehört, der die Konfirmation jenen verweigert, die nicht wirklich glauben. Darum ist die Konfirmation wohl in den meisten Fällen nichts als kirchlicher Firlefanz; und viele Evangelische kommen ja erst Jahre nach dem Firlefanz zum Glauben. Nehmen die dann an, was ihnen im „Firlefanz“ zugesagt wurde, als sie das „Gaukelwerk“ annahmen?

Das Ganze hat seinen Grund bei Martin Luther, der all den seinen einschärft, dass man an der Taufe als Gottes Werk nicht zweifeln dürfe:

„Hiemit, halte ich, sey genug beweiset, daß keiner möge an seiner Taufe zweifeln, als wisse er sie nicht, und daß der sündige an Gott, wers nicht gläuben wollte. Denn er ist viel gewisser seiner Taufe, durch der Christen Zeugniß, denn ob er sie selber gesehen hätte, weil der Teufel leichtlich ihn könnte irre machen im Kopf, daß er dächte, er wäre im Traum oder Gespenst, und nicht recht getauft, und müßte dennoch an der Christen Zeugniß sich halten, und zu Ruhe stellen; welches Zeugniß der Teufel nicht also kann irre oder zweifelhaftig machen. …  Wahr ists, daß man gläuben soll zur Taufe; aber auf den Glauben soll man sich nicht täufen lassen. Es ist gar viel ein ander Ding, den Glauben haben, und sich auf den Glauben verlassen, und also sich darauf täufen lassen. Wer sich auf den Glauben täufen lässet, der ist nicht allein ungewiß, sondern auch ein abgöttischer verleugneter Christ; denn er trauet und bauet auf das Seine, nämlich auf eine Gabe, die ihm Gott gegeben hat, und nicht auf Gottes Wort alleine; gleichwie ein andrer bauet und trauet auf seine Stärke, Reichthum, Gewalt, Weisheit, Heiligkeit, welches doch auch Gaben sind, von Gott ihm gegeben. Welcher aber getauft wird auf Gottes Wort und Gebot, wenn da gleich kein Glaube wäre, dennoch wäre die Taufe recht und gewiß; denn sie geschieht, wie sie Gott geboten hat. … Und zuletzt sage ich das: Wenn gleich jemand nie getauft wäre, wüßte doch nicht anders, oder glaubte stark, daß er recht und wohl getauft wäre; so würde ihm solcher Glaube dennoch genug seyn; denn wie er glaubt, so hat ers vor Gott, und ist dem Gläubigen alle Ding möglich.“[2]

Also ist – beim Wort genommen – der rettende Glaube Luthers nicht der Glaube an den Herrn Jesus, sondern der Glaube an die Säuglingstaufe! Ja, man muss gar nicht wirklich getauft sein, sondern nur fest glauben, dass man getauft sei, so rettet dieser Glaube! Wer feiert solch einen Träumer als einen großen Theologen???? Ich weiß, dass meine Worte hart sind, besonders für die, die gewissermaßen durch Luthers Geist in Gefangenschaft sind wie Katholiken, die von ihrer Maria nicht lassen können. Es tut mir selbst beim Schreiben sehr weh, aber wäre es nicht Untreue gegenüber Gott, etwas Taufe zu nennen, was keine ist? Etwas Glaubensbefestigung zu nennen (Konfirmation), was nichts vorfand, das es befestigen hätte können? Wenn wir ehrlich werden wollen, müssen wir uns auch einer ehrlichen Sprache befleißigen und dürfen dem Streit, der daraus entstehen mag seitens jener, die die Wahrheit nicht annehmen wollen, nicht ausweichen. Das bedeutet nicht, dass wir zueinander unhöflich sein sollen – wir sollen einander in Liebe begegnen. Die CA verdammt uns Täufer übrigens bis heute, und alle Reformatoren forderten die Todesstrafe für uns. Kein Täufer legte allerdings je Hand an einen lutherischen Pfarrer – allein unsere Worte galten ihnen wie scharfe Schwerter und unerträglich. Man bedenke den Unterschied, den Tscharntke aber verwischen will:

„Dabei sind durchaus beide Seiten aneinander schuldig geworden. In der Geschichte waren es seit den Tagen der Reformation bis in die Gegenwart hinein zunächst vor allem die Großkirchen, welche den „Wiedertäufern“ viel Unrecht und zum Teil Gewalt angetan haben. Manche Empfindlichkeit taufgesinnter Geschwister hat sicher darin eine Ursache. … In der Gegenwart haben wir aber, und das mindestens schon seit Jahrzehnten, auch umgekehrte Verletzungen. Geschwister, die ihre Säuglingstaufe als gültige Taufe erachten, erfahren von taufgesinnten Christen häufig deutliche, teils mitleidige, teils herablassende, teils sehr scharfe Geringschätzung und Ablehnung.“ (S 2).

Man kann die Verfolgung, die Folter, die Verbrennungen und Enteignungen doch nicht damit vergleichen, dass wir sagen, die Anerkennung der Säuglingstaufe als Taufe ist biblisch nicht möglich. Wir tragen den Reformatoren auch nichts nach und laborieren deswegen auch nicht an inneren Verletzungen, die uns besonders empfindlich machen. Es geht um die Sache, da muss man Befindlichkeiten beiseitelassen und es aushalten, dass eine Sachlage entgegen unseren Empfindungen, Erkenntnis, Glaube und Tradition bewertet wird. Ich bin hier weder mitleidig, noch herablassend, noch schätze ich die Menschen gering. Ich lehne es ab, die Säuglingstaufe als eine Taufe anzuerkennen. Wer sich aber so persönlich damit identifiziert, der wird die Kritik auch persönlich nehmen – dafür kann ich mich aber nicht verantwortlich fühlen.

Tscharntkes persönlicher Weg in der Tauffrage

Tscharntke beschreibt sein Elternhaus und die evangelische Gemeinde im deutschen „Bibelgürtel“, in Württemberg. Freilich prägen seine positiven Erfahrungen dort auch die theologische Betrachtung der Tauffrage, auf die er bezeichnenderweise erst im Theologiestudium aufmerksam gemacht wurde.

„Erst während meines Studiums der evangelischen Theologie in Tübingen begegnete ich der ersten Infragestellung der Säuglingstaufe durch meinen damaligen Mitstudenten aus Japan, Tadayoshi Araki (heute Theologieprofessor in Tokio). Er warf uns Landeskirchlernvor, wir würden die Säuglingstaufe doch nur bejahen, weil unsere kirchlichen Pfründe daran hingen. Ob er das wirklich meinte, oder ob er uns nur provozieren wollte, weiß ich nicht. Ich habe ihn auch nie danach gefragt.“ (S 4).

Natürlich ist die Provokation gerechtfertigt, denn die Struktur der Landeskirchen benötigt viele zahlende Mitglieder (Kirchensteuer), um bestehen zu können. Selbst für Luther war klar, dass wohl 9 von 10 nicht mehr zur Kirche kämen, würde die Glaubenstaufe eingeführt. Zwingli wusste, dass dies die gesellschaftliche Einheit zerreißen würde, die darauf gründete, dass alle Bürger denselben Glauben zumindest formal bekannten. Die gesamte nachkonstantinische Kirche baut ja auf einer falschen Ekkläsiologie auf, welche die Reformatoren im Wesentlichen unangetastet ließen. Es wären die Täufer, welche auch die Kirche reformierten, und dafür von den Reformatoren gehasst und verfolgt wurden.

Als Tscharntke dann die Bibel auf die Taufe hin studierte kam er auch nur zu einer „reformierten“ Tauflehre, die der Calvins entsprach; er beschreibt aber nicht näher, was sein Professor damit meinte, der sie begutachtete. In seinem autobiographischen Kapitel fehlt mir jedoch, wie er dann in der Tauffrage weiterging. Er schreibt hier jedenfalls nichts darüber, ob und wann er sich taufen hat lassen. Es klingt für mich eher so, dass er als Pastor einer prinzipiell glaubenstaufenden Gemeinde, das Gaukelwerk für biblisch hält. Sein Hauptanliegen ist der Streit um die Taufe. Er will keinen Streit und bemüht sich um versöhnliche Töne:

„Während ich bis dahin ein traditioneller Vertreter der Säuglingstaufe war, war und bin ich das seither aus tiefer biblischer Überzeugung! Ich muß bekennen, daß ich in der Folgezeit an taufgesinnten Geschwistern gelegentlich schuldig wurde, weil ich ihre Sichtweise ohne das nötige Verständnis für sie zu scharf kritisiert habe. Im Laufe der Zeit habe ich bemerkt, daß von Seiten der Säuglingstäufer viel unnötige Schärfe und Verurteilung gegenüber den „Wiedertäufern“ in die Diskussion kommt, weil sie einseitig von ihrer Erkenntnis aus argumentieren und gar nicht merken, daß sie mit manchen Vorwürfen völlig an den taufgesinnten Geschwistern vorbeireden, weil diese von ganz anderen Voraussetzungen ausgehen. Wenn etwa den „Wiedertäufern“ vorgeworfen wird, sie würden Gottes Handeln in der Taufe für ungültig erklären. Dieser Vorwurf trifft die „Wiedertäufer“ nicht wirklich, weil sie Gottes Handeln in der Säuglingstaufe ja gar nicht erkennen. Und was sie nicht erkennen, können sie auch nicht für ungültig erklären! Hier wird eine reformatorische Erkenntnis in die täuferische Sicht hineingetragen und diese Erkenntnis dann zur Grundlage ihrer Verurteilung gemacht.“ (S 5).

Die taufgesinnte Identität und ihr Kampf gegen die Säuglingstäufer

Der Titel ist falsch. Wir kämpfen nicht gegen Säuglingstäufer, sondern gegen die Säuglingstaufe. Nicht gegen Menschen, sondern gegen eine falsche Lehre und Praxis der Taufe. Luther nannte uns in einem Brief an zwei Pfarrherren übrigens ein Geschmeiß und eine Teufelsrotte;[3] auf dieses Niveau wollen wir uns also nicht begeben.

Doch Tscharntke verkennt die Situation und vermischt Äpfel mit Birnen:

„Hintergrund dürfte in vielen Fällen gar nicht so sehr die behauptete Bibeltreue als vielmehr die taufgesinnte Identität sein. So werden in taufgesinnten Gemeinden mühelos und absolut eindeutig gegen Gottes Wort (!) Frauen ins öffentliche Lehr-und Leitungsamt der Gemeinde ordiniert oder gleichgeschlechtliche Beziehungen akzeptiert, aber die Säuglingstaufe wird weiter heftig bekämpft.“ (S 5).

Wir dürfen gespannt sein, welche biblischen Argumente er im Verlauf des Aufsatzes bringen wird, um unsere biblischen Positionen – die wir jederzeit vorweisen können – außer Kraft zu setzen. Eins bin ich mit ihm darüber, dass die Ordination von Frauen klar gegen Gottes Wort ist. Das teilen wir, aber wie passierte das? Es begann mit dem schrittweisen Ablegen des Kopftuches ab den 1950er Jahren und der Ausbreitung liberaler Theologie von den evangelischen Fakultäten aus. Dort nahm das Gräuel ja seinen Ausgang! Waren es nicht Synadolbeschlüsse in säuglingstaufenden Kirchen, wo mehrheitlich ungläubige oder zumindest liberale Synodale diesen Irrweg mit Mehrheitsbeschlüssen durchsetzten? Es fing ja in den säuglingstaufenden Kirchen an! Und über die unheilige evangelische Allianz und andere versöhnliche Begegnungen sickerte das Gift auch in die Freikirchen, von denen immer mehr den Irrweg gehen, den sie Säuglingstäufer schon vor ihnen ausgeschildert haben. Nur, dass dieser Weg nicht zum Reich Gottes führt.

Unsere Identität ist Christus, und was Er lehrte und gebot, daran wollen wir festhalten. Der Weg ist schmal, und immer weniger sind bereit ihn zu gehen.

„Ich bekomme seit vielen Jahren zum Teil unter Tränen erzählt, wie von taufgesinnter Seite über die Gewissen der säuglingstaufenden Geschwistern  hinweggewalzt und zum Teil geherrscht und diese gegen die eigene Überzeugung geknechtet werden. Und das zum Teil in einer erheblichen Arroganz und Aggressivität gegenüber den Säuglingstäufern. Ich habe das persönlich mehrfach in der theologischen Diskussion über die Tauffrage erlebt, daß mir plötzlich blanke Aggression und Polemik entgegenschlug anstatt ruhiger und sachlicher Argumente.“ ( S 5).

Ich wäre da gerne dabei gewesen um zu sehen, was als blanke Aggression und Polemik empfunden wurde – mir jedenfalls ist eine ruhige und sachliche Diskussion lieber, allerdings ist bei der Bedeutung des Themas auch Leidenschaft und Engagement angebracht, da es tatsächlich um Seelen geht. Wenn zu uns jemand kommt, der nicht getauft ist und um Mitgliedschaft ansucht, muss er getauft werden. Wir erkennen auch keine Gemeinschaften als Gemeinden Jesu Christi an, wo das Wasser über alles, was atmen aber sich nicht wehren kann, gegossen wird und Gläubige und Ungläubige gemeinsam den Leib Christi bilden wollen. Das geht sich biblisch einfach nicht aus. Darum auch unsere Distanz, die durchaus wahrgenommen wird:

„Jahre später berichtete mir ein gestandener Gemeindeleiter einer Lutherischen Brüdergemeinde zutiefst erschüttert: unsere taufgesinnten Geschwister im Umfeld behandeln uns schlimmer, als wären wir Heiden. Nur weil wir Säuglinge taufen. Wir laden Brüder von ihnen seit Jahren immer wieder zu Predigtdiensten ein. Umgekehrt ignorieren sie uns völlig!“ (S 6).

Das ist aber auch logisch. Wenn wir frommen Menschen, die nur die Säuglingstaufe empfangen haben, reinen Gewissens das Heil nicht zusprechen können, wie sollen wir sie das als geistbegabte und berufene Prediger des Wortes anerkennen? Auch das geht sich biblisch nicht ganz aus. Wenn sie wenigstens, wie Apollos, die Demut hätten, sich von einem einfachen Zeltmacherpaar das Wort genauer auslegen zu lassen … aber hier redet man meist zu einer Wand, wie es wohl in diesem Fall war:

„Eine Glaubensschwester berichtete mir empört von ihrem Weggang aus einer taufgesinnten Gemeinde. Viele Jahre war sie dort engagiert, sang und musizierte in dieser Gemeinde. Dann kam eines Tages ein neuer Pastor. Kurz nach Amtsantritt verkündete er, ein Blick in die Unterlagen habe ihm gezeigt, daß einige in der Gemeinde immer noch nicht getauft seien! Derart zum wiederholten Male in dieser Gemeinde unter Druck gesetzt, verließ die Glaubensschwester tief verletzt die Gemeinde in etwa mit den Worten: „Natürlich bin ich getauft! Und ich lasse mich von Euch nicht nötigen, in Euer Taufbecken zu springen“. Und sie freute sich von Herzen, in unserer damaligen Gemeinde endlich eine bibeltreue Gemeinde gefunden zu haben, in der sie mit ihrer Säuglingstaufe uneingeschränkt geliebt, wertgeschätzt und angenommen war.“ (S 6).

Uns hat eine Familie verlassen, weil die Frau das Kopftuch nicht tragen wollte. Das ist aber Teil unserer Gemeindeordnung, und wir werden das keinem Menschen zuliebe aufgeben, solange wir gewiss sind, dass der Herr Jesus uns dies durch Paulus eindeutig geboten hat. Wenn die liebe Frau sich der Gemeinde anschließen wollte, dann musste sie auch getauft werden. Das zu entscheiden obliegt der Gemeindeleitung, ebenso das zu erklären. Ich bin mir sicher, dass sie versucht haben, die entsprechende biblische Unterweisung, die ihr mangelte, in geduldiger und sanftmütiger Weise nachzureichen. Leider habe ich schon genügend Geschwister erlebt (meistens Frauen), die in genau dieser unbelehrbaren und abwehrenden Empörung darauf reagiert haben. Achtung: Wir dürfen die Tauffrage nicht menschenzentriert angehen! Darum dürfen wir uns auch nicht mit rebellischen Gemütern solidarisieren, die es verstehen sich als arme Opfer zu präsentieren, obwohl sie sich eigentlich nichts sagen lassen wollten. Den konkreten Fall kenne ich freilich nicht, aber ich bin auch schon seit 30 Jahren im Gemeindedienst …

„Viele nennen sich „taufgesinnt“, nicht „christusgesinnt“. Sie bezeugen, wann sie getauft wurden, nicht wann sie zum Glauben kamen. Im Jahresbericht der Gemeinde wird erwähnt, wie viele sich taufen ließen, nicht wie viele zum Glauben kamen! Aber unsere Sprache offenbart unsere Gedanken! Die Sprache gewiß nicht von allen aber doch vielen Taufgesinnten offenbart, daß ihnen ein bestimmtes Verständnis von Taufe (fast?) wichtiger ist als die rechte Christusgesinnung. Wenn uns aber der  Glaube an unseren Herrn Jesus Christus das Entscheidende ist und nicht ein bestimmtes Taufverständnis, dann können wir uns ganz entspannt über unsere verschiedenen Erkenntnisse zur Taufe austauschen.“ (S 6).

Wenn es beim rechten Taufverständnis um die Frage geht, was eine biblische Bekehrung ist und wie man Christ wird, so ist diese Ausdrucksweise verständlich. Denn erst mit der Taufe nimmt man den Bund Gottes an und wird der Gemeinde hinzugetan; alles davor betrachten wir als ein interessiertes, suchendes Herantasten, eine Phase des Prüfens und Überschlagens der Kosten. Wir lehnen das Übergabegebet als Taufersatz und Quasi-Sakrament der Wiedergeburt als unbiblisch ab, folglich machen wir mit der Taufe den Zeitpunkt unserer Bekehrung fest. Wer das versteht, versteht unsere Ausdrucksweise, was aber keineswegs bedeutet, dass wir die Taufe über den Herrn Jesus stellen.

Der volkskirchliche Mißbrauch der Kindertaufe

Bei diesem Unterpunkt hätte ich mir fundamentalere Selbstkritik erwartet. Zuzugestehen, dass in 80-90% der Säuglingstaufen diese nicht gewährt werden hätten sollen, und dass dabei trotzdem auch alle gläubigen Pfarrer mitmachen, ist zu wenig. Die Frage muss gestellt werden, ob wenigstens die 80-90% der Taufen als ungültig bezeichnet werden sollen. Genau das tut Tscharntke nicht; wie soll er auch, wenn man in der Konfirmation dann ja ein Ja zur Taufe finden soll?

Und jetzt drehe ich es um. Führt nicht gerade die Säuglingstaufe dazu, den Glauben in der Taufe zu verankern, wie in den Auszügen aus Luthers Brief weiter oben? Hatte Luther seine Glaubensidentität nicht gerade an der objektiven Gültigkeit und Wirksamkeit der Taufe festgemacht, weil er seinem schwankenden Glauben misstraute?

Das Zugeständnis, dass die Austeilung der Säuglingstaufe in den allermeisten Fällen missbräuchlich erfolgt, ist zu schwach, denn der zugesprochenen objektiven Gültigkeit derselben widerspricht er ja nicht.

Einwände gegen die Säuglingstaufe

Das Bisherige dürfte alles nur Einleitung gewesen sein. Nun aber geht es konkreter zur Sache, was unbedingt notwendig ist, denn bisher war Tscharntkes Argumentation nicht nur menschenzentriert, sondern wie auch auf einige Missverständnisse unserer Position gegenüber hin.

„Der Überzeugung, daß es auch biblisch verantwortbare Säuglingstaufe geben könnte, prallt von taufgesinnter Seite in der Regel reinstes Unverständnis bis blanke Empörung entgegen: Säuglingstaufe im Neuen Testament? Niemals! Aber so einfach ist die Sache nicht, wie wir gleich sehen werden. Daß es so einfach auch gar nicht sein kann(!), legt schon allein die Tatsache nahe, daß die Säuglingstaufe nicht nur über rund 1500 Jahre praktiziert wurde, ohne hinsichtlich ihrer Gültigkeit in Frage gestellt worden zu sein!“ (S 7).

Das stimmt so nicht. Erstens reagieren wir in der Regel weder empört noch mit Unverständnis, sondern aufgrund der Kenntnis der Sachlage. Zu dieser Sachlage gehört, dass es kein kirchengeschichtliches Zeugnis für die Kindertaufe vor dem Ende des zweiten Jahrhunderts gibt. Wir haben also zwischen der apostolischen Zeit und diesen ersten (spärlichen) Erwähnungen über 100 Jahre, in denen uns – durchaus im Detail und mit viel Inhalt – ausschließlich von der Taufe Bekehrter berichtet wird. Das liest sich in etwa so, wie Justinus der Märtyrer es seiner Apologetik beschreibt:

„Alle, die sich von der Wahrheit unserer Lehren und Aussagen überzeugen lassen, die glauben und versprechen, daß sie es vermögen, ihr Leben darnach einzurichten, werden angeleitet zu beten, und unter Fasten Verzeihung ihrer früheren Vergehungen von Gott zu erflehen, Auch wir beten und fasten mit ihnen. Dann werden sie von uns an einen Ort geführt, wo Wasser ist, und werden neu geboren in einer Art von Wiedergeburt, die wir auch selbst an uns erfahren haben; denn im Namen Gottes, des Vaters und Herrn aller Dinge, und im Namen unseres Heilandes Jesus Christus und des Heiligen Geistes nehmen sie alsdann im Wasser ein Bad. Christus sagte nämlich: „Wenn ihr nicht wiedergeboren werdet, werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen“. Daß es nun aber für die einmal Geborenen unmöglich ist, in ihrer Mutter Leib zurückzukehren, leuchtet allen ein. Durch den Propheten Isaias ist, wie wir früher mitgeteilt haben (c. 44), gesagt worden, auf welche Weise die, welche gesündigt haben und Buße tun, von ihren Sünden loskommen werden. Die Worte lauten: „Waschet, reinigt euch, schafft die Bosheiten fort aus euren Herzen, lernet Gutes tun, seid Anwalt der Waise und helfet der Witwe zu ihrem Rechte, und dann kommt und laßt uns rechten, spricht der Herr. Und sollten eure Sünden sein wie Purpur, ich werde sie weiß machen wie Wolle; sind sie wie Scharlach, ich werde sie weiß machen wie Schnee. Wenn ihr aber nicht auf mich hört, wird das Schwert euch verzehren; denn der Mund des Herrn hat gesprochen“. Und hierfür haben wir von den Aposteln folgende Begründung überkommen. Da wir bei unserer ersten Entstehung ohne unser Wissen nach Naturzwang aus feuchtem Samen infolge gegenseitiger Begattung unserer Eltern gezeugt wurden und in schlechten Sitten und üblen Grundsätzen aufgewachsen sind, so wird, damit wir nicht Kinder der Notwendigkeit und der Unwissenheit bleiben, sondern Kinder der freien Wahl und der Einsicht.“ (Justinus, 1. Apologie Kp 61).

Die neue Geburt unterscheidet sich wesensmäßig von unserer leiblichen dadurch, dass wir uns selbst frei dafür entscheiden können. Das ist völlig inkompatibel mit der Säuglingstaufe. Der Taufe geht das Annehmen der Lehre voraus. Das ist völlig inkompatibel mit der Säuglingstaufe. Der Täufling fastet und bereut seine Sünden. Das ist völlig inkompatibel mit der Säuglingstaufe. Die Taufe reinigt uns von unseren Sünden, die wir begangen haben. Das ist völlig inkompatibel mit der Säuglingstaufe.

Als die Kindertaufe aufkam, schreibt Tertullian kritisch:

„Der Herr hat freilich gesagt: „Wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen“. Sie sollen demnach auch kommen, wenn sie herangewachsen sind; sie sollen kommen, wenn sie gelernt haben, wenn sie darüber belehrt sind, wohin sie gehen sollen: sie mögen Christen werden, sobald sie imstande sind, Christum zu kennen. Aus welchem Grunde hat das Alter der Unschuld es so eilig mit der Nachlassung der Sünden?“ (Tertullian, Über die Taufe, Kp. 18).

Damit entkräftet Tertullian auch die Lieblingsbibelstelle zur Säuglingstaufe. Wesentlich: Die Taufe dient zur Vergebung der eigenen Sünden. Ab Mitte dritten Jahrhunderts finden wir erste theologische Auseinandersetzungen zur Erklärung der Kindertaufe in den Briefen Cyprians, die zeigen, dass hier ziemliche Verwirrung darüber herrschte, wie diese nun zu bewerten oder zu erklären sei: Ersetzt sie die Beschneidung und sollte daher am achten Tag erfolgen? Ist es die vorauseilende Gnade, mit der man nicht zuwarten sollte, also sei unmittelbar nach der Geburt zu taufen? Geht es um die Reinigung der Sünde Adams? Während das Zeugnis der ersten 100 Jahre über die Glaubenstaufe in der Patristik einmütig war: Wir tun aufgrund der Botschaft des Evangeliums Buße von unseren Sünden, fasten, nehmen die vorgelegte Lehre zum neuen Leben in Christus an, werden durch dreimaliges Untertauchen unter Anrufung des dreieinen Gottes von unseren Sünden gereinigt und mit dem Geist versiegelt erleuchtet und neu geboren; herrschte beim Aufkommen der Säuglingstaufe theologische Verwirrung. Das spricht eindeutig gegen deren apostolischen Ursprung, auch wenn deren Befürworter das schon damals behaupteten.

Dass ab dem dritten Jahrhundert dies weiterhin niemand in Frage stellte, hat mit der Fehlentwicklung des sakramentalen Verständnisses zu tun, welche der Taufe mehr und mehr eine objektive Wirksamkeit auch ohne Glauben des Empfängers zusprach (das gab es im zweiten Jahrhundert ausdrücklich nicht), sodass der einzige Taufstreit der war, ob die Taufen von Häretikern gültig seien, sprich die Taufe von jenen, die selbst keinen Heiligen Geist haben, denn es erschien den nordafrikanischen Christen undenkbar, dass jemand, der selbst nicht wiedergeboren ist, jemandem das Sakrament der Wiedergeburt spenden könne. Das aber ist eine Diskussion auf Basis einer bereits entstellten Theologie.

Dazu gebe es sehr viel zu sagen, aber ich musste diesen Exkurs so kurz wie möglich einschieben, um zu demonstrieren, dass die Säuglingstaufe nach anfänglichem Widerspruch nur zwischen 200 und 1525 unwidersprochen blieb, das sind nur 1325 Jahre, keine 1500, und die Traditionslücke zwischen der apostolischen Zeit und dem Jahr 200 ist gewaltig groß.

„Aber nicht nur die Geschichte steht im krassen Widerspruch zu dieser einfachen taufgesinnten Lösung des Problems. Auch der neutestamentliche Befund gibt das nicht her! Ein ehrlicher Blick ins Neue Testament zeigt uns nämlich: 

  • In der Tat gebietet uns das Neue Testament an keiner Stelle ausdrücklich, Säuglinge zu taufen.
  • Aber es verbietet die Säuglingstaufe auch an keiner Stelle.

Mit dem Hinweis auf diese Tatsache soll die Säuglingstaufe keineswegs begründet werden. Sie kann aber eben umgekehrt auch nicht einfach mit dem Hinweis auf diese Tatsache widerlegt werden! Diese Tatsache zeigt vielmehr vor allem Eines: mit einem einfachen Hinweis auf dieses oder jenes Wort des Neuen Testaments läßt sich die Frage „Säuglingstaufe oder Bekehrtentaufe?“ nicht wirklich und wahrhaftig beantworten!“ (S 7).

Auch wenn einige so verkürzt argumentieren, so ist die Fragestellung zumindest unzureichend, wenn nicht untauglich. Es gibt so viele Diskussionen darüber, ob Musikinstrumente im Gottesdienst erlaubt seien, die darauf gründen, dass das Neue Testament diese an keiner Stelle erwähne, folglich seien sie nicht ausdrücklich erlaubt, also verboten. Dieses Auslegungsprinzip ist bereits sehr alt, und es hat seinen Platz, jedoch nicht als letztes Wort.

Die richtige Frage wäre: Was ist die Taufe nach dem Neuen Testament? Warum wurde sie gegeben, und was soll sie bewirken? Wenn man diese Fragen ehrlich anhand der Schrift beantwortet, ist die Säuglingstaufe ausgeschlossen, da all das darauf nicht anwendbar ist (wie oben gezeigt, im Anschluss an Justinus). Die Säuglingstaufe wurde mit völlig anderen Inhalten und Zielsetzungen theologisch begründet, die biblisch jedoch unhaltbar sind; sie ist gewissermaßen eine andere Form der Taufe, eine zweite Taufe – doch die Schrift kennt nur eine Taufe (Eph 4,5). Wenn man aber die Fragen falsch stellt – ist es erlaubt oder verboten? – setzt man die Säuglingstaufe bereits zur Apostelzeit voraus, denn sie kann ja nur erlaubt oder verboten werden im Neuen Testament, wenn es sie damals bereits gab. Also ist das eine wenig intelligente Fragestellung.

Markus 16,16: „Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet.“

Tscharntke geht nun einige Schlüsseltexte durch. Doch er liest sie unter der obigen falschen Fragestellung, ob diese Stellen die Säuglingstaufe verbieten oder erlauben, was ihn daran hindert zu verstehen, worum es eigentlich geht.

„Hier wird der Glaube zuerst genannt, so argumentieren Taufgesinnte. Also muß der Glaube der Taufe vorangehen. Diese Aussage ist, in aller Kürze gesagt, unzulässig. Wenn einfach zwei Handlungen nacheinander genannt sind, ist die Schlußfolgerung noch nicht zulässig, daß die Reihenfolge der Nennung auch eine verbindliche Reihenfolge des Geschehens aussagen will. Man kann das allenfalls vermuten. Belegt ist diese Vermutung damit noch nicht.“ (S 8).

Liest man den Vers davor, so ergibt sich eine ganz logische Reihenfolge, die durch die ganze Praxis der Apostel (Apostelgeschichte) bestätigt ist:

„Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ (Mk 16,15-16).

Was soll der Predigt folgen? Der Glaube! Und dem Glauben die Taufe. Hören wir Paulus:

„Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger? … Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort.“ (Röm 10, 14+17).

Der Predigt soll zuerst einmal der Glaube folgen! Und dann die Taufe. Beispiele:

„Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa 3 000 Seelen hinzugetan.“ (Apg 2,41).

„Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium vom Reich Gottes und vom Namen Jesu Christi verkündigte, ließen sich Männer und Frauen taufen.“ (Apg 8,12).

Es gibt kein einziges Beispiel, wo jemand ohne Glaubensbekenntnis getauft wurde, denn dies war notwendig, wie Philippus klar sagt:

„Als sie aber auf dem Weg weiterzogen, kamen sie zu einem Wasser, und der Kämmerer sprach: Siehe, hier ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden? Da sprach Philippus: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so ist es erlaubt! Er antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist! Und er ließ den Wagen anhalten, und sie stiegen beide in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.“ (Apg 8,36-38).

Die Taufe ist erlaubt, wenn jemand von ganzem Herzen glaubt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist (und was das im Kontext des Evangeliums bedeutet).

Matthäus 28,18-20:

Tscharntke bestreitet das Offensichtliche in Mk 16,16 mit Verweis auf Mat 28,18-20:

„Häufig sagen Anhänger der baptistischen Tauflehre unter Hinweis auf den Taufbefehl in Matthäus 28: „Dieser Text sagt doch ganz klar: Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker. Dann,wenn sie Jünger geworden und zum Glauben gekommen sind,tauft und lehrt sie.“

Nein! Matthäus sagt, wenn man auf eben genannter Denkschiene argumentieren will, das Gegenteil. Wörtlich übersetzt heißt nämlich Matthäus 28,19: „macht zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie tauft und lehrt“ (…). „Macht zu Jüngern“ ist der Oberbegriff, grammatisch gesagt das regierende finite Verb. Danach kommt inhaltlich der Doppelpunkt, die Ausführungsbestimmung, wie man zu Jüngern macht: taufend und lehrend -das sind grammatisch untergeordnete Partizipien. Man könnte also mit Matthäus 28 den Gegenbeweis führen und sagen: Die Taufe muß als Erstes kommen.“

Hier müssen wir verweilen. Erstens ist es unsaubere Exegese, Schriftstellen gegeneinander auszuspielen, um eine Lehre zu beweisen, die man (mit Gewalt) nur aus einer oder ein paar wenigen Stellen begründen kann. Ausschlaggebend muss daher immer das Gesamtzeugnis sein, nicht grammatische Möglichkeiten, die eine Stelle zugunsten einer Lehre zu bieten scheint.

Tscharntke meint, weil hier das Lehren nach dem Taufen kommt, sei die Taufe hier vor der Lehre zu sehen und das widerspreche der strengen Reihenfolge aus Mk 16,16. Das ist aus mehreren Gründen falsch, denn erstens müssen wir doch fragen, wo in Mat 28,18-20 vom Gläubigwerden die Rede ist. Gar nicht! Wir können also nicht „gläubig und getauft werden“ mit „getauft und unterwiesen werden“ gleichsetzen. Das ist grundsätzlich nicht dasselbe.

Ferner lesen wir in Mk 16,15, dass die Jünger hingehen und predigen sollen (das ist dort der Imperativ), in Mat 28 müsste man wörtlich übersetzen: „Hingegangen seiend macht zu Jüngern, diese taufend und lehrend …“ Die Predigt des Evangeliums wird in Mat 28 ebenso wenig explizit erwähnt wie das Gläubigwerden. Das ist wichtig zu unterscheiden.

Martin Luther, in dessen Geist Tscharntke hier noch gebunden scheint, hat unterschiedslos alle verbale Verkündigung und Lehre mit „predigen“ übersetzt. Tatsächlich ist aber kerysso etwas völlig anderes als didasko. Kerysso – die heroldsmäßge Proklamation – richtet sich im Neuen Testament fast durchwegs an Ungläubige, während in der Regel nur die Jünger gelehrt werden. Predigen und Lehren sind zwei völlig unterschiedliche Vermittlungsarten. Auch darin unterscheiden sich Mk 16,15-16 von Mat 28,18-20.

Die Predigt des Evangeliums führt zum Glauben, die Jünger müssen aber weiterhin unterwiesen werden, und zwar konkret in den Geboten des Herrn Jesus, dass sie diese halten.

Es ist also absurd zu behaupten, dass der Herr Jesus in Mat 28 lehre, man solle alle Völker taufen (was Tscharntke behauptet) und nicht nur die, welche durch den Glauben an die Predigt des Evangeliums zu Jüngern wurden, welche dann im Glaubensgehorsam weiter unterwiesen werden sollten, wie auch auf Apg 2,41 der nächste Vers folgt:

„Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel …“ (Apg 2,42).

Auf alles einzugehen, was Tscharntke hier vorbringt, um die Reihenfolge aus Mk 16,16 zu entkräften (und das ist noch nicht einmal die richtige Fragestellung, denn man müsste die Bedeutung erfragen!), sprengt den Rahmen, aber eines will ich hier noch herausgreifen:

„Ähnlich könnte man argumentieren mit Johannes 3,5: „Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Hier wird das Wasser/die Taufe vor dem Geist/dem Glauben genannt, also muß die Taufe zuerst kommen. Oder mit Römer 6 und Kolosser 2, wo die Taufe mit dem Tod Jesu Christi, der Glaube aber mit seiner Auferstehung zusammengebracht wird: „indem ihr mit ihm begraben worden seid durch die Taufe; in welchem ihr auch auferstanden seid durch den Glauben aus der Kraft Gottes,“ (Kolosser 2,12). Auch hier könnte man sagen: bevor jemand auferstehen kann, muß er gestorben sein, also muß die Taufe vor dem Glauben kommen.“ (S 9).

Ich verstehe schon, dass Tscharntke deshalb so verschwurbelt argumentiert, um zu belegen, dass man aus Mk 16,16 eine Reihenfolge ableiten könne, dennoch bin ich zutiefst überrsacht und eigentlich auch erschüttert. Er kann sein Argument nämlich nur durchhalten, indem er die Begriffe bewusst ändert und dort glauben einfügt, wo Glaube nicht genannt wird!

In Johannes 3,5 setzt er wohl biblisch korrekt das Wasser mit der Taufe gleich, aber völlig unnotwendig setzt der den Geist mit dem Glauben gleich. Wir werden ja durch den heiligen Geist wiedergeboren, warum verändert er hier den Text? Damit er ein Beispiel dafür hat, dass der Glaube auch hier nach der Taufe kommt. Dabei ist – mit der Ausnahme von Apollos und Cornelius – die Reihenfolge in der Apostelgeschichte stets: Verkündigung – Glaube – Taufe – Geistempfang. Was Tscharntke hier macht, tut kein guter Bibelausleger.

Detto In Kol 2,12 – das wäre ja gerade so, als sei der Täufling erst unter Wasser zum Glauben gekommen, um wieder auftauchen zu können. Nein, Paulus meint, dass der Glaube an sich es ist, der uns in und durch die Taufe mit Tod und Auferstehung Jesu verbindet.

Tscharntkes Aufsatz wurde mir übrigens von einem anderen Theologen, Dirk Noll, empfohlen, der meinte: „Diese Frage ist geklärt, sofern man sich auf einer biblisch-sachlichen Ebene mit dieser Frage beschäftigen möchte, siehe folgender Artikel.“ Ich fürchte, die Diskussion kommt hier erst richtig in die Gänge.

Untertauchen oder Besprengen

„Die Taufe durch Untertauchen wird man als die ursprüngliche Form bezeichnen können. Sie hat unzweifelhaft auch die tiefste Symbolik: Daß der alte Mensch durch die Taufe mit Christus stirbt –im Taufwasser ersäuft und als neuer Mensch aus der Taufe gehoben wird. Wobei auch die Symbolik der Besprengung = das Abwaschen der Sünde –durchaus dem Taufgeschehen entspricht, es stellt nur einen anderen Aspekt dieses Geschehens symbolisch dar. Die Frage ist hier aber nicht: was ist die schönere und tiefere Form der Taufe? Die Frage  muß angesichts der Bestreitung der Gültigkeit einer Besprengungstaufe von baptistischer Seite lauten: kann eine Taufe an der Menge des verwendeten Wassers scheitern?“ (S 10).

Grundsätzlich scheitert eine Taufe nicht an der Form. Aber es ist auch nicht so billig, als sei die Form eine Frage des persönlichen Geschmacks. Die Änderung der Taufpraxis auf Besprengen/Übergießen ist eine Besonderheit der wesentlichen Kirchen, die sich erst ab dem 7.Jahrhundert durchgesetzt hat. Davor gab es dies nur als Notlösung, wie das in der von Tscharntke zitieren Didaché (1.Jhdt) gezeigt wird. Seine Folgerung lässt es aber zu allgemein erscheinen:

„Unbestreitbar ist, daß die Gemeinde Jesu schon zu apostolischer Zeit die Besprengungstaufe geübt und selbstverständlich als vollgültige Taufe anerkannt hat.“ (S 11).

Unbestreitbar ist vielmehr, dass die gängige Form der Taufe ein dreifaches Untertauchen war, wie das die Ostkirchen seit jeher tun; die Westkirchen jedoch haben mehrere Eigenwege eingeschlagen, die zu einer Verfremdung des Glaubens geführt haben. Da ist das Übergießen als Norm noch die kleinste Sache.

Taufe – das Bad der Wiedergeburt

Ich überspringe die Kritik am ein symbolischen baptistischen Taufverständnis, die wir teilen und gehe zur Wiedergeburt in der Taufe über:

„Wenn in der Taufe der Täufling der Handelnde ist, der hier öffentlich seinen persönlichen Glauben bekennt und seinen Schritt des Gehorsams vollzieht, dann ist beim Täufling zwingend aktiver bekenntnisfähiger Glaube vorausgesetzt. Sonst hat die Taufe keinen Sinn und wäre in ihrer Gültigkeit zu bezweifeln.

Wenn aber Gott derjenige ist, der in der Taufe handelt, und die Taufe ihrem Wesen nach Gottes Gnadenhandeln an uns ist, dann ist es nicht entscheidend, daß der Mensch im Augenblick seiner Taufe glaubt. Dann ist es vor allem wichtig, daß er irgendwann in seinem Leben zum Glauben kommt und damit den Schatz der Taufe in seinem Leben hebt und zur Wirkung bringt.“ (S 13).

Das ist ein falsches Entweder-Oder welches auf dem monergistischen Weltbild Martin Luthers beruht, welches den Menschen letztlich seiner Verantwortung entheben will. Denn – überlegen wir einmal – warum sollte der Glaube irgendwann nach der Taufe den Schatz heben, während er in der Taufe unbedeutend ist, ja sogar eine Leugnung der Kraft Gottes. Das passt nicht.

Taufe ist immer passiv, und – da stimme ich ja voll gegen alle Baptisten mit Tscharntke überein! – immer ein Wirken Gottes, vorausgesetzt aber der Täufling glaubt! Beides muss zutreffen, darum lautet die Aufforderung: „Tut Buße und lasst euch taufen!“ (Apg 2,38). Der Akt der Buße ist bereits aktiv und muss von entsprechenden Werken begleitet werden (Apg 26,20). Die Taufe ist passiv, muss aber im Glauben zugelassen und empfangen werden.

Doch Tscharntke widerspricht:

„Demnach kann unmöglich seine – tatsächlich gar nicht vorhandene – Aktivität Wesensmerkmal der Taufe sein! Es ist allein von daher völlig und zu hundert Prozent ausgeschlossen, daß die Taufe wesensmäßig Bekenntnis-und Gehorsamsakt des Täuflings sei. Wenn zum Wesen der Taufe gehört, daß sie passivempfangen wird, kann der Akt des Täuflings nicht das Wesen und damit auch nicht die Gültigkeit der Taufe ausmachen.“ (S 13)

Ist die Taufe wesensmäßig Bekenntnis- und Gehorsamsakt? Ja, definitiv, und ich werde gleich mehrere Stellen zeigen, die das demonstrieren. Schließt der Akt des Bekenntnisses das Wirken Gottes aus, oder schmälert es ihn? Warum denn? Wie hebt das den passiven Empfang der Taufe auf? Der Mann wird von Gott an seine Frau gefügt; das ist in der LXX und in Mat 19,5 tatsächlich passiv (im Griechischen). Gott fügt also Mann und Frau zusammen, bedeutet das, dass seitens der Eheleute kein Bekenntnis erforderlich ist? Es sei denn, wir wollten nun für Kinder- und Zwangsehen eine Lanze brechen, was ich denn doch nicht annehmen will.

Das Bekenntnis: „Ich brauche Hilfe, ich kann mich nicht selbst retten!“ zwingt dazu, Hilfe passiv anzunehmen – aber hebt das die Notwendigkeit des Hilferufs auf? Tscharntke argumentiert wie viele in der Westkirche nach römisch-juristischer Prägung wie ein Advokat, geradezu sophistisch, aber in dem Auseinanderdividieren von Bekenntnis und Taufe, die wesensmäßig eine Einheit bilden, zerstört er letztlich die biblische Tauflehre zugunsten der Säuglingstaufe. Das ist entsetzlich! Aber schauen wir doch ein paar Stellen an:

„Und nun, was zögerst du? Steh auf und lass dich taufen, und lass deine Sünden abwaschen, indem du den Namen des Herrn anrufst!“ (Apg 22,16).

Paulus wurde getauft (passiv), indem er den Namen des Herrn anrief (partizip)! Es ging Hand in Hand und bildete eine Einheit.

„Da sprach Philippus: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so ist es erlaubt! Er antwortete und sprach: Ich glaube, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist!“ (Apg 8,37).

Das Bekenntnis ist eine unbedingte Voraussetzung zur Taufe und schmälert den passiven Empfang keineswegs, sondern legitimiert diesen vielmehr!

„Welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe (nicht ein Ablegen der Unreinigkeit des Fleisches, sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott), durch die Auferstehung Jesu Christi.“ (1.Petr 3,21 ELB)

Dass ich hier von der Schlachter 2000 auf die Elberfelder wechsle, liegt daran, dass erstere diesen Vers tendenziös schlecht übersetzt hat. Die Taufe ist das Begehren! Die Taufe ist also eine aktive Bitte, wobei sie zugleich passiv empfangen wird. Das ist kein Widerspruch, sondern es gehört einfach zusammen.

Westlich römisches Denken hat seit dem 3. Jahrhundert laufend die falschen Fragen an die Taufe gestellt: Wann ist sie gültig? Welchen Anteil hat Gott daran? Welchen der Mensch? Welcher Vollzug macht sie gültig? Diese Fragen kreisen alle um „Rechtssicherheit“ und „Gewissheit“ und sind menschenzentriert. Sie fragen nicht, was die Taufe überhaupt ist, warum Gott sie gestiftet hat und zu welchem Zweck. Falsche Fragen führen zu falschen Antworten.

Die Beschneidung – das Siegel der Glaubensgerechtigkeit und die Bedeutung des Bundesvolkes

Ich stimme mit Tscharntke darin überein, dass die Taufe die Beschneidung des Neuen Bundes ist (Kol 2,10-11), und dass damit die Beschneidung des Herzens gemeint ist. Wir stimmen jedoch nicht darin überein, was das Volk Gottes ausmacht:

„Und jetzt ist es auf einmal gar nicht mehr so harmlos, daß die Kinder Israels am achten Lebenstag dieses Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens bekommen sollen. Einer Gerechtigkeit, die eben nicht aus der Beschneidung selber kommt, sondern einer Gerechtigkeit, die aus dem Glaubenkommt.Können alle Säuglinge in Israel am achten Tag ihres Lebens schon aktiv geglaubt haben? Wir sehen, die  meisten haben leider nicht geglaubt, weder als Säuglinge noch später. … Weil alle zum Bundesvolk gehören. Weil alle zu dem Volk gehören, dem die Gerechtigkeit aus Glauben gelten soll. …

Entsprechendes gilt auch für die Taufe. Die Taufe ist ihrem Wesen nach keine Bezeugung des Menschen, was mit ihm geschehen ist. Sie ist ihrem Wesen nach die Bezeugung Gottes, wozu er den Menschen berufen hat. Was dann selbstverständlich erst seine Erfüllung erfährt, wenn zu dieser Berufung der Glaube kommt, der das ergreift, was ihm Gott in der Taufe verheißen hat.“ (S 17-18).

Was Tscharntke nicht versteht ist, dass das Volk Gottes im Neuen Bund nicht mehr auf der leiblichen Geburt, sondern aus der Neuen Geburt beruht. Die Säuglingstaufe verschleiert das nicht nur, sondern erklärt Massen an Menschen zu Christen, die gar keine sind. Sie fügt Glieder an den Leib Christi, die tote Knochen sind, sie versucht völlig verdorrte Zweige an einen Baum zu binden, die doch nicht in der Lage sind, dessen Saft aufzunehmen.

„Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“ (Joh 1,12-13).

Wenn wir uns also einig sind, dass die Taufe das Bad der Wiedergeburt ist, dann kann dieses Bad niemand empfangen, es sei denn er glaube an den Namen des Sohnes Gottes. Das ist sonnenklar und kann nicht überlesen werden.

„Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater! Jesus spricht zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so würdet ihr Abrahams Werke tun.“ (Joh 8,39).

Das sagt der Herr über die leibliche Abstammung! Sie hat keinen Wert vor Gott! Wer tatsächlich ein Kind Abrahams ist und damit zum Volk Gottes gehört, sagt Paulus unmissverständlich:

„So erkennt auch: Die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Kinder.“ (Gal 3,7).

Darum bildet alles eine Einheit: Die Bekehrung, die Taufe, die Wiedergeburt und Beschneidung des Herzens, die Einverleibung in den Leib Christi:

„Denn wir sind ja alle durch einen Geist in einen Leib hinein getauft worden, ob wir Juden sind oder Griechen, Knechte oder Freie, und wir sind alle getränkt worden zu einem Geist.“ (1.Kor 12,13).

Darum soll der Theologie nicht trennen, was Gott als Einheit verstanden wissen will. Mit solchen Kunststücken wird nicht nur die Heilige Schrift zerrissen, sondern auch die Einheit des Leibes Christi, denn nicht die spalten, die zur ursprünglichen Taufe zurückgegangen sind, sondern jene, welche die Kindertaufe eingeführt und danach auch beibehalten haben.

Tscharntke bestreitet es aber:

„Wir müssen deshalb noch einmal ganz neu fragen: Wer gehört zum Volk des Neuen Bundes? Wie sieht das aus mit den Kindern, ganz besonders mit den Säuglingen und Kleinkindern, die noch keine bewußte Entscheidung für das eine oder andere Reich treffen konnten?“ (S 19)

Damit eröffnet er einen Exkurs, der zwar wichtig ist, aber sein Missverständnis vom Volk Gottes nicht auflöst, welches übrigens ja nicht seines alleine ist, es ist das reformierte Missverständnis des Volkes Gottes.

Der neuzeitliche Individualismus gegen das biblische Verständnis vom Reich Gottes

„Es gibt auf dieser Welt zwei Reiche: das Reich Satans und das Reich Gottes. Wo Eltern im Reich Satans leben, werden ihre Kinder ins Reich Satans, in den Herrschaftsbereich des Bösen, hineingeboren. So schrecklich das ist, das macht die Bibel unmißverständlich klar.“ (S 20).

Dem Einleitungssatz kann ich uneingeschränkt zustimmen, das ist so. Der nächste Absatz ist aber falsch:

„Daneben aber hat Gott angefangen, ein neues Reich in dieser Welt zu bauen. Dazu gehören die Gläubigen. Sie sind Bürger in seinem Reich. Und wo Gläubige Kinder haben, da werden ihre Kinder in dieses Reich hineingeboren. Das  bezeugt  Gott  im  Alten  Testament  ganz  eindeutig,  indem  er  etwa die Nachkommen Israels als „heiligen Samen“ bezeichnet (Esra 9,2). „Heilig“ meint „für Gott ausgesondert“, „dem Herrn geweiht“.“ (S 20).

Folgende schwerwiegende Irrtümer sehe ich darin, die allerdings nicht Tscharntkes persönliche Irrtümer sind, sondern falsche Annahmen der reformierten Theologie.

Der Herr Jesus sagt, Sein Reich sei nicht von dieser Welt und wir ebensowenig. Das Reich Gottes wird also nicht in der Welt gebaut, sondern wir, die wir von neuem geboren worden sind, wurden aus der Welt heraus genommen. Das ist ein kleiner Unterschied, denn das Reich Gottes ist kein irdischer Bereich, in den man hineingeboren werden kann. Jeder Mensch, der zur Welt kommt, wird in die Welt hineingeboren, unabhängig von der geistlichen Stellung der Eltern.

Der zweite große Fehler ist die Anwendung von Esra 9,2 auf die Gemeinde, denn diese vermehrt sich eben nicht biologisch, sondern alleine durch die neue Geburt, geistlich.

Tscharntke versucht diese falschen Voraussetzungen neutestamentlich anhand eines – wie er selbst sagt – schwer auszulegenden Verses zu begründen:

„Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch die Frau, und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den Mann; sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig.“ (1.Kor 7,14)

Hier möchte ich ein paar Vorbemerkungen machen: Warum at Paulus diesen Vers überhaupt geschrieben? Wollte er hier eine Theologie des Volkes Gottes schreiben? Nein, sondern es geht um Ehefragen, vor allem um Scheidungsthemen. Die Frage steht natürlich im Raum, wie das mit ungläubige Ehepartnern ist, denn freilich darf ein Christ niemanden außerhalb des Volkes Gottes heiraten (also keinen Ungläubigen). Es betrifft also Frauen, die zum Glauben kamen, deren Männer aber ungläubig blieben. Paulus sagt, dass die Ehe weiterbestehen kann, wenn der Ungläubige es erlaubt – wenn er sich scheiden lassen will, möge er gehen. De gläubige Teil darf die Scheidung nicht vorantreiben; aber ist es nicht eine unreine Beziehung? Die Frage ist berechtigt, und Paulus antwortet in der zitierten Weise im Hinblick auf die mögliche Bekehrung des Ehepartners.

Also was sagt Paulus? Die Ehe ist nicht unrein, weil der Mann durch die Frau geheiligt ist. Was wäre sonst? Die Kinder wären unrein. Nun aber sind sie (durch den gläubigen Ehepartner) geheiligt. Die Familie gilt als rein. Das ist der Punkt, den Paulus machen will, welcher gewiss einige beunruhigt hat.

Was aber will Tscharntke daraus machen?

„Dieser Vers ist zugegebenermaßen nicht ganz leicht auszulegen. Für „geheiligt“ steht im Griechischen hagiazein. Sonst besagt dieser Begriff in der Bibel immer die Rettung und Erlösung. Diese Bedeutung kann hier zumindest für den Ehegatten so nicht gemeint sein, wie der weitere Verlauf des Textes zeigt. … Damit ist definitiv gesagt,  daß  das „geheiligt“ zumindest im Blick auf den Ehegatten nicht „gerettet“ heißen kann. Aber durch den Glauben eines Ehegatten sind auch der andere Ehegatte und die Kinder in den Wirkungsbereich der Gnade Gottes gerückt.“ (S 20).

Eigentlich wollte er das Wort vom Heiligen Samen aus Esra 9,2 neustetamentlich in 1.Kor 7,14 bekräftigen, im Sinne dessen, dass auch im neuen Bund die Kinder Gläubiger Eltern zum Volk und Bund Gottes gehören. Ich habe den Eindruck, dass er beim Schreiben selbst merkte, dass das so nicht aufgeht, da für die Kinder hier dasselbe Adjektiv/bzw. Verb verwendet wird wie für die ungläubigen Ehepartner (hagiazein/hagios). Darum muss aber auch beides gleich behandelt werden.

Stimmt es außerdem, dass hagiazein/hagios stets darauf hinweist, dass jemand gerettet ist. Im Blick auf die ungläubigen Partner einmal nicht, und sonst? Heilig kann eine Stadt sein, wie Jerusalem, welche dennoch verbrannt wird. Heilig können Dinge oder Lehren sein, die man nicht den Hunden gibt. Das Gesetz ist heilig. Die Gläubigen sind auch heilig. Heilig bedeutet lediglich, für Gott beiseitegestellt zu sein. Beim Heiligen ist es noch deutlicher, denn der Tempel wird durch das Gold geheiligt; oder der Name Gottes wird durch die Anbeter Gottes geheiligt. Wir werden durch den Glauben geheiligt, und die Opfer der Heiden werden geheiligt durch den Heiligen Geist. Unsere Speisen werden durch Wort und Gebet geheiligt, und so weiter. Nirgends wird Heiligung mit Errettung gleichgesetzt.

Der Vers sagt also keineswegs, dass die Kinder automatisch zum Volk Gottes gehören, da auch der Mann nicht automatisch zum Volk Gottes gehört. Die Heiligung hat in diesem Vers einzig damit zu tun, dass die Ehe und die daraus kommenden Kinder als rein gelten.

Tscharntke beharrt aber darauf und schreibt weiter, nachdem er aus dem Schweigen über den Glauben von Noahs Familie gewissermaßen folgerte, dass diese ja auch ungläubig waren und dennoch errettet wurden:

„Der selbst religionsmündige Ehegatte ist nach 1.Korinther 7 damit zwar nicht gerettet, das haben wir am Zusammenhang gezeigt, die religionsunmündigen Kinder aber gehören mit ihrem gläubigen Elternteil zum Reich Gottes, bis sie sich für einen anderen Weg entscheiden. Sonst wären unsere Kinder, die Kinder gläubiger Eltern, bis zu dem Moment, wo sie in der Lage sind, sich selber aktiv für Jesus zu entscheiden, verloren und im Reich des Bösen.“ (S 20)

Zuerst einmal sollten wir uns angewöhnen, da zu reden, wo die Schrift redet, und dort zu schweigen, wo sie schweigt. Aus dem Schweigen über den glauben von Noahs Familie kann man nämlich gar nichts folgern. Und dann gilt hier ja doch, dass man von neuem geboren sein muss, um ins Reich Gottes zu gelangen:

„Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Er kann doch nicht zum zweitenmal in den Schoß seiner Mutter eingehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.“ (Joh 3,3-5).

Da aber auch für Säuglingstaufe gilt, dass sie erst im Glauben ergriffen werden muss, um wirksam zu werden, sind Säuglingsgetaufte auch nicht im Reich Gottes, weil sie eben noch nicht wiedergeboren sind, sondern nur in Vorwegnahme der Bekehrung getauft wurden. Wir sehen daran, dass es sich einfach nicht ausgeht!

„Wir hätten Säuglinge an der Mutterbrust gehabt und auf den Vaterarmen getragen, die ins Reich des Bösen gehören. Das hat die erste Gemeinde nie so gesehen.“ (S 20)

Solche Aussagen sind eine Behauptung, wenn keine Quellen angeführt werden. Justinus schreibt folgendes zur Taufe, und zwar ohne Einschränkung ob das jetzt für Täuflinge aus gläubigen oder ungläubigen Elternhaus gilt:

„Da wir bei unserer ersten Entstehung ohne unser Wissen nach Naturzwang aus feuchtem Samen infolge gegenseitiger Begattung unserer Eltern gezeugt wurden und in schlechten Sitten und üblen Grundsätzen aufgewachsen sind, so wird, damit wir nicht Kinder der Notwendigkeit und der Unwissenheit bleiben, sondern Kinder der freien Wahl und der Einsicht, auch der Vergebung unserer früheren Sünden teilhaftig werden, im Wasser über dem, der nach der Wiedergeburt Verlangen trägt und seine Vergehen bereut hat, der Name Gottes, des Allvaters und Herrn, ausgesprochen, wobei der, welcher den Täufling zum Bade führt, nur eben diese Bezeichnung gebraucht.“ (1.Apologie, Kp 61).

Grundsätzlich gilt, dass man erst ab der Wiedergeburt zum Reich Gottes gehört, und um wiedergeboren zu werden, muss man glauben (Joh 1,12-13). Es nützt also nichts, wenn man krampfhaft eine Stelle bemüht, um daraus etwas herauszulesen, was diese nie sagen wollte.

Auch bei seinen Auslegungen vom Gleichnis des verlorenen Sohns oder dem des reichen Manns und des armen Lazarus verkennt Tscharntke völlig, dass all diese Gleichnisse (a) im Kontext des Alten Bundes formuliert sind und (b) nicht gedacht waren, Belegstellen für die Säuglingstaufe zu bieten.

„Es wendet sich an das Volk Israel. Hier wird deutlich, daß die Kinder des Volkes Israel von vorneweg ins Haus der Vaters -nämlich des himmlischen Vaters -hineingeboren werden. Der verlorene Sohn ist schon „Sohn“ bevor er wegläuft, in die Irre geht, wieder umkehrt und Buße tut! Wäre das nicht so, wen sollte Jesus mit dem verlorenen Sohn meinen?“ (S 21).

Der Herr wandte sich an die Pharisäer:

„Es pflegten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder zu nahen, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt Sünder an und ißt mit ihnen!“ (Lk 15,1-2).

Und damit sind alle drei Gleichnisse ausgelegt. Das verlorene Schaf, die verlorene Münze, der verlorene Sohn – all das sind Beispiele für die Sünder aus dem Volk Israel, auf welche die Pharisäer herabblickten und denen der Herr Jesus mit Barmherzigkeit begegnete. Punkt. Mehr wollte der Herr nicht sagen, und mehr sagen sie nicht aus. Dies als Belegstelle darf zu nehmen, dass die Kinder christlicher Eltern automatisch zum neuen Bund gehören, obwohl dieser nicht auf leiblicher Abstammung beruht, ist Missbrauch der Schrift.

Die biblische Lehre von der Erbsünde

Schon Tertullian machte klar, dass die Kinder unschuldig sind. Tscharntke aber bestreitet das und kommt zum nächsten Eckpfeiler der Säuglingstaufe, der Erbsünde.

„Die Lehre von der Erbsünde finden wir zwar nicht dem Begriff, wohl aber der Sache nach, sowohl im Alten wie im Neuen Testament. Psalm 51,7: „Siehe, ich bin in sündlichem Wesen geboren und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.“ … (er zitiert weiters Hiob 14,4; Joh 3,6; Ps 58,4; Eph 2,1-3; Eph 2,12). …

Sünde trennt von Gott!  Das heißt, der Mensch wird empfangen und geboren in der Trennung von Gott, außerhalb seines Reiches, außerhalb der Gemeinschaft mit ihm, außerhalb seines Bundes. Auf diesem Hintergrund war es christlichen Eltern und der Gemeinde Jesu offensichtlich von Anfang an wichtig, durch die Taufe deutlich zu machen: Unsere Kinder gehören zum Bundesvolk Gottes im Unterschied zu den Kindern der Ungläubigen.“ (S 23).

Wieder wird menschenzentriert argumentiert. Außerdem in der Sache unrichtig, denn bereits seit Cyprian ist dokumentiert, dass die Taufe die „fremden Sünden“ (Erbsünde) abwäscht. Das bedeutet, die Taufe ist Mittel, um überhaupt in das Bundesverhältnis hineinzugelangen, nicht Zeugnis, dass an bereits im Reich Gottes geboren wurde.

„Was nun aber die Frage der Kinder betrifft, so hast du die Ansicht vertreten, man dürfe sie nicht schon am zweiten oder dritten Tage nach ihrer Geburt taufen, sondern man müsse das Gesetz der alten Beschneidung beachten, und du hast deshalb geglaubt, man dürfe ein neugeborenes Kind nicht vor dem achten Tag taufen und heiligen. Ganz anderer Meinung war unsere Versammlung. Denn dem, was du für richtig hieltest, stimmte niemand zu, sondern unser allgemeines Urteil ging vielmehr dahin, daß man keinem einmal geborenen Menschen Gottes Barmherzigkeit und Gnade versagen darf. Denn da der Herr in seinem Evangelium sagt: „Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um die Seelen der Menschen zu verderben, sondern um sie zu retten“, so darf, soviel an uns liegt, womöglich keine Seele verlorengehen.“ (Cyprian, 64. Brief, Kp 2).

Ohne Taufe sah Cyprian die Kinder nicht als errettet an, und er verwarf sogar die Analogie zur Beschneidung mit der Taufe am achten Tag. Im Grunde widerspricht die Erbsündenlehre ja der Idee, dass die Kinder Gläubiger automatisch in das Reich Gottes hineingeboren würden, denn kein Sünder kann im Reich Gottes sein, jeder muss zuerst gereinigt werden.

„Deshalb darf nach unserer Meinung auf Grund des Gesetzes, das nunmehr aufgestellt ist, niemand an der Erlangung der Gnade gehindert und auch die geistliche nicht durch die fleischliche Beschneidung beeinträchtigt werden, sondern jeder ohne Ausnahme muß zur Gnade Christi Zulassung finden. … Könnte übrigens irgend etwas die Menschen an der Erlangung der Gnade hindern, so vermöchten eher den Erwachsenen und Bejahrten und Älteren ihre schwereren Sünden hinderlich zu sein. Wenn nun aber sogar den schwersten Sündern und solchen, die sich früher vielfach gegen Gott vergangen haben, Vergebung der Sünden gewährt und niemand von der Taufe und der Gnade ausgeschlossen wird, wenn er später gläubig wird, wieviel weniger darf man dann ein Kind zurückweisen, das neugeboren ist und noch keine Sünde begangen hat, sondern nur mit der ersten Geburt der Wirkung des alten Todes ausgesetzt ist, da er wie Adam im Fleische geboren ist! So kann es zur Vergebung der Sünden schon deshalb leichter gelangen, weil ihm keine eigenen, sondern nur fremde Sünden zu vergeben sind.“ (64. Brief, Kp 5).

Hier orte ich übrigens die ersten nachweisbaren Ansätze zur Erbsündenlehre, und wir sehen ganz klar den Wandel, der sich in derselben Stadt Karthago seit den Tagen Tertullians vollzogen hat. Wie bereits gesagt, war es den Christen jener Zeit überhaupt nicht klar, wie die Säuglingstaufe theologisch zu begründen sei – und ich stimme Cyprian überhaupt nicht zu. Jedoch ist klar, dass die Babies ohne Taufe außerhalb des Bundes bleiben, denn ausnahmslos jeder Mensch wird dem Fleisch nach in die Welt, ins Reich Satans hinein geboren:

„Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.“ (Joh 3,6).

Alle unsere Kinder sind aus dem Fleisch geboren, aus feuchtem Samen, ohne deren Willen, wie Justinus sagte. Anders können wir keine Kinder in die Welt setzen, und unser Fleisch, unsere Leiber sind eben nicht Teil des Reiches Gottes, weil sie sterblich, verweslich sind und erst unverweslich auferweckt und verwandelt werden müssen. Wir können also leiblich nur Menschen in die Welt setzen, die von Natur aus außerhalb des Reiches Gottes stehen.

Und doch lehrt die Schrift nirgends, dass jemand wegen der Sünde Adams verdammt wird. Wir sind alle sterblich, weil wir außerhalb Edens zur Welt kamen. Wir haben eine gefallene, zur Sünde neigende Natur. Aber jeder wird ausschließlich gemäß seiner eigenen Werke gerichtet, und hier spielt das Alter eine Rolle, das erforderlich ist, um moralisch für sein Tun verantwortlich zu sein. Weil Säuglinge das nicht sind, kommen sie auch ungetauft nicht in die Hölle.

Hier ist übrigens ein Musterbeispiel dafür wie eine Theologie entsteht. Augustinus über die Erbsünde:

„Wenn indes der Apostel gleich nachher sagt: „Gleichwie durch die Sünde des einen (Adam) über alle Menschen Verdammnis kam, so kommt auch durch die Gerechtigkeit des einen (Christus) auf alle Menschen Rechtfertigung des Lebens“, so drückt er damit doch deutlich genug aus, daß von Adam kein Mensch abstammt, der nicht der Verdammnis verfällt, daß aber auch kein Mensch der Verdammnis ledig wird, der nicht in Christus wiedergeboren wird.“ (Enchiridion 14,51).

Paulus hingegen schreibt:

„Also: wie nun durch die Übertretung des Einen die Verurteilung für alle Menschen kam, so kommt auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung, die Leben gibt.“ (Röm 5,18).

Worin aber besteht die Verurteilung (katakrima – Verurteilung, Strafe)?

„Dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht mit einer gleichartigen Übertretung gesündigt hatten wie Adam, der ein Vorbild dessen ist, der kommen sollte.“ (Röm 5,14).

Im Tod, allein im leiblichen Tod! Das ist die Konsequenz der Sünde Adams, die wir alle zu tragen haben. Wenn wir aber über das Urteil über die Sünde Adams (die ja auch in Genesis nur den leiblichen Tod beinhaltete!) hinausgehen und dieses auf die ewige Verdammnis ummünzen, verdrehen wir, was Paulus schrieb in ein Zerrbild der göttlichen Gerechtigkeit! Katakrima kann wohl das Urteil des jüngsten Tages meinen, dann, wenn davon die Rede ist; aber wenn von der ersten Sünde die Rede ist, dann ist beim Gericht nur vom leiblichen Tod die Rede. Man muss also den ganzen Abschnitt lesen, nicht nur einen Vers herausnehmen, wie Augustinus dies tat. Doch genau aufgrund seines Erbsündenmissverständnisses lehrt er die Säuglingstaufe vehementer als alle zuvor:

„Wenn sich also aus der Tatsache, daß wir im Tode Christi getauft sind, ergibt, daß wir der Sünde abgestorben sind, so sterben gewiß auch die kleinen Kinder der Sünde ab, die in Christus getauft werden; denn auch sie werden in seinem Tode getauft. Heißt es ja doch ganz ohne jede Ausnahme: „Alle, die wir in Christus Jesus getauft sind, sind in seinem Tode getauft.“ Und so heißt es zum Beweise dafür, daß wir der Sünde abgestorben sind. Welch anderer Sünde könnten nun aber die Kinder durch die Wiedergeburt (in der Taufe) absterben, als gerade derjenigen, die sie sich eben durch ihre Geburt zugezogen haben?“ (Enchiridion 14,52).

Augustinus geht soweit zu sagen, dass die Gnade von allen Sünden reinige außer der Erbsünde, und dass dafür die Taufe nötig sei:

„Denn jene eine Sünde, die infolge ihrer Abstammung (von Adam) den Menschen anhaftet, macht schon für sich allein der Verdammnis schuldig; die Gnade aber rechtfertigt von vielen Verfehlungen den Menschen, der außer der einen Sünde, die er sich gemeinsam mit allen infolge seiner Abstammung zugezogen hat, auch noch eigene Sünden in vielfacher Zahl begangen hat.“ (Enchiridion 14,50).

Und so entsteht schlechte Theologie, indem man Begriffe falsch verwendet, Zusammenhänge missachtet und dann überzogene Schlüsse daraus zieht. Klar heißt es im Hebräerbrief:

„Und so gewiß es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.“ (Heb 9,27).

Die Sünde Adams ist das eine, durch die sterben wir. Unsere Sünden aber sind das andere, gemäß diesen werden wir nach unserem Tod beurteilt. Ausnahmslos. Auch wir:

„Verwundert euch nicht darüber! Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, und sie werden hervorgehen: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens; die aber das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.“ (Joh 5,28+29 – bitte nie Joh 5,24 alleine lesen!)

Darum sagte Tertullian – und wir mit ihm – dass die kleinen Kinder vor Gott ohne Sünde sind. Die Erbsündenlehre ist spätestens seit Augustinus völlig überzogen, aber begonnen hat es mit Cyprian. Im Octavius heißt es etwa, um noch ein abschließendes Beispiel zu bringen:

„Geschäftshalber und um mich zu besuchen war er nach Rom gereist, Haus, Frau und Kinder zurücklassend. Letztere standen dazu noch in den Jahren der Unschuld, wo die Kinder am liebenswürdigsten sind; eben erst versuchten sie halbe Worte, eine Sprache, die gerade durch die abgerissenen Laute der noch ungelenken Zunge ihre besondere Anmut besitzt.“ (Octavius II,1).

Es sind Jahre der Unschuld!

Die Praxis der Säuglingstaufe im Neuen Testament

„Ist mit alledem aber erwiesen, daß die Apostel Säuglinge getauft haben? Daß mithin die Säuglingstaufe nicht nur von ihrem Wesen her zur rechtfertigen ist, sondern von den Tagen der Apostel an auch tatsächlich praktiziert wurde?“ (S 23).

Dreiundzwanzig von sechsunddreißig Seiten hat Tscharntke also damit zugebracht, zu beschreiben, was alles zusammengenommen nicht dokumentieren kann, dass die Apostel Säuglinge getauft hätten. Was er hingegen vorbrachte, waren Begriffsveränderungen, Kontextvernachlässigungen, das Trennen von Sachverhalten, die untrennbar zusammengehören … alles mit dem Ziel zu beweisen, was nicht zu beweisen ist. Eigentlich bin ich wirklich überrascht; und doch gab es in all dem nichts wirklich Neues. Ich kann es Tscharntke auch nicht ganz verdenken, denn er ist lutherisch aufgewachsen, hat Theologie in diesem Rahmen studiert, hat Mitleid mit Menschen, die sich darüber beschweren zur Taufe gedrängt zu werden, denen man die Säuglingstaufe nicht gelten lassen will … er hat Prägungen, die er so leicht nicht abschütteln wird können. Aber seine Auslegungen und Schlussfolgerungen sind dennoch falsch, weshalb es unerheblich ist, menschliches Verständnis aufzubringen, wenn es um die Sache an sich geht.

Das letzte Trumpf in der Hand der Säuglingtäufer bleiben die Haustaufen. Ich habe unter den frühen Vätern (vor Nizäa) übrigens keinen gefunden, der die Haustaufen als Argument für die Säuglingstaufen gebrauchte.

„Und doch haben wir verschiedene Berichte im Neuen Testament, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nahelegen, daß hier Säuglinge mitgetauft wurden. Die Rede ist von den sogenannten „Haustaufen“, von denen das Neue Testament berichtet.“ (S 24)

Wiederum keine Beweise, sondern nur „mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“. Wir werden sehen, dass das Gegenteil der Fall ist, wenn wir die Fälle einzeln durchgehen, und danach werden wir noch ein Argument draufsetzen, dass diese Hypothese vollends widerlegen wird.

Cornelius

„Und er berichtete uns, wie er den Engel in seinem Haus stehen sah, der zu ihm sagte: Sende Männer nach Joppe und lass Simon mit dem Beinamen Petrus holen; der wird Worte zu dir reden, durch die du gerettet werden wirst, du und dein ganzes Haus.“ (Apg 11,13-14).

Mit diesem Vers geht Tscharntke auf das Haus des Cornelius ein. Warum nicht mit Kapitel 10 direkt? Weil hier von der Rettung des ganzen Hauses die Rede ist, aber nicht vom Glauben?

„Hier  wird  zwar  nicht  berichtet,  daß  das  „ganze  Haus“  getauft wurde. Aber wir sehen, daß sich die Heilszusage von vornherein nicht auf Kornelius selbst beschränkt, sondern sein „ganzes Haus“ einschließt.“ (S 24).

Dennoch müssen wir in den Text zurückgehen:

„In Cäsarea lebte aber ein Mann namens Kornelius, ein Hauptmann der Schar, die man »die Italische« nennt; der war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus und gab dem Volk viele Almosen und betete ohne Unterlass zu Gott.“ (Apg 10,1-2).

Er war ein Hauptmann, ein hekantonarchos, ein Centurio. Was für ein Alter können wir uns bei diesem Mann vorstellen?

„Üblicherweise wurden als centurio nur Soldaten ausgewählt, die schon eine lange Dienstzeit hinter sich hatten und daher über entsprechende Erfahrung verfügten. Nicht selten wurden insbesondere solche Soldaten ernannt, die ihren Dienst über die reguläre Dienstzeit hinaus freiwillig verlängerten. Durch Grabinschriften sind Centurionen im Alter von 63, 65 und sogar 85 Jahren nachgewiesen.“[4]

Wenn ich mir also einen etwa 50jährigen Mann unter Cornelius vorstelle, dann liege ich sicher nicht zu hoch. Dass ein 50jähriger – dazu im aktiven Soldatendienst – Vater eines Säuglings ist, ist für mich weniger wahrscheinlich. Er wird schon erwachsene Söhne und Töchter gehabt haben, und seine Frau wird über die geeignete Zeit Gebärens hinaus gewesen sein. Allein deshalb halte ich es für ausgeschlossen, dass in seinem Haus Säuglinge zugegen waren. Doch selbst wenn, würden diese dann auch in Sprachen geredet haben, als der Heilige Geist auf sie fiel?

„Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und alle Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich vor Staunen, dass die Gabe des Heiligen Geistes auch über die Heiden ausgegossen wurde. Denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott hoch preisen.“ (Apg 10,44-46).

Wenn nicht, dann wurden die Säuglinge auch nicht getauft, denn nur die, welche den heiligen Geist empfangen hatten, wurden getauft:

„Da ergriff Petrus das Wort: Kann auch jemand diesen das Wasser verwehren, dass sie nicht getauft werden sollten, die den Heiligen Geist empfangen haben gleichwie wir?“ (Apg 10,46-47).

Das Haus des Cornelius scheidet als Beleg für die Säuglingstaufe aus.

Lydia

„Und eine gottesfürchtige Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; und der Herr tat ihr das Herz auf, so dass sie aufmerksam achtgab auf das, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber getauft worden war und auch ihr Haus, bat sie und sprach: Wenn ihr davon überzeugt seid, dass ich an den Herrn gläubig bin, so kommt in mein Haus und bleibt dort! Und sie nötigte uns.“ (Apg 16,14-15).

Abgesehen davon, dass wir uns auch hier fragen müssen, wie alt die Frau war, welche alleine ein Geschäft führte und einem Haus vorstand. Hatte sie keinen Mann? War sie verwitwet? Es steht nicht da, doch ebenso spekulativ wäre es, hier Kinder anzunehmen. Tscharntke geht es aber um ein anderes Detail:

„Hier wird ausdrücklich nur von ihrem Glauben gesprochen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß außer ihr noch andere ihres Haushalts zum Glauben gekommen sind. Aber das steht nicht da. Wenn baptistische Geschwister sagen: wir müssen uns nach dem richten, was ausdrücklich dasteht, dann müssen wir hier feststellen: es ist nur vom Glauben der Lydia die Rede!“ (S 24).

Das stimmt, aber das ist ja auch nicht alles, was über das Haus der Lydia gesagt wird:

„Da verließen sie das Gefängnis und begaben sich zu Lydia; und als sie die Brüder sahen, trösteten sie sie und zogen fort.“ (Apg 16,40).

Der ganze Haushalt wird hier also als „Brüder“ beschrieben. Nicht nur Lydia war gläubig – da sieht man, wohin eine willkürlich wörtliche Auslegung führen kann. Aber wie ist das noch einmal mit ihrem Haus?

„Es ist von „ihrem Haus“ die Rede. Das „Haus“ bezeichnet diejenigen, die zu ihrem Haushalt gehören. Und das waren nicht nur eventuell vorhandene Kinder und Enkelkinder. Das waren die Knechte und Mägde samt deren Familien. Das mögen eine Dutzend oder auch weit mehr Menschen gewesen sein. So ein römisch-griechisches Haus hatte Platz für etwa 10-20 Personen. Lydia war mit Sicherheit eine reiche Frau. Sie führte ihr großes Geschäft der Purpurherstellung und des Verkaufs. Das legt nahe, daß sie einen recht großen Haushalt führte mit einer entsprechend hohen Anzahl an Kindern und Kleinkindern. Wenn nun geschrieben steht, daß sie getauft wurde und ihr Haus, dann beinhaltet ein wörtliches Verständnis dieser Aussage, daß alle zum Haushalt gehörenden Personen mitgetauft wurden.“ (S 24).

Es ist auch das kein Beweis, sondern Mutmaßung und Spekulation. Warum gerade in einem Haus, das zugleich Produktionsstätte ist, Kinder und Kleinkinder zugegen sein sollten, ist mir nicht zwingend einsichtig; schon gar nicht, dass die Taufe des ganzen Hauses (wie immer es sich zusammensetzte) zwingend meint, dass buchstäblich alle Haushaltsmitglieder getauft wurden, zumal in Kp 10 ausdrücklich nur jene getauft wurden, die das Wort hörten und glaubten und den heiligen Geist empfingen.

Der Kerkermeister

„Und er führte sie heraus und sprach: Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du gerettet werden, du und dein Haus! Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Haus waren. Und er nahm sie zu sich in jener Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen; und er ließ sich auf der Stelle taufen, er und all die Seinen. Und er führte sie in sein Haus, setzte ihnen ein Mahl vor und freute sich, dass er mit seinem ganzen Haus an Gott gläubig geworden war.“ (Apg 16,30-34).

Wie beim Haus der Lydia legt Tscharntke auch hier den Finger darauf, dass wörtlich nur der Kerkermeister zum Glauben kam (nach der Elberfelder Bibel: er frohlockte, an Gott gläubig geworden, mit seinem ganzen Hause), aber das ist eine unsichere Behauptung, denn (a) das Wort wurde allen gesagt, die in seinem Haus waren und (b) wie die Schlachter 2000 es übersetzt, wurde auch das ganze Haus gläubig. Das stimmt mit der King James Bibel überein, der alten Schlachter, der neuen evangelistischen Übertragung …

Man darf das „mit seinem ganzen Haus“ nicht allein auf die Freude reduzieren, denn die macht keinen Sinn, wenn nicht das ganze Haus auch gläubig geworden war.

Zudem: Das ganze fand mitten in der Nacht und den frühen Morgenstunden statt, Selbst wenn es in diesem Haus Säuglinge gegeben hätte, wären sie wohl kaum geweckt worden.

Die anderen Häuser

Tscharntke geht dann gar nicht mehr auf die anderen Häuser ein. Krispus wäre ein wunderbares Beispiel:

„Krispus aber, der Synagogenvorsteher, wurde an den Herrn gläubig samt seinem ganzen Haus; auch viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen.“ (Apg 18,8).

Als Synagogenvoorsteher war Krispus gewiss in einer Altersklasse mit Cornelius, weshalb Säuglinge eigentlich auszuschießen sind. Hier wird gesagt, was eigentlich überall als selbstverständlich vorausgesetzt werden sollte: Man muss erst gläubig werden, um getauft zu werden. Das ist das allgemeine Prinzip, das hier doppelt bekräftigt wird.

„Ich habe aber auch das Haus des Stephanas getauft. Sonst weiß ich nicht, ob ich noch jemand getauft habe; … Ich ermahne euch aber, ihr Brüder: Ihr wisst, dass das Haus des Stephanas der Erstling von Achaja ist, und dass sie sich dem Dienst an den Heiligen gewidmet haben.“ (1.Kor 1,16+16,15).

Als Gemeindeleiter war Stephanas gewiss auch ein älterer, gereifter Mann, Krispus vergleichbar. Langer Rede kurzer Sinn: Die Haustaufen geben gar nichts für die Säuglingstaufe her. Sie lassen sie sogar unwahrscheinlich erscheinen.

Der letzte Sargnagel für die Haustaufen

Den Haustaufen liegt die Idee zugrunde, dass die Bekehrung des Haushaltsvorstandes automatisch die Eingliederung des ganzen Hauses in die Gemeinde bedeutete. Tscharntke schreibt:

„Ein Haus, in dem ein Ehegatte gläubig geworden ist, ist damit an den Segensstrom der göttlichen Gnade angeschlossen. Nun stehen alle, die zu diesem Haushalt gehören, unter dem Einfluß des Segens Gottes. Das heißt noch nicht, daß damit alle automatisch gerettet wären. Aber der Strom des Segens ist für jeden da. Das ist ein gewaltiger Trost, ganz besonders auch für die, deren Kinder noch nicht gläubig sind. Unsere Kinder sind im Raum der Gnade groß geworden. Und sie stehen selbst dann immer noch ein Stück weit unter dem Segen, der vom Glauben ihrer Eltern ausgeht, wenn sie längst einen eigenen Haushalt gegründet haben.“ (S 25).

Da ist ein großer Trost – wieder wird menschenzentriert argumentiert. Nicht biblisch, denn biblisch sieht die Situation anders aus. Gläubige Männer können ungläubige Frauen haben (1.Kor 7,14), und gläubige Herren ungläubige Knechte, wie Philemon einen Sklaven hatte, der erst nachdem er von daheim weggelaufen war, bei Paulus zum Glauben fand und als Bruder zu seinem Herrn zurückgeschickt wurde (Philemonbrief).

Es gibt keinen Zwang und keine Sippenbekehrung im christlichen Glauben. Die wenigen Haustaufen werden deshalb erwähnt, weil sie selten und eine besondere Gnade waren, denn in der Regel gilt, was der Herr Jesus lehrte:

„Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert! Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein.“ (Mat 10,34-36).

Der Unterschied zwischen Missionstaufe und Gemeindetaufe

Tschantke kommt auf die Taufe des Kämmerers zu sprechen – in seiner Bibel fehlt der wichtige Vers 37, der im kritischen Nestle-Aland-Text fehlt, aber schon in 2. Jhdt bei Irenäus bestätigt ist; doch davon abgesehen. Er sagt:

„Wir haben es hier mit einer ausgesprochenen Missionssituation zu tun. Es handelt sich bei dem Finanzministeraus Äthiopien um einen Mann, der aus seinem Volk als erster und bisher einziger zum Glauben kam. Dieser Mann ist nun auf der Rückreise in seine Heimat, in der es bis dahin keinen einzigen Christen gibt. Die Taufe des Kämmerers aus dem Mohrenland ist keine Taufe in der Gemeinde Jesu, keine Taufe in einer christlichen Familie. Außerdem ist der Kämmerer kein Kind, schon gar nicht gläubiger Eltern, sondern ein Erwachsener. Aus Apostelgeschichte 8 lassen sich deshalb keinerlei Rückschlüsse auf die Frage der Säuglingstaufe ziehen! Kein verantwortungsbewußter reformatorischer Pfarrer, der mit noch so großer Überzeugung Anhänger der Säuglingstaufe ist, hätte in diesem Falle anders gehandelt als Philippus.“ (S 25).

Bis jetzt gab es also keine Belege für die Säuglingstaufen, lediglich einige unhaltbare Mutmaßungen, weshalb jetzt ein weitere Versuch gewagt wird: Zwei verschiedene Taufen, eine Missionstaufe und eine Gemeindetaufe! Und da in der Apostelgeschichte nur Missionstaufen behandelt werden, braucht es auch niemanden stören, wenn man in derselben bei ehrlicher Betrachtung auch keine Säuglingstaufen findet.

„Selbstverständlich  geht  in  der  Missionstaufe  der  Glaube  voraus.  Diesen  Unterschied  zwischen Missionstaufe und christlicher Haustaufe hat die christliche Gemeinde nachweislich um 200 n.Chr. ebenfalls  sehr  sorgfältig  beachtet.  Wir  sehen  in  dieser  Zeit  einerseits  die  ganz  selbstverständliche Taufe von Säuglingen in christlichen Familien. Wenn dagegen ein Heide zum Glauben kam –also der  Fall  der  Missionstaufe  vorlag –dann  wurde  dieser  nach  seiner  Bekehrung  keineswegs  sofort getauft.“ (S 26).

Das stimmt – aber eben erst um 200! Davor gibt es das nirgends – und auch dann erst in bestimmten Regionen, z.Bsp. in Rom, in der Gemeindeordnung des Hippolytus. Was aber war davor? Nichts. Wir finden in der Apostelgeschichte nur Missionstaufen. Wir sehen in den Beschreibungen der Taufe des zweiten Jahrhunderts nirgends eine Handreichung zur Säuglingstaufe, und wir sehen im 3. Jahrhundert (bei Cyprian etwa) eine Verwirrung hinsichtlich der theologischen Begründung der Säuglingstaufe.

Gemäß der Schrift gibt es nur eine Taufe (Eph 4,5).

Die frühkirchliche Bestätigung der Säuglingstaufe

Tscharntke versucht nun, das frühkrchliche Zeugnis sprechen zu lassen. Da mir das sehr wichtig ist, will ich dem Schritt für Schritt antworten:

Polykarp

„Bischof Polykarp von Smyrna (70-156n.Chr.) ist ein erstes prominentes Beispiel. Die Kirchenväter Irenäus und Tertullian bezeichnen ihn als Schüler des Apostels Johannes. Spätestens im Jahr 70 n.Chr. ist er geboren. Den Märtyrertod starb er ums Jahr 156 n.Chr.. Als der greise Polykarp vor dem römischen Statthalter in der Arena stand, wurde er von diesem aufgefordert: „Schwöre beim Kaiser, und ich werde dich freilassen. Lästere Christus“. Darauf antwortete Polykarp: „86 Jahre diene ich ihm, und er hat mir kein Leid getan. Wie könnte ich meinen König lästern, der mich erlöst hat.“ Mit einem Dolchstoß wurde der Überlieferung nach sein Leben beendet. Diese „86 Jahre“ umfassen sein ganzes Leben. Die Formulierung „86 Jahre diene ich ihm“ darauf hin, daß Polykarp schon als Kind getauft wurde.“ (S 26).

Die Aussage in den Märtyrerakten des Polykarp (Kp 9) besagt nichts über sein Geburtsjahr! Das ist wirklich ein Kurzschluss. Eine Randbemerkung aus seinem Brief an die Philipper zeigt aber, dass er deutlich vor 70 geboren worden sein muss:

„Ich habe aber nichts Derartiges bemerkt oder gehört bei euch, unter denen der selige Paulus gewirkt, die ihr am Anfang seines Briefes stehet. Rühmt er sich doch eurer in allen Kirchen, soweit sie damals Gott erkannt hatten; wir hatten ihn damals noch nicht erkannt.“ (Pol.Phil 11,3).

Das zeigt, dass Polykarp zur Zeit, da der Philipperbrief geschrieben wurde, Gott noch nicht erkannt hatte, also ungläubig war. Er selbst wurde von den Aposteln (Plural) unterwiesen, wie Irenäus bezeugt:

„Dasselbe hat auch Polykarp immer gelehrt, wie er es von den Aposteln gelernt und der Kirche es überliefert hatte, und wie es auch allein die Wahrheit ist. Er war nicht allein von den Aposteln unterrichtet und hatte noch mit vielen verkehrt, die unsern Herrn Christus gesehen haben, sondern war von den Aposteln auch zum Bischof von Smyrna für Kleinasien eingesetzt worden. Auch wir sahen ihn noch in unserer Jugend; denn er lebte gar lange und erlitt erst in hohem Greisenalter ein sehr ruhmreiches und denkwürdiges Martyrium.“ (Contra Haereses III,3,4).

Polykarp wird oft als Beleg für die Säuglingstaufe herangezogen, doch alle schreiben offenbar voneinander ab, ohne selbst die Quellen zu prüfen. Ich halte das für eine wirklich Schande, denn so verführen sich die Verführer selbst und alle von ihnen Verführten. So geht man weder mit der Schrift, noch mit irgendwelchen historischen Quellen um!

Justinus der Märtyrer

„Justin (gelebt 100 –165 in Rom) erwähnt in seiner ersten Apologie (um 155 n.Chr.) viele Männer und Frauen im Alter von 60 und 70 Jahren, … -„die von Kind auf Jünger Jesu waren“. Das Passiv von matheteuein bezeichnet bei Justin die Taufe. Diese Männer und Frauen sind also in der Zeit zwischen 85 und 95 n. Chr. als Kinder getauft worden.“ (S 26)

Nimmt man den ganzen Text, ergibt sich ein völlig anderes Bild (hätte Tscharntke die Quelle angegeben, hätte ich mir längeres Suchen ersparen können, aber leider ist auch das typisch heutzutage, dass Behauptungen ohne Quellen zitiert werden, und man so schwer den Kontext überprüfen kann). Die Bibliothek der Kirchenväter übersetzt den Abschnitt so:

„Und gar viele Männer und Frauen, die von Jugend auf Schüler Christi gewesen sind, bleiben mit sechzig oder siebzig Jahren keusch, und ich getraue mir, solche in jedem Stande von Menschen aufzuweisen, ganz zu schweigen von der unzähligen Menge derer, die nach einem zügellosen Leben sich bekehrt und diese Grundsätze angenommen haben. Denn nicht die Gerechten und Enthaltsamen hat Christus zur Sinnesänderung berufen, sondern die Gottlosen, die Ausschweifenden und die Ungerechten.“ (1. Apologie Kp 15).

Ganz bewusst wird hier mit „Jugend“ übersetzt, weil es um die Abkehr von der Gesetzlosigkeit geht, durch die man erst ein Jünger wird. Hier die Säuglingstaufe hineinzulesen, ist unredlich, denn die Rede ist im ganzen Kontext von der Umkehr und der darauffolgenden Heiligung. Denn selbst wenn man hier die Säuglingstaufe hineinlesen wollte, so beginnt doch nicht tags darauf die Jüngerschaft und die Heiligung! Das dauert doch noch Jahre oder Jahrzehnte!

Wenn es aber nichts Eindeutiges gibt, muss man in die vorhandenen Quellen halt etwas hineinlesen, d.h. diese entgegen ihrem Sinn und der historischen Wirklichkeit verdrehen, damit sie zur eigenen Vorstellung von der Welt passen.

Irenäus

„Irenäus(178-202 Bischof von Lyon) schreibt über das Werk Christi: „Denn er kam um alle durch ihn selbst zu retten – Ich sage alle, welche durch ihn für Gott von neuem geboren sind –Kleinkinder, Kinder, Buben, Jugendliche und alte Menschen.“ Wenn Irenäus betont, daß auch Kleinkinder von neuem geboren sein können, dann legt dies die Taufe derselben als Bad der Wiedergeburt nahe.“

Mit Irenäus sind wir jedoch schon in einer Zeit, wo es sich zu ändern begann, allerdings ist es fraglich, ob er hier wirklich die Säuglingstaufe im Blick hatte, denn eigentlich verfolgte er einen ganz anderen Gedanken.

„Mit dreißig Jahren wurde er getauft, dann kam er in dem für einen Lehrer richtigen Alter nach Jerusalem, so daß er mit Recht von allen Lehrer sich nennen hörte. Denn nicht schien er ein anderer zu sein, als er war, wie es die möchten, die ihn als eine bloße Erscheinung auffassen, sondern was er war, das schien er auch. Da er also als Lehrer auftrat, hatte er auch das Alter des Lehrers, indem er die menschliche Natur weder verschmähte, noch überholte, noch in sich das Gesetz des menschlichen Geschlechtes aufhob, sondern jedes Alter durch die Ähnlichkeit mit ihm heiligte. Ist er doch gekommen, um alle zu retten, alle, die durch ihn für Gott wiedergeboren werden, die Säuglinge und die Kleinen, die Kinder, die Jünglinge und die Greise. So durchlebte er jedes Lebensalter, wurde den Säuglingen zuliebe ein Säugling und heiligte die Säuglinge; wurde den Kindern zuliebe ein Kind und heiligte die, welche in diesem Alter stehen, indem er Ihnen das Vorbild der Frömmigkeit, der Gerechtigkeit und des Gehorsames gab; wurde den Jünglingen zuliebe ein Jüngling, wurde ihnen ein Vorbild und heiligte sie für den Herrn. So wurde er auch den Männern zuliebe ein Mann, um allen ein vollkommener Lehrer zu sein, nicht nur, indem er die Wahrheit vortrug, sondern auch dem Alter nach, indem er auch die Männer heiligte, indem er ihnen zum Vorbild wurde. Und schließlich schritt er auch zum Tode, damit er, der Erstgeborene aus den Toten, auch selbst in allem den Vorrang behaupte. Er, der Fürst des Lebens und der erste von allen, wollte auch allen voranleuchten.“ (Contra Haereses II,22,4).

Wir sehen, dass es Irenäus darum ging, dass der Herr mit Seiner Menschwerdung jedes Lebensalter durchschritt, es heiligte und ein Vorbild gab. Es geht ihm keineswegs um eine Aussage zur Taufe, sondern um das Leben Christi, welches uns bis zur Auferstehung vorangeht. Auch hier legen die Säuglingstäufer etwas in den Text, wonach sie so verzweifelt suchen, weil es sonst nichts gibt.

Die übrigen

Was Cyprian, Hippolytus oder Origenes betrifft, so herrscht Einigkeit, dass diese die Kindertaufe befürworteten. Aber fällt uns etwas auf? Diese reden tatsächlich davon, während man es den Kirchenvätern des zweiten Jahrhunderts in den Mund legen muss. Wir wissen also, wie , die Alten von der Säuglingstaufe redeten: Klar und verständlich! Und darum ist das Fehlen aller klaren Worte dazu im zweiten Jahrhundert, sowie im ganzen Neuen Testament ein hinreichender Grund, die Säuglingstaufe zu verwerfen.

Ein Wort noch zum Taufaufschub:

„Erst im 4. Jahrhundert taucht der Taufaufschub als neue Entwicklung auf! Nicht aber, weil die Säuglingstaufe als ungültige Taufe abgelehnt wurde, sondern weil die Lehre aufkam, die Taufe reinige von allen Sünden, die bis dahin begangen worden seien, nicht mehr aber von den danach begangenen. Deshalb setzte nun der Trend ein, die Taufe immer weiter hinauszuschieben bis aufs Sterbelager.“ (S 28).

Das stimmt nicht, denn schon Tertullian schreibt:

„Die herablassende Gnade Gottes schickt ihre Vorzeichen und Vorbereitungen voraus; jede Bitte aber kann täuschen und getäuscht werden. Und so ist denn je nach dem Zustande einer Person, nach ihrer Disposition und auch nach ihrem Alter ein Hinausschieben der Taufe ersprießlicher, vornehmlich aber hinsichtlich der Kinder.“ (Über die Taufe, Kp 18).

Angesichts des Ernstes der Taufverpflichtung empfiehlt Tertullian eher ein Aufschieben der Taufe, bereits um 200! Seine Argumente machen durchaus Sinn, wenngleich auch er sagt, dass der Glaube nicht zögern sollte:

„Letzterem befahl wiederum der Hl. Geist, sich dem Wagen des Verschnittenen zuzugesellen, die Schriftstelle bot sich dem Glauben desselben zur rechten Zeit dar, auf sein Bitten wird auf den Wagen gestiegen, der Herr wird ihm gezeigt, der Glaube zögert nicht, auf das Wasser braucht man nicht zu warten, und der Apostel wird nach verrichtetem Geschäft entrückt. Jedoch, in der Tat, auch Paulus ist mit Eilfertigkeit getauft worden. Denn sein Wirt Simon hatte schnell erkannt, daß er zu einem Gefäße der Auserwählung bestimmt sei.“ (Über die Taufe Kp 18).

Alles in allem muss der Taufe das Wirken Gottes vorausgehen, welches dem Wort den Weg bereitet. Das ist die einmütige Lehre und Praxis von den Aposteln an bis etwa 200 n.Chr. Deutlicher können die Zeugnisse nicht sein.

Der Unterschied zwischen der Gültigkeit und dem Sinn der Säuglingstaufe

Tscharntke geht nun auf eine Frage ein, die nur die Säuglingstaufe aufwirft und ein hausgemachtes Dilemma ist, welches an sich diese bereits in Frage stellt:

„Wir müssen nun aber unterscheiden zwischen der Gültigkeit und dem Sinn der Säuglingstaufe. Wir haben gehört: sinnvoll und richtig ist eine Säuglingstaufe nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift dort, wo mindestens ein Elternteil im Glauben an Jesus Christus lebt. Wenn nun aber Mißbrauch mit der Taufe getrieben wird? Wenn völlig verantwortungslos Kinder von Eltern getauft werden, die keine Beziehung zu Jesus Christus haben, die vielleicht sogar die Botschaft des Evangeliums entschieden ablehnen? Wie sieht es mit der Gültigkeit der Taufe in solchen Fällen aus?“ (S 29).

Grundsätzlich: Nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift gibt es keine Säuglingstaufe, es sei denn man liest sie hinein. Das aber ist unzulässig. Grundsätzlich ist die Frage aber müßig, da kein Pfarrer die Frage stellt, ob die Eltern glauben. Es gibt keine Taufverweigerung, und wenn steht das in der Zeitung (Buh! Böser Pfarrer!), bekommt eine bischöfliche Rüge, und der nächstbeste Pfarrer tauft das Kind der Gottlosen. So ist es in der Wirklichkeit. Die Frage nach der gerechtfertigten Kindertaufe ist in etwa so sinnvoll wie die Frage nach dem gerechten Krieg. Beides gibt es nicht.

Die Frage nach der Gültigkeit ist wichtig! Denn hier geht es doch um Gewissheit, und ich kann mein ewiges Heil doch nicht auf eine Sache bauen, die ungewiss, zweifelhaft oder schlichtweg unbiblisch ist! Darum habe ich auch meine Säuglingstaufe verworfen und mich mit 18 Jahren bewusst als Jünger Jesu taufen lassen.

Tscharntke versucht es mit einem Beispiel:

„Ich will es an einem Beispiel zeigen: Ich kann diese Woche auf die Bank gehen, alle unsere Konten plündern, einen zusätzlichen Kredit aufnehmen und mir anschließend einen schicken Sportwagen, einen schönen Porsche oder eine Chevrolet Corvette kaufen und dieses Auto zu Hause in die Garage stellen. Ein solches Tun wäre in höchstem Maße unsinnig, ganz gewiß. Gültig wäre es doch. Meine Bankkonten wären alle geplündert. Einen Kredit hätte ich auch und stünde entsprechend in der Kreide. Der Sportwagen wäre tatsächlich in meiner Garage. Und ich hätte zuhause echt, vollgültig und leibhaftig, einen Mordskrach mit meiner Frau. Wir sehen: Obwohl diese Handlung völlig unsinnig wäre, wäre sie doch mit allen Konsequenzen voll gültig. Leider ist der volkskirchliche Gebrauch der Säuglingstaufe in weiten Teilen ebenso unsinnig und unverantwortlich, wie der eben beschriebene Sportwagenkauf. Aber voll gültig ist er doch.“ (S 29).

Der Vergleich hinkt, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass der Kauf eines Sportwagens unsere Entscheidung und unser Handeln ist, in der Taufe jedoch Gott an uns handelt. Gott aber kann nicht gegen Sein Wort zum Handeln gezwungen werden! Sprich: Gott handelt in der Säuglingstaufe nicht, weil Er nie verheißen hat, dieses zu tun.

Ein anderes Beispiel:

„Nehmen wir an, ich bekomme einen Scheck geschenkt. Da ist die unglaubliche Summe von einer Million Euro eingetragen. Jetzt kann ich sagen: Wieso sollte mir jemand ohne vernünftigen Grund eine Million Euro schenken? Das ist nur ein dummer Scherz. Das wird ein Scheck aus einem Monopolyspiel sein. Ich lege also diesen Scheck zu Hause in der Küchenschublade ab. Ich glaube nicht an die Gültigkeit dieses Schecks, obwohl er gültig ist. Auf dem Bankkonto, auf das er sich bezieht, ist die Million tatsächlich vorhanden. Wenn ich nicht glaube, daß dieser Scheck gültig ist, ist dieser Scheck deshalb nicht gültig? Wir alle wissen: Das tut der Gültigkeit dieses Schecks überhaupt keinen Abbruch. Aber ohne Glauben, der dem vertraut, was da geschrieben steht und entsprechend handelt, daß ich den Scheck aus der Küchenschublade nehme und damit zur Bank gehe und das Geld abhebe und es für mich gebrauche, habe ich trotz seiner Gültigkeit nichts davon.“ (S 29).

Gott hat aber nie gesagt, dass uns in der Taufe ein Scheck angeboten wird! Vielmehr nehmen wir in der Taufe die im Evangelium angebotene Gnade Gottes an! Gott schenkt uns diese durch das Blut Christi, welches am Kreuz vergossen wurde, indem Er es uns in der Predigt anbietet! Die sein Wort annahmen, diese ließen sich taufen. Tscharntke verfällt also in denselben lutherischen Glauben (den er nie abgelegt hat), dass der Glaube an die Taufe letztlich rette, ich müsse annehmen, was Gott ind er Taufe an mir gewirkt habe, wo Gott doch nichts in der Säuglingstaufe gewirkt hat! Darum ist das Ganze ein riesiger Selbstbetrug!

„Die Taufe ist gültig auch ohne Glauben. Aber man hat nichts davon. Wo kein Glaube ist, wird nichts empfangen. Luther sagt im Großen Katechismus: „Denn mein Glaube macht nicht die Taufe“ -der Scheck ist gültig, ob ich glaube oder nicht -„aber er empfängt die Taufe.“ Wenn ich glaube, zur Bank gehe und abhebe, dann empfange ich.“ (S 29).

„Wenn  ein  unsinnig  getaufter  Mensch  zum  Glauben  kommt,  braucht  er  keine  neue  Taufe.  Das Gnadenhandeln Gottes ist ihm voll gültig zugesagt. Es genügt, daß er in seinem Glauben mit beiden Händen zugreift und sagt: Ja, Herr, was du mir in der Taufe geschenkt hast, das will ich annehmen.“ (S 30).

Der Glaube an die Taufe. Das ist die letzte Konsequenz der Säuglingstaufe, die so zu einem anderen Glauben wird als der Glaube der Schrift, der Christus empfängt. Es ist so traurig, diese Verwechslungen so darlegen und beschreiben zu müssen, dieses Gewirr an Missverständnissen und Irreführungen.

„Die Reformatoren haben die Wiedertaufe teilweise so heftig bekämpft, weil sie diese so verstanden haben, daß damit die Handlung Gottes wegen unseres Unglaubens für unwirksam erklärt würde. Um es im vorigen Beispiel zu sagen: der Mensch gibt Gott den Scheck seiner Taufe zurück: „Lieber Gott, da kannst du den Scheck wieder haben. Deine Unterschrift darauf taugt nicht. Denn als ich getauft wurde, habe ich noch nicht an dich geglaubt. Solange ich nicht an dich glaube, hat deine Unterschrift auch keinen Wert. Gib mir bitte einen neuen Scheck.““ (S 30)

Das ist auch so: Der Scheck war weder jemals gedeckt, noch trug der die Unterschrift Gottes. Er trug die Signatur des Hippolytus, des Cyprian, des Origines, des Augustinus und ganz groß die des Dr. Martin Luthers, eines vehementen Verfolgers derer, die darauf hinwiesen, dass der Scheck nicht gedeckt war. Es ist kein Spaß, und es geht auch nicht darum zu streiten. Es geht um Wahrheit und es geht um Seelen und deren ewiges Heil.

Abschließende Worte

Ich habe Tscharntkes Arbeit im Lauf von etwa sechs Stunden kritisch beurteilt. Mir geht es nicht um seine Person, sondern um die Sache an sich. Was ihn selbst betrifft, so würden wir ihn bei uns aus folgenden Gründen nicht predigen lassen:

  • Wer selbst nicht getauft ist, hat seinen Bekehrungsprozess nicht in biblischer Weise abgeschlossen. Wir können ihn daher nicht als Bruder im vollen Sinn des Wortes annehmen.
  • Wir sprechen ihm das Heil nicht zu, weil nicht alle biblischen Kriterien erfüllt sind, doch es bleibt in Gottes Händen, wie Er ihn beurteilen wird.
  • Wir können ihm nichts anderes raten, als seine Position zu überdenken und sich taufen zu lassen.
  • Der Umgang mit dem Zeugnis der Schrift war so mangelhaft, dass wir hier keine Leitung des Geistes erkennen können, denn der Geist kennt die Begriffe, die er gebraucht hat und auch die Zusammenhänge, in denen Er was gesagt hat. Bei solch schweren Mängeln können wir die Gabe des Geistes nicht erkennen.
  • Er ist noch stark geprägt von der lutherischen Lehre, die wir in vielen Punkten als eine falsche Lehre verwerfen; allein die Idee, durch den Glauben an die Taufe gerettet zu werden, ist fatal.

Damit verwerfen wir ihn keineswegs als Person oder Mensch, wollen ihm auch nicht absprechen, dass er Gott sucht und ihm gefallen will. Wir halten ihm zugute, dass er vielleicht wie ein Apollos ist, der weitere Unterweisung nötig hat, und sei es von einem Zeltmacherpaar:

„Aber ein Jude mit Namen Apollos, aus Alexandria gebürtig, kam nach Ephesus, ein beredter Mann, der mächtig war in den Schriften. Dieser war unterwiesen im Weg des Herrn und feurig im Geist; er redete und lehrte genau über das, was den Herrn betrifft, kannte aber nur die [Säuglingstaufe]. Und er fing an, öffentlich in der Synagoge aufzutreten. Als nun Aquila und Priscilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer aus.“ (Apg 18,24-26).

Er wäre nicht der erste evangelische Pfarrer, der – überwunden vom Wort Gottes – die Säuglingstaufe verworfen hat, um nach Gottes Wort und Willen getauft zu werden. Diese Gnade wünschen wir ihm von Herzen.

Alexander Basnar

Täufergemeinde Wien

[1] https://www.efk-riedlingen.de/downloads/010%20Die%20biblische%20Taufe%20%20-%20S%C3%A4uglingstaufe%20oder%20Bekehrtentaufe.pdf?fbclid=IwAR0DcSP5sHOZXebI5NZBPGzJj-hBBHCgBi-OOsf5AJoNZBi3DoA81M5RhRA (17.5.2019)

[2] Aus den „Brief an zwei Pfarrherren“ http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:l:luther:v:luther_-_von_der_wiedertaufe_2

[3] http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:l:luther:v:luther_-_von_der_wiedertaufe_2

[4] https://www.imperium-romanum.info/wiki/index.php?title=Centurio

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