Was der Glaube sei

Der Glaube ist nicht ein öder Wahn, wie die Menschen wähnen, die ihn allein im Mund umziehen und weiter nicht mehr davon wissen, die auch vermeinen, das Christum stehe in Worten, darum auch jedermann für Christen halten und bekennen, er lebe gleich wie er immer wolle, so er nur Christum mit dem Mund bekennt. Ein rechter und wohl gegründeter Glaube aber ist nicht der Menschen, sondern Gottes Gabe, und wird denen allein, die Gott fürchten, gegeben, darum auch Paulus sagt, er sei nicht jedermanns Ding, Eph.2; Weis.3; 2.Thess.3; Hebr.11. Ein solcher Glaube aber richtet sich nach dem, das nicht scheint, und ergreift den unsichtbaren, einigen und allein mächtigen Gott, und macht uns ihm gemein und vertraut, ja er macht uns seiner Art und Natur, der nimmt hin alles Ungewisse und Zweifeln und macht unser Herz sicher, fest und steif an Gott halten, auch in aller Trübsal, 2.Petr.1; Jak.1; 1.Mos.39; Dan.3. Darum macht er uns gewiss und wohl versichert aller Zusage Gottes und seiner Verheißung, so gewiss als (in Gleichnis zu reden) wenn einer ein Geschirr bei der Hand fast und es hält, und so lang er es behält, sein gewiss ist, dass er es habe; also ergreift der Glaube die unsichtbare Verheißung und Zusage Gottes, hängt sich an dieselbe und hält an ihr, als sähe er sie, 1.Mos.12; Apg.7; Hebr.11. Darum ist der Glaube eine wirkende Gotteskraft, der den Menschen erneuert und macht ihn nach Gott arten, lebendig in seiner Gerechtigkeit und feurig in der Liebe und Haltung seiner Gebote. _Auf das wir aber niemand unruhig machen, wollen wir sagen, warum wir dem Glauben solche Kraft geben oder zuschreiben. Das tun wir, dass der Glaube Gottes Gabe ist, Eph.2, und den Menschen darum gegeben, dass sie Gott dadurch suchen und finden sollen; der auch, so er gefunden ist, alles in den Menschen durch den Glauben erregt und wirkt, also dass sich im Gläubigen, (soweit sich der Glaube erstreckt) nichts als allein das, so Gott im Menschen wirkt, geschieht, wie Paulus sagt, 1.Kor.15: ich tue es nicht, sondern die Gnade Gottes; und abermals: Ich lebe jetzt nicht, sondern Christus lebt in mir, Gal.2; 1.Joh.5. Solcher Art und Weise wird auch dem Glaubend die Kraft des Siegens zugegeben, wie geschrieben steht: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet, wiewohl es doch Gott in uns durch den Glauben tut und wirkt auch der Glaube alles und macht den Menschen Gott angenehm und geliebt.

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