Watchman Nees gnostisches Christentum

W_Nee

(Watchman Nee 1903-1972)

Watchman Nee gleicht in seiner Art der Dreiteilung der Menschen (geistlich, seelisch, fleischlich), seiner Verachtung des geschaffenen Zustandes des Menschen und der äußeren Dinge, sowie seinem intuitiven Verständnis von Erkenntnis den Gnostikern der Antike aufs Haar.

Indem das Buch „Der geistliche Christ“ von Watchman Nee immer wieder einmal empfohlen wird, weil manche es mit großem Gewinn gelesen haben, schreibe ich eine Warnung. Ich weiß freilich nicht, worin der Gewinn besteht, den manche daraus angenommen haben und was nach gründlicher Prüfung verworfen wurde. Ich kann jedoch den Autor als solchen nicht mehr gut heißen, da sämtliche Grundannahmen, auf denen seine Theologie aufbaut, falsch sind – somit wird auch der Rest, der biblisch klingt, zumindest falsch begründet. Die Ermahnung „Prüfet alles, das Gute behaltet“ (1.Thess 5:20-21) bezieht sich auf die Weissagung und Lehre innerhalb der Gemeinde – Irrlehrern soll man aber kein Gehör schenken und Abstand von ihnen nehmen (1.Tim 6:20-21). Die Gefahr, dass sich falsches Denken wie Sauerteig ausbreitet (Mat 16:6-12), ist größer als der Nutzen, den man eventuell gewinnen könnte – zudem ist alles, was gut und heilsam ist, in der Bibel enthalten (2.Tim 3:16), sodass uns auch nichts fehlt, wenn wir Nee aus unseren Bücherregalen entfernen.

Ich habe nur ein Kapitel daraus genommen, und stelle es Aussagen über die Gnosis gegenüber und kommentiere ausführlich, um deutlich zu machen, dass Nee nicht einfach ein guter bibeltreuer Lehrer mit ein paar Irrtümern ist, sondern ein falscher Lehrer, der da und dort auch ein paar Wahrheiten vermittelt.

Seine Dreiteilung in geistliche, fleischliche und seelische Christen folgt derselben „Logik“, welche der gnostischen Irrlehre zugrunde liegt, welche von allen frühen Christen, beginnend bei Paulus als „Falsche Erkenntnis“ zurückgewiesen wurde. Um das deutlicher zu machen, vergleiche ich Nees aussagen mit gnostischen Lehren die im zweiten Jahrhundert von Irenäus von Lyon beschrieben und als unchristlich abgelehnt wurden. Irenäus legt diese gnostische Dreiteilung der Menschen wie folgt dar:

Es gibt also dreierlei Menschen: geistige, materielle und seelische, wie Kain, Abel und Seth; aus diesen weisen sie die drei Naturen nicht mehr für den einzelnen, sondern für die ganzen Gattungen nach. Die materielle Gattung geht einfach zugrunde; die seelische wird, wenn sie den bessern Teil erwählt, an dem Ort der Mitte ausruhen, wenn sie aber das Schlechtere erwählt, wird ihr nach ihrem Wunsch geschehen; das Geistige aber, das die Achamoth von ehemals bis jetzt in die Seelen der Gerechten einpflanzte, das wird hienieden erzogen und ernährt, weil es ja unmündig entlassen wurde, später aber der Vollendung gewürdigt, indem es als Braut den Engeln des Heilandes übergeben wird, während ihre Seelen notwendigerweise in dem Ort der Mitte bei dem Demiurgen auf ewig ausruhen werden. (Irenäus, Adv. Haer. 1:7:5 – die Achamoth können wir hier übergehen)

Die Wortwahl ist nahe bei der Watchman Nees, ebenso die zugrunde liegende Logik, auch wenn Nee kein Gnostiker im klassischen Sinn ist, sondern ein Evangelikaler Calvinistischer Prägung – jedoch genau diese Strömung ist über Augustinus stark gnostisch geprägt.

Der geistliche und der fleischliche Gläubige

»Und ich, liebe Brüder, konnte auch mit euch nicht reden als mit geistlichen Menschen, sondern als mit fleischlichen, wie mit jungen Kindern in Christus. Milch habe ich euch zu trinken gegeben, und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie noch nicht vertragen. Auch jetzt könnt ihr’s noch nicht« (Kap. 3,1-2). Diese Worte sind ganz eng mit den vorhergehenden Versen verbunden und setzen die darin festgelegte Lehre fort. … (Nee)

Der Grund für die Zurechtweisung der Korinther sind die Spaltungen in der Gemeinde. Als Paulus die Gemeinde gründete, fingen alle bei Null an, als Unmündige in Christus. Mit der Zeit aber sollen Christen feste Speise vertragen, gemeint ist hier ein tieferes Verständnis des Heilsplanes Gottes, den Paulus in Kap 2:1-16 darlegte.

In der Folge wird deutlich, dass Nee fleischlich und unmündig in einer Weise versteht, die weit über die Probleme in Korinth hinausgeht, wobei er generalisiert und Schlussfolgerungen zieht, welche vom Apostel so nicht gemeint waren.

Wie gut kennt doch der Apostel Paulus seine Leser. Er weiß, ob sie geistlich oder fleischlich sind. Er trägt der jeweiligen Situation der Empfänger seiner Briefe Rechnung und spricht nicht zu ihnen auf einer Ebene, wo sie ihm nicht folgen könnten. Ihm geht es darum, »geistliche Sachen für geistliche Menschen« (V. 13) weiterzugeben. Die Unterweisung des Paulus richtet sich nicht nach dem, was er weiß, sondern nach dem, was seine Leser aufnehmen können. Er prahlt nicht mit seinem eigenen Wissen. Der Apostel hat geistliches Wissen, und er benutzt eine geistliche Sprache, darum weiß er auch, wie er die verschiedensten Gläubigen ansprechen muß. Nicht alle Worte, die von den tiefen Geheimnissen Gottes reden, sind auch geistliche Worte, sondern allein die, welche aus dem Heiligen Geist durch den Geist gesprochen werden. Das sind dann nicht unbedingt große Worte; es kann sich um ganz einfache, gewöhnliche Worte handeln. Aber es sind Worte, die aus dem Heiligen Geist kommen und vom Geist aufgenommen wurden. Diese Worte können dann erhebliche geistliche Ergebnisse zeitigen. (Nee)

Was sind die geistlichen Dinge, die sie noch nicht fassen konnten? Es geht um die Weisheit Gottes, in der Er den Heilsplan entwickelte um durchführte (Kap 2:6-9). Dies wird uns durch den Geist Gottes offenbart, der uns Gott in Seiner Tiefe offenbart (Kap 2:10-11). Weil wir den Geist Gottes haben, können wir diese Dinge kennen, die Er uns geschenkt hat (Kap 2:12). Wie? Wie kennen wir diese? Durch die Verkündigung der Apostel, welche vom Geist Gottes inspiriert ist (Kap 2:13). Die natürlichen (nicht wiedergeborenen) Menschen können dies noch nicht verstehen, im Gegenteil: Gottes Weisheit erscheint Ihm töricht (Kap 2:14). Wir werden von der Welt ebensowenig verstanden, aber wir verstehen Gott, weil wir Seinen Geist haben (Kap 2:15-16). Die Weisheit Gottes ist das Kreuz (Kap 2:1-2).

Prinzipiell haben die Korinther das bereits aufgenommen und wurden gerettet durch diese Botschaft vom Kreuz. Aber sie sind noch immer auf der „Milchstufe“ Unmündiger – die Gemeinde bestand aber auch erst wenige Jahre. Die Gemeinde war zudem zerstritten in verschiedene Lager – die Unmündigkeit und Fleischlichkeit der Korinther ist also konkret benennbar.

In jedem Fall geht es nicht um etwas „Geheimnisvolles“, sondern um die tiefere Auslegung des Wortes Gottes, welches uns durch den Geist erschlossen wird, so wie der Herr den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus die Schrift öffnete (Luk 24:25-27). Die Redeweise Nees, die andeutet, es gäbe eine spezielle geistige Offenbarung für geistige Christen, erinnert stark an die Denkweise der Gnostiker:

Da aber die Propheten von besserer Wesenheit sind, hat der Same vieles durch ihren Mund gesprochen; vieles aber von diesen höheren Dingen hat auch die Mutter gesprochen, jedoch durch ihn und die von ihm abstammenden Seelen. Demgemäß zerfallen die Prophezeiungen in solche, die vom Sperma, in solche, die von der Mutter, in solche, die von dem Demiurgen kommen. Ebenso hat Jesus seine Aussprüche teils vom Heiland, teils von der Mutter, teils von dem Demiurgen, wie wir im Verlauf unseres Werkes zeigen werden. (Irenäus, Adv. Haer. 1:7:3)

Die spezielle geistliche Offenbarung für geistliche Christen solle besondere geistliche Wirkungen hervorbringen, weil diese aus dem Heiligen Geist kommen. Ist aber die Verkündigung des Kreuzes, die Milchspeise etwa nicht aus dem heiligen Geist gekommen? War das „seelische Speise“ für „seelische Christen“? War das Ergebnis der Wiedergeburt, als sie die Botschaft annahmen und geheiligt wurden, etwa kein „erhebliches geistliches Ergebnis“? Nee sagt ausdrücklich, dass nicht alle Worte, die von den tiefen Geheimnissen Gottes reden, auch geistliche Worte seien. Mit welchem Recht tut er das? Unsinn! Wenn wir glauben, dass die Bibel inspiriertes Wort Gottes ist, dann ist auch die einfache Lehre für Unmündige geistlich! So aber trennt Nee wie die Gnostiker die prophetischen Reden in fleischlich, seelisch und geistlich.

Was der Apostel in diesen beiden Versen und Vers 15 des vorhergehenden Kapitels beschreibt, berührt ein interessantes Paradoxon. Wenn der Geist des Menschen die Dinge kennt, die zum Menschen gehören, und der geistliche Mensch alles ergründet, warum gibt es dann so viele geisterneuerte Christen, die trotzdem nicht erkennen, daß sie einen Geist haben und nicht in der Lage sind, die tiefen Geheimnisse Gottes durch ihren Geist zu erfassen? Die Antwort lautet: »Der geistliche Mensch aber ergründet alles« (V. 15). Obwohl alle Christen einen wiedergeborenen Geist haben, sind doch nicht alle Christen geistlich. Viele sind immer noch fleischlich. Des Menschen Erkenntnis ist zwar erweckt worden, aber er muß dieser Erkenntnis auch ihren rechtmäßigen Platz einräumen und die Möglichkeit geben, in rechter Weise zu arbeiten. Geistliche Christen leben nicht aus ihrer Seele, sondern haben alle seelischen Fähigkeiten unters Kreuz gebracht und sie damit untergeordnet, damit ihre Erkenntnis ungehindert die Offenbarung Gottes empfangen kann. (Nee)

Jeder Christ ist durch den Geist Gottes in die Lage versetzt, Gott zu kennen. Dies geschieht aber durch Glauben und Gehorsam, wie der Herr sagt: (Joh 14:21) „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbar machen.“ Und weiter: (Joh 15:14-15) „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was irgend ich euch gebiete. Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; aber ich habe euch Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe.“

Nee jedoch will durch Erkenntnis (Gnosis) die Offenbarung Gottes empfangen, ohne hier spezifisch zu sagen, worin diese bestehe. Der Herr Jesus sagt, dass wir durch einen gehorsamen Glauben als Reben am Weinstock die Erkenntnis Gottes, die Offenbarung Seiner selbst, empfangen. Laut Nee steht die Seele der Erkenntnis Gottes im Weg, wenn diese nicht unters Kreuz gebracht würde. Auch das klingt der Gnosis sehr ähnlich:

Seelisch aber werden erzogen die seelischen Menschen, die auf ihre Werke und den schlichten Glauben bauen und keine vollkommene Erkenntnis besitzen. Das sind wir von der Kirche, denen allerdings zur Seligkeit gute Werke notwendig sind. (Ireneäus, Avd. Haer. 1:6:2)

Nee spielt in seinem Buch „Das Normale Christenleben“, den Gehorsam zugunsten der Erkenntnis in ähnlicher Weise herunter:

Am Anfang unseres Christenlebens achten wir mehr auf unser Handeln als auf unser Sein. Was wir getan haben, betrübt uns weit mehr als das, was wir sind. Wir glauben, wenn wir nur einige Dinge korrigieren könnten, wären wir sicherlich gute Christen, und so beginnen wir, unser Verhalten zu ändern. (S 30)

Das Schlüsselwort bei Nee ist „Erkenntnis“. Die Erkenntnis arbeite in uns, wenn wir ihr den rechten Platz einräumen. Auch das ist gnostisch in der Herangehensweise:

Die Vollendung aber wird eintreten, wenn das Geistige, d. h. die geistigen Menschen, die eine vollkommene Erkenntnis Gottes und der Achamoth besitzen — das sind die in den Mysterien Unterrichteten — durch diese Erkenntnis umgestaltet und vollendet sein werden. (Adv. Haer. 6:1:1 – die Achamoth braucht uns hier nicht zu interessieren)

 Wenn dies geschehen ist, werden Verstand, Gefühl und Wille freiwillig mit dieser Offenbarung konform gehen. Bei fleischlichen Christen ist das nicht der Fall. Ihr fleischlicher Verstand ist immer noch voll eigener Gedanken und Pläne, ihr Gefühl hat fleischliche Interessen, Wünsche und Tendenzen, und ihr Wille beschließt noch mancherlei weltliche Dinge. Sie sind so sehr damit beschäftigt, ihrem Fleisch zu folgen, daß sie weder Zeit noch den inneren Antrieb haben, der Stimme der Erkenntnis Gehör zu schenken. Weil die Stimme des Geistes gewöhnlich sehr leise ist, kann sie nur dann gehört werden, wenn wir sorgfältig hinhören und alles andere still ist. (Nee)

Hier spricht Nee gewiss ein Problem an, das vorwiegend dort entsteht, wo man die Lehre der Absonderung von der Welt und der Heiligung außer Acht gelassen hat und Menschen vorschnell ohne ausreichende Unterweisung getauft wurden. Die Lösung dessen liegt aber nicht darin, „der Stimme der Erkenntnis Gehör zu schenken“, sondern besser im Wort unterwiesen zu werden. Es geht nicht um ein „inneres Hören“, sondern um Erziehung in der Gerechtigkeit, durch das Wort Gottes, welches uns vollkommen und geschickt zu jedem guten Werk macht (2.Tim 3:16).

Das erinnert in fataler Weise an das „meditative Hören“, welches in den „kontemplativen“ Disziplinen des Buddhismus (Nee ist Chinese) und der ganzen New Age Philosophie beheimatet ist. Stille, Leere, Ausschalten des Verstandes sind jedoch keine biblischen Methoden der Heiligung, sondern okkulte bzw. mystische Praktiken.

Die Bibel vergleicht einen gerade wiedergeborenen Gläubigen mit einem Säugling. Das neue Leben in seinem Geist ist so schwach wie das Leben eines natürlichen Säuglings. Natürlich ist es ganz normal, zunächst in diesem Stadium zu sein. Aber wir dürfen nicht zu lange darin bleiben. Jeder Erwachsene war ein Säugling. Wenn sich aber nicht bald Wachstum einstellt, dann ist etwas nicht in Ordnung. Der Geist des Menschen kann wachsen, und die Erkenntnis des Geistes kann stärker werden. Ein neuwiedergeborener Mensch ist wie ein neugeborenes Kind, das noch kein Selbstbewußtsein hat, und dessen Glieder noch nicht recht funktionieren. Sein Leben kann mit einem Funken verglichen werden. Die Kraft seiner Erkenntnis ist sehr schwach. Aber ein Kind muß täglich wachsen. Seine Erkenntnis muß durch Übung gestärkt werden, bis es alle seine Sinne in rechter Weise gebrauchen kann. So ist es auch mit dem Gläubigen. Nach der Wiedergeburt muß er langsam seine Erkenntnis üben. Jede Übung bedeutet zusätzliche Erfahrung, mehr Erkenntnis und geistliche Kraft. Wie die äußeren Sinne des Menschen nicht von Geburt an ihre volle Fähigkeiten haben, so wird auch ein Christ nicht mit einer ausgereiften und hochempfindsamen Erkenntnis geboren. (Nee)

Ein „neuwiedergeborener Christ“ weiß sehr wohl woher er kommt und wohin er gelangt ist! Denn das war ja gerade der Inhalt der Umkehr, des Sinneswandels, der Hinwendung zum Herrn Jesus Christus! Oft haben Neubekehrte („Erste Liebe“!) sogar mehr Eifer und Erkenntnis als solche, die im Lauf des Lebens lau geworden sind! Was Nee hier sagt, ist völlig falsch. Er tut so, als sei unser Denken und unsere bisherige Lebenserfahrung mit der Wiedergeburt ausradiert und wir würden tatsächlich als unbeschriebenes Blatt neu beginnen. Im Gegenteil: Neubekehrte sind sehr selbstbewusst und haben oft einen großen und vom Geist Gottes angefeuerten Eifer, dem es lediglich an Balance und Unterweisung fehlt. Vorausgesetzt, die Unterweisung vor der Taufe war gründlich.

Das neue Leben ist nicht schwach, denn dieses Leben ist Christus, und der ist stark. Der in uns ist, schreibt Johannes, ist stärker als der, der in der Welt ist. Was uns zu Babies macht ist die mangelnde Übung in diesem neuen Leben, die Praxis der Nachfolge, die Schärfung der Sinne, Gutes und Böses zu unterscheiden, die Kenntnis der Heiligen Schrift … (Heb 5:12-14 u.v.a.). Wir müssen in der Erkenntnis Gottes wachsen, aber diese Erkenntnis ist keine Kraft, die in uns schlummert, sondern bezieht sich auf die Erworbene Vertiefung der Kenntnis Gottes durch Nachfolge.

Wir üben also nicht unsere Erkenntnis, sondern wir üben uns im Gehorsam, um Christus zu erkennen. Gerade junge Christen sind oft sehr erleuchtet in ihrer Erkenntnis, die dann durch die Sorgen des Alltags wieder zugedeckt wird. Liest man im 1.Johannesbrief, so sieht man, dass die Grunderkenntnis Gottes zwischen Kindern und Vätern sogar sehr ähnlich ist:

1.Joh 2:12-14 Ich schreibe euch, Kinder, weil euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen. Ich schreibe euch, Väter, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang ist. Ich schreibe euch, Jünglinge, weil ihr den Bösen überwunden habt. Ich schreibe euch, Kindlein, weil ihr den Vater erkannt habt. Ich habe euch, Väter, geschrieben, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang ist. Ich habe euch, Jünglinge, geschrieben, weil ihr stark seid und das Wort Gottes in euch bleibt und ihr den Bösen überwunden habt.

Diese Schriftstelle ist insofern von Bedeutung hier, weil sie der „Erkenntnis“ einen Namen gibt: Den Vater erkennen, und das hat mit Beziehung zu tun, nicht mit einer gnostischen Form der Erkenntnis.

Dies deutet allerdings nicht daraufhin, daß der seelische Christ, der lange im Stadium des Säuglings verharrt, nicht gegen die Sünde in seinem Leben angeht, keine zunehmende Schriftkenntnis hat, sich nicht bemüht, dem Herrn zu dienen und keine Gaben des Heiligen Geistes empfängt. Bei den Gläubigen in Korinth war all dies vorhanden. Paulus stellte ihnen das Zeugnis aus: »Daß ihr seid durch ihn (Christus) an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntnis …so daß ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe (1.Kor. 1,5.7). Sind dies nicht, menschlich gesprochen, Zeichen des Wachstums? Wir würden die Christen in Korinth vielleicht als geistliche Gläubige betrachten, aber der Apostel sah in ihnen Säuglinge, Menschen des Fleisches. Wie ist es zu verstehen, daß der Reichtum an Lehre und Erkenntnis und Gaben nicht als Wachstum gewertet werden kann? Hier wird eine wichtige Tatsache unterstrichen, nämlich, daß es möglich ist, wie die Korinther in den äußeren Dingen zu wachsen und doch geistlich zurückzubleiben. Ihre unmittelbare Erkenntnis wurde nicht stärker. Fortschritte auf dem Gebiet der Predigt, des Wissens und der geistlichen Gaben werden nicht als Wachstum im geistlichen Leben betrachtet. Wenn der Geist des Gläubigen – das Organ, mit dem er Gemeinschaft mit Gott haben kann – nicht stärker und empfindsamer wird, dann hat in den Augen Gottes kein Wachstum stattgefunden. (Nee)

Woher hat Nee die Formulierung „seelischer Christ“? Jud 1:19 spricht von seelischen Menschen als solchen, die den Geist Gottes nicht haben. Seelisch und teuflisch ist die Weisheit von unten (Jak 3:15). Unsere natürliche Existenz in unserem irdischen Leib ist seelisch (1.Kor 15:44) und natürliche (seelische) Menschen sind jene, die nicht wiedergeboren sind deshalb weder Gott noch uns verstehen (1.Kor 2:13). Der Begriff „seelisch“ wird im ganzen Neuen Testament nirgends gebraucht, um einen „inferioren“ Zustand im Christenleben zu bezeichnen.

Nee spielt hier ganz klar Wachstum und Fortschritt in äußeren Dingen herunter, weil die Korinther kindisch und spalterisch waren. Er führt das auf mangelnde Erkenntnis zurück und zieht sinngemäß den falschen Schluss, dass Fortschritte in „Lehre und Erkenntnis und Gaben“ keine Erkenntnis hervorbringen. Interessant, dann er hier scheinbar unterscheidet zwischen „Bibelwissen“ und „Erkenntnis“, welches auf die Predigt zurückzuführen ist, und jener anderen „inneren Erkenntnis“, welche den geistlichen Menschen ausmacht.

Wahr ist sicher, dass Fortschritte in den (von Gnostikern so verachteten) „äußeren Dingen“ nicht gleichbedeutend mit geistlichem Wachstum sind – aber die Behauptung, diese würden die Erkenntnis Gottes nicht fördern, ist falsch.

Wie viele Christen entwickeln sich heute in der falschen Richtung! Viele glauben, nach der Erlösung eine große Bibelkenntnis, Gewandtheit in der Verkündigung und geistliche Gaben anstreben zu müssen. Sie vergessen, daß ihr Geist Fortschritte machen muß. Verkündigung, Wissen und Gaben sind äußere Dinge; Intuition, die unmittelbare Erkenntnis, ist eine innere Angelegenheit. Es ist ein trauriger Anblick, wenn man Christen begegnet, deren Geist im Stadium des Säuglings verblieben ist, die aber ihr Seelenleben in Bezug auf Predigt, Wissen und Gaben ausweiten. Diese Dinge sind zwar wertvoll, können aber nicht mit der Bedeutung des Geistes verglichen werden. Was Gott neu in uns geschaffen hat, ist dieser Geist (oder das geistliche Leben), und was sich zum reifen Mannesalter entwickeln sollte, ist ebenfalls dieser Geist. Sollten wir in den ernsten Fehler verfallen, unser Seelenleben zu bereichern, anstatt das geistliche Leben mit seiner Erkenntnis zu fördern, werden wir in Gottes Augen keinen Fortschritt machen. Für Gott ist unser Geist wichtiger als alles andere. Darum ist ihm an unserem geistlichen Wachstum gelegen. Wenn auch unser Verstand, unser Gefühl und unser Wille durch geistliche Rede, Wissen und geistliche Gaben bereichert werden, bedeutet dies doch nichts in den Augen Gottes, wenn sich unser Geist nicht entwickelt. (Nee)

Wie bitte macht der Geist Fortschritte? Der Geist soll, samt Seele und Leib geheiligt werden (1.Thess 5:23). Jetzt aber kommt eine ganz wesentliche Wendung in Nees Ausführungen

Wissen und Gaben sind äußerlich; anzustreben sei Intuition und unmittelbare Erkenntnis, welche innerlich sei. Hier zeigt sich, dass zuletzt diese Erkenntnis Gottes innere Eindrücke und Stimmen meint, welche eben leise sind (s.w.o.), und vom Wort Gottes, der bloßen „äußeren“ Bibelkenntnis zu unterscheiden sei. Das ist Schwärmerei.

Kol 1:9-10 Deshalb hören auch wir nicht auf, von dem Tage an, da wir es gehört haben, für euch zu beten und zu bitten, auf daß ihr erfüllt sein möget mit der Erkenntnis seines Willens in aller Weisheit und geistlichem Verständnis, um würdig des Herrn zu wandeln zu allem Wohlgefallen, in jedem guten Werke fruchtbringend, und wachsend durch die Erkenntnis Gottes.

Gott will, dass wir wachsen und Frucht bringen – in jedem guten Werk. Dazu müssen wir (aus Seinem Wort! – Kol 3:16 – das reichlich unter uns wohnen und gelehrt werden soll) Seinen Willen erkennen und tun. Nur so wandeln wir des Herrn würdig, und das betrifft in der Regel viele Dinge, welche Nee als „äußerlich“ herunterspielen würde. Wir sollen in allen Stücken wachsen (Eph 4:15), nicht nur „geistlich“. Ich habe im Neuen Testament den Begriff „Geistliches Wachstum“ nicht gefunden (Suchbegriff war „wachsen“), auf jeden Fall nicht als isoliertes und alles überragendes Ziel. Wir wachsen in der Gnade und der Erkenntnis Gottes (1.Petr 3:18), wir wachsen, um das Ziel des Glaubens, die Rettung der Seelen zu erlangen (1.Petr 1:9), wir wachsen durch die gesunde Lehre zu Christus hin (Eph 4:13-14)

Wir rechnen damit, täglich mehr Kraft und mehr Wissen und mehr geistliche Gaben zu empfangen, aber die Bibel macht klar, daß dies nicht mit geistlichem Wachstum zu verwechseln ist. Paulus erinnerte die Gläubigen in Korinth an diese Tatsache: »Ihr konntet sie noch nicht vertragen. Auch jetzt könnt ihr’s noch nicht.« Was konnten sie noch nicht? Sie waren nicht in der Lage, Gott mit ihrer unmittelbaren Erkenntnis zu dienen, Gott in ihrem Geist besser zu erkennen und seine Offenbarung intuitiv zu empfangen. Natürlich konnten sie dies nicht, als sie gläubig wurden. Aber selbst Jahre später hatte sich dieser Zustand noch nicht geändert, obwohl sie in anderen Dingen dazugelernt hatten. Durch die beiden Worte »auch jetzt« unterstreicht der Apostel, daß die Gläubigen zu Korinth trotz äußerer Erweise von Wachstum in ihrem geistlichen Leben keinen Fortschritt gemacht hatten. Wirkliches Wachstum wird an der Erkenntnis des Geistes gemessen. Alles andere gehört dem Fleisch an. Dies sollte sich unauslöschlich in unsere Herzen einprägen! (Nee)

Nee verwechselt die Werkzeuge mit dem Ergebnis. Wissen, genährt durch die Heilige Schrift, ist ein wesentliches Mittel, um geistlich zu wachsen, ebenso die Gaben des Geistes, der Gehorsam, gute Werke und – nicht zu unterschätzen – Bedrängnisse und Prüfungen. Geistliches Wachstum wird dadurch gefördert, das Wachstum selbst kommt jedoch aus dem Samen, der in unser Herz gesät wurde. Den Garten oder den Ackerboden nicht mit diesen „äußeren Dingen“ zu bearbeiten, würde die Saat jedoch von Unkraut überwuchert sterben lassen.

Nee will jedoch offensichtlich weg vom Wort, hin zu „intuitiven Offenbarungen“ – Dabei spricht Paulus in 1.Kor 3:1 nicht von intuitiven Offenbarungen, sondern vom tieferen Verständnis der Heilslehre gemäß der Schrift! Es gibt keine besonderen Offenbarungen für die besonders Geistlichen! Dieses Zwei-Klassen Denken ist völlig unbiblisch und gnostisch:

2.Joh 1:6-10 Und dies ist die Liebe, daß wir nach seinen Geboten wandeln. Dies ist das Gebot, wie ihr von Anfang gehört habt, daß ihr darin wandeln sollt. Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht Jesum Christum im Fleische kommend bekennen; dies ist der Verführer und der Antichrist. Sehet auf euch selbst, auf daß wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen. Jeder, der weitergeht und nicht bleibt in der Lehre des Christus, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmet ihn nicht ins Haus auf und grüßet ihn nicht.

Nur der Gehorsam gegenüber den Geboten des Herrn führt zu Wachstum in der Erkenntnis Gottes. Sonderoffenbarungen, Intuitionen, die darüber hinausgehen oder sich vom einfachen Wort abwenden, sind ein Grund, solche Irrlehrer weder zu grüßen, noch ins Haus aufzunehmen. Die Rede ist von den Gnostikern.

Wie traurig ist es, daß Gläubige heute in fast allen Bereichen Fortschritte machen, nur nicht in ihrem geistlichen Leben? Selbst nach Jahren der Nachfolge kann man sie noch klagen hören: »Ich fühle gar nicht, daß ich einen Geist habe.« Der Unterschied zwischen unserem Geist und Gottes Geist ist ungeheuer groß. Wie die Korinther, so sind auch wir bemüht, viel sogenanntes geistliches Wissen anzusammeln, indem wir unseren Verstand anstrengen. Aber wachsendes Verständnis kann Wachstum im Geist und in der Erkenntnis des Geistes nicht ersetzen. In den Augen Gottes bleiben wir unverändert. Wir müssen uns deshalb immer vor Augen halten, daß das Wachstum, an dem Gott zuallererst liegt, nicht unseren äußeren Menschen, sondern den inwendigen Menschen und seine unmittelbare Erkenntnis betrifft. Er erwartet, daß sich das neue Leben, das wir bei der Wiedergeburt empfangen haben, ausweitet. Dagegen soll alles, was der alten Schöpfung angehört, verleugnet werden. (Nee)

Wir sollen Gott mit all unserem Verstand lieben (Luk 10:27). Wir sollen keine Kinder am Verstand sein, sondern erwachsen werden (1.Kor 14:20) und Ihn mit dem Verstand preisen (1.Kor 14:15). Nee hat nur insofern recht, als dass Wissen nicht mit Wachstum gleichzusetzen ist – aber Wissen ist nötig, um zu wachsen, es ist ein unverzichtbares Werkzeug. Wir irren, wenn wir die Schrift nicht kennen – und wir werden leicht verführbar.

Deutlich kommt hier Nees gnostische Einstellung zum Ausdruck, wenn er sagt: „Alles, was der alten Schöpfung angehört, verleugnet werden.“

Denn das Materielle ist für das Heil unempfänglich. Die Vollendung aber wird eintreten, wenn das Geistige, d. h. die geistigen Menschen, die eine vollkommene Erkenntnis Gottes und der Achamoth besitzen — das sind die in den Mysterien Unterrichteten — durch diese Erkenntnis umgestaltet und vollendet sein werden. … Wie nämlich das Materielle unmöglich selig werden kann, weil es der Seligkeit nicht fähig ist, so kann das Geistige — was sie selber sind — nicht verdammt werden, wie auch immer seine Taten waren. (Irenäus, Adv. Haer. 1:6:1-2)

Wenn der Herr uns das höchste Gebot so lehrt, dass wir Gott mit unserem ganzen Herzen, unserer ganzen Seele, unserer ganzen Kraft und unserem ganzen Verstand lieben sollen, so ist das das Gegenteil der Verleugnung all dessen, was der alten Schöpfung angehört! Es spricht von Heiligung und Hingabe unserer ganzen geschaffenen und durch das Blut Christi gereinigten Existenz.

Weil viele Gläubige zu sehr vom Fleisch beeinflußt werden, kann man sie nicht als geistlich bezeichnen. Nur Christen, deren Erkenntnis lebendig ist und die ununterbrochene Gemeinschaft mit Gott pflegen, erkennen die tiefen Wahrheiten Gottes. Wenn die Kraft der Intuition schwach ist, können sie nur »Milch« zu sich nehmen. Milch ist vorverdaute Nahrung. Durch diesen Vergleich wird deutlich, daß der seelische Christ die geistliche Nahrung nicht selbst verdauen kann, sondern sich auf reifere Christen in dieser Beziehung stützen muß. Gereifte Christen haben in ihrer Erkenntnis Gemeinschaft mit Gott und können dann denen etwas weitergeben, die als Säuglinge in Christus noch Milch benötigen. Im Falle eines Christen, der noch jung im Glauben ist, kann daran nichts ausgesetzt werden. Aber der Herr hat keinen Gefallen daran, wenn seine Leute kraftlos bleiben und nicht in der Lage sind, direkt mit ihm Gemeinschaft zu haben. Die Christen in Korinth zeichneten sich aus durch geistliche Rede, durch Wissen und geistliche Gaben; aber wie sah ihr geistliches Leben aus? Es war fast völlig gelähmt. Die Gemeinde in Korinth war eine fleischliche Gemeinde, denn alles, was sie hatte, lag in ihrem Verstand. (Nee)

Wenn Gläubige vom Fleisch beeinflusst werden, müssen sie Buße tun und die entsprechenden Lebensbereiche nach dem Wort Gottes ändern. Es hat nichts mit intuitiver Erkenntnis zu tun, sondern mit Gehorsam gegenüber Gottes Wort. Die ununterbrochene Gemeinschaft mit Gott, ist seitens Christi gegeben, von unserer Seite hat es mit regelmäßigem Gebet, dem Lesen Seines Wortes und dem Laben nach Seinem Willen zu tun.

Die direkte Gemeinschaft mit dem Vater ist jedem neugeborenen Christen in derselben Weise zugänglich wie den reiferen (vgl. 1.Joh 2:12-14). Gerade Jungebekehrte haben oft den Eifer, viel sofort in ihrem Leben zu ändern, während oft „reifere“ Christen sich mit ihren nicht beendeten Untugenden im Lauf der Jahre wieder arrangiert haben. Die Kraft ist bei Jungen und Alten dieselbe, die Erkenntnis nimmt analog zur Nachfolge zu.

Nees Beurteilung der Korinther Gemeinde ist mangelhaft, denn gerade den Verstand stellt Paulus bei ihnen in Frage, weil sie so ungeistlich mit den geistlichen Gaben umgehen. Seine Lösung dieser Unreife ist nicht „intuitive Erkenntnis“, sondern am Verstand erwachsen werden (1.Kor 14:20). Nees Diagnose und Nees Therapie sind falsch.

Heute fallen viele Kinder Gottes in den gleichen Fehler wie die Gläubigen zu Korinth. Die Worte des Herrn sind Geist und Leben, aber viele Christen nehmen sie nicht als solches auf. Sie untersuchen theologische Probleme und forschen nach verborgenen Aussagen der Schrift, um dann mit ihrer Interpretation zu glänzen. Sie befriedigen allein ihren Wissensdurst. Was sie dann entdeckt haben, geben sie schriftlich und durch die Verkündigung weiter. Wenn auch ihre Gedanken, Argumente und der Aufbau ihrer Predigten oft großartig sind, auch den Anschein des Geistlichen haben, betrachtet Gott diese Errungenschaften doch als totes Gewicht, denn sie kommen nicht aus dem Geist. Dieses Wissen kommt aus dem Verstand des Menschen und geht zum Verstand anderer Menschen. Einige Leser oder Hörer sagen vielleicht sogar, daß ihnen geholfen wurde. Aber die Frage ist, in welcher Hinsicht ihnen geholfen wurde? Zusätzliche Wissensvermittlung ist keine geistliche Hilfe. Nur was aus dem Geist kommt, kann auch den Geist anderer Menschen erreichen. Was aus dem Heiligen Geist kommt, kann in unseren Geist eindringen; was der Heilige Geist durch unseren Geist vermittelt, kann wiederum den Geist anderer Menschen erreichen. (Nee)

Diese Kritik mag zutreffen; sie trifft besonders auf die Art der Schriftauslegung in den geschlossenen Brüdergemeinden zu, denen Nee theologisch zugehört. Als Verallgemeinerung seiner Denomination kann man es bedingt gelten lassen – aber kann man sagen, dass die Predigt des Predigers den Geist im Wort Gottes auslöscht? Er kann es verdunkeln, aber der Glaube kommt immer noch aus dem Wort, und da spielt der Prediger eine untergeordnete Rolle.

Nee stellt sogar in Abrede, dass die Hilfe, welche die Zuhörer in diesen oft schwachen Predigten erhielten, nicht aus dem Geist Gottes kommt, stellt damit das Wirken des Geistes in Abrede und entehrt Ihn dadurch.

Das Wissensvermittlung keine geistliche Hilfe sei, ist falsch, denn Paulus betreibt Wissenvermittlung, wenn er schreibt „Ich will aber, dass ihr wisst“, und dann erklärt (1.Kor 11:3).

Zusammengefasst

Watchman Nee gleicht in seiner Art der Dreiteilung der Menschen (geistlich, seelisch, fleischlich), seiner Verachtung des geschaffenen Zustandes des Menschen und der äußeren Dinge, sowie seinem intuitiven Verständnis von Erkenntnis den Gnostikern der Antike aufs Haar. Er ist in jedem Fall in seiner Theologie dermaßen fehlgeleitet, dass daraus kein Nutzen erwächst, sondern eine gnostische Vermischung des Glaubens zum Schaden aller, die bei ihm Anleihen nehmen. Solche Lehrer gehören weder gegrüßt, noch ins Haus aufgenommen, man muss vor ihnen warnen, wie Paulus dies tat:

1.Tim 6:20-21 O Timotheus, bewahre das anvertraute Gut, indem du dich von den ungöttlichen, eitlen Reden und Widersprüchen der fälschlich sogenannten Kenntnis wegwendest, zu welcher sich bekennend etliche von dem Glauben abgeirrt sind. Die Gnade sei mit dir!

In der Frage, wie man Mündigkeit in einer Gemeinde beurteilt, beziehungsweise erlangt, ist Nee nicht nur ein schlechter Ratgeber, sondern führt völlig in die Irre, da sowohl seine Begriffsdefinitionen, als auch sein Diagnose und Therapie dem Wort Gottes oft direkt widersprechen.

Nee schrieb dieses Buch mit etwa 25 Jahren und wollte eigentlich keine Neuauflage des Buches – aber nicht etwa, weil es in seinen Augen fehlerhaft war, sondern weil es „zu vollkommen“ war: „Nicht, daß der Inhalt falsch ist! Wenn ich es jetzt lese, heiße ich alles gut. Es ist eine sehr vollständige Darlegung der Wahrheit. Aber gerade darin liegt die Schwäche des Buches! Es läßt keine Fragen offen. Gott handelt nicht auf diese Weise, und viel weniger erlaubt er uns, so zu handeln. Die Gefahr einer Systematisierung göttlicher Aussagen besteht darin, daß sie auch ohne den Heiligen Geist verstanden werden können.

Setzt man sein junges Alter (25) mit den großen Aussagen „Viele Gläubige …“ oder „Viele Kinder Gottes …“ sind fleischlich oder seelisch zurückgeblieben, in Verbindung, so fragt man sich schon, welche „Datenbasis“ ihm zur Verfügung stand, um solche Aussagen machen zu können. Wieviele Gemeinden kannte er? Wieviele Gespräche führte er zu diesen Themen? Er täuscht Wissen und Expertise vor, die ich ihm in diesem Alter absprechen muss, stand er doch einerseits selbst erst am Anfang seines Glaubenslebens, und die Prägung von den Erlebnissen unter den hyper-darbystischen Raven-Brüdern, gepaart mit den Anfängen der Pfingstbewegung kann man kaum einen ausgewogenen Überblick über die christliche Welt nennen. Ich halte seine Aussagen für vermessen und stolz, nach dem Schriftwort „Erkenntnis bläht auf“ (1.Kor 8:1).

Wir sind aufgefordert, uns von der falschen Gnosis abzuwenden.

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